Kleine Scheibe, aber oho

Die Fähigkeiten der beschreibbaren DVD

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Derzeit wird das DVD-Format in erster Linie als Videospeicher genutzt. Die DVD-Video bietet Filmfreunden den Bedienkomfort einer CD und Zusatzfunktionen, bei denen jede Videokassette alt aussieht. Nach vier Jahren Wartezeit kommen jetzt endlich auch Brenner und beschreibbare DVDs zu erschwinglichen Preisen auf den Markt - sowohl DVD-ROM-Laufwerke als auch DVD-Video-Player sollen DVD-R-Medien problemlos lesen können. Da stellt sich die Frage, was man mit der Glitzerscheibe alles anfangen kann.

Der Unterschied zwischen einer Video-DVD und einem VHS-Band ist enorm: Die DVD verwöhnt mit doppelt so scharfem Bild, stabilen Farben und Ton in Kinoqualität. Das lästige Spulen entfällt, und Abnutzungserscheinungen durch häufiges Abspielen gehören der Vergangenheit an. Darüber hinaus bietet die DVD genügend Platz für Zusatzinformationen zum Film oder aus der Kinofassung herausgeschnittene Szenen.

Kein Wunder, dass das Format so beliebt ist. Bisher krankte die schöne neue digitale Welt nur an einem Mangel: Es gab keine für den Privatkunden erschwingliche Möglichkeit, selbst DVD-Videos zu erzeugen. Die bislang einzige zu Consumer-Playern kompatible beschreibbare DVD-Variante ist die DVD-R. Doch bei Preisen um die 100 Mark für ein einfach beschreibbares Medium und fünfstelligen Beträgen für die entsprechenden Recorder stellte dieses Format keine echte Alternative zur Videokassette dar.

Doch dann kündigte Steve Jobs im Januar an, Apple werde ab Ende März einen G4-Macintosh mit DVD-R-Recorder und Medien zu einem Einzelpreis unter dreißig Mark anbieten. Das entsprechende Laufwerk will Pioneer auf der CeBIT auch für den allgemeinen Gebrauch für gerade noch erschwingliche 2000 Mark anbieten.

Grund genug, um vor der großen DVD-Schwemme auszuleuchten, was das Format alles kann und wie man es optimal ausnutzt. Dieser Teil des Schwerpunkts befasst sich zunächst mit den Grundlagen der bei DVD-Video verwendeten Formate und den Unterschieden zur DVD-R.

Zur Bündelung und Strukturierung der Audio- und Videodaten auf den Datenträger benötigt man DVD-Authoring-Programme, von denen nur die wenigsten preiswert sind (siehe Seite 218 in der c't 6/2001). Wer die Investition in einen DVD-R-Brenner scheut, kann auch erst einmal mit Mini-DVDs experimentieren: Dies sind preisgünstig mit jedem CD-Brenner erstellbare CDs mit der Datenstruktur einer ausgewachsenen DVD (siehe Seite 226 in der c't 6/2001).

Zuletzt werfen wir noch ein Auge darauf, wie DVD Authoring bei Profis aussieht: Dazu besuchten wir eines der größten DVD-Mastering-Studios in Europa - Digital Images in Halle (siehe Seite 228 in der c't 6/2001).

Zu den angenehmsten Eigenschaften der DVD-Video gehört, dass das lästige Vor- und Zurückspulen wie bei Videokassetten entfällt. Einzelne Szenen wählt der Betrachter direkt über Kapitelmarken an (Chapter Points).

Der Ablauf der Videos lässt sich dank Seamless Branching (nahtlose Verzweigung) sogar so weit steuern, dass einzelne Szenen wahlweise übersprungen werden. So packt man den Director’s Cut und die Kinofassung auf eine gemeinsame DVD. Denkbar ist auch, besonders brutale Szenen vor jungen Zuschauern zu verbergen, und zwar ohne dass sie davon etwas bemerken.

