Kurztest: Windows Mixed Reality überzeugt, Start mit 38 VR-Titeln Update

Kurztest: Windows Mixed Reality überzeugt, Start mit 16 VR-Titeln

Test & Kaufberatung | Test

Die erste Windows-Mixed-Reality-Brille - Acer AH101 - ist in unserem Testlabor eingetroffen und wir sind ziemlich angetan: Die Installation funktioniert einfach, das Mittendrin-Gefühl stimmt, die 38 Titel zum Start sind ordentlich. Ein paar Kritikpunkte haben wir aber auch.

Das erste Windows-Mixed-Reality-Headset ist eingetroffen – und nach einigen Stunden im c't-Testlabor ist unser erstes Fazit durchaus positiv. Gerade in Bezug auf die einfache Installation hat Microsoft nicht zu viel versprochen: Direkt nach dem Einstecken von USB- und HDMI-Stecker erkannte Windows das Acer-AH101-Headset und begann die Installation.

Beim ersten Versuch meldete der Installer zwar einen Fehler, aber nachdem wir eine andere USB-Buchse verwendeten, klappte alles wie geschmiert. Rund zwei GByte musste der Installer herunterladen, bis wir das erste Mal das "Cliff House" – so heißt bei Windows MR das Hauptmenü – betreten konnten.

Die Windows-Mixed-Reality-Headsets (die eigentlich ganz normale Virtual-Reality-Headsets sind) erfordern zwingend das am heutigen Dienstag veröffentlichte Windows Fall Creators Update, mit vorherigen Windows-Versionen lassen sie sich nicht in Betrieb nehmen.

Sehr unschön: Obwohl zwei Hand-Controller im 450 Euro teuren Paket lagen, konnten wir diese nicht auf Anhieb verwenden. Man benötigt einen Bluetooth-Dongle – und der wird unverständlicherweise nicht mitgeliefert. Das gilt nicht nur für das von uns getestete Acer-Headset, sondern auch für die Variante von Lenovo. Ob HP, Dell, Asus, Samsung und Erazor einen Dongle mit in den Karton legen, wissen wir bislang nicht. Viele Notebooks bieten zwar eine integrierte Bluetooth-Funktion, Desktop-PCs aber gewöhnlich nicht. Solche Probleme hätte man eigentlich grundsätzlich vermeiden können: Schließlich ist das Headset über USB mit dem Rechner verbunden und könnte deshalb die Kommunikation mit den Controllern übernehmen – so macht es auch die Konkurrenz.

Trippiger Effekt: Startet man eine VR-App im "Cliff-House"-Hauptmenü, fällt die Umgebung in unzählige Polygone zusammen.
Trippiger Effekt: Startet man eine VR-App im "Cliff-House"-Hauptmenü, fällt die Umgebung in unzählige Polygone zusammen. (Bild: c't )

Mit einem kurzfristig aufgetriebenen Standard-Dongle konnten wir die Controller schließlich in Gang setzen. Allerdings mussten wir vorher in die Anleitung schauen: Der Pairing-Knopf befindet sich unter der Batterieklappe, darauf muss man erstmal kommen.

Das Tracking der Hand-Controller funktioniert auch dann ordentlich, wenn man sie aus dem Sichtbereich der Kameras hält. In einigen Apps fiel uns ein leichtes Zittern der virtuellen Hände auf; allerdings nicht so stark wie bei der Playstation VR. Insgesamt funktioniert das Handcontroller-Tracking ordentlich, aber nicht ganz so gut wie bei Oculus Rift und HTC Vive. Das Tracking des Headsets selbst klappt einwandfrei und kann sich problemlos mit Vive und Rift messen.

Während alle bisher erschienen Premium-Headsets (Rift, Vive und Playstation VR) OLED-Displays verwenden, kommen in den ersten Windows-MR-Brillen LCDs zum Einsatz – mit einer höheren Auflösung als die Konkurrenz: Die Acer-Brille zeigt pro Auge 1440 × 1440 Pixel an, Rift und Vive nur 1080 × 1200, PSVR sogar nur 960 × 1080. Die höhere Auflösung bringt tatsächlich etwas: Das Acer-Headset stellt Schrift deutlich schärfer dar als die Konkurrenz. Sicherlich hat das auch damit zu tun, dass die Pixel hier konventionell schachbrettartig angeordnet sind und nicht wie bei Rift und Vive asymmetrisch ("Pentile-Matrix"), was zusätzlich zu Ausfransungen führt. Wir hatten keine Probleme mit einer Brille unter dem VR-Headset.

Die Acer-Brille hat aber auch ein paar Nachteile: So wirken die Farben flauer als bei den OLED-Mitbewerbern, außerdem ist das Sichtfeld (FoV) kleiner: Im Vergleich zur Oculus Rift bescheinigten drei c't-Redakteure der Acer-Brille einen deutlicheren "Bullaugen-Effekt". Außerdem schade: Ein Kopfhörer ist nicht eingebaut, man muss also mit einem zusätzlichen Kabel herumhantieren.

Der Edge-Browser ist als Wand-Projektion bereits voreingestellt.
Der Edge-Browser ist als Wand-Projektion bereits voreingestellt. (Bild: c't )

Durchs hübsch gestalteten Cliff-House-Hauptmenü bewegt man sich per Teleport: Drückt man den Analog-Stick nach vorne, wird ein Kompasssymbol auf den Boden projiziert. Lässt man los, wird man an diese Stelle gebeamt. Ein Umschalten auf konventionelle Stick-Steuerung scheint bislang nicht möglich zu sein, offenbar will Microsoft so Simulator-Krankheit vermeiden.

