Looking Glass: 3D-Desktop à la Sun

Test & Kaufberatung | Test

Looking Glass erweitert den Desktop um die dritte Dimension

Beim Thema 3D-Desktop denken die meisten Linuxer an die mit XGL und Aiglx möglich gewordenen 3D-Effekte: Schatten werfende Fenster, ein rotierender Würfel zum Wechsel zwischen den virtuellen Desktop und ähnliches. Dass man die 3D-Fähigkeiten moderner Grafik-Hardware auch anders auf dem Desktop nutzen kann, macht Sun mit dem Projekt Looking Glass vor, das jetzt in der Version 1.0 erschienen ist.

Looking Glass ordnet die Desktop-Elemente im dreidimensionalen Raum an. Fenster lassen sich zur Seite wegklappen oder umdrehen, um ihre Rückseite mit Notizen zu versehen. Icons liegen auf einem Brett und hüpfen nach oben, wenn man sie mit der Maus überstreicht. Auch Anwendungen können die 3D-Möglichkeiten des Desktop nutzen; den Bildschirmhintergrund wählt man beispielsweise aus in einem Kreis hintereinander angeordneter Thumbnails aus.

Looking Glass: Desktop in drei Dimensionen.

Der 3D-Desktop steht in Form fertiger Installationspakete samt Installationsanleitung für Linux und Solaris auf der x86-Plattform bereit. Debian- und Ubuntu-Anwender können direkt aus einem Debian-Repository installieren. Für andere aktuelle Distributionen und Solaris existiert ein sogenannter Mega-bundle Installer. Die Windows-Version ist eher als Demo zu verstehen: Anders als bei Linux und Solaris laufen hier lediglich die mitgelieferten Beispielsanwendungen auf dem 3D-Desktop, keine normalen Windows-Programme. Auf den Projektseiten findet man weitere Informationen.

Die Hardwarevoraussetzungen sind recht moderat (Prozessor mit 1,4 GHz, 512 MByte RAM, 3D-beschleunigte Grafik, 580 MByte Plattenplatz), wobei etwas mehr Prozessorpower nicht schaden kann. Looking Glass benötigt Suns Java-Umgebung (JRE) mit der Java-3D-Erweiterung. Der erwähnte Installer für Linux und Solaris enthält alles Nötige; wenn man aus dem Debian-Repository das Paket lg3d-core installiert, werden JDK 6 und Java-3D mit eingespielt. Ein eigener Eintrag für den gdm erlaubt die Auswahl des Looking-Glass-Desktop beim Anmelden.

Der 3D-Desktop fühlte sich auf unserem Testsystem (P4 mit 3 GHz, Nvidia GeForce 3, 1 GByte RAM) recht flüssig an. Die Bedienung ist erstaunlich intuitiv, die Möglichkeiten erschließen sich sehr schnell. Vieles funktioniert ganz von selbst: Fenster werden transparent, wenn sie den Fokus verlieren. Ein Klick mit der mittleren Maustaste in die Fensterleiste, und das Fenster klappt sich zur Seite. Mit der rechten Maustaste dreht man ein Fenster um und kann auf der Rückseite Notizen machen. Mit der rechten Maustaste auf den Bildschirmhintergrund geklickt, schon sind alle Fenster sauber hintereinander am Rande des Desktop aufgereiht. Das Startmenü springt auf, wenn man mit der Maus darüberfährt.

Der Panoramablick auf die virtuellen Desktops.

Wer ausprobieren will, was seine Grafik-Hardware hergibt, fährt mit der Maus über das Java-Logo rechts oben in der Ecke und zieht es über den Desktop – schon wirbeln die Fenster über den Bildschirm. Einige der von Sun mitgelieferten Hintergrundbilder sind Panoramaaufnahmen, auf denen mehrere virtuelle Desktops möglich sind. Ein Rechtsklick auf das Panel unten zeigt den Gesamtüberblick.

Die Stabilität ist allerdings noch nicht ganz überzeugend: Einige Male erlebten wir, dass keine Tastatureingaben mehr möglich waren. Beim Anordnen mehrerer Fenster hintereinander gab es gelegentlich Unstimmigkeiten, welches Fenster den Eingabefokus hat. Dennoch ist der Looking-Glass-Desktop ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie sich 3D-Grafik auf dem Desktop sinnvoll nutzen lässt – jenseits wackelnder Fenster und schicker Ein- und Ausblendeffekte. (odi)

Anzeige