Leipziger Allerlei

Games Convention als deutsches Mini-Mekka der Spieleszene

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Leipzig, neues Messegelände, 21. bis 24. August 2003: Im zweiten Jahr ihres Bestehens hat die Games Convention nicht nur für hohe Phonzahlen, sondern auch für Spielfieber und Begeisterung gesorgt. Die meisten großen Publisher für PC- und Konsolengames waren da. Die Spielefans sowieso - und zwar aus Jugendschutzgründen fein säuberlich mit bunten Bändchen nach ihrer Altersstufe gekennzeichnet.

Vorbei die Zeit, da Spieleentwickler, Marketingstrategen und Presseleute von Rhein, Isar, Spree und Elbe an die Themse fahren mussten, um sich über aktuelle Shooter, Rollenspiele und Strategiekracher auszutauschen: Neben der Londoner ECTS, die nach wie vor als europäische Standard-Fachmesse in puncto Unterhaltungssoftware gilt, hat sich die Games Convention (GC, www.gc-germany.de) in Leipzig als Treffpunkt der Computer- und Videospielewelt durchgesetzt.

Dabei prägten auf dem neuen Leipziger Messegelände nicht wie auf der ECTS Manager und Einkäufer das Bild des Publikums, sondern Gamer der verschiedensten Altersstufen: Obgleich wichtiger Branchentreff, ist die GC doch auch vor allem eine Publikumsmesse, was nicht zuletzt lautstarke Events wie Verlosungen und Go-Go-Acts zeigten. Ein bisschen abseits des ganz großen Trubels hatten auch Themen wie Edutainment und Karriere („Was muss ich tun, wenn ich Spieleentwickler werden will?“) ihren Platz.

Die Bilanz der diesjährigen GC sieht insgesamt freundlich aus: Die Zahl der Besucher blieb mit 92 000 zwar knapp hinter den zunächst erhofften 100 000 zurück, die Messeleitung zeigte sich dennoch zufrieden. Von Seiten der insgesamt 207 Aussteller aus elf Ländern gibt es nur wenig Kritik - bereits jetzt haben 93 Prozent angekündigt, auch 2004 wieder teilzunehmen.

Das neue Jugendschutzgesetz mit seinen altersbezogenen Restriktionen für Spiele erfordert von Veranstaltern und Ausstellern einer solchen Messe viel Kreativität. So erhielten auf der GC nun Messebesucher erstmals Alterskennzeichnungen in Form von Armbändchen mit den typischen Farbcodes der Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (USK): grün ab 12 Jahren, blau ab 16 und rot ab 18. An den Ausgabestationen kontrollierten freundliche Ordner Ausweise.

Die Kontrolle an den Ständen übernahmen die Aussteller in Eigenregie. Nicht jugendfreie Spiele wurden ausschließlich in abgetrennten Bereichen vorgeführt, die nur Trägern des passenden Bändchens zugänglich waren. Die Türsteher hatten Anweisung, streng zu kontrollieren und selbst für Väter mit Kindern keine Ausnahmen zuzulassen. Das Verfahren hat sich nach Ansicht der Aussteller bewährt und wird wohl auch im kommenden Jahr Anwendung finden.

Microsoft hatte bereits am Vortag der Messeeröffnung angekündigt, noch im laufenden Jahr gastronomisch aktiv zu werden: Insgesamt sechs „Xbox Lounges“ sollen in der Nacht zum 3. Oktober ihre Pforten öffnen. Als Standorte hat man Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Leipzig und München gewählt. Die Lounges sind in erster Linie Bars beziehungsweise Clubs, dementsprechend findet man hinter der Theke auch keine Microsoft-Mitarbeiter, sondern gestandene Gastwirte aus den jeweiligen Städten. Allerdings sponsert Microsoft die Einrichtung und trägt das finanzielle Risiko für die ersten 100 Tage. Zur Einrichtung gehören Xbox-Konsolen, die nicht nur innerhalb des jeweiligen Hauses, sondern sogar deutschlandweit zwischen den Lounges miteinander vernetzt sind.

