Kino per PC

DVD-Videogenuss am Computer

Wissen | Know-how

Um aktuelle PCs in Videoabspieler zu verwandeln, genügt schon ein DVD-Laufwerk in Verbindung mit einem entsprechenden Programm. Das echte Happy End flimmert aber erst dann über die Mattscheibe, wenn Hard- und Software richtig zusammenarbeiten. Zu allem Überfluss bemühen sich die Hersteller von Heimvideo-Gerätschaften nach Kräften, mit neuen ‘Standards’ Konfusion zu stiften.

Im Vergleich mit DVD sehen VHS-Videobänder und analoges Fernsehen reichlich alt aus: Voll ausgereizt, kennt das digitale Medium kein Farbgrisseln, keine verwaschenen, flauen, unscharfen Bilder. Und von einer DVD klingt es bedeutend besser - ohne Nebengeräusche, wie sie der HiFi-Videorecorder vor allem bei Leih- und Kaufkassetten produziert. Den seit Anfang der 80er Jahre üblichen Kinosound bringt DVD mit fünf praktisch unabhängigen Tonspuren ins Wohnzimmer.

Solche Qualität hat ihren Preis: Wo VHS-Kaufvideos als Sonderangebot für 10 Mark über den Ladentisch gehen, findet man noch kaum eine DVD unter 40 Mark. In den USA gibts bereits Suchmaschinen für den billigsten Anbieter [1|#lit1]. Hier zu Lande kommt der DVD-Verleih allmählich in Gang; die DVD-Welt-Website [2|#lit2] hält eine Liste entsprechender Videotheken bereit. Wer ohne solchen Laden in der direkten Umgebung auskommen muss, kann inzwischen per Internet DVD-Leihvideos bestellen [3|#lit3].

DVDs bieten mehr Gegenwert als ‘nur’ die hohe Qualität von Bild und Ton. Jede Stelle ist in direktem Zugriff erreichbar - ohne Spulen. Zwanzig Filme beanspruchen keinen Regalmeter mehr; und auch die hundertste Privatvorstellung von ‘Independence Day’ präsentiert Audio und Video so perfekt wie die erste. Weil auf der DVD meist noch ein bisschen Platz ist, packen einige Hersteller Hintergrundinfos auf die Scheibe; manchmal findet man sogar Szenen, die aus der Kinofassung herausgeschnitten wurden.

Wie schon bei der - wenn auch weniger erfolgreichen - CD-I lässt sich der Ablauf des Videos interaktiv steuern. Eines der wenigen Beispiele dafür dürfte das Abenteuer-Spiel ‘Dragon’s Lair’ sein. Der Benutzer muss die richtigen Tasten auf der Fernbedienung drücken, um den Helden nach links oder rechts gehen oder zum Schwert greifen zu lassen.

Der Produzent der DVD kann bis zu 32 Untertitelspuren auf der Scheibe unterbringen, zum Beispiel für verschiedene Sprachen. Aber weil Untertitel als Pixelbilder statt als Textbuchstaben gespeichert werden, lassen sie sich auch für Spielereien zweckentfremden. Die US-Ausgabe von ‘Ghostbusters’ enthält als ‘Untertitel’ die Schatten von Schauspielern, die den Film in einer separaten Audiospur kommentieren - ein Härtetest für jeden DVD-Decoder.

Einige DVDs enthalten parallele Aufnahmen aus bis zu neun Perspektiven; was den Platzbedarf des Videos entsprechend vervielfacht - und damit die maximal mögliche Spielzeit reduziert. Der Benutzer schaltet nach Wunsch zwischen den verschiedenen Kamerablickwinkeln hin und her. Diese Technik findet man in einigen Sportdokumentationen und Musikvideos. Das Gros solcher ‘Multiple Angle’-DVDs dürfte aber aus der Sexbranche stammen.

Dieses Stichwort führt zum nächsten Ausstattungsmerkmal der DVD: ‘Parental Lock’, die Kindersicherung. Vor allem US-Scheiben enthalten in digitaler Form die Angabe, für welche Altersstufe von Kindern und Jugendlichen der Film freigegeben ist. Die meisten DVD-Abspieler kann man so einstellen, dass sie Filme über einer festgelegten Alterstufe nur nach Eingabe eines Kennworts wiedergeben.

