Kleine Helden

35 Mini-PCs zum Selbstkomplettieren

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PCs müssen nicht aussehen wie klobige graue Kisten. Wer Wert auf einen kleinen schicken Rechner legt, der sich nicht unterm Schreibtisch verstecken muss, findet inzwischen reichlich Auswahl unter den Mini-Barebones. Wir haben uns 35 aktuelle Modelle angesehen und geben Tipps zu Auswahl und Aufbau.

Aufmacher

Sie suchen einen neuen PC? Kein Problem, bei uns bekommen Sie alles, vom Einsteiger-System für 398 Euro bis hin zum Highend-Boliden! Ach so, klein und schick soll er auch noch sein, tja, da hätten wir unser Mini-Tower-Modell. Zu groß und obendrein hässlich? Ja dann müssen wir passen.“ So oder ähnlich dürften die meisten Verkaufsgespräche verlaufen, wenn man im Technikmarkt nach einem kompakten und schönen Rechner sucht. Bei den komplett angebotenen PCs dominieren immer noch die Geräte im Tower- und Midi-Tower-Format.

Kleine Kisten gibt es nur selten und dann oft nur in Form von Büro-PCs der großen Hersteller, die eher für den Einsatz in Unternehmen als für den Betrieb im heimischen Wohn- und Arbeitszimmer optimiert wurden. Hier hat sich seit unserem letzten Test [#literatur [1]] kaum etwas am Angebot verändert, weshalb wir auf eine erneute Prüfung der Geräte verzichteten.

Also kaum Auswahl am Markt? Mitnichten, jenseits der Komplettsysteme findet man eine geradezu erdrückende Vielfalt kleiner und durchaus schicker Geräte, die als so genannte Barebone-PCs angeboten werden. Sie bestehen in der Regel aus einem kleinen Gehäuse mit passenden Mainboard und Netzteil. Üblicherweise liegt auch noch ein ins Lüftungskonzept des Geräts passender Prozessorkühler bei. Damit muss der Anwender nur noch Prozessor, Hauptspeicher, Festplatte und optisches Laufwerk nachrüsten, fertig ist der kompakte und auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Mini-PC.

Damit der Kleine auch wirklich passt, sollte man sich vor dem Kauf genau überlegen, welche Anforderungen der neue PC vorrangig erfüllen soll. Soll er auf der nächsten LAN-Party Eindruck schinden und bei Spielen eine gute Figur machen oder legt man eher Wert auf ein leises System, das auch im Wohnzimmer überzeugt? Oder steht der Sinn eher nach einem kompakten Heim-Server, der als zentraler Datenspeicher seinen Zweck möglichst unauffällig erfüllen soll? Für jeden Anwendungsbereich gibt es inzwischen passende Geräte - man muss aus dem unübersichtlichen Angebot nur das passende herauspicken.

Eine Vorauswahl liefert die Frage nach der Spieletauglichkeit. Soll der Mini-PC auch bei modernen Action-Spielen überzeugen, so sind alle gängigen Lösungen mit Onboard-Grafik zu langsam. Selbst ATIs recht flotter Chipsatz Radeon 9100IGP und die nForce-Flotte von Nvidia bieten hier nicht genug 3D-Performance. Der Barebone braucht also einen AGP-Slot für eine zeitgemäße Grafikkarte und genügend Platz im Gehäuse.

Wer Highend-Grafikkarten mit großem Lüfter einsetzen will, muss bei vielen Geräten damit leben, dass der neben dem AGP-Slot liegende PCI-Steckplatz nicht nutzbar ist. Wenn der AGP-Slot am Rand des Boards sitzt, passen solche extrabreiten Karten nicht ins Gehäuse. Den Traum von einem leisen PC kann man beim Einsatz dieser Monster ohnehin begraben. Wer das nicht will, bescheidet sich in Sachen 3D-Performance und wählt eine lüfterlose Grafikkarte, etwa mit ATIs Radeon 9600 oder Nvidias GeForce FX 5200.

Zu einer separaten Grafikkarte muss man oft auch greifen, wenn statt des überall vorhandenen VGA-Ausgangs ein Digitalausgang (DVI) für einen Flachbildschirm benötigt wird. Manchmal bietet der Barebone-Hersteller hier aber auch spezielle, auf den verwendeten Chipsatz angepasste DVI-Karten an, die etwas günstiger zu haben sind als vollwertige Grafikkarten.

