Maestro ... Musik und Video, s’il vous plaît!

Der PC als multimedialer Alleskönner fürs Wohnzimmer

Praxis & Tipps | Praxis

In dem Wohnzimmern stapeln sich Receiver, CD-, DVD-, MP3-Player und Videorecorder ... Dabei wäre es viel schöner, ein einziges Gerät zu haben, das alle Funktionen in sich vereint: Die ‘Sound and Vision Platform’, kurz c't S.V.P., ersetzt den meterhohen HiFi-Gerätestapel und kann noch mehr - ‘s’il vous plaît’ (s.v.p.).

Aufmacher

Prinzipiell bringen moderne PCs sämtliche Voraussetzungen mit, um (fast) alle Heimkino/HiFi-Komponenten in Rente zu schicken. Dennoch tun sich die PC-Hersteller schwer, brauchbare ‘Multimedia-PCs’ zu entwickeln. Dabei reichen schon Standardkomponenten und eine Windows-Installation, um alle erdenklichen Funktionen in einem PC zu vereinen. Als ‘Proof of concept’ haben wir uns daran gemacht, selbst einen derartigen Prototypen zusammenzuschrauben: die erste Stufe der wohnzimmertauglichen ‘Sound and Vision Platform’ (c't S.V.P.).

Das Projekt zeigt, wie mit der geeigneten Hard- und Software - plus Dämmmaterial - aus dem PC eine Audio-/Video-Schaltzentrale wird: Sie kommt mit integriertem Mini-TFT, spielt Musik-CDs, MP3 & Co., Videos von VCD über DivX;-) bis hin zur DVD (mit 5.1-Sound), dient als digitaler Videorecorder und lässt sich weitgehend per Fernbedienung steuern. Darüber hinaus erstellt c't S.V.P. auf Knopfdruck 1:1-Kopien von Daten- oder Audio-CDs. Letztere konvertiert der PC auf Wunsch in MP3 oder andere Formate. Wer will, surft von der Couch aus im Web oder checkt seine E-Mail - s’il vous plaît! Wem das nicht reicht, der kann seinen Wohnzimmer-PC dank ‘modularer’ Architektur beliebig erweitern und neue Funktionen hinzufügen.

Es sei allerdings auch gleich angemerkt, was die c't S.V.P. nach unserer Idee nicht ist: Es geht weder um das Recycling altersschwacher PCs, die hier ihren zweiten Frühling erleben, noch um den aufgemotzten Desktop-PC, an dem man weiterhin sein Tagewerk vollbringt. Die S.V.P. in ihrer reinen Ausprägung ist eine Standalone-Lösung, die einen neuzeitlichen PC ganz und gar für sich vereinnahmt.

Die erwähnten Komponenten haben wir nicht im Hinblick auf höchste Leistungsfähigkeit ausgesucht, sondern Wert darauf gelegt, dass sie reibungslos zusammenarbeiten oder einfach nur erwartungsgemäß funktionieren.

Ob sich der PC auf Dauer im Wohnzimmer einen Platz erkämpft, hängt in erster Linie von seinem Gehäuse ab. Ein bisschen was fürs Auge muss das Gerät schon bieten (oder so unauffällig sein, dass sich niemand daran stört), sonst findet es sich schnell im Nebenzimmer wieder. Wer Wert auf Design legt, sollte sich einfach mal im Internet umschauen; wir fanden beispielsweise unter www.pc-gehaeuse.de und www.pc-gehaeuse.com auf HiFi-Look getrimmte Geräte, die allerdings ohne besondere Lärmdämmung daherkommen. Letzteres ist ein weiteres Knock-out-Kriterium für Wohnzimmer-PCs: Moderne GHz-Boliden zeichnen sich außer durch ihre Leistung leider nahezu immer auch durch ein enormes Arbeitsgeräusch aus.

Für das Projekt fiel unsere Wahl auf ein ‘gewöhnliches’, dafür schallgedämmtes Desktopcase von Aconto. Dessen Gehäusefront bietet sogar genügend Platz, um ein Mini-TFT-Display aufzunehmen. Wer das nötige Kleingeld hat und ein wenig Bastelei nicht scheut, kann der c't S.V.P. damit die Krone aufsetzen - mehr dazu im Kasten ‘Blickfänger selbst gebaut’. Wer darauf verzichten kann oder muss, kann selbstverständlich schallgedämmte Gehäuse anderer Hersteller verwenden [[#literatur 1]].

Um unserem ursprünglich beigen Gehäuse einen HiFi-Touch zu verleihen, haben wir es für 80 Mark schwarz lackieren lassen. Nach dieser Behandlung war das Äußere der S.V.P. durchaus ansprechend. Aconto bietet inzwischen selbst auf Wunsch und gegen Aufpreis schwarze Gehäusevarianten an.

Mit ein wenig Aufwand kann man sogar seinen ‘alten Heuler’ recyceln: Ein paar Dämmplatten und ein Netzteil mit leisem Lüfter reichen unter Umständen aus, um die erhöhten akustischen Anforderungen eines Wohnzimmer-PC zu befriedigen.

Als Betriebssystem für die erste Ausbaustufe haben wir der Einfachheit halber Windows 9x - genauer die Millennium Edition - eingesetzt: Zum einen können so die meisten Leser unsere Konfigurationen am eigenen System testen, zum anderen gibt es keine andere Plattform mit vergleichbar guter Treiberunterstützung. Bis auf wenige Modifikationen lässt sich die Konfiguration ebenfalls auf Windows 2000 oder XP übertragen.

Wer ein anderes Betriebssystem bevorzugt oder über seine eigenen Erfahrungen mit entsprechenden Prototypen berichten will, fühle sich hiermit angespornt, mit den Autoren Kontakt aufzunehmen. Beispielsweise ist eine ‘Portierung’ auf Linux auf absehbare Zeit sehr wünschenswert. Das freie Betriebssystem diente bereits in mehreren Projekten als Grundlage für Audio-PCs, etwa MP3-O-PHONO [[#literatur 2]] oder LCDAT, dessen Entwicklung mittlerweile eingestellt wurde. Auch der Linux Video Disk Recorder leistet schon seit längerem gute Dienste [[#literatur 3]].

Eines der wichtigsten Komfortmerkmale eines Wohnzimmer-PC sollte die Fernbedienbarkeit sein. Um diese zu realisieren, setzen wir den bereits in [[#literatur 4]] vorgestellten IR-Empfänger sowie eine Funktastatur für aufwendigere Aufgaben ein.

Grafische Inhalte stellt die ‘Sound and Vision Platform’ auf dem Fernsehschirm dar, die sie über den S-Videoausgang einer Grafikkarte an die SCART-Buchse des Fernsehers weiterreicht. Entsprechende S-Video-Kabel inklusive SCART-Kupplung gibt es im Elektronikfachhandel ab circa 50 Mark. Nutzt man den Fernseher als Ausgabemedium, spielt die Qualität des Videoausganges der Grafikkarte eine entscheidende Rolle. Wir haben bei nVidia-Chipsätzen mit BT86x-TV-Encodern gute Erfahrungen gemacht. Allerdings treten je nach Grafikkartentyp die berüchtigten schwarzen ‘Trauerränder’ auf. Die in [[#literatur 5]] geschilderten Maßnahmen verhelfen nahezu allen Videoausgängen zum Vollbild.