Apropos junge Zuschauer: Eine generelle Kindersicherung (Parental Lock) ist für die Video-Scheiben ebenfalls vorgesehen. Vor allem in den USA produzierte DVDs enthalten Angaben, für welche Altersstufe der Film freigegeben ist. Die meisten DVD-Spieler bieten die Möglichkeit, Filme oberhalb einer festgelegten Grenze nur nach Eingabe eines Passwortes abzuspielen.

Bei aller visuellen Freude kommt auch der Audio-Bestandteil nicht zu kurz: Eine DVD kann bis zu acht Tonspuren enthalten. So lässt sich zum Beispiel der Filmton in mehreren Sprachen oder ein Audiokommentar des Regisseurs parallel speichern. Jede der Audiospuren kann ein anderes Format benutzen, was Kompressionsverfahren, Abtastfrequenz, Bitauflösung oder die Anzahl der Kanäle anbelangt.

Eine DVD speichert zudem bis zu 32 Untertitel-Spuren. Weil diese nicht als Text, sondern als Pixelgrafik abgelegt sind, lassen sie sich auch für andere Zwecke nutzen. Auf der DVD-Fassung von ‘Matrix’ beispielsweise zeigt in einigen Szenen ein in einer Ecke des Bildschirms eingeblendeter weißer Hase an, dass es zusätzliche Informationen über die Dreharbeiten zu dieser Szene gibt. Ein Druck auf die Select-Taste der Fernbedienung führt zu einem Blick hinter die Kulissen. Anschließend geht der Film an der Stelle weiter, an der man ihn verlassen hatte.

Die Interaktivität lässt sich sogar so weit ausbauen, dass man den Verlauf des Films ebenso wie bei einem Computerspiel per Tastensteuerung bestimmt. Als Beispiel sei hier der Spielhallenklassiker ‘Dragon’s Lair’ genannt, bei dem man den Helden per Fernbedienung in die gewünschte Richtung lenkt oder zum Schwert greifen lässt.

Ein bisher außerhalb der Pornofilmbranche wenig genutztes Feature ist Multi Angle. Dabei kann der Zuschauer die Kameraposition frei wählen oder zu unterschiedlichen Schauplätzen zappen. Ein Krimi könnte dann beispielsweise so aussehen, dass der Zuschauer entscheidet, ob er der Ermittlung der Polizei oder lieber der Flucht des Verbrechers folgt. Wie die Tonspuren speichert man den Film für diese Funktion in mehreren Fassungen parallel auf der DVD.

All diese Möglichkeiten lassen einen schnell übersehen, dass die DVD eigentlich nur eine Weiterentwicklung der CD ist. Sie hat zwar eine größere Speicherkapazität und Übertragungsrate als eine CD, technisch gesehen sind die beiden optischen Speichermedien aber eng verwandt. Sie werden beide über einen Laser ausgelesen und speichern die Informationen mittels Pits und Lands (Erhebungen und Vertiefungen auf der Oberfläche), die wie eine Kette spiralförmig auf der Scheibe angeordnet sind. Unterschiede gibt es nur in der Datendichte und in der Wellenlänge der eingesetzten Laser.

Ein weiterer Unterschied zum Vorgänger ist, dass eine DVD sowohl zweiseitig als auch zweischichtig sein kann. Insgesamt sind so vier verschiedene DVD-Typen mit einer Speicherkapazität von 4,7 (DVD-5) bis hin zu 17 GByte (DVD-18) machbar.

Die CD diente anfänglich nur der Audiowiedergabe; ein echtes Filesystem ist nicht vorhanden. Das bekommt jeder zu spüren, der Audiotracks von CD auf die Festplatte kopieren oder ‘grabben’ möchte. Erst für die Verwendung im Computer ergänzte man die Spezifikation der Audio-CD um die CD-ROM mit ISO-9660-Dateisystem zur Datenspeicherung.

Bei der DVD bewies die Industrie 1997 mehr Weitsicht und legte von Anfang an ein Dateisystem im DVD-ROM-Standard fest: das so genannte Universal Disc Format (UDF). DVD-Video und DVD-Audio setzen auf diesem Standard auf, stellen also gewissermaßen eine Anwendung der DVD-ROM dar.

