Mäßiges Interesse

Trends & News | News

Seit fast zwei Monaten ist das unter gigantischem Werbeaufwand eingeführte Windows 95 nun im Verkauf. Händler, Kunden und Konkurrenz ziehen ernüchternde Bilanz. Apple hat die Chance vertan, aus dem Negativimage Kapital zu schlagen.

Bis zum 23.August hatte man den amerikanischen Computerbesitzern eingebleut, daß Windows 95 die tollste technische Neuerung seit der Erfindung des Rades sei. Einige Läden verkauften bis zu 1500 Kopien in den ersten zwei Stunden nach Mitternacht. Vier Tage später verkündete Microsoft, man habe in Nordamerika inzwischen eine Million Exemplare verkauft, denen in den nächsten fünf Tagen weitere 650.000 folgten. Damit übertraf man die Verkaufszahlen sämtlicher bisher auf den Markt gebrachten Microsoft-Produkte. Mittlerweile ist die erste Euphorie abgeflaut, und Ernüchterung macht sich breit. Schlechte Kritik bildete den Hauptgrund dafür, daß die Verkaufszahlen auf ein Fünftel dessen zurückgingen, was man anfangs pro Woche unters Volk gebracht hatte. So gewarnt halten sich auch PC-Hersteller zurück, ihre Geräte mit bereits installiertem Windows 95 auszuliefern.

Viele Endkunden hatten Schwierigkeiten mit der Installation und blockierten in den ersten Tagen sämtliche Leitungen von Microsofts Telefon-Helpline. Zu allem Übel brachte gar Bill Gates höchstselbst Windows 95 in Spanien im Rahmen einer Demonstration zum Absturz. So stieg das Interesse an Macs in den letzten Wochen an. Doch obwohl man dies in Cupertino nicht nur vorausgesehen, sondern sogar mit Anti-Windows-95-Werbung gefördert hatte, war man nicht in der Lage, der gestiegenen Nachfrage zu entsprechen. Engpässe in der Produktion stellten schon immer ein Problem für Apple dar. So verzeichnete man auf Grund von Lieferschwierigkeiten vor allem bei Maschinen mit dem PowerPC-Chip am Ende des zweiten Quartals 1995 Außenstände von nahezu einer Million Dollar. Mit der neuen Powerbook-5300er-Serie wollte Apple der PC-Welt und Windows 95 die Stirn bieten.

Am 11. September kam das Gerät in die Geschäfte, doch knapp eine Woche später mußte Apple alle Powerbooks aus der 5300er Serie zurückrufen, da die Lithium-Ionen-Batterien einiger Geräte von Mitarbeitern in Cupertino während des Aufladens in Flammen aufgingen. Die nächsten 5300er Powerbooks kamen erst mit Verzögerung wieder auf den Markt - mit Nickel-Metall-Hydrid-Batterie. Der Aktienmarkt reagierte prompt: Kurz nach Bekanntgabe der Rückrufaktion und der Aussage der Firmenleitung, daß die Gewinne für das laufende Quartal weit unter den Erwartungen lägen, fiel der Kurs der Apple-Aktie. Die Marktforscher sind sich einig, daß Apple die Chance gehabt hätte, verlorenen Boden im Computerbereich wieder gutzumachen - bisher diese Gelegenheit jedoch nicht nutzen konnte.

So hat Bill Gates mit seinem Windows 95 weiter Oberwasser. Trotz der abgeflauten Nachfrage sieht das Marktforschungsinstitut Dataquest bislang keine Veranlassung, etwas an der Voraussage zu ändern, daß in Jahresfrist weltweit 30 Millionen Windows 95 an den Mann gebracht werden. Viele warten erst einmal ab, bis die nächste, weniger fehlerbehaftete Version auf den Markt kommt. Dies soll schon Ende dieses Jahres der Fall sein. (fm)

[#anfang Seitenanfang]


In Deutschland produzierte die massive Windows-95-Werbekampagne bislang keine sensationellen Verkaufszahlen. Zwar konnte Microsoft beinahe 100 000 Stück in den ersten fünf Tagen an die Endkunden bringen - fast ausschließlich Updates. Voller Optimismus rechnet man bei Microsoft Deutschland diese Zahl auf ein Jahr hoch und gibt sich zuversichtlich, die geplante Marge von 6.000.000 erreichen zu können. ESCOM räumt ein ‘Die Erwartungen sind nicht erfüllt worden’, und unisono stimmen Fachhändler und Kaufhäuser ein. Die PC-Welt resümiert eine von ihr durchgeführte Umfrage dahingehend, daß sich das Interesse an Windows 95 seit Sommer letzten Jahres mehr als halbiert habe und nicht einmal jeder dritte PC-Anwender bis Ende dieses Jahres umsteigen wolle. Am einfachsten läßt sich Windows 95 - bereits vorinstalliert beim Rechnerneukauf - verbreiten. Vobis zum Beispiel läßt seinen Kunden die Wahl, ob sie die Ausstattung mit Windows 95 oder OS/2 wünschen. Im September entschieden sich zwei Drittel für Windows 95, ein Drittel verlangte OS/2.

Anzeige
Anzeige