Low-Cost-DTP

HanMac Word für den Mac

Test & Kaufberatung | Kurztest

Auf dem Macintosh wurde DTP erfunden, und noch immer arbeitet ein Großteil des grafischen Gewerbes mit QuarkXPress, PageMaker & Co. Doch die sind für den Hausgebrauch viel zu teuer. Wer die Vereinszeitung, eine Geburtstagseinladung oder ein Flugblatt entwerfen möchte, dem genügt auch HanMac Word.

Die 'großen' DTP-Programme bieten für die Bedürfnisse des Gelegenheitsgrafikers meist zu viel, preiswerte Textverarbeitungsprogramme hingegen zu wenig. Eine adäquate Schnittmenge der notwendigen Features zu einem erträglichen Preis erreicht uns jetzt aus Korea, wo HanMac Word kommerziell vertrieben wird. Außerhalb des Landes ist es Shareware, mit einer vergleichsweise geringen Registriergebühr von 35 US-$.

Der Name spielt auf Microsofts Mastgans an, und auch das Aussehen hat mit Word viel gemein: Mehrere Tool-Bars prägen den optischen Eindruck. Man kann Text laden, editieren, in allen denkbaren Varianten formatieren, einfärben et cetera. Unter der Haube findet sich aber Interessantes abseits der gängigen Features: HanMac Word stellt Text- und Bildrahmen (Frames) zur Verfügung, die die exakte Positionierung von grafischen Elementen erlauben - entweder fest positioniert oder im Textfluß. Die Genauigkeit beträgt intern bis zu 1/1000 der gewählten Einheit (cm, mm, inch, point, Q), das ist mehr als genug für normale Drucker. Für fest positionierte Frames lassen sich zudem die Transparenz des Frames, In-/Out-Offset und das Text-Wrapping festlegen, der Benutzer hat hier die Wahl zwischen Überlappen und Umfließen. Wie von Profi-DTP-Programmen gewohnt, kann man auch mit HanMac Word Frames gruppieren, einreihen und festsetzen; ein Gitternetz ist ebenso einstellbar. Dank XTND-Unterstützung finden diverse Texte Eingang, und eingebaute Filter importieren GIF-, BMP-, EPS-, PICT- sowie MacPaint-Bilder. Eigene Grafiken sind mit Hilfe der Tool-Palette flink erstellt. Gut gelungen ist die Tabellenimplementierung: Tabellen werden auch als Frames behandelt und kommen in die entsprechenden Vorzüge. Ein eigenes Menü stellt die notwendigen Befehle zur Manipulation zur Verfügung, das Repertoire übertrifft das von so mancher großen Textverarbeitung locker.

Aber das Programm kann noch wesentlich mehr. Sie wollen eine EMail aus Ihrer Textverarbeitung heraus verschicken? Kein Problem: HanMac Word gibt den Text und eventuelle Attachments direkt an Eudora weiter, lediglich die Adresse des Empfängers muß man noch eingeben. Des weiteren ermöglicht der fernöstliche Alleskönner den Aufbau einer Textdatenbank, die anhand von Schlüsseln durchsucht werden kann - ein nützliches Extra, das zum Beispiel die Klassifizierung von Korrespondenz oder die Suche erleichtern kann. Auch ein HTML-Konverter ist eingebaut. Dessen Fähigkeiten sind zwar nicht perfekt, zum Beispiel werden Umlaute nicht konvertiert, Textfarben gar nicht und Bilder nur dann exportiert, wenn man sie 'inline' ohne Textumfluß plaziert. Dafür kann sich so mancher Spezialeditor von dem HTML-Tabellenexport noch eine dicke Scheibe abschneiden. Exotisch: Wer über das koreanische oder japanische Language-Kit verfügt, kann direkt die jeweilige Schrift verwenden.

Die wenigen Kleinigkeiten, die uns negativ aufgefallen sind, spielen nur eine untergeordnete Rolle: Das Programm wirkt etwas träge und die Online-Hilfe fällt recht spartanisch aus. Diese c't-Seite reicht aber bei weitem nicht aus, alle positiven Eigenschaften dieser Innovation zu beschreiben. Etliche Bonuspunkte, wie beispielsweise die gleichzeitige Auswahl nicht-zusammenhängender Elemente, heben das Programm selbst von den Branchenprofis ab. Wir können nur empfehlen: Probieren Sie es selbst aus! (se)


HanMac Word 2.04 (hanmac-word-k-204.hqx, Shareware, 35 US-$) steht auf http://www.hanmac.com, im Text-Verzeichnis diverser Info-Mac-Spiegel sowie in der c't-Mailbox.

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