Im Unterschied zum allgemeinen UDF-Format ist die Verzeichnisstruktur sowie die maximale Dateigröße für DVD-Video fest vorgegeben. Die Spezifikation sieht auf oberster Ebene den Ordner VIDEO_TS vor. Sämtliche Audio- und Video-Dateien sind dort gespeichert. Der Ordner AUDIO_TS ist für die noch nicht besonders verbreitete DVD-Audio reserviert und daher auf Video-Discs leer.

Die Dateien innerhalb des Video-Ordners sind nach einem fest vorgegebenen Schema benannt: IFO-Dateien enthalten die Strukturen der Menüs einer DVD, VOB-Dateien (Video OBject) neben den eigentlichen Bild- und Ton-Daten des Films auch die Untertitel, Subpictures und Still-Image-Menüs. Die BUP-Dateien sind lediglich Backups der IFO-Dateien. Die maximale Dateigröße einer VOB-Datei ist auf 1 GByte festgelegt.

Man mag sich nun wundern, warum Ton und Bild in einer Datei zusammengefasst werden. Der Grund ist, dass die Laufwerke eine recht lange mittlere Zugriffszeit besitzen. Wäre der Ton getrennt vom Bild gespeichert, müsste man mindestens zwei Dateien gleichzeitig auslesen. Der Lesekopf eines DVD-Laufwerks müsste dauernd zwischen den Dateien hin- und herspringen - das würde das ruckfreie Abspielen des Videos und ein verzögerungsfreies Umschalten zwischen verschiedenen Ton- und Untertitelspuren erheblich behindern.

Die Daten sind deshalb durch ein Multiplex-Verfahren zu einer Datei verwoben. Beim Auslesen des Datenstroms kommen so abwechselnd Bild-, Ton- und Steuer-Informationen beim Rechner beziehungsweise DVD-Player an. Dieser speichert sie zunächst in einem Puffer zwischen und gibt sie, sobald ausreichend Daten vorhanden sind, auf Bildschirm und Lautsprecher aus.

Mit Hilfe von Authoring-Programmen (siehe Report auf Seite 218 in der c't 6/2001) legt man das Aussehen der Menüs und die Funktionen der einzelnen Buttons fest. Filmdateien mit den verschiedenen Kamerapositionen und Audiotracks in mehreren Sprachen fasst man zu Objekten zusammen und versieht sie gegebenenfalls mit Untertiteln. Am Ende generiert das Programm aus all den Einzelteilen zunächst eine große Datei. Überschreitet das Projekt die 1-GByte-Grenze, zerteilt sie das Programm automatisch in mehrere VOB-Dateien.

DVD-Video wurde auf eine Datenrate von 1XDVD, also 1,35 MByte/s, festgelegt. Zieht man die Zusatzinformationen - beispielsweise für die Fehlerkorrektur und Kontrollinformationen - ab, bleibt eine Netto-Datenrate von 1,26 MByte/s (entsprechend 10,08 MBit/s) übrig. Diese Bandbreite steht für die Übertragung des gemultiplexten Datenstroms zur Verfügung. Um ein ruckfreies Abspielen zu ermöglichen, dürfen die Datenraten der einzelnen Komponenten wie Ton, Bild oder Untertitel diesen Wert in der Summe nicht überschreiten.

Schnellere DVD-ROM-Laufwerke verbessern die Wiedergabe nicht, denn auch sie spielen Videos nur mit einfacher DVD-Geschwindigkeit ab. Sie bringen nur Vorteile, wenn man eine Daten-DVD benutzt. Ein Lexikon auf DVD-ROM kann dann beispielsweise schneller im Datenbestand suchen.

10,08 MBit/s klingen zwar recht viel, aber in der Realität ist die Bandbreite eher knapp bemessen: Ein nach dem MPEG2-Verfahren komprimierter Video-Film kann schon allein eine Datenrate von bis zu 9,8 MBit/s beanspruchen. So bleibt nur wenig von der verfügbaren Bandbreite für den Ton übrig, weshalb die meisten erhältlichen DVDs die Datenrate reduzieren, um Kapazitäten einzusparen. Der typische Anteil des Bildmaterials liegt für handelsübliche DVDs bei etwa 3,5 MBit/s. Jede Tonspur benötigt je nach verwendetem Komprimierungsverfahren und Anzahl der Kanäle zwischen 64 kBit/s (1 Kanal Dolby Digital oder MPEG-Audio) und 448 kBit/s (5.1 Dolby Digital).

