Kommentar: Sun auf Einkaufstour

Wissen | Reportage

Mit der deutschen Innotek GmbH ergänzt Sun seinen Softwarestack um die freie Virtualisierungslösung VirtualBox.

Sun auf Einkaufstour: Nach der Übernahme von MySQL AB für eine Milliarde US-Dollar vor vier Wochen und dem Kauf von CFS, Hersteller des Cluster-Dateisystems Lustre, im Herbst vergangenen Jahres will das Unternehmen jetzt für eine nicht bekanntgegebene Summe die Innotek GmbH übernehmen. Sun geht es dabei um VirtualBox, die offene Virtualisierungslösung des deutschen Anbieters. VirtualBox etabliert sich zunehmend als ernstzunehmende Konkurrenz zu VMware Workstation und Microsofts VirtualPC, will aber wohl auch in andere Marktsegmente vorstoßen: Schon seit längerem kursiert das Gerücht, Innotek arbeite auch an einem Hypervisor, der – ähnlich Xen, dem VMware ESX Server oder Microsofts Hyper-V – direkt auf der Hardware läuft. Das nötige Know-how dazu dürfte zumindest vorhanden sein: Innotek ist ein alter Hase im Virtualisierungsgeschäft, der unter anderem VirtualPC mitentwickelt hat.

Nun hat Sun aber bereits eine derartige Technologie im Angebot: Die Xen-Portierung Sun xVM ist ein solcher "Bare-Metal-Hypervisor". Folgerichtig sieht Sun VirtualBox eher als Desktop-Lösung, die das Serverangebot xVM ergänzen soll. Das Unternehmen positioniert VirtualBox als Lösung für Entwickler, die mehrere Betriebssysteme parallel laufen lassen wollen.

Möglicherweise gehen Suns Pläne aber auch darüber hinaus. Die Übernahme von XenSource durch Citrix im vergangenen Sommer dürfte die Attraktivität von Xen für ein Unternehmen wie Sun, das die Kerntechnologien gerne im Hause hat, nicht eben gesteigert haben. So hat Citrix recht strenge Richtlinien bezüglich der Verwendung der Marke Xen und des Xen-Logos aufgestellt, die darauf hinauslaufen, dass Hersteller eigene Xen-Versionen von Citrix zertifizieren lassen müssen, wollen sie sie Xen nennen. Zudem liest man auf den Xen-Entwicklerlisten immer wieder von Problemen im Zusammenhang mit Solaris – offenbar ist Xen doch enger mit dem Linux-Kernel verbandelt, als es auf den ersten Blick scheinen mag.

Ein eigener Open-Source-Hypervisor, dessen Rechte bei Sun liegen und dessen Entwickler-Know-how man im Hause hat, würde Suns eigenes Software-Angebot schön ergänzen. Mit OpenSolaris sowie Java und den vielfältigen Produkten rund um die Programmiersprache ist man in Sachen Betriebssystem und Web-Entwicklung gut aufgestellt. Das frisch eingekaufte MySQL liefert die Datenbank dazu, Lustre ein Cluster-fähiges Dateisystem, das dort anfängt, wo das eigene ZFS aufhört, und VirtualBox jetzt die – strategisch immer wichtiger werdende – Virtualisierung.

Wenn Jonathan Schwartz' Vision für Sun im Aufbau eines eigenen Open-Source-Stacks für Rechenzentren komplett aus Inhouse-Technologie liegt, ist das Unternehmen diesem Ziel mit Lustre, MySQL und VirtualBox ein Stück näher gekommen. Man kann gespannt sein, wie es weitergeht. (odi)

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