Marktübersicht: Tablets mit Android, iPadOS, Windows und Chrome OS

Marktübersicht Tablets mit Android, iPadOS, Windows und Chrome OS

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Viele Alltagsaufgaben gehen mit dem Smartphone einfacher als mit dem PC. Manchmal ist es umgekehrt. Oft bildet ein Tablet einen passenden Kompromiss.

Es lohnt sich, erneut darüber nachzudenken, was Tablets können und was nicht, denn sie haben in den vorigen Monaten einige überraschende Entwicklungen durchgemacht. Beispielsweise wird Chrome OS als Betriebssystem speziell für Tablets spannend. Apples iPads eignen sich dank neuer Mausunterstützung und einer neuen Tastatur besser als PC-Ersatz. Windows-Tablets werden kleiner und mächtiger. Lediglich bei Android tut sich wenig – die neuen Tablets von Huawei verlieren sogar an Nützlichkeit, weil der Google Play Store fehlt.

Tablets gibt es von unter 100 bis weit über 1000 Euro – kein Wunder, dass sie höchst Unterschiedliches leisten. Dieser Artikel verschafft einen Überblick der zu erwartenden Features über alle Systeme hinweg. Außerdem untersuchen wir in der c't 15/2020, wie sich die Betriebssysteme – Android, Chrome OS, Windows und iOS, jetzt in iPadOS umgetauft – für den Desktop-Einsatz eignen, wie gut also das Tablet ein Notebook ersetzt. Darüber hinaus testen wir 500-Euro-Tablets mit Stift und Tastatur.

Zu den Unterschieden der Tablet-Betriebssysteme ließen sich ganze Bücher schreiben. In Kurzform: Die meisten und besten auf Tablets angepassten Apps gibt es für iPadOS. Android bietet zwar mindestens genauso viele Apps, aber viele verhalten sich wie vergrößerte Smartphone-Anwendungen. Chrome OS führt inzwischen fast alle Android-Apps aus, bietet gute Desktop-Funktionen und hat einen schnelleren Browser als Android; eigene Chrome-OS-Apps gibt es hingegen kaum. Windows hält im Tablet-Modus weder bei der App-Auswahl noch der Bedienbarkeit recht mit, spielt seine Stärken aber im Desktop-Modus, also mit Tastatur, Touchpad und vielleicht Maus und Display aus – und es funktionieren halt alle Windows-Anwendungen, auch wenn viele im Tablet-Modus nur mäßig bedienbar sind. Achtung, auf den Windows-Geräten mit ARM-Prozessor läuft dann doch wieder nicht jede Software.

Die meisten Tablets haben Displays um 10 Zoll (25 Zentimeter) Diagonale. Größere Tablets sind schnell so unhandlich und schwer wie Notebooks, außer dem iPad Pro 12 Zoll und erfolglosen Android-Experimenten gibts da nichts. Kleinere stehen in Konkurrenz zum E-Book-Reader, zudem wurden die anfangs beliebten 7-Zöller von den wachsenden Smartphones weitgehend verdrängt.

Die Tastaturen von 10-Zoll-­Tablets haben kleine Tasten. Wer das gewohnte 19-mm-­Raster möchte, benötigt ­Tablets ab 12 Zoll – oder schaut sich nach Zubehör wie der Logitech K480 um, die mit jedem Tablet funktioniert.

Ab etwa 200 dpi Pixeldichte nimmt man aus typischer Entfernung keine einzelnen Punkte mehr wahr, was bei 10 Zoll eine Auflösung von 1920 × 1080 oder mehr bedeutet. Darunter wird vor allem Schrift pixelig; für Filme, Videochats und Spiele mögen auch 1280 × 800 reichen. OLED-Displays zeigen kräftigere Farben und erreichen höhere Helligkeiten – wobei echtes farbverbindliches Arbeiten nur mit den iPads geht. Aber auch die IPS-Panels der meisten anderen Tablets bieten schöne Farben und ausreichende Blickwinkel.

Die Prozessorausstattung spielt für die meisten Tablet-Anwendungen keine Rolle. Der Hauptspeicher sollte mindestens drei GByte groß sein, unter Windows mindestens vier. Der benötigte Flash-Speicher hängt davon ab, wie viel man in die Cloud auslagert und was lokal gespeichert sein soll. Platzfresser sind beispielsweise Videos, Filme, Spiele und große Fotosammlungen. Unter 64 GByte muss man hier genauer planen, ab 256 GByte lebt es sich sorglos. Einigen Tablets kann man Speicher per MicroSD-Karte nachstecken; der ist für aufgenommene Fotos und Videos zugänglich, aber lange nicht jede App kann ihre Daten dorthin auslagern.

Wichtig ist die Entscheidung, ob man Mobilfunk benötigt oder nicht: Gibts am geplanten Einsatzort – Schule, Uni, Büro, für Pendler auch Bus oder Bahn – durchgehend WLAN? Anders herum, ist einem die Erreichbarkeit einen monatlichen Obolus für einen Datenvertrag oder eine Prepaid-SIM wert? LTE wäre dann die Technik der Wahl, 5G-Tablets gibt es noch nicht. Das Tethering per Smartphone geht notfalls, ist für einen regelmäßigen Einsatz aber ganz schön umständlich.

