Linux oberflächlich renoviert

Caldera OpenLinux 1.3

Test & Kaufberatung | Kurztest

Ein bißchen angestaubt wirkte sie ja schon, Calderas Linux-Distribution OpenLinux mit der proprietären Looking-Glass-Oberfläche. Die neue Version 1.3 kommt mit aktuellen Linux-Goodies wie dem modernen KDE-Desktop.

Calderas OpenLinux erfreut sich vor allem in Unternehmen einiger Beliebtheit - nicht zuletzt wegen des enthaltenen Netware-Client, mit dem der Linux-Rechner auf einen Novell-Server zugreifen kann. Im letzten Distributionsvergleich [1] konnte OpenLinux 1.2 jedoch nicht so recht punkten: Weder die Installation noch die Vorkonfiguration des Systems erwiesen sich als sehr gelungen, und auch Calderas Desktop `Looking Glass´ konnte nicht so recht überzeugen. Eine neue OpenLinux-Version war schon alleine nötig, um die enthaltene Software auf den aktuellen Stand zu bringen.

Das ist nun auch geschehen: OpenLinux 1.3 kommt mit dem aktuellen Kernel 2.0.35, XFree86 3.3.2, KDE 1.0, Gimp 1.0 und dem Netscape Communicator 4.06. Die Distribution basiert allerdings immer noch auf der Systembibliothek libc5. Programme wie Oracle für Linux, die die neuere glibc benötigen, lassen sich nicht ausführen. Der Netware-Client wurde um einen NDS-Client ergänzt.

Die Installation ist immer noch nicht unbedingt anfängerfreundlich zu nennen: So greift Caldera zum Partitionieren auf das spartanische fdisk zurück. Auch die Auswahl der zu installierenden Software gestaltet sich bei anderen Distributionen komfortabler. Wer allerdings ein bißchen Erfahrung mit Linux hat, kommt mit Calderas Installationsprogramm schnell zu einem vernünftig eingerichteten System. Eine Option zum Aktualisieren einer bereits installierten älteren OpenLinux-Version steht bereit.

Angenehm ist, daß die Distribution alle wichtigen Bestandteile auf einer CD versammelt; so kann der Benutzer den Rechner unbeaufsichtigt die Software einspielen lassen. Die zweite CD enthält lediglich die Quelltexte sowie die Sybase-Datenbank.

LinuxLand legt der deutschen Version von OpenLinux 1.3 noch eine Bonus-CD bei. Hier finden sich unter anderem die Datenbank Adabas D und das Linux-Anwenderhandbuch von Sebastian Hetze in einer HTML-Version.

Calderas Installations- und Konfigurationsprogramm lisa bietet eine zwar nur textorientierte, aber dennoch sehr übersichtliche Oberfläche, um die wichtigsten Systemeinstellungen vorzunehmen. Bei spezielleren Wünschen muß lisa allerdings passen: Wer beispielsweise einen PPP-Zugang oder eine Soundkarte einrichten möchte, muß selbst Hand anlegen.

Die größte Änderung gegenüber der Vorversion erwartet den Anwender nach dem ersten Einloggen: Das System begrüßt ihn mit der Meldung, nun entweder X11 mit startx oder den KDE-Desktop mit kde zu starten. Nach startx findet man sich in dem Looking-Glass-Desktop auf fvwm-Basis wieder; kde startet den moderneren KDE-Desktop.

Der ist jedoch nur ansatzweise vorkonfiguriert: Die meisten Programme, die Caldera mitliefert, tauchen in den KDE-Menüs nicht auf. Lediglich einige `besondere´ Applikationen sind enthalten: Neben dem Netscape Communicator finden sich in den Menüs das kommerzielle Backup-Program BRU 2000 in der `personal edition´ (die keine Netzlaufwerke unterstützt) und der ebenfalls kommerzielle Editor CRiSP; hinzu kommen Emacs und der DOS-Emulator xdos mit Calderas freiem DOS-Clone OpenDOS.

Die fvwm-Oberfläche ist da sehr viel sorgfältiger eingerichtet: Sie bietet beispielsweise direkten Zugriff auf diverse Verwaltungstools - von lisa über eine Auswahl der Red-Hat-Administrationstools bis zu xf86setup. Und über die fvwm-Popup-Menüs sind fast alle installierten Applikationen zugänglich.

Für den Unternehmenseinsatz legt Caldera die Office-Suite StarOffice 4.0 und den `adaptive database server´ von Sybase bei. Zusammen mit dem KDE-Desktop und dem Netscape Communicator qualifiziert sich OpenLinux 1.3 damit als Desktop-Betriebssystem, aber ebenso für den Einsatz als Server: Die unter Linux übliche Server-Riege - vom Webserver Apache bis zum Windows-Server Samba - ist natürlich auch vorhanden.

Das Handbuch hat gegenüber der Vorversion deutlich abgenommen: Der deutschsprachige Teil umfaßt gerade mal 65 Seiten. Dennoch erhält der Leser die wichtigsten Informationen zur Installation und eine Starthilfe zu Linux. Startet man den Communicator, lädt der automatisch eine Startseite mit Links, die auf die lokal installierte Dokumentation verweisen - diese Online-Dokumentation ist allerdings vollständig in Englisch.

Caldera leistet Installationssupport via EMail, der sich allerdings auf 30 Tage oder fünf Anfragen beschränkt. Für 1500 Dollar erhält man ein Jahr Unterstützung per EMail, Telefon und Fax - allerdings aus den USA; Englischkenntnisse sind da Pflicht.

So groß ist der Sprung auf OpenLinux 1.3 nicht ausgefallen: Das System und die beiliegende Software sind nun auf dem aktuellen Stand, und der Anwender kann zwischen Calderas Looking-Glass- und dem moderneren KDE-Desktop wählen. Eine ausgereifte und brauchbare Distribution ist OpenLinux allemal, und für Caldera-Anwender lohnt sich das Update sicher. Möchte Caldera jedoch den anderen Linux-Distributionen Marktanteile abnehmen, muß sich doch noch mehr ändern; auf der Wunschliste stehen eine komfortablere Installation und eine bessere Vorkonfiguration. (odi)

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Caldera OpenLinux 1.3
Hersteller Caldera, www.caldera.com
Distributor LinuxLand International, München
Tel. 0 89/9 93 15-3 01
www.linuxland.de
Preis 98 Mark
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