Kurz vorgestellt: Ubuntu Tweak

Test & Kaufberatung | Test

Ubuntu Tweak will die Ubuntu-Konfiguration einfacher machen, aber gleichzeitig Optionen anbieten, die sonst nicht zugänglich sind. Kann das klappen?

Das Tool ordnet seine diversen Einstellungsdialoge übersichtlich in verschiedene Kategorien von Anwendungen bis System. Ubuntu Tweak ist ordentlich in das System integriert: Startet man es ohne Root-Rechte, bietet es wie einige Gnome-Systemtools einen "Entsperren"-Button, um systemkritische Funktionen wie das Entfernen und Nachinstallieren von Software freizuschalten.

"Pakete aufräumen" kann mehr als Ubuntus Rechner-Hausmeister.

Die Aktualisierungsverwaltung und das Software-Center bieten nichts grundlegend anderes als die entsprechenden Tools in Ubuntu, nennen aber leider (im Unterschied zu den Ubuntu-Tools) keine Details zu den aufgeführten Paketen – da bleibt man besser bei den Ubuntu-Tools. Hinter dem Quellen-Editor verbirgt sich genau das, was der Name sagt: ein simpler Texteditor, der die Datei /etc/apt/sources.list öffnet.

Das Tool Pakete aufräumen hingegen geht deutlich radikaler zu Werke als der "Rechner-Hausmeister" von Ubuntu. So entfernt Ubuntu Tweak auf Mausklick auch alte Kernel-Images, wie sie sich mit jedem Kernel-Update ansammeln, und führt an Stelle eines Remove (das Konfigurationsdateien nicht löscht) einen Purge-Lauf durch, der die Pakete vollständig entfernt.

Ubuntu Tweak kennt zahlreiche zusätzlicher Repositories für Ubuntu.

Das Source Center bietet Zugriff auf eine Vielzahl von vorkonfigurierten PPAs (Personal Package Archives), die neuere oder nicht in Ubuntu enthaltene Softwarepakete bereitstellen. Dort findet man beispielsweise den Adobe Flash Player in einer 64-Bit-Version oder die neueste VLC-Version. Leider gibt es auch hier keine Detailinformationen zu den aufgelisteten Paketen: Weder erfährt man, um welche Versionsnummer es sich handelt, noch kann man bei einigen Programmen auch nur herausfinden, welche Funktion sie eigentlich haben – dazu ist zunächst ein Klick auf den Link zur Projekt-Homepage nötig.

Während das Tool Autostart Programme lediglich genau dieselben Möglichkeiten bietet wie das Ubuntu-Werkzeug "Startprogramme", fassen die Sitzungseinstellungen einige Optionen zusammen, die Ubuntu standardmäßig über mehrere Konfigurationstools verteilt oder nur über den gconf-editor zugänglich macht. Diese Optionen etwa zum Einstellen eines anderen Panels dürften allerdings nur für die wenigsten Nutzer nützlich sein.

Die Compiz-Einstellungen erfordern zunächst die Installation des Pakets compizconfig-settings-manager (ccsm) und einen anschließenden Neustart von Ubuntu Tweak. Auch dann ist allerdings nur ein Bruchteil der Einstellungen verfügbar, die ccsm bietet. Komfortabel gelöst ist allerdings die Einstellung von Aktionen wie "alle Fenster anzeigen" – das allerdings kann die einfache Variante von compizconfig-settings-manager (simple-ccsm) genau so gut.

Über Desktop-Symbole erreicht man einige sonst nur über den gconf-editor zugängliche Optionen des Dateimanagers Nautilus zur Anzeige der Einträge "Computer", "Persönlicher Ordner" und "Müll" aus dem "Orte"-Menü auf dem Desktop.

Die Fenstermanagereinstellungen bieten einige weniger häufig genutzte Optionen, die sonst nur über den gconf-editor einstellbar sind, etwa, wie transparent die Titelleiste von inaktiven Fenstern dargestellt werden soll. Gleiches gilt für die Gnome-Einstellungen, mit einer Ausnahme: Hier lässt sich das Icon des Startmenüs im Panel ändern – dafür kenne ich keinen anderen Weg.

Orte für Standardverzeichnisse ist ein Frontend zur Änderung der Einträge in der Datei ~/.config/user-dirs.dirs, die die Standardverzeichnisse für den Desktop (Dokumente, Musik, Bilder und so weiter) nach dem Freedesktop.org-Standard festlegen.

Das Tool Skripte verwalten bietet eine Reihe von Skripten an, die das Kontextmenü des Dateimanagers Nautilus um zusätzliche Funktionen erweitern. Hier finden sich einige durchaus nützliche Funktionen wie das Erstellen einer MD5-Checksumme oder das Öffnen einer Datei im Editor mit Root-Rechten. Die hier installierten Skripte landen in ~/.gnome2/nautilus-scripts/.

Unter Tastaturkürzel kann man beliebige Befehle auf beliebige Tastenkombinationen legen – das geht über das Standard-Gnome-Werkzeug genau so gut. Und ob man wirklich Vorlagen zum Anlegen neuer Dateien wie Python-Skripten oder einfachen Textdokumenten braucht?

Unter den Computer-Details erfährt man nichts, was die Gnome-Systemüberwachung nicht auch kund täte. Sinnvoll hingegen ist das Tool Dateitypzuordnung: Hier kann man einstellen, welche Anwendungen sich für welche Dateitypen zuständig fühlen sollen. Unter den Erweiterten Energieeinstellungen lässt sich festlegen, dass der Bildschirm nicht gesperrt werden soll, wenn der Bildschirmschoner anspringt oder der Rechner in den Standby oder Suspend to Disk geht.

Die Nautilus-Einstellungen machen einige eher exotische Einstellungen des Dateimanagers zugänglich. Über das Tool Sicherheitseinstellungen schließlich kann man einige Funktionen des Kiosk-Modus von Gnome aktivieren, beispielsweise Alt-F2 zum Ausführen beliebiger Anwendungen oder das Drucken deaktivieren.

Insgesamt bietet Ubuntu Tweak nur wenig: Viele Einstellungen findet man auch in den Standard-Konfigurationswerkzeugen von Ubuntu (dort teilweise sogar übersichtlicher), andere erscheinen wenig nützlich. Die Auswahl der angebotenen Konfigurationsoptionen wirkt etwas beliebig, so fehlen beispielsweise elementare Desktop- und Systemeinstellungen wie Schriften und Benutzerverwaltung. Als zentrales Konfigurationstool an Stelle der verstreuten Gnome- und Ubuntu-Werkzeuge taugt Ubuntu Tweak nicht.

Sinnvolle Erweiterungen sind das Source Center, sofern man mit der Software in den Standard-Repositories nicht auskommt, die Dateitypzuordnung und die Nautilus-Skripte. Ob sich dafür die Installation eines Tools lohnt, das sich an einer Reihe von Dateien zur Systemkonfiguration zu schaffen macht, muss jeder selbst entscheiden.

Kommentare

Anzeige
Anzeige