Eine DVD enthält aber nicht zwingend nur eine Film- und Tonspur. Die Möglichkeit der frei wählbaren Kamerapositionen (Multi Angle) beispielsweise verschlingt erhebliche Bandbreite. Um dem Anwender die Möglichkeit zu geben, eine Szene aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten und frei zwischen diesen hin- und herzuschalten, müssen die Varianten des Films parallel auf der DVD gespeichert sein und kontinuierlich mit dem Rest der Daten übertragen werden. Schließlich weiß man im Voraus nie, ob und wann der Zuschauer von einer auf die andere Kameraposition umschalten möchte. Ein Film mit drei Kamerapositionen benötigt demnach auch das Dreifache an Bandbreite und Speicherplatz für die Videodaten. Das Gleiche gilt für die bis zu acht Tonspuren: Wer zu viel Audiomaterial auf einer DVD unterbringen will, kann dabei sowohl an der maximalen Datenrate als auch an der DVD-Kapazität scheitern. In einem solchen Fall hilft nur die Reduktion der Daten durch noch stärkere Kompression oder eine Beschränkung der Bild- und Ton-Qualität.

Dem Produzenten einer DVD stehen diverse Formate zur Verfügung, besonders die Auswahl an Audio-Formaten ist recht groß. Das einfachste stellt LPCM dar. Es legt die Audiodaten wie auf einer CD unkomprimiert ab. Der DVD-Standard kennt 48 oder 96 kHz Abtastfrequenz bei 16, 20 oder 24 Bit Auflösung. Die Gesamtdatenrate darf für Audio maximal 6144 kBit/s betragen.

MPEG-Audio ist bereits dank MP3 vielen ein Begriff - auf der DVD kommt allerdings der MPEG Audio Layer 2, nicht Layer 3, zum Einsatz.

Die maximale Datenrate des AC-3-Komprimierungsverfahrens, das im Dolby-Digital-Format Anwendung findet, beträgt auf DVD 448 kBit/s; das entspricht etwa einem Drittel eines vergleichbaren unkomprimierten Datenstroms. Bis zu fünf diskrete Tonkanäle zuzüglich einem Tieftonkanal sind mit diesen Audio-Format möglich.

dts (Digital Theater System) bietet mittlerweile bis zu 6.1 Surround Sound (dts ES discrete), es nutzt aber eine wesentlich höhere Datenrate als Dolby Digital (768 oder 1536 kBit/s).

Letztlich steht mit SDDS (Sony Dynamic Digital Sound) ein weiteres Verfahren parat - zumindest nach der DVD-Spezifikation. Bisher ist SDDS aber ausschließlich in Kinos anzutreffen, Pläne für einen Einsatz im DVD-Massenmarkt hat Sony bislang nicht verkündet.

Für die Komprimierung des Videomaterials stehen laut Spezifikation zwei Verfahren zur Wahl: MPEG1 und 2. MPEG1 ist allerdings vornehmlich auf den älteren Video-CDs anzutreffen; auf DVDs findet es dagegen keine Anwendung mehr. Es beschränkt die Auflösung auf ein Viertel der PAL- beziehungsweise NTSC-Auflösung und bietet schon alleine deshalb eine eher schlechte Bildqualität.

MPEG2 arbeitet dagegen mit voller Fernsehauflösung und kann sowohl Datenströme mit konstanter (CBR) als auch mit variabler Bitrate erzeugen (VBR). Letztere bieten den Vorteil, dass die Datenrate im Laufe des Films zwischen 1,5 und den maximal erlaubten 9,8 MBit/s schwanken kann; die durchschnittliche Datenrate legt der Videotechniker vor dem Kompressionsdurchgang fest. Der MPEG2-Encoder versucht dann, durch Einsparungen in ruhigen Sequenzen zu kompensieren, dass er bei Szenen mit viel Bewegung ein höheres ‘Bit-Budget’ verbrauchen muss.