Außerdem enthält die S.V.P aus nahe liegenden Gründen ein DVD-Laufwerk und einen CD-Brenner; eine möglichst große Festplatte (ab 40 GByte) sollte ebenfalls selbstverständlich sein. Je nachdem, ob man Analog- oder Digital-TV empfängt, kommen eine TV/FM-Tunerkarte (mit MPEG2-Encoder) oder eine DVB-Karte hinzu, die Videorecorder-Funktionen inklusive Timeshift sowie Radioempfang sicherstellen. Auf Timeshift muss man bei den meisten DVB-Lösungen leider noch verzichten, einzig Pinnacles PCTV Sat unterstützt diese Funktion bislang [[#literatur 5]].

Für den guten Ton sorgt eine Mehrkanal-Soundkarte mit analogen Ausgängen und SPDIF. Eine preiswerte Karte nur mit Letzterem ist ausreichend, falls ein externer Digital-Surround-Decoder vorhanden ist. Natürlich kann man den PC auch an ein 5.1-Boxensystem anschließen. Darüber, welche 5.1-fähige Karte für die eigene c't S.V.P. am geeignetsten ist, gibt [[#literatur 6]] Aufschluss.

Da wir bei der Konzeption der ‘Sound and Vision Platform’ von einer Netzwerkverbindung ausgehen, kommt noch eine ISDN- oder Ethernet-Karte hinzu.

Die Hauptplatine muss natürlich ausreichend freie Steckplätze für die gewünschten PCI-Karten mitbringen. Für die Minimalkonfiguration reichen Grafikkarte, LAN/Modem und Soundkarte mit 5.1-Ausgang beziehungsweise SPDIF.

Boards mit Onboard-Grafik oder -Sound sind für unser Projekt nicht empfehlenswert. Insbesondere die Qualität der Soundchips ist häufig nur mittelmäßig. Boards mit Onboard-LAN sind vergleichsweise selten zu finden; lieber sollte man zu einer Hauptplatine mit mehr PCI-Steckplätzen greifen. Im Endeffekt sollte das Board der Wahl mindestens vier PCI-Steckplätze bieten, auch wenn für die Minimalkonfiguration sogar ein MicroATX-Board mit nur drei PCI-Steckplätze ausreicht. Doch dann hängt man sich von späteren ‘Funktionserweiterungen’ der c't S.V.P. ab.

Wünschenswert ist zudem ein Board, das entweder sowieso schon über einen ‘Standard Infrarot’-Konnektor (SIR) oder über eine interne Steckverbindung für die zweite serielle Schnittstelle (COM2) verfügt - sprich nur die Schnittstelle COM1 über die ATX-Anschlussleiste aus dem Gehäuse herausführt. An der internen seriellen Schnittstelle ließe sich der in c't 18/00 beschriebene primitive Infrarot-Receiver anschließen und in die Gehäusefront integrieren.

Doch es gibt viele weitere Überlegungen, die man bei der Auswahl eines geeigneten Mainboards für einen Multimedia-PC berücksichtigen muss. TV- und Soundkarten sorgen manchmal für Konfigurationsprobleme, sobald sie sich eine PCI-Interruptleitung teilen müssen (IRQ Sharing). In den meisten Fällen funktioniert diese Technik zwar problemlos, doch wenn es knirscht, ist ein BIOS hilfreich, dessen Setup die Zuordnung von Interrupt-Leitungen zu bestimmten PCI-Slots erlaubt [[#literatur 7]]. Das ist bei dem Sockel-370-Board Asus TUV4X möglich: Für die vier PCI-INT-Leitungen lassen sich gezielt IRQ-Nummern wählen. Allerdings kann das TUV4X höchstens zwei der sechs PCI-Slots mit einer jeweils exklusiven IRQ-Leitung versorgen. Die 686B-Southbridge des auf dem TUV4X verbauten VIA-Chipsatzes bietet nur vier INT-Eingänge.

Mehr, nämlich acht dieser Signalleitungen kann der I/O-Controller-Hub ICH2 des Intel-i815-Chipsatzes verarbeiten. Schaufelt man durch Abschalten unbenötigter Onboard-Komponenten - etwa eines COM-Ports oder eines USB-Controllers - IRQs frei, so lassen sich per BIOS-Setup bis zu vier PCI-Karten eine eigene Interrupt-Leitung zuordnen. Leider bieten nur wenige i815-Mainboards diese Möglichkeit. Empfehlenswert sind etwa das Asus CUSL2-C oder sein ‘Tualatin’-tauglicher Nachfolger TUSL2-C sowie die Fujitsu-Siemens-Platine D1219. Ein entsprechendes Board für Sockel-A-Prozessoren ist das Asus A7A266 mit ALi-MAGiK-Chipsatz.

Das nächste wichtige Kriterium für die Auswahl eines geeigneten Mainboards ist der gewünschte Prozessor. Auf Leistungsaspekte muss man für die geplanten Anwendungen wegen der hohen Taktraten heute verfügbarer Prozessoren keine Rücksicht nehmen. Ein Intel Celeron ist kaum mit weniger als 667 MHz zu haben - diese Leistung reicht auch für die kritischsten Anwendungen der c't S.V.P. locker aus: DVD-Video-Wiedergabe und Timeshifting - sofern das optische Laufwerk im DMA-Modus läuft. Diese Bedingung erfüllen praktisch alle auf dem Markt verfügbaren Geräte, wenn man die richtigen Chipsatz-Treiber einspielt. Intels Sockel-370-Prozessor Celeron hat im Vergleich zum AMD Duron den Vorteil, dass er deutlich weniger Leistung aufnimmt. Das ermöglicht in Verbindung mit einem geregelten Lüfter auf dem CPU-Kühler leiseren Betrieb des PC. Auch der Netzteillüfter darf langsamer drehen, wenn der Prozessor weniger Strom zieht.

Da ein 667-MHz-Celeron schon für rund 100 Mark zu haben ist, bringt auch der Einsatz eines AMD Duron oder des VIA C3 keinen Preisvorteil mehr. Wer später eventuell einen schnelleren Prozessor nachrüsten will, sollte zu einem Mainboard greifen, das bereits die kommende, in einem 0,13-µm-Prozess hergestellte Intel-CPU-Generation unterstützt. Platinen für die ‘Tualatin’-Chips kennzeichnen die Hersteller meist mit dem Buchstaben ‘T’ in der Typenbezeichnung - wie eben das von uns ausgewählte TUV4X mit dem Chipsatz VIA Apollo Pro133T, dem Nachfolger des Pro133A (694X).