Das bedeutendeste Ausstattungsmerkmal einer DVD sind ihre bis zu acht parallelen Audiospuren. Hier lässt sich der Filmton in mehreren Sprachen unterbringen, vielleicht auch Kommentare oder nur die pure Musik. Jede der Audiospuren kann ein anderes Format benutzen, was Abtastfrequenz, Bitauflösung, aber auch die Zahl der Kanäle anbelangt. Typisch sind zwei Kanäle (Stereo) oder fünf plus ein Kanal (symbolisch 5.1) für den kinoüblichen Raumklang mit Lautsprecherboxen links, Mitte, rechts, hinten links, hinten rechts vom Beobachter plus einem Tieftöner für Subbass-Effekte (LFE, Low Frequency Effect).

Für die Audioaufzeichnung auf der DVD konkurrieren diverse Datenformate miteinander. Der Produzent kann für jede der bis zu acht Audiospuren ein anderes aus dem Vorrat wählen:

- LPCM legt unkomprimierte Tondaten ab, wie von der Audio-CD bekannt. Der DVD-Standard erlaubt aber bis 96 kHz Abtastfrequenz, 24 Bit Auflösung und acht Kanäle - so lange die Gesamtdatenrate unter 6144 kBit/s bleibt. Damit sind zum Beispiel zwei Kanäle bei 96 kHz und 24 Bit oder acht Kanäle bei 48 kHz und 16 Bit machbar. Für hohe Videoqualität ist dann allerdings keine Luft mehr; auf Musikscheiben mögen Standbilder als ‘Video’ genügen.

- MPEG-Audio speichert die Audiodaten komprimiert. Das Verfahren ist vom Internet-Standard MP3 bekannt [4|#lit4]; auf der DVD ist aber nur der schwächer komprimierende MPEG Audio Layer 2 vorgesehen, nicht Layer 3. Jedoch spielt eine DVD mit MPEG-Audio bis zu sieben vollwertige Tonkanäle und einen Tieftonkanal, dank Kompression auch parallel zu Video hoher Qualität.

- Dolby Digital bringt per Kompression (AC-3 genannt) bis zu fünf vollwertige Tonkanäle und einen Tieftonkanal in einem Datenstrom mit bis zu 448 kBit/s unter. Das ist etwa ein Drittel der Datenrate eines unkomprimierten Stereosignals bei 48 kHz und 16 Bit.

- dts (Digital Theater Systems) nutzt im Vergleich zu Dolby Digital eine deutlich höhere Datenrate (768 oder 1536 kBit/s), um ebenfalls fünf vollwertige Tonkanäle und einen Tieftonkanal komprimiert zu speichern.

- SDDS (Sony Dynamic Digital Sound) ist in der Spezifikation vorgesehen, aber derzeit will Sony dieses Verfahren für 5.1- und 7.1-Sound nicht für den Heimmarkt anbieten.

Die Praxis sieht nicht so bunt aus wie der Normenkatalog: Dolby Digital beherrscht den Markt; LPCM- und MPEG-Audio sind auf aktuellen DVDs nicht zu finden. dts ist noch zu neu, um merkliche Marktanteile zu besitzen - auch wenn mancher Profihörer dem System angesichts der wesentlich höheren Datenrate einen gewissen klanglichen Vorsprung gegenüber Dolby Digital attestiert.

Ein passender Decoder muss die komprimierten Audiosignale in fünf plus einen Analogkanal wandeln. Er kann im DVD-Player oder im Verstärker stecken oder als selbstständiges Gerät firmieren. Ein DVD-Player mit integriertem Decoder ist die unflexibelste Lösung, denn in ihn kann man keine externen Signale zum Dekodieren einspeisen. Die könnten zum Beispiel vom PC stammen oder von einem Satelliten-TV-Decoder - denn Pro 7 sendet inzwischen einige Filme mit Dolby-Digital-Ton [5|#lit5].