Diese Maßnahme ist Teil von Microsofts neuer Werbekampagne, die unter dem Slogan „It’s good to play together“ steht. Bereits im Vorfeld bemühte sich Microsoft hervorzuheben, dass sich die Xbox damit deutlich von den einsamen Playstation-2-Fans absetze. Immerhin hatte ja Sonys Konsole bis dato als „The Third Place“, also als eigene Welt abseits der Realität, um die Käufergunst geworben. Ärgerlicherweise verkündete Konkurrent Sony gleichzeitig, dass der alte Slogan „The Third Place“ nicht mehr länger genutzt werden solle. Stattdessen lautet das neue Motto: „Fun, anyone?“

Publisher THQ hatte den deutschen Verkaufsstart von Tron 2.0 (siehe S. 210) auf den ersten Messetag gelegt und nutzte die Gelegenheit, um das ungewöhnliche Action-Spektakel ausführlich vorzustellen. Andere Hersteller präsentierten sehr weitgehend das, was bereits in den Regalen der Händler stand. Von lang erwarteten und stark gehypten Titeln wie Half-Life 2 oder Doom 3 sahen die Messebesucher zur Enttäuschung manches Fans nichts Neues.

In puncto Hardware zeigte bei Grafikspezialist ATI eine eigens für Vorführzwecke konstruierte Flugzeugkanzel, wie Flugsimulationen durch technisches Drumherum an Erlebniswert gewinnen.

Vier Rechner sorgen für realistische Rundsicht. Drei Liesegang-Projektoren sind per Rückprojektion für die Sicht nach vorne und zu beiden Seiten verantwortlich, der Rückspiegel des Piloten bildet einen hinter seinem Rücken montierten Monitor ab. Jede der vier Himmelsrichtungen wird von einer ATI-9800-Pro-Karte berechnet, die in einem gängigen 2,5-GHz-PC mit 512 MByte RAM sitzt. Als Software dient Microsofts Combat Flight Simulator. Fest installierte Brems- und Gaspedale sowie ein mittig angebrachter Joystick komplettieren den Miniatur-Flugsimulator, der mit seinen überschaubaren Kosten Promotion-Auftritte so manches Unternehmens würzen kann.

Zu den stilleren Attraktionen der GC gehörte sicherlich die mobile Ausstellung, mit der das Handymuseum (www.handymuseum.de) über die Geschichte des Mobiltelefons und prominente Handyträger informiert: Konrad Adenauers Dienstmercedes, der den Mittelpunkt bildet, ist eingekreist von Glasvitrinen, in deren Inneren die Historie des „Quatschknochens“, angefangen vom A-Netz 1958 bis heute, beinahe lückenlos eingefangen ist.

Dass Geschichtliches bei allem Schneller-besser-höher der aktuellen Spiele durchaus interessant bleibt, dokumentiert das Computerspiele-Museum (www.computerspielemuseum.de). Auf der GC zeigte es einen kleinen Ausschnitt seiner Sammlung: An Emulatoren auf PCs konnten sich die Besucher davon überzeugen, dass es auch vor der Zeit von Polygongrafik und Vertex-Shadern eine rege elektronische Spielkultur am Rechner gab. Erstaunte Spätgeborene durften dabei unter anderem das erste indizierte (und jüngst auf Antrag von Activision aus dem Index wieder herausgenommene) Spiel „River Raid“ ausprobieren.

Bereits zum zweiten Mal wurde die deutsche Endausscheidung zu den World Cyber Games auf der GC ausgetragen. In den Disziplinen Age of Mythology, Counter-Strike, FIFA 2003, Star Craft: Brood Wars und WarCraft 3 traten insgesamt 168 Teilnehmer gegeneinander an. Die 17 besten Spieler der GC fahren als deutsches Team zum Finale der World Cyber Games nach Korea, um sich dort mit den Vertretern von 45 anderen Nationen zu messen.

Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr das Qualitätssiegel „Best of Games Con“ vergeben: In zehn Kategorien gab es insgesamt elf Preisträger. Als PC-Spiel kassierte „Spellforce“ die Auszeichnung, den Preis für Online-Spiele heimste „Söldner - Secret Wars“ ein. Für seine Grafik erhielt „Need for Speed - Underground“ einen Award, während die Jury sowohl „Pro Evolution Soccer 3“ als auch „Beyond Good & Evil“ in puncto Gameplay auszeichnete. Weitere Preisträger: auf der Playstation 2 „Jak2 Renegade“, auf dem Gamecube „Mario Kart Double Dash“, auf der Xbox „True Crime: Streets of L.A“ und auf dem Gameboy „Golden Sun 2: Die vergessene Epoche“. Den Preis für das innovativste Produkt erhielt „Dog’s Life“, das neue Spiel von „Elite“-Erfinder David Braben, während „Mozzies“ von Siemens sich jetzt stolz bestes Mobile Game nennen darf. (psz)

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