Beim Speicherausbau lohnt sich kein Overkill - 128 MByte sind völlig ausreichend. Auch Speichertyp und Zeitparameter sind unkritisch. Will man den Rechner noch leiser machen, kann man den Hauptprozessor theoretisch sogar heruntertakten - wegen des festen Multiplikators des Intel Celeron muss man dabei allerdings den Front-Side-Bustakt verstellen. Das kann wiederum dazu führen, dass PCI-Bus und AGP mit zu geringem Takt laufen; PCI-Geräte verlangen meist exakt 33 MHz, manche laufen bereits ab 25 MHz; AGP-Grafikkarten sind für 66 MHz ausgelegt.

Beim Zusammenspiel der PCI-Multimedia-Erweiterungskarten muss man bei der Einrichtung mit Konfigurationsproblemen rechnen. Möglicherweise kommen kleinere Störungen vor, etwa ruckelnde Video-Wiedergabe sowie stotternde oder verzerrte Klangausgabe. Erst wenn diese Probleme nach Treiber- oder BIOS-Update behoben sind, geht es an die nächsten Schritte.

Die jüngsten c't-Tests von Sound- und TV-Karten zeigten, dass speziell diese Multimedia-Karten häufig nicht mit IRQ-Sharing zurechtkommen. Vor allem, wenn sich die Geräte untereinander oder mit einer Netzwerkkarte einen IRQ teilen, können Aussetzer auftreten. Außer dem Vertauschen der Karten in den PCI-Slots kann man versuchen, über das BIOS-Setup pro Karte separate IRQs zuzuordnen. Damit Windows die mühsam zurechtgebogene Konfiguration nicht wieder verwürfelt, muss man im BIOS-Setup die Option ‘Plug-and-Play-OS’ auf ‘No’ setzen und unter Windows im Geräte-Manager das ‘PCI-Steering’ ausschalten. Den entsprechenden Eintrag findet man unter Systemkomponenten/PCI-Bus. Wer später weitere Steckkarten nachrüsten will, kann bei rein manueller Konfiguration aber unangenehme Überraschungen erleben, weil Windows oder die Kartentreiber keine freien Ressourcen mehr finden. Solange keine Störungen auftreten, ist die automatische Konfiguration daher die bessere Wahl.

Wer die Sound and Vision Platform nicht bei jedem Einschalten von Grund auf booten möchte, kann sie in den Stand-by-Zustand schicken. Unter Windows ME funktioniert leider nicht mit jeder Hardware-Bestückung der ACPI-Suspend-to-RAM-Modus S3, bei dem die 5-Volt-Standby-Spannung nur den Speicherinhalt puffert. Meist gelingt es nur, den Suspend-Modus S1 zu nutzen, bei dem allerdings der Netzteillüfter weiterläuft und die Stromaufnahme aus dem Netz vergleichsweise hoch ist.

Ein Kompromiss zwischen schnellem Booten und geringer Stromaufnahme ist der ‘Ruhezustand’ von Windows ME, bei dem der PC elektrisch ausgeschaltet ist. Beim Aufwachen bootet das Mainboard, Windows lädt sich aber in einem Rutsch aus einer speziellen Datei von der Festplatte. Das geht recht flott, wenn man im BIOS-Setup entsprechende Einstellungen wie ‘Quick Boot’ vornimmt und die automatische Erkennung bestimmter Komponenten abschaltet. So ist die Suche nach einem Floppy-Laufwerk so zeitaufwendig wie unnötig, auch die Erkennung von nicht eingebauten IDE- oder SCSI-Geräten kann man dem BIOS ersparen.

Auch der Ruhezustand ist ein empfindliches Pflänzchen: Windows ME bietet ihn nur an, wenn es alle Geräte über WDM-Treiber ansprechen kann, kein Internet-Connection-Sharing-Host installiert und ausreichend Platz auf der Festplatte ist. Letzteres sollte kein Problem darstellen. Da die S.V.P. auch als MP3-Archiv und Videorecorder dient, werkelte in unserem Prototyp eine 40-GByte-Platte.

Angeblich soll die Deaktivierung des ACPI-Modus einige Hardwarekonflikte lösen - nachvollziehen ließ sich das im c't-Labor bisher nicht. Möchte man ACPI dennoch loswerden, kann man nach der Beschreibung in c't 17/01 vorgehen.

Die wichtigsten Vorarbeiten für eine effektive Geräuschdämmung wurden bereits in c't 17/01 geleistet [[#literatur 8]]. Grundsätzlich sollte das Gehäuse der c't S.V.P. einen möglichst leisen Netzteillüfter mitbringen. Eine Grafikkarte oder ein Mainboard mit zusätzlichen Ventilatoren verbieten sich von selbst.

Beim Prozessorkühler sollte man auf einen leisen respektive geregelten Lüfter achten. Damit die CPU nicht mehr Strom in Wärme verwandelt als unbedingt nötig, kann man ein Software-Tool installieren, das den Prozessor in Arbeitspausen zum Stromsparen zwingt. Dass dies bei vielen Sockel-A-Platinen nicht ohne weiteres funktioniert, ist ein weiterer Grund dafür, keinen Duron oder Athlon einzusetzen. Der VIA C3 wäre in Bezug auf die Leistungsaufnahme die beste Wahl, allerdings ist dieser Prozessor doch sehr leistungsschwach - speziell die ruckelfreie DVD-Video-Wiedergabe ist nicht in jeder Konfiguration sichergestellt.

De facto arbeiteten wir mit zwei Konfigurationen. Die eine nutzte einen betagten, passiv gekühlten Celeron-366, die zweite eine 700-MHz-CPU mit Verax-Lüfter, der beim Lüftertest in c't 17/01 sehr gut abgeschnitten hat und - weil leiser als der Gehäuselüfter - ebenso viel (oder wenig) lärmt wie die passiv gekühlte CPU.

Damit unserer c't S.V.P. nicht wegen Lärmbelästigung der Weg ins Wohnzimmer versperrt bleibt, war es unser Ziel, sie unter einen Schalldruckpegel geringer als 35 dBA (oder einer Lautheit unter 1 Sone) auf einen Meter Entfernung zu dämmen. Zum Vergleich: Klimaanlagen rauschen bei etwa 40 dBA, und für gewöhnlich ist selbst in einer ruhigen Wohngegend der Umgebungslärm lauter.

Die Schallabstrahlung unseres Prototypen haben wir in zwei unterschiedlichen Entfernungen gemessen: aus einem Meter Entfernung wie bei HiFi-Komponenten üblich und zum Vergleich mit den Werten in c't 17/01 bei 25 Zentimetern. Unser Gerät kann bei 25 Zentimeter Abstand zwar nicht mit den Spitzenwerten der schallgedämmten Gehäuse in [[#literatur 1]] mithalten, muss es aber auch gar nicht: Im Wohnzimmer steht die S.V.P. vermutlich im (jetzt geräumten) HiFi-Rack und ist damit immer über einen Meter vom Zuschauer/-hörer entfernt. Hier erzielten wir deutlich niedrigere Werte, die außer beim Abspielen von DVDs durchweg unter 22 dBA lagen. Damit war der Prototyp leiser als ein durchschnittlicher Videorecorder im Betrieb (gemessen circa 24 dBA).

