Leiten mit System

Mit neuer Navi-Technik auf der Überholspur

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Das Navi mausert sich zum flexiblen Verkehrsleitsystem und Reiseleiter, der aktuelle Informationen per Mobilfunk bezieht. c't vergleicht erstmals Geräte mit Mobilfunk, kompletten Reiseführern, Lernfunktionen und erweiterten Staumeldern.

Seit langem gestaltet sich die Preisstruktur der Navis im Großen und Ganzen so: Billige Navis haben einen kleinen Bildschirm und Karten für den deutschen Sprachraum. Teure bringen Europa-Karten oder sogar welche für Nordamerika mit und besitzen Zusatzfunktionen wie Breitbildschirm, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Multimedia-Player, Text-To-Speech-Engine, Spracheingabe, FM-Transmitter oder einen Staumelder. Wer das nicht bieten kann, versucht es wenigstens mit hübschem Design.

Ein solches Gerät führt zwar meist weder besser noch schneller zum Ziel, sorgt aber für die nötige Ablenkung von der Tatsache, dass sich lange nichts an der Navigation selbst geändert hat. Im Low-End-Bereich hat der Preiskampf der Hersteller weitgehend ein Ende gefunden: Gewinner ist der Kunde, der ein gutes Standard-Navi mittlerweile schon für knapp 100 Euro bekommt.

Viel falsch kann man beim Kauf eines Billig-Navis nicht mehr machen: Die Software ist für einen mobilen Routenplaner mit statischen Eingabeparametern längst ausgereift. Will man die Navigation selbst verbessern, braucht man entweder besseres Kartenmaterial mit mehr eingebetteten Informationen oder neue Datenkanäle, die für Aktualität sorgen. Beides legen die Hersteller nun in den aktuellen Versionen ihrer Top-Navigationsgeräte vor wie unser Navi-Test ab Seite 164 in c't 26/08 beweist: Erstmals enthält das Angebot Geräte mit Mobilfunk, kompletten Reiseführern, Lernfunktionen und erweiterten Staumeldern.

Temporäre Geschwindigkeitsbegrenzungen, auf die Leuchtanzeigetafeln hinweisen, können von Navis bislang nicht erfasst werden.

Navis, die permanent per Mobilfunk mit dem Internet verbunden sind – sogenannte „Connected Navis“ –, können nicht nur beliebige Informationen aus dem Netz ziehen, sondern auch zurückfunken, um anderen Autofahrern Informationen zukommen zu lassen. Bislang gibt es nur ein Gerät in zwei Modellvarianten von TomTom, das dieses Extra mitbringt. Doch die Karten- und Navi-Software-Hersteller halten schon Internet-Dienste in der Hinterhand, die nur darauf warten, auf die neuen Netz-Navis losgelassen zu werden.

Bei der Stauwarnung müssen Navis bislang mit vergleichsweise lahmen Meldesystemen wie über die Radiosender ausgestrahlte TMC- oder TMCpro-Signale vorliebnehmen [1], die außerdem meist nur die Autobahnen im Blick haben. Sowohl TomTom als auch T-Traffic, der Erfinder von TMCpro, wartet mittlerweile mit einem neuen System auf, das einerseits schneller und genauer über Stauungen im Verkehr Auskunft gibt und andererseits auch Neben- und Landstraßen erfasst. Bei TomTom heißt das schon im Einsatz befindliche System HD Traffic; T-Traffic nennt es TMCpro mit Floating Phone Data.

Anders als bisher nutzen die beiden Systeme neben den festen Sensoren (Brückenkameras, Induktionsschleifen) und Meldungen von Polizei und ADAC zusätzliche Daten von Handy-Funkmasten. Die Mobilfunk-Provider geben Auskunft darüber, wie viele Handys in einer Funkzelle eingebucht sind. Die Daten werden per Map-Matching einer Straße zugeordnet. Anhand der Angabe, wie schnell sie sich von einem Funkmast zum nächsten bewegen, kann der Verkehrsfluss ermittelt werden.

Alle drei Minuten sendet das System aktualisierte Durchfluss-Daten zum Navi, welches während der Streckenführung schnell und flexibel die Route ändern kann – wenn beispielsweise eine Funkzelle viele Handys meldet, die sie nicht verlassen, was auf einen Stau hindeutet.

Die Sache hat nur einen Haken: Herkömmliche TMC- und TMCpro-Empfänger kommen mit ihrer geringen Bandbreite bei der Aktualisierung nicht hinterher. Die neuen Verkehrsdienste bleiben deshalb Navis mit Mobilfunkverbindung vorbehalten. Das erweiterte TMCpro-System ist noch nicht am Markt; TomToms HD Traffic kann momentan nur von den Mobilfunk-Navi-Modellen Go 740 und 940 Live genutzt werden. Die Kosten für den Dienst sind bereits in der monatlichen Mobilfunk-Abgabe von knapp zehn Euro enthalten.

In der Praxis bringt der Dienst zumindest Gewissheit darüber, dass man angesichts der aktuellen Verkehrslage die optimale Strecke befährt. Oft kann aber auch ein TomTom Go 940 Live nur mitteilen, dass es kürzer ist, einen Stau zu durchfahren, als eine langwierige Umleitung in Kauf zu nehmen. Um bereits im Vorfeld Durchflussdaten zu ermitteln, gibt es aber noch andere Möglichkeiten, für die man noch nicht einmal ein Mobilfunk-Navi benötigt.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 26/2008.

[1] Daniel Lüders, Am Stau vorbei, Von der Stau-Entstehung bis zur TMC-Meldung fürs Navi, c't 14/07, S. 76

Schlauere Navis

Artikel zum Thema "Schlauere Navis" finden Sie in der c't 26/2008:

  • Neue Techniken in Navigationsgeräten – S. 160
  • Oberklasse-Navis im Test – S. 164

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