Im Cliff House kann man per Controller virtuelle (2D-)Bildschirme frei im Raum verteilen und die von der Hololens bekannten 3D-Hologramme platzieren. Häufig verwendete Funktionen sind bereits an einigen Wänden vorinstalliert: So gibt es zum Beispiel ein großes Browser-Fenster und eins für den Store. WebVR-Anwendungen liefen im Cliff-House-Browser (natürlich Microsoft Edge) in unserem Test bislang nicht.

Zurzeit lässt sich Software ausschließlich über den Microsoft Store installieren. Das Angebot ist zum Start eher übersichtlich: 38 Programme gibt es, davon rund die Hälfte VR-Spiele. Die meisten Titel sind schon von anderen VR-Systemen bekannt. Bei der Auswahl hat Microsoft aber ein gutes Händchen bewiesen, besonders im Spiele-Bereich: Superhot VR, Arizona Sunshine und Fantastic Contraption gehören zu den besten für VR erhältlichen Titeln.

Auch Nicht-Besitzer einer Windows-Mixed-Reality-Brille bekommen ab sofort im Microsoft-App-Store VR-Software angeboten.
Auch Nicht-Besitzer einer Windows-Mixed-Reality-Brille bekommen ab sofort im Microsoft-App-Store VR-Software angeboten.

Die komplette Liste (Stand 17. Oktober 2017):

  • Arizona Sunshine (Zombie-Shooter, 24,99€)
  • Superhot VR (origineller Zeitlupen-Shooter, 24,99€)
  • vTime (soziales Netzwerk, gratis)
  • Littlstar VR Cinema (360-Grad-Video-Plattform, gratis)
  • Fantastic Contraption (Knobelspiel, 19,99€)
  • Skyworld (clevere Mischung aus Runden- und Echtzeitstrategie, 39,99€)
  • Inception VR (360-Grad-Video-Plattform, gratis)
  • NextVR (360-Grad-Video-Plattform, auf Sport fokussiert, gratis)
  • Space Pirate Trainer (Wave-Shooter, 14,99€)
  • Form (surreales Adventure, 14,99€)
  • Free the Night (interaktiver Film)
  • Ghostbusters VR - Now Hiring, Chapter 1 (Action-Spiel, 6,99€)
  • theBlu: Season 1 (interaktiver Tauchgang, 9,99€)
  • Halo Recruit (Actionspiel, gratis)
  • Filme & TV (VR-Kino, funktioniert auch mit lokal auf der Festplatte gespeicherten Videodateien, gratis)
  • MoveStudio (surreale Tanzsimulation, gratis)
  • HeadSquare (Multiplayer-Geschicklichkeitsspiel, 4,99€)
  • Luna (Musikspiel, 14,99€)
  • Heroes of the Seven Seas (Piraten-Rollenspiel, 6,99€)
  • The Rose and I (Animierter VR-Film, gratis)
  • Dreadhalls (Horrorspiel, 9,99€)
  • Hypercade (Arcadespiel, 4,99€)
  • HoloTour (interaktiver Reiseführer, gratis)
  • Sliver.tv (360-Grad-Video-Plattform, fokussiert auf E-Sports, gratis)
  • Ryot (360-Grad-Video-Plattform, gratis)
  • Stunt Kite Masters (Sportspiel, 9,99€)
  • InVokeR (Magier-Kampfspiel, 14,99€)
  • Land of Dinosarus VR (Dinosaurier-Erfahrung, 2,99€)
  • Pixvana 360 Video Player (360-Grad-Video-Player, gratis)
  • Hologramme (3D-Objekt-Datenbank, gratis)
  • Masterpiece VR (Objekt-Design-Tool, 29,99€)
  • Racket: NX (Arcade-Sportspiel, 19,99€)
  • Tee Time Golf (Sportspiel, 14,99€)
  • BingoClass (Lernspiel, gratis)
  • Youku VR Pro (360-Grad-Video-Plattform, gratis)
  • Dark Legion (Shooter, 16,99€)
  • Headbutt Factory (Action-Adventure, 19,99€)
  • GunSpinning VR (Rail-Shooter, 5,99€)
Es sollen schon bald deutlich mehr Titel hinzukommen: Microsoft und Valve arbeiten an einer Unterstützung von SteamVR, noch in diesem Jahr soll es soweit sein.

Trotz des noch kleinen Softwareangebots sind wir sehr beeindruckt vom Acer-Headset und Windows Mixed Reality: Dass man keine externen Tracker mehr braucht, vereinfacht den VR-Spaß ungemein. In der Praxis funktioniert das Inside-Out-Tracking mit den beiden integrierten Kameras einwandfrei, vom zeitweiligen leichten Zittern der Controller einmal abgesehen.

Auch der optische Eindruck ist ordentlich: Das Bild wirkt zwar etwas flauer als bei Rift & Co, dafür aber auch schärfer. Wir hoffen allerdings, dass die anderen Windows-MR-Headset-Hersteller das kleine Sichtfeld und den damit verbundenen "Bullaugen-Effekt" besser in den Griff bekommen. Außerdem zu hoffen: Dass dem 450 Euro teuren Gesamtpaket künftig ein Bluetooth-Dongle beiliegt. (jkj)

[Update, 17. Oktober 2017, 23:40 Uhr] Software-Liste ergänzt.

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Kapitel
  1. Bluetooth-Dongle nicht mitgeliefert
  2. Schön scharf
  3. Innenarchitektur
  4. Vorläufiges Fazit
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