Wie laut oder leise der Mini-PC letztlich sein kann, darüber bestimmt auch der Prozessor. Nahezu alle angebotenen Geräte verfügen mittlerweile über eine mehr oder minder effektive Lüfterregelung, die den CPU-Lüfter nur so schnell drehen lässt wie zur Abfuhr der aktuell vom Prozessor erzeugten Verlustleistung erforderlich. Je schneller die CPU arbeitet, desto mehr Wärme erzeugt sie und desto lauter der CPU-Lüfter.

Gerade in kompakten PCs sollte man deshalb die CPU-Leistung so dimensionieren, dass sie für die vorgesehene Aufgabe ausreicht und über ein nicht zu großes „Polster“ für Spitzenanforderungen verfügt. Für die meisten Anwendungsfälle wird ein aktueller Athlon XP oder Pentium 4 in der 2600er- bis 2800er-Klasse völlig ausreichen. Server und reine Wohnzimmer-PCs kommen auch mit deutlich langsameren Prozessoren aus, Action-Spieler dürften im Moment bei den 3000er-CPUs ein Optimum zwischen Prozessorpower, Lärmentwicklung und nicht zuletzt dem Anschaffungspreis finden.

Eher für Spezialisten sind die wenigen mittlerweile angebotenen Mini-Barebones für AMDs Athlon 64 gedacht. Sie sind vor allem für all jene interessant, die sich unter Linux in die 64-Bit-Welt einarbeiten wollen. Doch auch Spielern hat der Athlon 64 einiges zu bieten, selbst wenn man ihn unter Windows nur im 32-Bit-Modus betreibt. Daher haben wir entsprechende Barebones in unseren Test mit aufgenommen.

Hat man sich für eine Grafik- und Prozessorklasse entschieden, bleibt nur noch wenig zu berücksichtigen. Bis auf zwei Ausnahmen bieten alle aktuellen Barebones Platz für zwei DDR-SDRAM-DIMMs, die man bei Geräten mit zweikanaligem Chipsatz (Nvidia nForce2, ATI Radeon 9100IGP, Intel i865G und i875P) tunlichst mit zwei gleichen Speicherriegeln bestückt. Wer mehr als ein optisches Laufwerk verwenden will, muss auf zwei frontseitig zugängliche 5,25“-Schächte achten. Schwieriger wirds mit einer zweiten Festplatte. Abgesehen von Abits recht klobigem DigiDice und den Geräten von Biostar bietet kein Barebone mehr als einen dedizierten Festplatteneinbauplatz. Wer aber auf ein Diskettenlaufwerk verzichtet, kann den dafür vorgesehenen Platz zweckentfremden.

Bei der Geräuschentwicklung reicht das Spektrum von Geräten, die mit einem Lärmpegel von mehr als 6 Sone „unerträglich laut“ sind bis hin zu wohnzimmertauglichen Modellen mit einer mittleren Lärmentwicklung von weniger als 1,0 Sone.

Das Komplettieren eines Mini-Barebone ist prinzipiell von jedem halbwegs versierten Bastler zu bewältigen. Die kompakte Bauweise hält allerdings einige Fallstricke bereit, die es bei der Montage eines normalen PC im geräumigen Tower-Gehäuse so nicht gibt. Auch erfahrene Schrauber und PC-Profis sollten sich deshalb die Mühe machen und die Montageanleitung des Geräts sorgfältig lesen. Zum Teil lassen sich die Barebones nur mit kleinen Tricks zerlegen, und oft kommt es bei der Montage auf eine bestimmte Reihenfolge an.

Speziell bei Barebones, die zum Kühlen des Prozessors eine klobige Heatpipe nutzen, sorgt eine falsche Montagereihenfolge schnell für Frust. Wer wenig Erfahrung mit dem Zusammenbau von PCs hat, tut gut daran, sich nicht gerade an einem Modell mit AMDs Athlon XP oder Duron zu versuchen. Da bei diesen Prozessoren das empfindliche Die ungeschützt ist, kann man den Prozessor schon durch leichtes Verkanten des Kühlers irreparabel beschädigen. Oder man sieht sich gleich beim örtlichen Fachhandel um: Jeder versierte Händler sollte in der Lage sein, die hier vorgestellten Geräte zu beschaffen und gegen eine angemessene Gebühr zu komplettieren.

Nicht ohne Grund legen einige Anbieter ihren Barebones spezielle Schrauben für die Festplatte oder das optische Laufwerk bei. Nimmt man hier andere, so kann es passieren, dass diese mit dem Gehäusedeckel oder anderen Komponenten kollidieren. Das gibt Probleme beim Schließen der Geräte und oft auch lästige Lärmbrücken, die beispielsweise das Laufgeräusch der Festplatte auf den Gehäusedeckel übertragen.