Um die geringe Geräuschentwicklung zu erzielen, mussten wir allerdings mit kleinen Tricks arbeiten. Bei gedämmtem Gehäuse sind nämlich die optischen Laufwerke die größten Krawallmacher im PC. Außer beim Grabben oder Kopieren von CDs kommen alle Applikationen in unserem PC mit Single-Speed-Laufwerken aus - MP3-CDs oder DivX-Movies kämen theoretisch sogar mit noch geringeren Übertragungsraten aus.

Während der CD-Brenner Audio-CDs brav ohne störende Laufgeräusche abspielte, mussten wir das DVD-ROM beim Abspielen von Video-DVDs bremsen. Das Shareware-Programm CD-Bremse von Jörn Fiebelkorn leistete hier gute Dienste. Es wertet die möglichen Geschwindigkeitsmodi der Laufwerke (getrennt nach CD- und DVD-Geschwindigkeiten) aus und bremst diese auf niedrigere Umdrehungsgeschwindigkeiten. Lag der Geräuschpegel ohne Bremse in einem Meter Entfernung bei knapp 30 dBA (1 Sone), lief das Laufwerk mit CD-Bremse bei zweifacher Geschwindigkeit mit nur 21,4 dBA (0,25 Sone).

Im Vergleich zu den optischen Laufwerken sind moderne Festplatten die reinsten Leisetreter, wie an den kaum differierenden Werten zwischen Leerlauf und Seek-Betrieb zu erkennen. Zwar bringen alle automatisches Akustik-Management (AAM) mit, das man prophylaktisch mit Hilfe von IBMs Feature Tool oder einer anderen entsprechenden Software aktivieren sollte. Praktisch hat das jedoch in den meisten Fällen keine ‘hörbaren’ Auswirkungen: Nahezu alle Platten werden vom Gehäuse der c't S.V.P. nahezu vollständig gedämmt.

Nachdem die Hardware der S.V.P. konfiguriert ist, geht es daran, unserem Wohnzimmer-PC Leben einzuhauchen - sprich die passende Anwendungssoftware zu installieren. Die im Folgenden angesprochenen Programme sind keineswegs zwingend für die Funktion der c’t S.V.P., sondern haben sich lediglich als brauchbare Kandidaten erwiesen. Bevor wir auf diese im Detail zu sprechen kommen, muss zunächst das vorlaute Windows ME ruhig gestellt werden. Es drängt dem Anwender (wie auch das kommende Windows XP) den Microsoft Messenger auf, der im Systemtray notorisch auf sich aufmerksam macht und jede eingehende Mail auf einem Hotmail-Account verkündet, sobald der Rechner online geht. Ruhe gibt das Programm nur, wenn man es deinstalliert. Ein ähnlicher Querulant verbirgt sich hinter Microsofts Windows-Update-Assistenten. Er lässt sich beruhigen, indem man ihn via Systemsteuerung auf manuelle Updates umstellt.

Darüber hinaus nisten sich diverse Programme, so genannte ‘Agenten’, im Systemtray ein und machen in regelmäßigen Intervallen auf sich aufmerksam. Beispiele hierfür sind Winamp oder der Real Player - auch diese sollte man tunlichst deaktiveren.

Generell tut man gut daran, auch das automatische Abspielen von Audio- und Daten-CDs abzustellen, weil die ansonsten automatisch gestarteten Programme teilweise nicht auf die Eingaben von der Fernbedienung reagieren wollen. Am einfachsten erledigt man dies mit Tweak UI. Gerade bei Video-DVDs mit Datenteil drängen sich sonst per Autostart gerne Programme wie PC Friendly in den Vordergrund. Ebenfalls per TweakUI aktiviert man den automatischen Windows-Logon beim Systemstart.

Weil fizzelige Desktop-Icons bei der Navigation auf dem Fernseher nur stören - und bei der c't S.V.P. überflüssig sind, findet endlich einmal der ‘Active Desktop’ von Windows eine sinnvolle Anwendung. Über ‘Desktop anpassen’ aktiviert man die Webinhalte und erhält darüber hinaus die Option die Desktop-Symbole zu verstecken.

Da c't S.V.P. mittels Infrarot-Fernbedienung gesteuert wird, muss ein passender IR-Receiver her. Dazu greifen wir auf den bereits in [[#literatur 4]] vorgestellten, einfachen IR-Empfänger für die serielle Schnittstelle zurück. Die Interpretation der empfangenen Infrarotsignale übernimmt WinLIRC, eine Portierung der Linux Infrared Remote Control (LIRC), zu finden unter http://winlirc.sourceforge.net.

WinLIRC ordnet den rohen IR-Signalen zuvor angelernte Klartext-Steuersignale (etwa ‘play’) der Fernbedienung zu. Diese Informationen gibt der WinLIRC-Server per Winsock im TCP/IP-Protokoll über Port 8765 an geeignete Applikationen weiter. Bevor es daran geht, Programme vom Sessel aus zu starten, müssen daher zunächst die Tasten der Fernbedienung ‘trainiert’ werden. Angesichts der Funktionspalette unseres Prototypen reicht die nach der Installation von S.V.P. überflüssige Videorecorder-Fernbedienung leider nicht aus. Wer sich ohnehin schon immer über die zig im Wohnzimmer verstreuten Fernbedienungen geärgert hat, kann dies zum Anlass nehmen, sich eine programmierbare Fernbedienung zuzulegen, die je nach Ausführung zwischen 50 und 200 Mark zu bekommen ist. Wünschenswert wäre eine Fernbedienung, die neben den üblichen Funktionstasten weitere frei konfigurierbare Tasten bietet. Universalfernbedienungen ersetzen zwar bis zu acht Geräte, die Funktionstasten (TV, VCR, Radio ...) selbst senden aber keine IR-Signale, sondern fungieren lediglich als Umschalter zwischen den virtuellen Fernbedienungen.

Als universelle Utilities zur Automation von Windows per IR-Fernbedienung eignen sich die beiden (für den Privatgebrauch) kostenlosen Programme Girder von Ron Bessems und IRAssistant von Antti Heinänen. Beide Programme kommunizieren mit WinLIRC über spezielle Plug-ins (IRAssistant: ira_lirc; Girder: WinLIRC2Girder) und bieten ähnlichen Funktionsumfang. Neben WinLRIC unterstützen sie auch diverse andere IR-Empfänger - mehr Details dazu finden sich auf den jeweiligen Homepages. Für das frühere c't-Projekt IRdeo [[#literatur 9]] ist zurzeit ein IRAssistent-Plug-in in Arbeit.