Als Transporteur für komprimiertes Digital-Audio dienen die aus dem Tonstudio bekannten Schnittstellen S/P-DIF (Sony/Philips Digital Interface; Cinch-Buchse) und Toslink (optische Faser). Statt Audiodaten im ‘Klartext’ transportieren diese Verbindungen auch kodierte Bitströme mit derselben Rate von 1536 kBit/s. Im Prinzip kann man die mit DAT-Recordern oder digitalen Soundkarten aufnehmen und wiedergeben. Ohne Decoder aber hört man allenfalls lautes Rauschen (Gefahr für Ohren und Geräte!). Player, die solche Bitströme ausgeben, müssen in den Daten ein entsprechendes Status-Bit setzen. Daran können die nachfolgenden Geräte erkennen, ob es sich um unkomprimierte Audiodaten handelt oder kodiertes Material.

Die Dolby-Terminologie sorgt für Verwirrung. So steht das Logo auf der DVD nicht immer für 5.1-Raumklang: Auch Stereosound wird mit dem AC-3-Verfahren auf der Scheibe abgelegt - als Dolby Digital 2.0 mit zwei vollwertigen Kanälen und ohne Tieftonkanal. Dolby Digital 2.0 bedeutet aber umgekehrt nicht zwangsweise, dass bei einer 5.1-Anlage nur zwei der sechs Boxen in Aktion treten. Denn das Verfahren dient auch dazu, den von Videokassetten bekannten Dolby-Surround-Raumklang in das digitale Zeitalter hinüberzuretten.

Dolby Surround fasst vier Kanäle (links, Mitte, rechts, Surround = hinten links und rechts) mittels Phasendrehung in einem Stereosignal zusammen. So bleibt der Raumklang kompatibel zum Stereosystem; aus dem Pseudo-Stereosignal lassen sich die ursprünglichen vier Kanäle aber nicht perfekt zurückgewinnen. Aus diesem Grund beschneidet man die Höhen des Surround-Kanals und gibt ihn um einige Millisekunden verzögert wieder. Dolbys ‘Pro Logic’-Decoder verbessert die Kanaltrennung: Ist ein Kanal deutlich lauter als die anderen, stellt der Decoder die übrigen Kanäle noch leiser, als sie es schon sind.

Wird Dolby Surround auf einer DVD als Dolby Digital 2.0 gespeichert, kann der Produzent ein entsprechendes Bit setzen, damit der Dolby-Digital-Decoder als Dolby-Surround-Decoder arbeitet und ein komplettes 5.1-Signal erzeugt. Die Einschränkungen von Dolby Surround bleiben dabei aber bestehen: Das Surround-Signal ist mono, ohne Höhen und zeitverzögert, die Kanaltrennung längst nicht perfekt. Da ist es kein Wunder, dass Audiophile auf die Palme gehen, wenn DVDs mit Dolby Digital 2.0 statt Dolby Digital 5.1 produziert werden. Über solche Ärgernisse informiert man sich am besten vor dem DVD-Kauf in einer der vielen Online-Kritiken [6, 7].

Dass auf der DVD diverse Audioformate nebeneinander existieren, eröffnet den Marketing-Strategen Chancen, neue Player und neue Verstärkeranlagen zu verkaufen. ‘Star Wars: Episode I’ ist der erste Film mit Dolby Digital Surround EX 6.1. Hier ist in den beiden hinteren Kanälen eines 5.1-Audiosignals noch ein Kanal ‘Mitte hinten’ versteckt - mit dem ad acta gelegten Dolby-Surround-Verfahren.

Die Audiotechnik mit dem größten Heißluft-Faktor dürfte ‘3D Sound’ sein - die Simulation von Raumklang mit zwei Boxen oder per Kopfhörer [8|#lit8]. Vernünftig klappt das erst mit individuell ausgewählten, hoch aufgelösten Übertragungsfunktionen (HRTF, head related transfer function), Bewegungsverfolgung der Kopfposition und Reflexionssimulation. Ohne solche aufwändigen, bisher nur in Experimenten angewendeten Maßnahmen ist das Ergebnis flau: Kaum ein Hörer empfindet mit den gängigen Systemen den Klang hinter oder gar über oder unter sich. Von DVD-Playern mit ‘Virtual Dolby Surround’ oder Kopfhörern mit Dolby-Digital-5.1-Decoder darf man deshalb keine Wunder erwarten.