Sind Erweiterungen jenseits von Prozessor, Speicher, optischem Laufwerk und Festplatte geplant, so empfiehlt es sich, bereits vor dem Kauf zu prüfen, ob das Gerät ausreichend Platz, ein entsprechend dimensioniertes Netzteil und ein leistungsfähiges Kühlsystem bietet. Das gilt speziell für Highend-Grafikkarten, deren Energiebedarf und Abwärme längst nicht jeder Barebone verkraftet. Macht der Anbieter hierzu keine Angaben, so sollte man per E-Mail beim PC-Hersteller nachfragen, ob sich diese mit dem ins Auge gefassten Barebone vertragen.

Schnell drehende Festplatten sollte man nur dann in einen Barebone einbauen, wenn deren Lärmentwicklung keine Rolle spielt und der Plattenhersteller keine spezielle Kühlung vorschreibt. Der geringe Luftdurchsatz in den meisten Mini-PCs kann der Platte sonst eine arg verkürzte Lebensdauer bescheren.

Obwohl wir uns auf aktuelle Geräte beschränkt haben, bestand das Testfeld aus 35 Geräten von zwölf Herstellern. Die Grundform der meisten Barebones ist ein würfelähnliches Format. Daneben fanden wir aber auch Geräte, die beinahe schon so groß sind wie ein Mini-Tower. Richtig klein und weitgehend mit Spezialbauteilen zu bestücken sind dagegen die Mini-PCs von Gigabyte, iWill und Asus.

Wir haben alle Barebones mit einer CPU der 3000er-Klasse bestückt, soweit der Hersteller die Kühlung entsprechend ausgelegt hat. Welcher Prozessor vom jeweiligen Gerät maximal unterstützt wird, verrät die Tabelle. Zwei 256-MByte-DIMMs (Infineon PC3200 2533) und eine 80-GByte-Festplatte (Maxtor 6Y 080P04) komplettierten den Testaufbau für die Performance-Messungen. Für die Geräuschmessung ersetzten wir die recht laute DiamondMax allerdings durch das leisere Samsung-Modell SV1203N. Eventuell vorhandene offene Einbauschächte wurden mit geeigneten Blenden verschlossen. Eine detaillierte Beschreibung der durchgeführten Tests findet sich im Kasten „[#testparcours Testparcours]“ auf Seite 89, die Einzelergebnisse gibt die Tabelle wieder.

[1] Georg Schnurer, PCs mit Stil, Formschön und durchdacht konstruierte kleine Rechner, c't 15/03, S. 98

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Alle Barebones mussten zunächst ihre Funktionsfähigkeit unter Windows XP unter Beweis stellen. Die benötigten Treiber für Chipsatz und Co. holten wir direkt von der Website des Herstellers. Einzig beim Soundtreiber machten wir eine Ausnahme und bedienten uns zunächst von der mitgelieferten CD, da die generischen Treiber der Chiphersteller oft nicht alle Funktionen des Soundinterface unterstützen. Bei den Rechnern ohne integrierte Grafik setzten wir die lüfterlose Grafikkarte Radeon 9600 Atlantis von Sapphire mit 128 MByte DDR-SDRAM-Grafikspeicher ein.

Als Messlatte für die Performance bei üblichen Büroanwendungen und beim Surfen diente wie üblich die BAPCo 2002. Dieser auf realen Anwendungen aus dem Bereich Text-, Tabellen- und Bildbearbeitung basierende Test zeigt recht gut, wie sich das Gerät in den genannten Disziplinen schlägt. Angesichts der mit 512 MByte recht üppigen Speicherausstattung und der durchweg flotten Leistung der verwendeten 3000er-CPUs erlebten wir hier keine Überraschungen.

Größer fielen die Unterschiede beim CineBench 2003 aus. Dieser auf der 3D-Modelling- und -Rendering-Software Cinema4D basierende Test belastet neben CPU und Hauptspeicher auch die Grafikkarte - und hier gibt es eklatante Unterschiede zwischen den verschiedenen Onboard-Lösungen.

Noch auffälliger wird dieser Unterschied bei den Spieletests. Hier bemühten wir zum einen den synthetischen Benchmark „3DMark“ in den Versionen 2001 und 2003. Besonders ältere integrierte Grafiklösungen wie etwa der SiS651 zeigten hier arge Schwächen. Stellvertretend für die Gattung der OpenGL-Spiele stieg Quake III in den Ring. Neben der Voreinstellung „High Quality“ (800 x 600) testeten wir die Barebones auch noch bei höchster Qualität in den für moderne Spiele relevanteren Auflösungen 1024 x 768 und 1280 x 1024. Damit das Spiel flüssig läuft, sollte eine Framerate von mindestens 40 fps erreicht werden.