Das MPEG2-Format kann weiteren Platz sparen, indem es nicht jedes Einzelbild komplett speichert (I-Frames), sondern meist nur die Unterschiede zum vorangegangenen oder nachfolgenden Bild verzeichnet (P- und B-Frames).

DVD-Authoring-Studios nutzen bei der MPEG2-Kompression alle Tricks, um trotz der relativ geringen Videobandbreite ein möglichst gutes Bild zu erzielen: So bedeutet eine hohe Datenrate nicht zwingend eine bestechende Videoqualität - relevant ist vielmehr der Rechenaufwand, der in die MPEG2-Kompression investiert wird.

Durch gezielte Optimierungen und mehrere aufeinander folgende Encoding-Durchläufe kann mit niedriger Bitrate kodiertes Material deutlich besser aussehen als ein mit hoher Bitrate, aber mit geringem Aufwand erzeugter MPEG2-Datenstrom.

Bislang sind Video-DVDs ausschließlich als vorbespielte Variante zu haben, jetzt rücken die ersten DVD-Brenner aber in erschwingliche Preisregionen vor. Der selbst gebrannten DVD steht also, das richtige Equipment vorausgesetzt, nichts mehr im Wege.

Wie schon bei der CD war zunächst eine einmal beschreibbare Variante der DVD erhältlich. Bereits 1998 brachte Pioneer die ersten DVD-R-Recorder auf den Markt. DVD-Rs besitzen, wie auch CD-Rs, eine Schicht aus organischem Material, in das ein Laser beim Schreiben Löcher brennt. Die erste Generation von DVD-Rs fasste nur 3,95 GByte an Daten, die zweite im Herbst 1999 veröffentlichte Generation speichert bereits wie eine DVD-5 4,7 GByte. Mit der Erhöhung der Kapazität wurde die DVD-R allerdings bedrohlicher für die Filmindustrie, denn so lassen sich theoretisch auch Video-DVDs auf eine DVD-R kopieren. Eine von Hollywood durchgesetzte Unterteilung der Geräte und Medien in eine Authoring- und eine General-Version soll diese Gefahr zumindest eindämmen.

Hauptunterschied der beiden Gattungen ist, dass DVD-R(A)-Rohlinge (DVD-R for Authoring) ein Laser mit 635 nm Wellenlänge beschreibt, wogegen der Laser für DVD-R(G)-Medien (DVD-R for General) mit einer Wellenlänge von 650 nm arbeitet. Die jeweiligen Rohlinge kann also nur der passende Brenner beschreiben.

Die momentan ausschließlich von Pioneer erhältlichen DVD-R-Brenner DVD-R-S101 und DVD-R-S201 fallen in die Gruppe der Authoring-Geräte. Sie nutzen einen Teil des Lead-In-Sektors des Rohlings, um darin das so genannte Disc Description Protocol (DDP) zu speichern. Dies ist notwendig, wenn der Rohling einem Presswerk als Vorlage zur Vervielfältigung dienen soll.

Der zur CeBIT angekündigte Consumer-Brenner DVR-A03, den auch Apple in seinen High-End-Power-Macs einsetzt, gehört zur zweiten Kategorie der General-Geräte und schreibt diese Informationen nicht. Er kann mit Authoring-Rohlingen nichts anfangen und benötigt spezielle DVD-R(G)-Medien, die sich wiederum nicht zur Serienproduktion einsetzen lassen. Zudem besitzen sie einen speziellen Hardware-Kopierschutz, der eine Bit-zu-Bit-Kopie von CSS-geschützten (Content Scrambling System, siehe Kasten auf Seite 216 in der c't 6/2001) Video-DVDs verhindern soll.

Wer daran denkt, selbst eine derart geschützte Video-DVD zu erstellen, sollte beachten, dass keiner der aktuellen Recorder CSS-verschlüsselte Scheiben erzeugen kann. Zwar schreiben sie durchaus die verschlüsselten Dateien, nicht aber den Schlüssel zum Dekodieren: Der so genannte ‘Title-Key’ steht üblicherweise im Lead-In-Sektor einer DVD, den weder Consumer- noch Authoring-Recorder erreichen; für diesen Fall muss man momentan immer noch ein DLT-Streamer-Band verwenden, um die Daten im Presswerk anzuliefern.