Im Vergleich zu den Möglichkeiten bei der Audiowiedergabe scheint der Videoteil der DVD simpler - auf den ersten Blick. Für Video sind die Kompressionsformate MPEG-1 mit einem Viertel der üblichen Bildauflösung und MPEG-2 mit der vollen Auflösung vorgesehen. In der DVD-Praxis findet man nur MPEG-2. Dessen Datenrate kann im Laufe des Films zwischen 1,5 und 9,8 MBit/s schwanken. (Zum Vergleich: Das digitale Fernsehen DF1 sendet MPEG-2 mit bis zu 6,8 MBit/s.) So kann für Szenen mit schnellen Bewegungen die maximale Rate verwendet werden, bei einfacheren Sequenzen dagegen eine kleinere, um Platz zu sparen.

Wie viele Minuten Video auf eine DVD passen, hängt zwar ein wenig von Art und Zahl der Audiospuren ab, am meisten aber von dem bei der Kompression getriebenen Aufwand - und von der Art der DVD-Scheibe:

- DVD-5. Die einfachste DVD-Scheibe, äußerlich kaum von einer CD zu unterscheiden, fasst 4,4 GByte Daten, das reicht bei der typischen Datenrate von 3,5 MBit/s für etwas mehr als zwei Stunden Video.

- DVD-9. Die doppelschichtige DVD trägt auf nur einer Seite den Inhalt einer DVD-5 und in einer bräunlich-transparenten Schicht darüber fast noch einmal dieselbe Menge an Daten, insgesamt 8,0 GByte (gut gerundet 9 Milliarden Byte). Die typische Spieldauer beträgt damit vier Stunden. Der Player spielt die vergrabene Schicht von innen nach außen und springt dann zur transparenten Schicht. Die tastet er - je nach Scheibe - von innen nach außen oder von außen nach innen ab. Letzteres (RSDL, Reverse Spiral Dual Layer) kostet weniger Zeit für den Wechsel zwischen den Schichten. Dennoch stocken viele Player beim Umschalten.

- DVD-10. Die doppelseitige DVD ist allenfalls im Zentrum bedruckt, fasst auf jeder Seite den Inhalt einer DVD-5 und muss wie eine Schallplatte per Hand gewendet werden. Oft findet man auf Vorder- und Rückseite jeweils verschiedene Fassungen desselben Films.

- DVD-18, eine doppelseitige doppelschichtige DVD, fasst die derzeit höchste Datenmenge: 15,9 GByte, entsprechend etwa acht Stunden Spielzeit. Die erste Scheibe dieses Typs soll Ende September erscheinen: ‘Aquaria’ mit 20 Stunden Videos von tropischen Fischen.

Der DVD-Standard kennt zwei Varianten der Videoauflösung. Das größte und gleichzeitig hier zu Lande übliche Format fasst 720 x 576 Pixel mit 25 Bildern pro Sekunde, entsprechend der PAL-Videonorm. Für das NTSC-Fernsehen in den USA und Japan speichert die DVD alternativ 720 x 480 Pixel mit 29,97 Bildern pro Sekunde.

Praktisch jeder hier zu Lande verkaufte Player akzeptiert NTSC-Platten. Diese werden meist aber nicht als reines NTSC ausgegeben - das können nur teurere hiesige Fernseher verarbeiten -, sondern im Pseudostandard PAL60, einer PAL-Variante mit der Bildfrequenz von NTSC. Einige wenige Player verwandeln tatsächlich NTSC in echtes PAL. Das klappt aber selbst mit gehörigem Aufwand nicht perfekt: Die verschiedenen Bildraten und die unterschiedliche Anzahl von Bildschirmzeilen lassen sich nur schwer ineinander umwandeln.

Die TV-Inhalte der DVDs auf den Computermonitor zu bringen, erweist sich ebenfalls als knifflig: TV-Signale sind als ‘interlaced’-Videos angelegt, um das Flimmern erträglich zu machen: PAL-Fernsehen bringt nicht 25 ‘Vollbilder’ pro Sekunde auf den Schirm, sondern 50 ‘Halbbilder’ - erst alle Bildzeilen mit ungerader Nummer, dann alle Bildzeilen mit gerader Nummer, im Abstand einer 50stel Sekunde. Heutige Computermonitore beschreiben den Bildschirm dagegen ‘progressiv’: Der Elektronenstrahl läuft Zeile um Zeile von oben nach unten. Auf dem Monitor kann man folglich nur Vollbilder darstellen - nur muss man die irgendwie aus den Halbbildern erzeugen.