IRAssistant und Girder kennen allgemeine Makros, die keiner speziellen Anwendung zugeordnet sind. IRAssistant stellt hierfür vordefinierte Makros (Volume up, Volume down, Mute) zur Verfügung. Voraussetzung für diese Funktionen ist eine Soundkarte, die zur Lautstärkeregelung auf den Windows-Mixer zurückgreift. Bei Girder kann man sogar alle Mixer-Einstellungen per Point & Click auf bestimmte Funktionstasten der Fernbedienung legen.

Daneben gibt es so genannte ‘Button Groups’, die alle Makrodefinitionen (‘Group Macros’) einer bestimmten Applikation enthalten und per Tastendruck aktiviert werden. Der erste zu definierende Befehl startet sinnvollerweise das jeweilige Programm. Dazu stellt das IRAssistant das vordefinierte Makro ‘Files/Launch Files ...’ zur Verfügung. Damit ein zweiter Druck auf dieselbe Taste die Applikation wieder beendet, enthält dieses Makro meist als zweites Tastaturkürzel ‘Alt+F4’. Beide Befehle versieht man anschließend mit der Option ‘One command, loop’. Die entsprechende Taste der Fernbedienung erlernt IRAssistant über ‘Learn item’. Girder löst die gleiche Aufgabe mit so genannten ‘Multibefehlen’.

Generell unterstützt IRAssistant vier Typen zur Ausführung von Befehlen. Enthält das Makro nur einen Befehl, führt IRAssistant dieses wahlweise nur einmal oder wiederholt aus (etwa bei längerem Tastendruck, sinnvoll bei der Lautstärkeregelung). Enthält das Makro mehrere Befehle, besteht darüber hinaus die Möglichkeit, diese zu einem Kommando zusammenzufassen, das entweder ein Auswahlmenü bildet oder die Befehle in einer Schleife abarbeitet.

Damit die Fernbedienung automatisch beim Systemstart aktiviert wird, versteht sich von selbst, dass Verknüpfungen für WinLIRC und die bevorzugte Automations-Software im Autostart-Verzeichnis platziert werden müssen. Die Programme lassen sich so konfigurieren, dass sie minimiert starten und sich im Systemtray einnisten. Wir haben IRAssistant und Girder (weitgehend) erfolgreich praktisch erprobt. Da es sich aber kaum lohnt, die Beispielkonfigurationen abzudrucken, stellen wir die entsprechenden Dateien mit kurzer Installationsanweisung mit der Veröffentlichung des Heftes in unseren Download-Bereich.

Am einfachsten lassen sich Programme konfigurieren, die alle Funktionen per Tastaturkürzel zugänglich machen. Andernfalls helfen nur simulierte Mausklicks oder man muss auf so genannte Fensternachrichten (‘Windows Messages’) zurückgreifen, mit denen einzelne Windows-Applikationen mit dem Betriebssystem und untereinander kommunizieren.

Anhand von Winamp lässt sich das Problem leicht verdeutlichen: Für die Befehle ‘Play’, ‘Stop’ und ‘Pause’ existieren die entsprechenden Tastenkürzel ‘X’, ‘V’ und ‘C’. Der Befehl ‘Play Audio CD’ findet sich hingegen nur im Pulldown-Menü. Anstatt nun mühsam ein Makro für die Maussteuerung zu programmieren, reicht die Fensternachricht ‘WM_COMMAND:40323:0’. Um die zugegebenermaßen kryptischen Kommandos herauszufinden, bietet Girder einen speziellen Capture-Modus, der die Fensternachrichten aufzeichnet und per Knopfdruck in seine Konfiguration übernimmt. IRAssistant erlaubt lediglich die händische Eingabe der Parameter. Es kann also nicht schaden, beide Programme zu installieren.

Wegen seiner Flexibilität haben wir Winamp als Standard-Audioplayer für MP3 & Co sowie als CD-Player eingerichtet. Sowohl für Girder als auch IRAssistant gibt es bereits diverse fertige Konfigurationsdateien, die alle wichtigen Funktionen bereitstellen. Allerdings stellt Winamp so viele Funktionen zur Verfügung, dass wir uns auf die Grundfunktionen beschränkt haben.

Ursprünglich sollte S.V.P mittels TV-Karte über die Austastlücke von NBC Europe r@diomp3 empfangen, doch dieses Thema hat mit der Insolvenz der Musicplay GmbH ein jähes Ende gefunden. Zum Trost: Ist die Sound and Vision Platform per (DSL-)Flatrate mit dem Internet verbunden, kann man es sich ohne Angst vor dem finanziellen Ruin erlauben, Winamp zum MP3-Radio umzufunktionieren, mit Hilfe von StreamRipper (http://streamripper.sourceforge.net) Songs mitzuschneiden und in der heimischen MP3-Bibliothek abzulegen. Dazu dient entweder ein Winamp-Plug-in oder eine allein stehende Kommandozeilenversion:

StreamRipper streamingserver:port -p proxyserver:port -d C:\mp3 

Legt man sich für die Sender Verknüpfungen an, lassen sich diese per Fernbedienung anwählen und die entsprechenden Internetsender mitschneiden. Alternativ platziert man die Verknüpfung im Autostart-Verzeichnis, um schon beim Systemstart mit der ‘Aufnahme’ zu beginnen.

Wer über ein Heimnetzwerk gebietet, der kann anderen Rechnern über die Windows-Dateifreigabe Zugriff auf das MP3-Archiv gewähren. Auf die Weise dient die c't S.V.P. als MP3-Server und nebenbei lässt sich das MP3-Archiv ‘fernwarten’.

Dank CDex grabbt S.V.P mit nur zwei Tastendrücken eingelegte Audio-CDs und kodiert die Songs automatisch als MP2, MP3, AAC, WMA, Ogg Vorbis oder VQF. Die Titelinformation für ID3-Tags und Namensgebung der MP3-Dateien bezieht CDex direkt von FreeDB oder CDDB. Ist der PC nicht mit dem Internet verbunden, müssen die Titelinformationen per Funktastatur editiert werden, damit nicht alle CDs in ‘No Artist/No Album/Track 01 ...’ landen. Um dies zu vermeiden, kann man den Verzeichnisnamen alternativ die ausgelesene ‘CD Volume ID’ automatisch voranstellen lassen - die ist zwar kryptisch, verhindert aber das Überschreiben bereits kodierter Songs.

Damit der Benutzer schnell 1:1-Kopien von CDs anfertigen kann, enthält die c't S.V.P. neben dem DVD-Laufwerk einen CD-Brenner. Das Programm InstantCopy von VOB erledigt diesen Job bei geeigneter Konfiguration ebenfalls mit nur zwei Tastendrücken.

