Kurz und knapp

MCX: Universal-Commodity für Amiga

Wissen | Hintergrund

Fast sind sie ausgestorben - doch gelegentlich tauchen neue auf: kleine Shareware-Hilfen, bei denen 'klein' noch das Programm und nicht den Funktionsumfang meint. Trotz seiner nur 20 KByte ist MultiCX die eierlegende Wollmilchsau unter den Commodities.

Es geht wohl jedem Amiga-Besitzer so: Mit der Zeit bläht sich der WBStartup-Ordner mehr und mehr. Hilfsprogramme, Patches und Commodities, alle sind irgendwie wichtig, keins möchte man missen. Zusammen reduzieren sie aber den verfügbaren Speicher spürbar. Und nicht nur das - je mehr Systempatches, desto diffiziler das Zusammenspiel. Die falsche Reihenfolge kann schon mal einen Absturz zeitigen.

Martin Berndt hält mit MulitCX den großen Besen bereit. Dieses Programm beinhaltet so ziemlich alles, was der Amiga-Gemeinde an mehr oder minder sinnvollen Patches und Systemerweiterungen anheim stand. Selbst einige der mit AmigaOS ausgelieferten Commodities lassen sich einsparen: MCX macht AutoPoint, Blanker, ClickToFront, MouseBlanker und NoCapsLock überflüssig. Schon diese fünf brauchen mehr Platz als MCX.

Doch wo das OS aufhört, legt MCX erst richtig los - die Funktionen sind so zahlreich, daß sie hier nur exemplarisch erwähnt werden können. Ob Screen-Handling (Umschalten, Zentrieren, Verschieben, Default-Public-Screen festlegen) oder Fensterhandling (Aktivieren, Schließen, Zoomen, Umschalten), MCX läßt kaum Wünsche offen.

Für Tastaturfans hat MultiCX noch mehr zu bieten. Das von MSDOS-PCs bekannte Eingeben von Sonderzeichen mittels der Alt-Taste und dem Eintippen des ASCII-Codes läßt sich auch mit MCX erledigen. Wer mit deutscher Tastatur im Datennetz unterwegs ist, findet eine automatische Wandlung der Umlaute in ihre Umschreibungen. Praktisch auch der Edit-Hook, der den System-Gadgets den Weg zu Editiermöglichkeiten und Clipboard-Zugang eröffnet. Nun kann man auch in normale Gadgets den Inhalt des Paste-Boards kopieren. Selbst das 'PopCLI' wurde integriert: Auf Tastendruck öffnet sich eine Shell.

Auch zahlreiche Systempatches bietet MultiCX. Neben den von Commodore vorgesehenen Flags (Blackborder für schwarzen Bildschirmrahmen, Noclick zum Stoppen des Floppy-Klickens, Wildstar für * als Wildcard) manipuliert es auch den Tiefpaßfilter, die Parameter des trackdisk.device (Step, Settle und Calibrate-Zeiten der Floppy) sowie einige Systemroutinen.

Selbst die Arbeit mit dem Mac-Emulator ShapeShifter gestaltet sich komfortabler. Es ist möglich, den emulierten Mac komplett einzufrieren, wenn sein Screen nicht vorne ist. So verbraucht das MacOS nur Rechenzeit, wenn man auch damit arbeitet. Des weiteren emuliert die rechte Maustaste auf Wunsch den Doppelklick.

Optisch verschönert wurde nicht nur das Verschieben von Fenstern und ihre Größenänderung, die nun nicht mehr als Rahmen, sondern 'opaque', also mit dem kompletten Fenster erfolgt. Auch der 'new look' für die Fensterelemente und Gadgets läßt sich aktivieren, zusammen mit WBGauge, einem Patch, der die seit 2.0 verschwundene Füllstandsanzeige in Verzeichnisfenstern wieder nachrüstet.

Praktisch sind schließlich ein Reset-Handler, der für einen echten Kaltstart sorgt (hilft gegen Viren und residente Tools) sowie AssignWedge. Letztere Funktion erweitert den lästigen 'Please insert volume'-Requester, der allzuoft nach Vertippern auftaucht, unter anderem um Gadgets, mit denen sich dieses Volume nachträglich einbinden läßt.

MultiCX wird schnell zum unverzichtbaren Helferlein bei der täglichen Arbeit und ist mit 20 Mark durchaus preiswert. In Relation dazu erscheinen die ebenfalls 20 Mark für das separat zu registrierende Preferences-Programm hoch. (dz)


MultiCX (Shareware, 20 DM) und MCXPrefs (Shareware, 20 DM) finden sich auf allen Aminet-Mirrors, z. B. unter ftp://ftp.uni-paderborn.de/pub/aminet/util/cdity/ sowie in der c't-Mailbox.

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