Die einfachste Lösung dafür scheint, zwei zusammengehörige Halbbilder zu verweben (‘Weave’): Zeile 1 aus dem ersten Halbbild, Zeile 2 aus dem zweiten, Zeile 3 wieder aus dem ersten ... Die beiden liegen aber bei PAL 1/50 Sekunde, bei NTSC 1/59,94 Sekunde auseinander und zeigen deshalb verschiedene Bewegungsphasen. Ein zusammengeschachteltes Vollbild besitzt deshalb unschöne Kammstrukturen aus horizontalen Linien.

Ohne solche Kämme, aber ebenfalls mit unschönen Nebeneffekten arbeitet das Verfahren Bob. Es verdoppelt alle Zeilen eines Halbbilds, um ein Vollbild zu erzeugen. Obendrein wird jedes zweite Bild um eine Pixelzeile nach unten verschoben. Bob lässt das Bild unschärfer erscheinen; oft ist ein vertikales Zittern sichtbar.

Zum Glück enthalten die meisten DVDs keine Fernsehproduktionen, sondern Kinofilme. Als ‘richtige’ fotografische Aufnahmen kennen sie keine Halbbilder, sondern nur Vollbilder - dummerweise aber nur 24 pro Sekunde statt 25 oder 29,97.

Die Umwandlung in PAL bei der DVD-Produktion gelingt noch relativ geradlinig: Man lässt den Film einfach mit 25 statt 24 Bildern pro Sekunde laufen. Dadurch verringert sich die Spielzeit um vier Prozent; gleichzeitig steigt die Tonhöhe der Audiospuren um fast einen Halbton - als ob eine Platte zu schnell läuft. Jedes Vollbild des Films schreibt der 2:2-Pulldown genannte Prozess als zwei Halbbilder auf die Scheibe.

Um einen Kinofilm für NTSC auf 29,97 Bilder pro Sekunde zu bringen, erzeugt man zunächst 60 Halbbilder pro Sekunde - aus den einzelnen Filmbildern abwechselnd drei und zwei Halbbilder (‘3:2-Pulldown’, siehe Grafik auf S. 108 in c't 20/99). Ein minimaler Dreh an der Abspielgeschwindigkeit genügt dann, um von diesen 60 auf die korrekten 59,94 Halbbilder pro Sekunde zu kommen.

Auf der DVD ist der Kinofilm damit mundgerecht für Fernsehwiedergabe aufbereitet - entweder für PAL oder für NTSC. Ein PC-Player, der DVD auf den Monitor bringen will, muss erst wieder aus den Halbbildern Vollbilder erzeugen. Das gelingt allerdings - zumindest in der Theorie - perfekt, denn der Player kann je zwei Halbbilder per Weave wieder zu einem Vollbild vereinen. Denn anders als bei einem echten TV-Signal, wo die Halbbilder um Sekundenbruchteile auseinander liegen, zeigen die zusammengehörigen Halbbilder der Kinofilm-DVD die Szene zum selben Zeitpunkt. Stolpern sie nicht über eigenwillig encodierte DVDs, extrahieren die PC-Player eine saubere Folge von 24 (NTSC) oder 25 (PAL) Vollbildern aus dem DVD-Kinofilm.

Der Monitor zeigt jedes der Bilder nicht nur einmal auf den Schirm - das würde unerträglich flimmern -, sondern behält seine übliche Bildwiederholrate bei. Öfters hört man die Empfehlung, für ein optimales Ergebnis am PC-Monitor als Bildwiederholfrequenz ein ganzzahliges Vielfaches von 24 Bildern pro Sekunde zu wählen, zum Beispiel 3 · 24 Hz = 72 Hz oder 4 · 24 Hz = 96 Hz. Aber inzwischen sind meist nur noch Vielfache von 5 Hz in den Treibern vorgesehen. Außerdem gelten die 24 Bilder pro Sekunde nur für NTSC-kodierten Kinofilm.