Die DVD-Wiedergabe ist die kritischste Anwendung für die c't S.V.P [10]. Während bei einem perfekt konfigurierten System mitunter schon eine 400-MHz-CPU und ein DVD-ROM im DMA-Betrieb zur flüssigen Darstellung ausreicht, kann es je nach Grafikkarten-Chipsatz und Software-Player auch noch bei 1 GHz ruckeln. Wie man diese Probleme in den Griff bekommt, zeigt beispielsweise [[#literatur 11]]. In unserem 700-MHz-Testrechner ließ sich aber selbst mit einer betagten TNT2-Ultra ordentliche DVD-Wiedergabe beim Einsatz von PowerDVD und WinDVD erzielen.

Wer einen Digital-Surround-Verstärker sein Eigen nennt, kann Dolby-Digital-Ton bei nahezu allen aktuellen DVD-Decodern über den SPDIF-Ausgang an diesen weiterleiten (Passthrough). Soll die S.V.P. auch DTS-Sound wiedergeben, benötigt man entweder einen externen Decoder, der das Format verarbeitet, oder ist bislang auf WinDVD in der Deluxe-Variante angewiesen. Diese dekodiert DTS in Software und gibt den Sound über die Analogausgänge einer 5.1-fähigen Soundkarte aus.

Wir haben bei dem Prototypen testweise mit den Mehrkanalversionen von PowerDVD und WinDVD gearbeitet, die den 6-Kanal-Sound über die Analogausgänge einer Philips 5.1 Acoustic Edge wiedergeben. Hinsichtlich der Fernbedienbarkeit stellen die DVD-Player aufgrund ihrer rund 20 belegten Sonderfunktionen eine Herausforderung an jede Fernbedienung. In den meisten Fällen kommt man auch gut mit den Grundfunktionen zum Abspielen und zur Navigation innerhalb der Menüs aus: Sprache, Untertitel und anderes lassen sich ohnehin über diese Menüs einstellen.

Wer sich nicht auf einen Software-Decoder verlassen möchte, kann einen zusätzlichen freien PCI-Steckplatz im System einplanen, um seine S.V.P. auch mit dem ‘Rundum sorglos’-Paket nachzurüsten - einer Decoder-Karte vom Typ Hollywood Plus, die für rund 200 Mark zu haben ist.

Da wir die S.V.P. für den Einsatz am Fernseher konzipiert haben, benötigt sie nur einen eigenen TV-Tuner, falls sie auch als Videorecorder arbeiten soll. Weil TV-Karten im Allgemeinen nur über einen RF-Antenneneingang verfügen, muss das Signal per RF-Weiche zum Fernseher durchgeschleift werden, sofern dieser nicht nur von einer TV-Software über die S.V.P. gesteuert werden soll.

Soll die S.V.P. das Fernsehbild auf einem PC-Monitor anzeigen, ist es empfehlenswert, nur Halbbilder (704 x 288 Bildpunkte) darzustellen, um die ansonsten auftretenden Kammartefakte zu vermeiden. Gibt man das Bild per TV-Out auf einen Fernseher, treten diese nicht auf.

Im Hinblick auf die Funktion als digitaler Videorecorder (DVR) mussten wir in [[#literatur 5]] leider erst kürzlich feststellen, dass die meisten PC-Lösungen noch weit davon entfernt sind, einen Videorecorder vollwertig zu ersetzen. Der von digitalen Videorecordern erwartete Timeshifting-Komfort ist de facto nur bei analogen MPEG-Encoderkarten realisiert. Bei Digital-TV (DVB-Empfänger) unterstützt dieses Feature nur die PCTV Sat, eine entsprechende Softwarelösung für andere Karten ist bei Odsoft noch in Arbeit. Natürlich wäre es auch denkbar, einen Software-Videorecorder einzusetzen, tatsächlich laufen diese unabhängig vom eingesetzten Codec relativ unzuverlässig und stellen (bei MPEG-2/-4) zu hohe Anforderungen an unsere 700-MHz-CPU.

In unseren Prototyp haben wir testweise die analoge Hauppauge WinTV PVR eingebaut. Die knapp 650 Mark teure Hardware vereint TV-, FM-Tuner und MPEG-Encoder auf einer PCI-Karte und stellt somit eine äußerst Platz sparende Lösung dar. Als Software kommt die eine modifizierte Version von WinTV32/2000 zum Einsatz, die bereits von Haus aus eine eigene Fernbedienung mitbringt. Praktisch: Dem Software-Paket liegt eine Software zum Brennen von Video-CDs bei, mit der man mittels des in c't S.V.P integrierten CD-Writer aufgenommene Sendungen schnell in VHS-Qualität archivieren kann.

Auch die ebenfalls analoge Videorecorderkarte Vmagic von Vidac verrichtete im Testbetrieb ihre Arbeit problemlos. Die zugehörige VideoSuite lässt sich zu großen Teilen ebenfalls per Fernbedienung steuern. Die Timer-Programmierung beider Videorecorderkarten erfordert indes Eingaben per Tastatur. Leider nehmen sich die mitgelieferten Programme recht kryptisch aus, sodass ein Blick in die mit einem Knopfdruck per Fernbedienung gestartete PC-Fernsehzeitschrift TVgenial einen besseren Überblick über das Programm der nächsten zwei Wochen bietet.

Dank der PC-Architektur spielt unser Prototyp alle nur erdenklichen Videoformate ab - sofern die entsprechenden Codecs installiert sind. Insbesondere die Möglichkeit, DivX;-) & Co. auch im Wohnzimmer anzuschauen, dürfte manche Herzen höher schlagen lassen. In 2,35:1-Breitbildformat - sprich mit 640 x 272 Bildpunkten - gespeicherte DivX-Filme sehen auf der (hoffentlich) großformatigen Mattscheibe deutlich besser aus als auf dem 17-Zöller.

Da Microsofts Media Player bei weitem die meisten Videoformate unter Windows unterstützt (außer RealVideo und QuickTime), haben wir ihn als Standard-Videoplayer konfiguriert. Wer allerdings ‘nur’ DivX schauen möchte - und dies wohlmöglich mit AC3-Soundtrack -, fährt mit speziellen AVI/AC3-Playern besser, etwa PowerDivX NextGen oder BSPlayer. Beide benötigen den in der Multikanal-Version von WinDVD enthaltenen Intervideo Audio Decoder, um den AC3-Strom an den SPDIF-Ausgang der Soundkarte weiterzugeben oder per Software zu dekodieren. Prinzipiell ist das auch mit dem Windows Media Player möglich, erfordert allerdings einigen Aufwand [[#literatur 12]].

Darüber hinaus unterstützen beide Player das Umschalten zwischen Bildformaten (16:9, 4:3, Original) per Fernbedienung und diverse DivX-Untertitel.

Ist die Konfiguration der S.V.P. erfolgreich abgeschlossen, sollte man ein Backup anfertigen oder zumindest vor weiteren Eingriffen ins System einen Wiederherstellungspunkt mit der Systemwiederherstellung von Windows ME setzen. Danach steht dem Audio-/Video-Genuss im Wohnzimmer nichts mehr im Wege.

