Linux mit Komfort

SuSE 6.0: Bereit für den neuen Kernel

Test & Kaufberatung | Kurztest

Linux boomt - und SuSE liefert eine neue Version seiner beliebten Linux-Distribution, die mit aktuellen Programmversionen und umfangreicher Software auch für die Linux-Zukunft gerüstet sein will.

Mit dem Sprung von der Version 5.3 auf 6.0 hat nun auch SuSE von der alten Systembibliothek libc5 auf die glibc umgestellt. Außerdem hat man die Systemprogramme auf die neuesten Versionen gebracht; damit soll das System ohne weitere Anpassungen mit dem neuen Kernel 2.2 laufen, den SuSE nach Erscheinen auf ftp.suse.de bereitstellen will. Der enthaltene aktuelle Anwender-Kernel 2.0.36 hat sich bereits als sehr stabil und ausgereift erwiesen.

Mit XFree86 3.3.3 kommt Unterstützung für einige moderne 3D-Grafikkarten und Notebook-Grafikchips. Mit KDE 1.0 liegt eine moderne grafische Oberfläche bei; Netscape, Gimp und eine Reihe weiterer Anwendungen sorgen für die Tauglichkeit als Desktop-System. Natürlich sind auch etliche Server enthalten - von verschiedenen Datenbanken über Apache und Hylafax bis zum WWW-Proxy squid. Für Anschluß in PC-Netzen sorgen die NT- und Netware-Emulatoren Samba und Mars-NWE sowie Clients zum Zugriff auf Windows- und Novell-Server.

Bereits die früheren SuSE-Versionen glänzten mit einer komfortablen Installation und sorgfältigen Vorkonfiguration des Systems. Am Installationsablauf hat sich gegenüber der Vorversion nicht viel geändert: Sprache und Tastatur einstellen, eventuell nötige Treibermodule laden, partitionieren, Software-Auswahl, Netzkonfiguration - schon startet das frisch installierte System.

Die Option `automatisch partitionieren´ richtet eine Festplatte für Linux ein: Eine kleine Boot-Partition, ein vernünftig dimensioniertes Swapfile, eine große System-Partition. Wer eine andere Aufteilung bevorzugt oder die Festplatte nicht vollständig für Linux verwenden möchte, kann auch über ein komfortables fdisk-Frontend von Hand partitionieren.

Die Auswahl der zu installierenden Software hat SuSE recht übersichtlich gelöst. Es stehen einige vordefinierte Zusammenstellungen für unterschiedliche Einsatzbereiche bereit. Die einzelnen Programmpakete sind in verschiedene Kategorien wie Programmentwicklung oder X-Applikationen eingeordnet, wo der Anwender zu jedem Paket Informationen findet und die Vorauswahl überarbeiten kann.

Allerdings muß man bei der Selektion der zu installierenden Software bereits daran denken, den X-Server für die eigene Grafikkarte mit anzuwählen; ansonsten endet später die Konfiguration von X Window mit dem Hinweis, erst mal den passenden Server zu installieren. Eine Abhängigkeitsprüfung vor dem Einspielen der Software garantiert, daß alle notwendigen Pakete installiert werden.

Auch das Update eines älteren 5.3-Systems gelang problemlos; die System-Einstellungen blieben dabei erhalten. Ein eigenes Paket (shlibs5 im `Linux Grundsystem´) sorgt dafür, daß sich trotz der Umstellung auf die glibc vorhandene libc5-Anwendungen ausführen lassen.

Bereits der erste Reboot nach der Software-Installation zeigt eine angenehme Neuerung: Jeder Systemdienst gibt übersichtlich darüber Auskunft, ob er starten konnte oder ob ein Problem aufgetreten ist. Falls etwas schiefgegangen ist, erhält der Anwender am Ende des Boot-Prozesses eine Übersicht, welche Dienste sich nicht starten ließen. Lediglich die Startskripte des ISDN-Systems folgen noch nicht dem neuen Schema.

Zur Konfiguration von X Window greift SuSE auf die Eigenentwicklung Sax zurück, die sich durch eine übersichtliche Bedienung und automatische Hardware-Erkennung auszeichnet. Bei einigen Test-Installationen machte Sax jedoch Probleme: Auf einer Elsa Winner war die Darstellung völlig verzerrt; beim Start des frisch konfigurierten X-Servers auf einer Matrox Mystique stürzte Sax ab. Zur Not muß man halt auf XF86Setup zurückgreifen.

In dem frisch installierten Linux kann der Anwender zwischen verschiedenen, teilweise bereits vorkonfigurierten Windowmanagern wählen. Bei KDE und den wichtigsten Fenstermanagern wie fvwm2 und fvwm95 enthalten die Menüs zum Starten der Applikationen bereits die installierten Programme, und es besteht direkter Zugriff auf das Konfigurationstool Yast und das Online-Hilfesystem.

Die Tastatur ist korrekt angepaßt, Sondertasten und Umlaute funktionieren auf der Konsole und im xterm ebenso wie in den wichtigen Anwendungen. Der Netzzugriff bereitet keine Probleme. Eine Provider-Datenbank erleichtert die Einrichtung eines Modem- oder ISDN-Zugangs. Auch die Netzwerkkonfiguration via DHCP (jetzt endlich über Yast einzurichten) klappt auf Anhieb.

Das Handbuch beschreibt nicht nur die Installation und Systemeinrichtung, sondern hilft dem Linux-Einsteiger auch bei den ersten Schritten mit Linux. Die Online-Hilfe enthält eine umfassende Support-Datenbank, die auf die meisten Fragen eine Antwort bereithält. Ärgerlicherweise ließ sich die Volltextsuche in der Online-Hilfe jedoch nicht zur Mitarbeit überreden.

Bei der Installation des neuen Kernels 2.2pre4 zeigten sich keine Unverträglichkeiten mit der Distribution. SuSE 6.0 enthält bereits einige neue Utilities wie ipchains oder die PCI-Utilities, die man benötigt, um die erweiterte Funktionalität des 2.2-Kernels zu nutzen.

SuSE 6.0 ist eine ausgereifte Distribution; aufgrund der einfachen Installation, dem ausführlichem Handbuch, guter Vorkonfiguration und 60 Tagen Installations-Support via Telefon und EMail sollten auch Linux-Neulinge damit zurechtkommen. Kleinere Ungereimtheiten bei der Installation und die Probleme mit Sax sind da verzeihlich. (odi)

SuSE Linux 6.0
Hersteller SuSE GmbH, Fürth
Tel. 09 11/7 40 53 31
http://www.suse.de
Preis 98 Mark
Anzeige