In der Praxis scheint es deshalb sinnvoller, einfach am PC die höchstmögliche Bildwiederholrate einzustellen. Dann erscheinen die Bilder zwar nicht exakt gleich lang auf dem Bildschirm, aber der Unterschied fällt nicht auf. Die PC-basierenden DVD-Lösungen synchronisieren sich automatisch mit der gewählten Bildwiederholfrequenz: Sie schalten nur in genau dem Augenblick auf das nächste Bild, in dem der Elektronenstrahl unsichtbar von unten nach oben zurückläuft.

Im Handel findet man derzeit PC-Decoder nur für Windows 95, 98, NT und MacOS. Zwei prinzipiell verschiedene Ansätze konkurrieren dabei:

- Software-Decoder (siehe c't 20/99, S. 112) sind preisgünstige Programme, die sich für viele Rechenschritte der DVD-Wiedergabe auf den Hauptprozessor verlassen.

- Hardware-Decoder (siehe c't 20/99, S. 118) enthalten die Kernbestandteile eines konventionellen DVD-Spielers auf einer Steckkarte. Insbesondere übernimmt diese Karte die MPEG-2-Dekompression; meist enthält sie eigene Ausgänge für Audio und Video.

Beim Hardware-Decoder muss vor allem der schnelle Datenfluss vom DVD-Laufwerk zur Karte sichergestellt sein - keine große Kunst. Ein Software-Decoder jedoch ist darauf angewiesen, dass der Hauptprozessor Audio und Video hinreichend schnell dekomprimiert und zu Sound- und Grafikkarte schafft. Andernfalls drohen ‘Ruckler’ im Bild; die Wiedergabe stockt hässlich.

Einige Grafikchips nehmen dem Prozessor dabei etwas Rechenlast ab. Sie beherrschen einen oder beide der wesentlichen Teile der MPEG-2-Dekompression: Bewegungskompensation (Motion Compensation, MC) und inverse Diskrete Cosinus-Transformation (iDCT). Die Player-Software kann davon Gebrauch machen - muss das aber nicht (siehe c't 20/99, S. 112). Von den aktuellen Grafikchips beherrscht nur der Rage 128 sowohl MC als auch iDCT. Auf MC beschränken sich zum Beispiel Rage Pro, Savage4 und Riva128DV.

Einige Hersteller von Grafikkarten mit Chips, die weder MC noch iDCT unterstützen, werben trotzdem mit ‘DVD-Beschleunigung’. Das darf man leider schon behaupten, wenn der Chip MPEG-1-Dekompression unterstützt - denn auf der DVD könnte ja auch MPEG-1-Video abgelegt sein.

Software-Player dürsten nach Rechenpower. Unterstützt die Grafikkarte MC und iDCT, benötigen sie für eine flüssige Wiedergabe einen Pentium-II-233 oder ein vergleichbares Modell. Ohne dieses Feature genügen oft erst 350 bis 400 MHz für ruckelfreien Videogenuss. Ein ATAPI-DVD-Laufwerk sollte seine Daten per DMA liefern. Denn im PIO-Modus steigt die Prozessorlast durch das Lesen von der DVD erheblich; der Film ähnelt dann oft einer Diashow. AGP- statt PCI-Grafikkarte und PCI- statt ISA-Soundkarte entlasten den Prozessor ebenfalls. In der Praxis wirkt sich das aber weniger aus als ein DVD-Laufwerk, das ohne DMA arbeitet.

Wer einen neuen Rechner kauft, kann auf die richtige Ausstattung für die DVD-Software-Wiedergabe achten. Alte Rechner umzurüsten lohnt sich kaum; hier dürfte ein Hardware-Decoder für 200 bis 350 Mark günstiger kommen. Fast alle Hardware-Decoder besitzen einen S-Videoausgang, der unabhängig von der Grafikkarte arbeitet. Sie lassen sich so problemlos an den Fernseher anschließen - anders als viele Grafikkarten mit TV-Out (s. Kasten auf S. 106 in c't 20/99).

