Kraft-Werk

Synthesizer-Simulation für Windows 95

Test & Kaufberatung | Kurztest

Ganz in den Trend der 70er Jahre fügt sich VAZ: es führt zu den Anfängen moderner elektrifizierter Musik und simuliert einen einfachen analogen Synthesizer - digital auf dem heimischen Windows-PC.

Synthesizer bestehen im einfachsten Fall aus einem in der Tonhöhe (Frequenz) veränderbaren Oszillator sowie einem in der Lautstärke veränderbaren Verstärker (VCA). Schließlich soll der Ton ja nicht nur schlagartig ein- und ausschalten, sondern auch vernünftig an- und abklingen. Fügt man einer solchen Minimalausstattung noch einen niederfrequenten weiteren Oszillator zur Modulation des Hauptoszillators (LFO) hinzu, befindet man sich schon auf dem Niveau der berühmt-berüchtigten Synth-Drum-Pads der 70er (Disco-) Jahre.

Um aber mehr als recht flache und eintönige synthetische Klänge zu erzeugen, ist mindestens ein zweiter Oszillator erforderlich. Dieser kann den Grundklang durch leichtes Verstimmen oder als in Abständen von einer oder mehreren Oktaven mitlaufenden Zweitstimme kräftig andicken. Doch dick allein macht auch nicht glücklich, erst durch die Klangformung mit einem dynamischen Filter (VCF) bekommt der bisher eher nach Physik-Labor riechende Ansatz erste musikalische Qualitäten und klingt denn auch wie frühe analoge Synthies der ersten Stunde.

Das Programm VAZ bringt die Technik erster analoger Synthesizer auf den Windows-PC, und zwar in Echtzeit, was es von vielen anderen Programmen dieser Art unterscheidet. Jede Änderung an den Schiebereglern oder von anderen Einstellungen wird sofort hörbar, auf der Tastatur oder einem per MPU-401-Port angeschlossenen Keyboard läßt sich dieser virtuelle Synthesizer also 'richtig' spielen. Allerdings kommt man auch bei VAZ um die unvermeidliche Latenzzeit, eine spürbare Verzögerung zwischen Tastenanschlag und Wiedergabe, nicht herum.

VAZ bietet zwei Oszillatoren, verschiedenste Modulationsquellen, einen LFO, einen Mischer, ein Filter mit Resonanz (unverzichtbar für 'amtliche' Sounds), sowie zwei Hüllkurvengeneratoren mit ADSR-Einstellung (Attack, Decay, Sustain und Release). VAZ ist sehr einfach zu bedienen: Start-Button drücken und kräftig an allen Reglern schrauben - Spielen ist hier ausdrücklich erwünscht. Wer sich sonst nur mit Wavetables und vorgefertigten Soundbänken herumschlägt, findet in der Hilfe eine leicht verständliche Schritt-für-Schritt-Einweisung. In zwei kurzen Tutorials zeigt der Autor, wie VAZ den bekannten TB-303 simuliert, einen seit Techno wieder stark gefragten Step-Sequencer von Roland. Denn VAZ enthält nicht nur eine sehr ähnliche Klangerzeugung, sondern auch einen ebensolchen Sequencer. Bis zu 16 in einem festen Raster stehende Noten lassen sich als Schleife abspielen und mit einer Accent-Funktion nachträglich in der Lautstärke beeinflussen. In der zweiten Lektion gibt es noch zahlreiche Tips und Tricks zum effizienten Einsatz der zwei Oszillatoren. Hat man nach langer Tüftelei den ultimativen Sound kreiert, läßt er sich als Wave-Datei für die Ewigkeit konservieren.

VAZ ist in der hier vorgestellten Form Freeware. Es ist sowohl lehrreich als auch unterhaltend; dank einfacher Gestaltung der Bedienoberfläche und guter Performance macht es beim Experimentieren viel Spaß. Wer auf den Geschmack gekommen ist und sich nach mehr Funktionen 'richtiger' Synthies sehnt, kann VAZ Plus für 63 DM käuflich erwerben. Diese Variante enthält zusätzlich Multimode-Filter, Portamento, Ringmodulator, bis zu acht Pattern im Sequencer, das Speichern der Patches und erlaubt mit einer leistungsfähigen CPU auch Polyphonie, also mehrstimmiges Spielen. (se)


VAZ 1.1a (vaz11a.exe, Freeware) ist unter anderem bei http://www.software-technology.com sowie in der c't-Mailbox per Download erhältlich.

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