Liebe Imke

@ctmagazin | Editorial

Liebe Imke,

erinnerst Du Dich an das Weihnachtsgeschenk der Telekom? Bis zu 66 Prozent Preisnachlaß haben die geboten! Ich frage mich nur, warum diese Aktion auf die Feiertage beschränkt war ...

Egal, seit dem 1. Januar können wir, wie es die großen Firmen schon seit Jahren dürfen, unsere Telefongesellschaft frei wählen, sogar mehrere gleichzeitig. Ich wollte mal kurz für alle möglichen Uhrzeiten und Wochentage die günstigsten Tarife berechnen. Leider ist die Liste nicht fertig. Etliche Netzbetreiber kleckern mit ihrem Zahlenkram hinterher und bringen alles durcheinander ...

Für unsere Region gibt es zwar nur drei interessante Angebote, aber auf meinem Schreibtisch geht es wie auf einem orientalischen Basar zu. Die verschiedenen Tagespreise kennt man ja. Als ginge es um verderbliches Gemüse - was Du morgens teuer bezahlst, kriegst Du abends fast nachgeworfen.

Auf dem Basar blickt man aber leichter durch, weil die Preise immer auf das Kilo bezogen sind (sollten es jedenfalls sein, und wenn nicht, gibt´s von der Gewerbeaufsicht eins aufs Dach). Die Telefontarife kann man dagegen kaum vergleichen. Die einen rechnen sekundengenau ab, die anderen über einen Zeittakt. Hast Du die Taktgrenze nur um eine Sekunde überschritten, zahlst Du schon alle übrigen Sekunden des nächsten Takts. Eine Taxifahrt zum Flughafen kann man doch auch an jeder Stelle unterbrechen, ohne den gesamten Preis zu zahlen!

Dann gibt es Anbieter, die mit Grundgebühren unter dem Preis der Telekom locken. Und es gibt sogar Anschlüsse ganz ohne Grundgebühr! Der Haken: Diese Netzbetreiber können keine Ortsgespräche vermitteln, also braucht man einen zusätzlichen Anschluß. Zum Glück, so sagt das Bundeskabinett, könne man für alle Anbieter, die man nutzt, eine einzige Rechnung verlangen. Ab wann man die wohl bekommt? Die Telekom hat sich ja monatelang bitten lassen, bis sie versprach, die Gespräche zu anderen Netzbetreibern durchzustellen ...

Davon abgesehen, ich finde, Ron Sommer ist ein selten zuversichtlicher Geschäftsführer. Ab März, so läßt er es aus allen Werberohren tönen, zündet sein Unternehmen ein "Preisfeuerwerk". Vier Prozent Preisnachlaß bietet er Geschäftsleuten, um die Angebote der Konkurrenz zu kontern. Respekt, Respekt!

Und ab zehn Minuten Dauer werden Telekom-Ferngespräche noch mal bis zu 30 Prozent billiger. Aber ein Talkline-Ferngespräch kostet um die gleiche Zeit auch ohne Rabatte weniger. Oder wie wäre es mit TelDaFax? Die verlangen zwischen 9.00 und 18.00 nur 39 Pfennig pro Minute. Nee, ich sehe gerade, die wollen auch nur Geschäftskunden.

Eine Katastrophe ist aber, daß ich für den Internet-Zugang kein einziges Angebot mit günstigen Ortstarifen finde, und vor drei Jahren hat die Telekom die Ortstarife um bis zu 150 Prozent angehoben! In den USA gibt es dagegen Angebote, die alle Ortsverbindungen im Grundpreis enthalten. Du bist dagegen fein raus, seit Du einen pauschalen Internet-Zugang bei NetCologne in Köln hast. Vielleicht sollte ich mit dem Papierkram zu Dir kommen. Dann kannst Du mal nachrechnen, und ich surfe zur Abwechslung mal in Ruhe ...

Liebe Grüße,

Dusan Zivadinovic

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