Außerdem findet man an fast allen Hardware-Decodern einen digitalen Tonausgang für Dolby Digital 5.1. Software-Decoder benötigen dazu eine Soundkarte mit S/P-DIF-Ausgang, zum Beispiel die Soundblaster Live. Aber nicht jede DVD-Software beherrscht überhaupt die digitale Ausgabe, und manche muss erst darauf getrimmt werden (siehe c't 20/99, S. 112). Der Software-Player PowerDVD 2.0 gibt mit einigen gängigen Soundkarten direkt vier Audiokanäle aus - Surround-Sound ohne teuren Dolby-Digital-Decoder.

Ein Hardware-Decoder macht ältere PCs kinotauglich, ein Software-Decoder aktuelle Modelle. Weil die Software-Lösung einiges an Hardware voraussetzt, dürfte der Kinogenuss per PC in jedem Fall 400 bis 500 Mark Aufpreis kosten, DVD-Laufwerk inklusive. Da fällt die Entscheidung zwischen PC-basierender Lösung und einem konventionellen DVD-Spieler zunehmend schwerer: Die ersten Modelle für 500 Mark sind im Handel; der Preis für das Gros der Geräte dürfte Ende des Jahres unter 800 Mark liegen.

Die herkömmlichen DVD-Spieler nerven nicht mit lärmenden Lüftern oder Festplatten. Sie benötigen nicht nach dem Einschalten eine halbe Minute bis zum Start des Films und stürzen höchst selten ab. Ruckler sieht man nie, zerfetzte Untertitel nur selten. Vor allem aber muss man einen konventionellen DVD-Player nicht für den Filmabend aus dem Büro ins Wohnzimmer tragen. Und man steuert ihn bequem vom Sofa.

Doch rundum glücklich ist man als Besitzer eines konventionellen DVD-Spielers auch nicht. Viele aktuelle Modelle spielen keine CD-R-Medien, einige auch keine CD-RW. Vor allem aber erreichen die Player bei Kinofilmen nicht die optimale Videoqualität. Mancher DVD-Spieler wandelt DVD-Videosignal mit übertriebener Auflösung von digital nach analog (4:4:4-Unterabtastung mit 10-Bit-Auflösung, siehe c't 20/99, S. 204), schickt es über die analoge SCART-Verbindung zum 100-Hz-Fernseher, der es wieder digitalisiert. Dabei setzt der Fernseher seine Pixel anders als die DVD, sodass der Inhalt verschmiert. Obendrein verwenden einige TVs ein ‘intelligentes’ Line-Doubling-Verfahren, um Vollbilder synthetisch zu erzeugen, wo sich eigentlich aus dem ursprünglichen Datenstrom der DVD perfekte Vollbilder generieren ließen.

Wer höchste Videoqualität sehen will, muss deshalb zu einem DVD-Player auf PC-Basis greifen und dessen progressives Signal ausgeben. Ein Computermonitor ist jedoch fürs Kinoerlebnis zu klein. Die Alternative besteht in Projektoren mit VGA-Anschluss - aber die kosten mehr als 5000 Mark, sollen sie ein Bild mit der Schärfe und der Helligkeit eines Fernsehers liefern. Wenn Geld keine Rolle spielt, darf es auch ein Plasmaschirm sein - für bescheidene 30 000 Mark. (jl)

[1] DVD-Preisvergleich, www.dvdpricesearch.net

[2] DVD-Videothekenliste, www.dvd-welt.de

[3] DVD-Verleih per Internet, www.video-dvd.de

[4] Thomas Schult, Musik ist Schrumpf, Der Computer wird Tonträger - und die Musikindustrie rotiert, c't 14/99, S. 78

[5] Dolby Digital auf Pro 7, www.homeentertainment.de

[6] DVD-ROMs-Homepage, www.dvdroms.de

[7] Deutscher DVD-Webring, www.webring.org/cgi-bin/webring/?ring=germandvdring;list

[8] Klaus Hartung, Holger Strauss, Klangskulpturen, Sound dreidimensional, c't 4/97, S. 160

[9] Bitrate Viewer, www.visualdomain.net

[10] Jim Taylor, DVD Demystified: The Guidebook for DVD-Video and DVD-ROM, ISBN 0070648417

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