Selbst wenn bei den Experimenten mit unserem Prototypen nicht alles auf Anhieb funktionierte, zeigt sich zumindest, dass sich PCs durchaus einen Platz im Wohnzimmer erkämpfen können. Tatsächlich handelt es sich um eine völlig neue Geräteklasse, die im Sinne einer ‘Über-Kompaktanlage’ sämtliche HiFi- und Video-Komponenten enthält. Angesichts der Konvergenz von PC und Unterhaltungselektronik dürften erste kommerzielle Geräte mit ähnlichen Funktionen nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Am problematischsten sind derzeit das Abspielen von DVD und die Videorecorder-Funktionen, doch dafür ist der Wohnzimmer-PC wesentlich flexibler und offener als die Unterhaltungselektronik. Dort versucht man mit der Spezifikation der Multimedia Home Platform (MHP) erst die Wege für Funktionen zu ebnen, die die c't S.V.P. oder ähnliche Geräte schon längst erfüllen könnten.

Was unserem Projekt bis dato gänzlich fehlt, ist eine einheitliche grafische Bedienoberfläche à la Showshifter. Die Software bringt TV, digitalen (Software-)Videorecorder, DVD-Playback und Audio-Player unter einen (grafischen) Hut und setzt ebenfalls auf Windows auf. Dass Linux eine sinnvolle Betriebssystemalternative darstellt, zeigen die Entwicklungen der Berliner Firma Convergence. Ihr ‘Linux TV PVR’ und ‘Linux TV Media Player’ stellen beispielsweise bereits einen Großteil der erwünschten Funktionen bereit.

Abschließend wollen wir nicht verschweigen, dass die c't S.V.P. je nach Ausstattung durchaus mehr kosten kann, als die entsprechenden Pendants der Unterhaltungselektronik. Hat man zu Hause allerdings noch gewisse ‘Hardware-Vorräte’ und beschränkt sich auf die Minimalkonfiguration, bekommt man ab 1500 Mark eine abgespeckte Version der c't S.V.P. Unsere Konfiguration kostet allerdings ohne TFT-Display rund 3000 Mark (siehe Kasten ‘Kostenvoranschlag’), mit kommt noch ein Tausender dazu.

Eine Warnung am Rande: Neben den recht hohen Kosten sorgt c't S.V.P. möglicherweise für einen schiefen Haussegen. Lebensabschnittsgefährten neigen eventuell dazu, das Gerät samt seinem Erbauer achtkantig hinauszuwerfen, sofern sie den PC im Wohnzimmer als Selbigen identifizieren.

Dank der PC-Architektur sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Beispielsweise könnte man darüber nachdenken, in absehbarer Zukunft den CD-Brenner durch einen DVD-Writer zu ersetzen oder statt des Minidisplays ein hochklappbares 15-Zoll-TFT als ‘Deckel’ von c't S.V.P. zu installieren. Eine kostengünstigere Version könnte beispielsweise unter Linux laufen und möglicherweise nur mit kleinem Matrixdisplay auskommen. Darüber hinaus sind diverse andere Software-Konstellationen denkbar, beispielsweise ließen sich mit Hilfe von TotalRecorder oder ähnlicher Software auf Knopfdruck UKW-Sendungen mitschneiden und direkt als MP3 archivieren ... und, und, und ... (vza)

[1] Hartmut Gieselmann, Das Schweigen der Lüfter, Sechs schallgedämmte Gehäuse im Test, c't 17/01, S. 128

[2] www.softlab.ece.ntua.gr/~sivann/rxcontrol/

[3] Dusan Zivadinovi´c, Klaus Schmidinger, Video für Handwerker, Linux-Rechner als Video-Disk-Recorder, c't 4/01, S. 204

[4] Christoph Bartelmus, Ein Pinguin sieht (infra)rot, PC als fernbedienbare Hi-Fi-Anlage, c't 18/00, S. 208

[5] Herbert Schmid, Zeitenschieber, Den PC zum digitalen Videorecorder ausbauen, c't 18/01, S. 108

[6] Kai Schwirzke, Christoph Laue, Rundum glücklich?, Elf Soundkarten mit Surround-Unterstützung, c't 8/01, S. 114

[7] Christof Windeck, Peter Siering, Unterbrecher-Kontakte, Tipps und Hintergründe zur IRQ-Konfiguration, c't 11/00, S. 258

[8] Christof Windeck, Ruhig gestellt, Der Weg zum leisen PC, c't 17/01, S. 112

[9] Ekkehard Pofahl, Fernregie, ‘Black Box’ für fernbedienten Videoschnitt - Teil 1, c't 6/98, S. 266

[10] Gerald Himmelein, Odyssee in DVD, DVD-Player für Mac OS und Windows, c't 16/01, S. 106

[11] Jörg Wirtgen, Gerald Himmelein, Bildjustage, Tipps zum problemlosen Abspielen von DVDs, c't 16/01, S. 114

[12] AC3 mit Windows Media Player

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Spielt folgende Formate ab:

Audio: Audio-CD, Radio (analog oder digital), MP3, WMA, AAC, Ogg Vorbis ...

Video: DVD mit Digital-Surround-Sound, VCD, DivX;-), WMV ...

Arbeitet als digitaler Videorecorder für Analog- oder Digital-TV, erstellt 1:1-Kopien von Audio- und Daten-CDs, dient als MP3-Server fürs Heimnetzwerk, grabbt und kodiert Audio-CDs; nimmt TV in MPEG-2 auf, rippt Internet-Radio, empfängt E-Mail

... lässt sich (weitgehend) per Fernbedienung steuern, ist leiser als ein konventioneller Videorecorder und lässt sich prinzipiell beliebig erweitern.

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Jede HiFi-Komponente besitzt ein Display zur Darstellung von Statusmeldungen oder Navigationsmenüs - so auch unsere Designstudie. Entsprechende alphanumerische oder Matrixdisplays wären zwar relativ günstig, sind aber nur umständlich zu programmieren, weil sie proprietäre Controller verwenden. Wesentlich schöner ist ein in der Gehäusefront integriertes Mini-TFT, das den gesamten Windows-Desktop in VGA-Auflösung darstellt. Während der Vorbereitungen zu diesem Artikel hat die c't S.V.P. denn auch immer wieder die Blicke der Kollegen auf sich gezogen. Leider stellten sie auch immer wieder die Frage nach dem Preis des Displays, das mit rund 1000 Mark leider nicht gerade günstig ist. Wer ein wenig Standfläche im Wohnzimmer übrig hat, kann natürlich auch ein 15-Zoll-TFT anschließen.

