LTS, Ausblick, und Daten und Zahlen zur Linux-Entwicklung Update

Linux Kernel 5.4

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Seite 7: LTS, Ausblick, und Daten und Zahlen zur Linux-Entwicklung

Linux 5.4 wird mindestens zwei Jahre gewartet. (Bild: Screenshot von kernel.org )

Die neue Kernel-Version wird nach derzeitiger Planung ein "Longterm Kernel". Solche landläufig manchmal auch LTS-Kernel genannte Versionsreihen pflegen die Linux-Entwickler nicht nur rund dreieinhalb Monate, sondern mindestens zwei Jahre. In letzter Zeit wurde der Supportzeitraum bei den meisten Longterm-Kerneln aber später noch auf sechs Jahre ausgedehnt. Ob das bei 5.4 der Fall sein wird, ist noch nicht absehbar.

Mit der Freigabe von Linux 5.4 beginnt zugleich die "Merge Window" genannte Phase, in der Linus Torvalds das Gros der Änderungen für den Nachfolger integriert. In den nächsten Tagen fließen daher viele tausend Patches in den Hauptentwicklungszweig von Linux ein, die Entwickler in den letzten Wochen zur Aufnahme in 5.5 vorbereitet und gesammelt haben.

Unter diesen Patches sind Änderungen am Krypto-Subsystem, die alles Wesentliche nachrüsten, was die populäre VPN-Technik Wireguard braucht. Dessen Kernel-Teile wurden kürzlich auf die so geschaffene Krypto-Infrastruktur angepasst und für eine grobe Erstbegutachtung an die Entwickler des Netzwerk-Subsystems von Linux geschickt. Eine Einreichung zum ordentlichen Review soll folgen. Da die Zeit knapp wird, ist es derzeit eher unwahrscheinlich, dass Wireguard schon in 5.5 einzieht – es ist aber durchaus noch im Bereich des Möglichen, falls die Entwickler des Netzwerkcodes nicht viel zu kritisieren finden.

Linus Torvalds beendet die Aufnahme aller wesentlichen Änderungen typischerweise nach zwei Wochen, indem er die erste Vorabversion einer neuen Kernel-Version veröffentlicht. Das beendet das Merge Window und läutet zugleich die Stabilisierungsphase ein, die derzeit fast immer sieben oder acht Wochen dauert. Linux 5.5 erscheint daher wahrscheinlich am 27. Januar oder 3. Februar 2020.

Kernel-
Version
Anzahl
Dateien¹
Zeilen
Quelltext
(Ohne
Doku)²
Entwick-
lungs-
zeitraum
Commits
(Ohne
Merges)³
Diffstat⁴
Linux 4.18 61.003 25.280.872
(23.183.236)
70 Tage 14.432
(13.283)
13.141 files changed,
583.336 insertions(+),
682.028 deletions(-)
Linux 4.19 61.734 25.588.455
(23.449.221)
70 Tage 15.204
(14.043)
11,693 files changed,
552.223 insertions(+),
244.235 deletions(-)
Linux 4.20 62.481 25.955.520
(23.776.585)
63 Tage 14.995
(13.844)
11402 files changed,
685.027 insertions(+),
317.959 deletions(-)
Linux 5.0 63.135 26.203.035
(23.933.016)
70 Tage 13.921
(12.808)
12.100 files changed,
579.084 insertions(+),
331.570 deletions(-)
Linux 5.1 63.873 26.459.776
(24.141.004)
63 Tage 14.160
(13.034)
11.977 files changed,
545.423 insertions(+),
288.683 deletions(-)
Linux 5.2 64.587 26.552.127
(24.175.296)
63 Tage 15.089
(14.024)
30.888 files changed,
624.857 insertions(+),
532.510 deletions(-)
Linux 5.3 65.261 27.141.312
(24.708.822)
70 Tage 15.784
(14.605)
13.983 files changed,
1.189.832insertions(+),
600.665 deletions(-)
Linux 5.4 65.701 27.538.212
(25.059.661)
70 Tage 15.725
(14.619)
12.800 files changed,
821.993 insertions(+),
435.081 deletions(-)
¹ git ls-tree -r --name-only HEAD | wc -l
² find . -type f -not -regex '\./\.git/.*' | xargs cat | wc -l; echo "($(find . -name *.[hcS] -not -regex '\./\.git/.*' | xargs cat | wc -l))"
³ git-log --pretty=oneline vx.(y-1)..vx.(y) | wc -l; echo "($(git-log --pretty=oneline --no-merges vx.(y-1)..vx.(y) | wc -l))"
⁴ git diff --shortstat vx.(y-1)..vx.(y)

Den neuen Linux-Kernel herunterladen und einrichten

In den ersten Stunden nach der Freigabe steht die neue Linux-Version nur über einen Git-Checkout des "Mainline" genannten Hauptenwicklerzweigs von Linux bereit; die Download-Möglichkeit über die Frontseite von Kernel.org folgt meist erst, wenn sich die Büros in Europa richtig füllen und jemand die Archive signiert hat.