DVD-R-Medien beider Sorten sollen laut Pioneer in allen aktuellen DVD-ROM-Laufwerken und Consumer-Playern lesbar sein. Erste Tests [1] haben allerdings gezeigt, dass einige Laufwerke noch Probleme mit den neuen Scheiben haben. Ein ähnlicher Effekt war anfangs bei CD-R- und CD-RW-Medien zu beobachten.

Wer aber lediglich private Aufnahmen von der Hochzeit oder TV-Mitschnitte auf eine DVD-R bannen möchte, braucht sich um diese Dinge keine Gedanken zu machen. Als Ersatz für einen Videorecorder taugt die DVD-R auch mit den genannten Einschränkungen. Um VHS-Systemen aber vollständig Konkurrenz zu machen, fehlt der DVD-R-Technik noch die Fähigkeit, Aufnahmen zu löschen oder zu überspielen. Dies ist erst mit einem wiederbeschreibbaren Medium wie DVD-RAM, DVD-RW oder DVD+RW möglich. In diesem Bereich hat sich die Industrie noch nicht auf ein Format einigen können.

Alle drei wiederbeschreibbaren Kandidaten verwenden die Phase-Change-Technik. Statt eines organischen Farbstoffs kommt hier ein Stoff zum Einsatz, den man durch punktuelles Erhitzen in kristallinen oder amorphen Zustand versetzen kann. Nur im kristallinen Zustand wirft das Material das Laserlicht zurück. Durch die Aufzeichnung entsteht auf dem Phase-Change-Material eine Spur von reflektierenden und nichtreflektierenden Zonen.

Der erste offiziell spezifizierte wiederbeschreibbare DVD-Standard war DVD-RAM, der aber bis heute ein Nischendasein als reines Wechselplattenmedium führt. Der Grund dafür liegt vornehmlich in der Inkompatibilität zu DVD-ROM-Laufwerken und Consumer-DVD-Playern. Die relativ empfindlichen Medien waren zunächst aus Schutzgründen in einem Caddy eingeschlossen, der sich meist nicht öffnen ließ und so rein mechanisch das Einlegen in ein DVD-ROM-Laufwerk verhinderte. Mittlerweile sind die Medien auch ohne Caddy erhältlich, was aber an der spärlichen Verbreitung der Geräte nichts geändert hat. Ein weiteres Hindernis stellt das verwendete Material dar, auf dem die Informationen gespeichert sind: Seine Reflexionseigenschaften weichen so stark von denen einer DVD-ROM ab, dass handelsübliche DVD-ROM-Laufwerke das eingelegte Medium nicht lesen können. DVD-RAM-Medien sind deshalb nur in den entsprechenden Recordern oder speziell angepassten DVD-ROM-Laufwerken lesbar, die es aber nicht in nennenswerter Anzahl gibt.

Pioneer entwickelte ein wiederbeschreibbares Format namens DVD-RW (zuvor auch als DVD-R/W oder DVD-ER, für Erasable, bezeichnet). Die entsprechenden Scheiben sind aber wegen der abweichenden Reflexionseigenschaften der verwendeten Materialien nicht in jedem DVD-Player nutzbar. Da zweischichtige DVD-ROMs (im DVD-9-Format) ähnliche Reflexionseigenschaften aufweisen wie die DVD-RW, verwechseln die Laufwerke den Medientyp und suchen auf dem einschichtigen DVD-RW-Medium eine zweite Schicht. Laut Pioneer ist ein Firmware-Upgrade notwendig, um auch alten Playern den korrekten Umgang mit DVD-RW beizubringen.

