Lesebrille

HyperView für OS/2

Wissen | Hintergrund

Na, wieder einmal ein Word-Dokument von einem Kollegen bekommen und weit und breit nichts in Sicht, um es zu lesen? HyperView schafft unter OS/2 nicht nur für dieses kleine Problem Abhilfe.

Es ist ein Kreuz mit den diversen File-Formaten von Textverarbeitungen. Jede kocht ihr eigenes Süppchen, und die Import-Filter der meisten Programme sind nicht gerade das Gelbe vom Ei. Außerdem möchte man ja nicht immer gleich eines dieser Monster starten, nur um schnell einen Text zu lesen oder Abschnitte in eigene Dokumente zu übernehmen.

HyperView bietet für die meisten Formate von Textverarbeitungen eine Lösung. Die Version 3.4 kann Dateien von Ami Pro, allen Versionen von Word für Windows, DeScribe (Versionen 2 bis 5) sowie WordPerfect (Versionen 5.x und 6.x) lesen. Zusätzlich unterstützt das Programm HTML-Files und ZIP-Dateien: Ihr Inhalt wird als Directory angezeigt, aus dem Dokumente direkt zur Betrachtung ausgewählt werden können. Die Hilfe- und Informationsdateien von OS/2 (INF- und HLP-Formate) lädt die Version für den Presentation Manager außerdem in einen Text-View. Und zu guter Letzt läßt sich die Anzeige noch in eine Hexadezimal-Darstellung umschalten. Insgesamt kommt HyperView überraschend schnell zur Sache - beim Laden einer 8 MByte großen Word-Datei von einem Netzwerk-Server bildete das Netz den Engpaß.

Ein Killer-Kriterium für Programme wie HyperView sind natürlich die Zeichensätze. Denn der schönste Dateibetrachter nutzt herzlich wenig, wenn die Umlaute und Sonderzeichen einer Windows-Datei nicht richtig in den OS/2-Zeichensatz umgesetzt werden, oder beim Kopieren in das Clipboard verloren gehen. Glücklicherweise ist das kein Problem für HyperView, alle Zeichen kommen richtig an und können als normaler ASCII-Text weiterverwandt werden. Spezielle Formatierungen in Textverarbeitungsdateien unterstützt die Software allerdings nicht. Auch eingefügte Bilder und ähnliche Elemente gehen verloren - das Programm beschränkt sich auf den reinen Text.

Zwei Ausführungen stehen von HyperView zur Verfügung, eine Version im Textmodus und eine für den Presentation Manager. Sie sind weitgehend identisch; natürlich unterstützt die Textmodus-Variante kein Drag & Drop. Die Registrierungsgebühr gilt für beide Versionen gleichzeitig. Über die reine Dateibetrachtung hinaus bietet die Software zwei interessante Features, die vor allem den Umgang mit großen Dateien vereinfachen. Die 'Condensed View' genannte Ansicht zeigt nur die Textzeilen an, die im Hauptfenster markiert wurden. Diese Zeilen müssen nicht in einem zusammenhängenden Block stehen. Wechselt man mit der Tab-Taste in diesen View, arbeitet er als Kombination aus Bookmarks und Index - die Auswahl einer Zeile im 'Condensed View' führt dazu, daß in der Hauptansicht die entsprechende Textstelle erscheint. Markiert man dagegen, wie man es auch von Textverarbeitungsprogrammen gewohnt ist, lassen sich diese Textstellen nicht nur ins Clipboard kopieren, sondern auch anhängen.

35 US-Dollar sind für das Programm bestimmt nicht zuviel, zumal es alle seine Features mit ausgesuchter Stabilität präsentiert. Ein paar Wünsche bleiben allerdings offen. So sollte der Autor sich langsam an die Arbeit machen, um den StarWriter in die Liste der unterstützen Programme aufzunehmen. Auch eine Druck-Funktion gehört zu den Dingen, die fehlen - bislang muß man sich damit behelfen, über 'Save As' auf eine Druckerschnittstelle zu schreiben. Und wenn's denn etwas mehr sein darf, wäre eine Einbindung von GhostScript zur Anzeige von PostScript-Dateien eine prima Sache. (jk)


HyperView (Shareware, 35 US-Dollar) ist über ftp://ftp.leo.org/pub/comp/os/os2/leo/systools/hv34.zip oder in der c't-Mailbox erhältlich.

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