Die Geometrie des Desktop-Gehäuses limitiert die maximale Display-Größe auf rund neun Zoll Bildschirmdiagonale. Trotz längerer Suche in einschlägigen Katalogen und im Internet blieb letztlich keine große Auswahl an erschwinglichen Modellen übrig. Beim Distributor Data-Modul fanden wir schließlich eine praktikable Lösung in Form eines passiven Sharp-Bildschirms mit einer Bildschirmdiagonalen von 8,4 Zoll. Dazu gehörte eine kleine Platine zur Spannungserzeugung für das Backlight, eine größere Platine mit der gesamten Ansteuerelektronik und eine PCI-Grafikkarte. Natürlich wären auch Lösungen denkbar, bei denen kleinere Displays direkt an eine PCI-Karte angeschlossen werden - so etwas gibt es aber nicht fertig zu kaufen - oder wenn, dann im Industriebereich zu Preisen jenseits von 3000 Mark. Das Data-Modul-Paket in der von uns verwendeten Zusammenstellung ist leider inzwischen aus dem Programm genommen worden; die proprietäre Grafikkarte wurde durch ein handelsübliches Modell auf AGP-Basis mit einem DVI-Ausgang ersetzt und auch das Display ist jetzt eine aktive TFT-Version. Das aktuelle Paket ist etwas teurer (wenn man die Grafikkarte mitkaufen muss), dafür unterstützt das Display eine Auflösung von 800 x 600 Bildpunkten.

Bastelstunde

Bei unserem Gehäuse steht das Diskettenlaufwerk hochkant neben den drei 5 1/4-Zoll-Einbauschächten; daher bleibt auf der linken Seite gerade genügend Platz für das Display. Die Frontabdeckung ist nach außen gewölbt, damit sich also ein richtiger Schacht bildet, müssen links und rechts an den Seiten des Displays Formteile eingeklebt werden, an denen dann die Display-Frontseite bündig anliegt. Dazu eignet sich 3 mm dickes Balsaholz ganz hervorragend, es lässt sich sowohl leicht bearbeiten als auch einfach einfärben.

Als Werkzeug zum Heraustrennen des großen Ausschnitts sind Laubsäge und auch Mini-Fräsen aus dem Modellbau geeignet. Für die Feinarbeit zum Glätten der Sägeschnitte benötigt man so genannte Schlüsselfeilen. Um zuverlässig Kratzer und sonstige Schäden zu vermeiden, sollte man die Frontseite vor Beginn der Arbeiten großflächig mit Kreppband abkleben. Bei unserem Gehäuse waren die beiden Stempel zum Anschrauben der Frontabdeckung an die Blechfront im Weg und mussten weichen. Ebenso erging es einem kleinen Teil des Abdecksteges für das Disketten-Laufwerk - für diese Einpassungen sind tatsächlich feine Fräsköpfe nützlich.

Passt das Display sauber in die Frontabdeckung, geht es an harte Blecharbeit - die Anschlusskabel für das Display müssen in der vorgegebenen Länge vom Display zur Ansteuerplatine geführt werden, was bei nur fünf Zentimeter langen Leitungen erzwingt, die Steuerelektronik direkt hinter dem Display zu montieren. Die Frontabdeckung aus Plastik sitzt vor der eigentlich ‘tragenden’ Frontplatte aus Stahlblech. In unserem Fall mussten wir zwei breite Flachbandkabel durch ein großes Loch in dieser Frontplatte führen. Äußerst praktische Werkzeuge für solchen ‘schweren Maschinenbau’ sind Reibahle und Lochknacker. Die Schwierigkeit bei der nachträglichen Bearbeitung von Stahlblechgehäusen ist die Tatsache, dass die üblichen Werkzeuge wie Metallsägen, Bohrer oder Feilen wegen der vielen verwinkelten Ecken und Kanten praktisch nicht zu gebrauchen sind. Zum anderen produzieren diese ‘üblichen’ Werkzeuge Eisenspäne, sollten also nur bei einem völlig leeren Gehäuse zum Einsatz kommen - auch das Netzteil ist sinnvollerweise vorübergehend auszubauen.

Schon mit wenigen Umdrehungen kann man mit einer Ahle kleine Löcher auf die gewünschte Größe aufweiten. Sind größere Löcher nötig, kommen so genannte ‘Lochknacker’ zum Einsatz. Es gibt sie in verschiedenen Durchmessern und sie werden meist als Satz verkauft. Sie bestehen aus einem Stempel und einem Schneidwerkzeug, die mit soliden M10- oder M12-Schrau-ben zusammengedreht werden; das Blech-Werkstück zwischen Stempel und Schneide wird sauber und völlig spanlos ausgestanzt. Sobald das Loch passt, darf man nicht vergessen, die scharfen Blechränder mit einer Feile zu entgraten. Zudem sollte man die Schnittkanten mit stabilem Klebeband abdecken.

Ein Problem ergab sich beim Anschrauben der Frontabdeckung an das Blechchassis: Da auf der linken Seite die beiden Befestigungsstempel dem Display im Weg waren und entfernt werden mussten, gab es dort keine Befestigungsmöglichkeit für die Frontabdeckung mehr. Wir schnitten daher aus dem Blech eines alten Netzteil-Käfigs zwei schmale Streifen zurecht, bogen diese u-förmig um eine Gehäusestrebe an der Schmalseite herum und fixierten sie mit ein wenig Zwei-Komponenten-Kleber. Mit zwei kleinen Blechschrauben konnten wir so die Frontabdeckung wieder mit dem Blechchassis verschrauben. (roe)

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Hardware: Kleiner Kostenvoranschlag
Gehäuse 190 DM
Netzteil 150 DM
Mainboard 250 DM
CPU (700 MHz) 110 DM
Verax-Lüfter 90 DM
Hauptspeicher (128 MByte) 70 DM
Festplatte (40 GByte) 280 DM
Grafikkarte 200-250 DM
5.1-Soundkarte 200-500 DM
Vmagic/WinTV PVR 550-650 DM
CD-RW-Writer 250 DM
DVD-ROM-Laufwerk 200 DM
Funktastatur 200 DM
Netzwerkkarte 50 DM
Fernbedienung 30-200 DM
TFT-Display 800-1000 DM
=============
3870-4440 DM

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Für c't S.V.P. eingesetzte Software
Name Funktion URL Preis
Windows ME Betriebssystem www.microsoft.com 270 DM (DSP-Version)
WinLIRC IR-Server http://winlirc.sourceforge.net kostenlos
IRAssistant Windows-Automation www.irassistant.com Privatgebrauch kostenlos
Girder Windows-Automation www.girder.nl Privatgebrauch kostenlos
TVgenial Fernsehzeitung www.tvgenial.com werbefinanzierte Freeware
CDex CD-Ripper und Encoder www.cdex.n3.net kostenlos
BSPlayer Video-Player http://bsplayer.cjb.net/ kostenlos
Winamp Multimedia-Player www.winamp.com kostenlos
CD-Bremse konfiguriert optische Laufwerke www.cd-bremse.de Shareware (10 DM)
WinDVD Deluxe DVD-Decoder www.intervideo.com 69,95 US-$
PowerDVD DVD-Decoder www.gocyberlink.com 49,50 US-$
ShowShifter einheitliche Bedienoberfläche www.showshifter.com 29,95 US-$

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