Etwa zu dem Zeitpunkt, als DVD-RAM als offizieller Standard festgeklopft wurde, legte eine Gruppe von Herstellern rund um Sony, Philips und HP einen eigenen Vorschlag für wiederbeschreibbare DVDs vor: DVD+RW. Diese sollten endlich eine vollständige Kompatibilität zu bereits vorhandenen DVD-ROM-Laufwerken und -Playern bieten. Die technischen Daten dieser DVD-Variante stimmen denn auch bis auf einen Punkt mit denen der gepressten DVDs überein. Die Ausnahme bilden analog zur DVD-R die Reflexionseigenschaften. Sie liegen ebenfalls im Bereich einer zweischichtigen DVD-9 und werden deshalb ebenfalls aller Wahrscheinlichkeit nach einige DVD-Player verwirren.

Als Bonus sollen DVD+RW-Recorder im Unterschied zu DVD-RAM-Laufwerken in der Lage sein, im CAV-Verfahren aufzunehmen. CAV steht wie auch bei CD- und DVD-ROM-Laufwerken für Constant Angular Velocity. Das bedeutet, dass sich das Medium mit konstanter Geschwindigkeit dreht. In den äußeren Bereichen einer Disc können aber pro Windung mehr Daten untergebracht werden, was beim Lesen zu einer zunehmenden Datenrate mit der Annäherung des Lasers an den Rand einer DVD oder CD führt.

Analog müssen die Laufwerke dann aber auch in der Lage sein, beim CAV-Recording mehr Daten pro Sekunde zu schreiben, was einen entsprechenden Laser voraussetzt. Das Hauptproblem beim schnellen Schreiben ist, dass die verwendeten Phase-Change-Materialien eine gewisse Zeit brauchen, bis sie heiß genug sind und ihren Zustand ändern. Der Laser muss also mehr Hitze in kürzerer Zeit erzeugen und trotzdem ebenso genau schreiben wie im langsamen Schreibmodus.

Dieser Umstand wird sich vor allem im Preis der Geräte bemerkbar machen. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt in der schnelleren Positionierung der Laser-Einheit, da lediglich die Position des Lasers, nicht aber die Drehgeschwindigkeit der DVD geändert werden muss. Nicht-lineare Video-Aufnahmen, wie sie zum Beispiel auf fragmentierten Discs notwendig sind, sollen so möglich sein - ein Vorteil, den DVD-RAM nicht bieten kann. Philips will darüber hinaus durch das so genannte lossless linking ein nahezu punktgenaues Anhängen weiterer Aufnahmen an bereits bestehende Daten ermöglichen. Das macht aus DVD+RW den aussichtsreichsten Kandidaten als Ersatz für den Videorecorder.

Das DVD-Forum erkannte den Vorschlag bislang nicht offiziell an, was die +RW-Gruppe aber nicht davon abhält, weiter an dem Verfahren zu arbeiten. Sie argumentiert, ihre wiederbeschreibbare DVD entspreche genau der Spezifikation einer DVD, weshalb der Standard gar nicht abgesegnet werden müsse. Selbst wenn das DVD-Forum den Vorschlag ablehnt, hindert das die +RW-Gruppe nicht an der Vermarktung der Geräte.

Letztlich entscheidet der Verbraucher, welches der drei Formate die Oberhand gewinnt. Erste Consumer-Geräte nach dem +RW-Standard sind bereits für Herbst dieses Jahres angekündigt. Dann wird sich zeigen, ob die Versprechungen der Hersteller Wahrheit werden und die Medien in den gängigen Geräten abspielbar sind. (mst)

[1] Markus Stöbe, Scheibenzirkus, 17 CD- und DVD-ROM-Laufwerke im Vergleich, c't 4/01, S. 154

[2] Andreas Bogk, DVD-Schutz gegen Anfänger, Das Content Scrambling System der DVD-Video im Detail, c't 8/2000, S. 220

[3] Gerald Himmelein, Mit edlen Motiven, Hintergründe zum Crack der DVD-Verschlüsselung, c't 24/99, S. 30

[4] Stefan Jaeger, Legal oder illegal?, Der rechtliche Status des DVD-Hackertools, c't 14/2000, S. 28

[5] Harald Bögeholz, Bilder in Ketten, Kopierschutz bei der DVD-Video, c't 20/99, S. 132

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