Ein weiteres Spiel - Unreal Tournament - komplettierte die Spieletests. Unreal verwendet bei unseren Tests ausschließlich DirectX. In der Tabelle drucken wir die Frameraten ab, die die Kandidaten bei 800er- und 1024er-Auflösung beim Asbestos- beziehungsweise Antalus-Bot-Match erreichten. Unreal brachen wir ab, wenn es in einem Probelauf mit weniger als 20 fps lief.

Im Rahmen der technischen Prüfung vergewisserten wir uns mit unserem Festplattenbenchmark H2benchw, dass die Festplatte mit voller Leistung arbeitete. In gleicher Weise überprüften wir die Datenrate an den USB- und FireWire-Ports.

Besondere Beachtung verdient der VGA-Ausgang: Was nützt schließlich der schnellste Rechner, wenn er ein matschiges Bild auf den Monitor zaubert? Sofern bei 85 Hz unterstützt, haben wir die Signalqualität bei 1024er, 1280er und 1600er Auflösung an allen vorhanden VGA-Ports ermittelt. Nur wer über ein Display mit Digital-Eingang verfügt, darf sich unabhängig von den Ergebnissen dieses Tests über ein gestochen scharfes Bild freuen - einen Digitalausgang beim Barebone vorausgesetzt.

Bei den akustischen Eigenschaften interessierte zum einen, welche Qualität die analogen Audio-Ein- und -Ausgänge lieferten. Zusätzlich testeten wir, ob der bei den meisten Geräten vorgesehene 5.1-Sound korrekt funktioniert und ob die SPDIF-Ein- und Ausgänge korrekt arbeiten.

Neben diesen eher erwünschten Sounds der Barebones widmeten wir uns auch dem von ihnen erzeugten Lärm. In unserem schallarmen Raum ermittelten wir dabei den Lärmpegel bei ruhendem Windows-Desktop, unter Volllast, beim Abspielen eines DivX-codierten Spielfilms von Festplatte und bei kontinuierlichem Zugriff auf die Platte. Alle Messungen erfolgten mit vier parallel arbeitenden Messmikrofonen, die in einem Abstand von 50 cm rund um das System aufgestellt wurden.

In der Tabelle geben wir das quadratische Mittel aller vier richtungsabhängigen Werte in Sone und den Maximalwert in dBA bei ruhendem Windows-Desktop an. Am wichtigsten ist hier der Sone-Wert, da dieser das Hörempfinden des Menschen besser wiedergibt als der logarithmische dBA-Wert. Ein sehr guter Barebone erreicht hier einen maximalen Wert von 0,5 Sone. Gute Geräte begnügen sich mit bis zu 1,5 Sone, ein „Zufriedenstellend“ vergaben wir an Mini-PCs mit maximal 2,5 Sone. Bis 4,0 Sone erhielten die Barebones die Note „schlecht“, lautere werten wir als „sehr schlecht“. Als Basis für die Wertung zogen wir den Messwert bei ruhendem Windows-Desktop heran. Nur wenn ein Barebone in einer der anderen Disziplinen um mehr als zwei Stufen schlechter abschnitt, gab es eine Abwertung.

Da das Ohr unruhige Geräusche als weitaus störender empfindet als gleichmäßige, ermittelt unser Messsystem zusätzlich Rauigkeit und Schärfe. Die in Asper gemessene Rauigkeit gibt an, wie ungleichmäßig und damit wie störend ein Geräusch ist. Der Maximalwert findet sich in der Tabelle. Empfindliche Naturen sollten darauf achten, dass der Wunsch-Barebone hier deutlich unter 0,8 Asper bleibt. Die in Acum gemessene Schärfe gibt an, wie sehr ein Geräusch zischt. Bei den von uns geprüften Geräten schwankt das Maximum zwischen 1 und 2,6. Unangenehm wird die Schärfe eines Geräusches nach unseren Erfahrungen etwa ab einem Wert von 1,7 bis 1,9 Acum.

Zu guter Letzt testeten wir, inwieweit sich die verschiedenen Mini-PCs für den Betrieb unter Linux eignen. Dazu bestückten wir sie mit einer Festplatte, auf der sich ein vorinstalliertes SuSE-Linux 9.0 befindet, und starteten eine Hardware-Erkennung.

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