Auf Kernel.org findet sich auch eine Anleitung, wie Sie die Authentizität und die Unversehrtheit des Quelltextes von Linux prüfen; dort gibt es auch ein Skript, das eine Version herunterlädt und diese Aufgaben durchführt.

Fedora und Rolling-Release-Distributionen wie Arch Linux, Gentoo und OpenSuse Tumbleweed erhalten die neue Linux-Version in den nächsten Tagen und Wochen im Rahmen der regulären Systemaktualisierung. Bei bereits erhältlichen oder kurz vor der Veröffentlichung stehende Releases von Debian, OpenSuse Leap, Ubuntu und den meisten anderen klassisch gewarteten Distributionen macht der Kernel normalerweise keine größeren Versionssprünge; deutlich neuere Linux-Versionen erhält man dort meist nur beim Wechsel auf eine neuere Version der Distribution.

Einzelne Distributionen werden den neuen Kernel über Backports-Repositories zur einfachen Installation anbieten. In der Regel sind solche aber standardmäßig inaktiv, weil dort andere Pflegerichtlinien gelten; Sicherheitskorrekturen beispielsweise gibt es dort meist zeitnah, werden aber vielfach nicht garantiert.

Bei vielen populären Distributionen wird man die neue Linux-Versionen auch über Kernel-Pakete aus Repositories nachrüsten können, die Fans oder Entwickler pflegen. Anwender sollten sich bewusst sein, dass sie über solche Angebote den zentralen Baustein ihrer Distribution austauschen. Wer solche Repositories verwendet, sollte deren Machern daher ähnlich trauen wie seinem Distributor, denn über darin liegende Pakete lassen sich kinderleicht Hintertüren einschleusen. Nach dem Einbinden solcher Repositories obliegt es zudem den Machern dieser Depots, die ausgetauschten Pakete fortan mit Sicherheitskorrekturen zu versorgen. Das vorübergehende oder dauerhafte Aktivieren solcher Repositories kann zudem zu Abhängigkeitsproblemen bei späteren Updates der Distribution führen. Da zentrale Software ausgetauscht wird, kann es zudem leicht zu Instabilitäten kommen; im dümmsten Fall startet das ganze System nicht mehr.

Wer die neue Linux-Version eigenhändig kompilieren und einrichten will, findet Hinweise dazu im c't-Artikel "Linux-Kernel maßgeschneidert". Das darin beschriebene Make-Target make localmodconfig erzeugt weitgehend automatisch eine recht gut auf das jeweilige System zugeschnittene Kernel-Konfiguration, mit der Sie in wenigen Minuten eine neue Linux-Version einrichten können.

Allerlei weitere Informationen zu Linux liefern der erste, zweite, dritte und vierte Teil einer c't-FAQ-Reihe mit "Basiswissen zum Linux-Kernel".

Versionshistorie dieses Artikels

  • 2019-11-25, 06:30 – v2.0: Highlight-Überblick vorne eingefügt und Text umstrukturiert, damit etwa die wichtigsten Neuerungen vorne stehen. Text angepasst, um zu erwähnen, dass der Radeon-RX-5500-Support doch nicht experimentell ist.
  • 2019-11-21, 06:30 – v1.3: Verbesserungen rund um Infrastruktur, Sicherheit und Netzwerk hinzugefügt
  • 2019-11-19, 06:30 – v1.2: Änderungen bei Treibern und Architektur-Unterstützung beschrieben
  • 2019-11-14, 06:30 – v1.1: Neuerungen bei Storage und Dateisystemen näher erläutert
  • 2019-10-01, 06:50 – v1.0: Anlässlich der ersten Vorabversion von Linux 5.4 die Highlights dieser Kernel-Version kurz angerissen.

Der Newsticker von heise online erwähnt alle größeren Texterweiterungen, auf die auch der Twitter-Account @kernellog hinweist.

(thl)

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