Jedes aktuelle Tablet lässt sich mit Bluetooth-Tastaturen verbinden. Da gibt es reichlich Auswahl beispielsweise mit Umschalter für mehrere Bluetooth-Geräte oder mit Aufstellmöglichkeit fürs Tablet. Die Tablet-Hersteller bieten für einige ihrer Modelle Tastaturen an, die mechanisch und optisch besser passen sowie meist weniger wiegen und ihre Akkus direkt aus dem Tablet laden.

Für Cover gilt noch viel mehr: Wer eine perfekt passende, magnetisch haltende oder als Aufsteller taugliche Hülle haben möchte, ist auf die des Herstellers oder auf eine sorgfältige Recherche im Zubehörmarkt angewiesen.

Die meisten Tablets erkennen eingesteckte USB-Sticks oder anderen Speicher, man benötigt dazu aber den passenden Adapter auf MicroUSB, USB-C oder Lightning – oder einen Stick mit passendem Anschluss. Wie gewohnt funktioniert das aber nur unter Windows – unter Android, Chrome OS und iPadOS sind einige Aufgaben komplizierter oder gar nicht lösbar.

Ein Monitor, Beamer oder Hotel-TV lässt sich an praktisch alle Windows- und Chrome-OS-Tablets direkt oder per HDMI-Adapter anschließen, auch für die iPads gibt es Adapter. Der USB-C der Android-Tablets kann zwar auch Displaysignale tragen, doch das implementieren nur die teureren Tablets.

Smartphone, Tablet, Notebook, stationärer PC – die Wahl des richtigen Arbeitsgeräts oder der richtigen Kombination wird durch die neuen Anforderungen der Hau-Ruck-Digitalisierung nicht einfacher. Die wichtigste Frage zum Tablet ist vielleicht, was es alles leisten muss und wofür man dann doch PC oder Notebook anwirft – falls vorhanden.

Weil die technische Entwicklung nicht so schnell wie bei Smartphones geht, lässt sich mit vielen Vor- oder Vorvorjahresgeräten ein gutes Schnäppchen machen. Auch die von einigen Händlern angebotenen überarbeiteten Gebrauchtgeräte (refurbished) sind einen Blick wert. Aber eine Warnung: Wenn ein Angebot zu gut ist, um wahr zu sein – dann ist es vermutlich auch nicht wahr. Wir hören von betrügerischen Noname-Tablets, die nicht nur weniger RAM, Flash oder CPU-Power haben als im Datenblatt angegeben, sondern die per Firmware-Manipulation eine falsche Ausstattung melden und somit sogar einige Diagnose-Apps foppen. Wer so einen Schrott außerhalb der EU kauft, hat dann kaum eine Chance, sein Geld wiederzusehen.

Je mehr ein Tablet kann, desto teurer und schwerer wird es. Richtig ausgewählt eröffnet es neue Möglichkeiten, sei es als verhältnismäßig einfacher Einstieg für IT-Fremdelnde, als leistungsstarke Ergänzung zum PC oder als unkompliziertes Zweitgerät – vielleicht explizit ohne Mail, Twitter, Chat, sondern nur mit ein paar Spielen, Streaming- oder Magazin-Apps bestückt. (jow)


Gute Multimedia-Tablets gibt es ab150 Euro, mit LTE ab etwa 200 Euro.

Besonders günstig und dafür gut ausgestattet sind die Android-Tablets von Amazon: Das Fire HD 10 ist ab 150 Euro erhältlich, das Fire HD 8 ab 100 Euro. Für Amazons Medienangebot und andere Streamingdienste eignen sie sich gut, doch weil ein stark angepasstes Android mit eigenem App-Store installiert ist, fehlen viele Apps. Auch die kursierenden Tricks zum Installieren des Google Play Store könnten durch zukünftige Updates verhindert werden.

Bei normalen Android-Tablets in den Preisgefilden unter 150 Euro muss man abseits der aus dem Datenblatt ersichtlichen Ausstattungsschwächen mit weiteren Einschränkungen rechnen, die sich leider schlecht vorhersagen und daher nicht vorab mit den eigenen Ansprüchen abgleichen lassen: Beispielsweise laufen einige Apps nicht, die Lautsprecher klingen flach, die Farben sind flau oder der WLAN-Empfang ist mies.

Wir empfehlen mindestens 3 GByte Speicher, Android 8 und 10 Zoll mit 1920 × 1080 Pixel. Das findet man schon unter 200 Euro beispielsweise beim Lenovo Tab M10 oder dem neueren M10 Plus. Knapp über 200 Euro liegen die 3-GByte-Varianten des 2019er-Modells Samsung Galaxy Tab A 10.1, für etwa 70 Euro Aufpreis gibt es LTE. Günstigeres LTE gibts beispielsweise beim Medion P10710 für 200 Euro.

Weitere Besonderheiten

Ab 300 Euro darf man 64 GByte Flash und weitere Besonderheiten erwarten. Beispielsweise hat das Lenovo SmartTab Yoga YT einen raffinierten eingebauten Ständer.

Spannend ist das Lenovo IdeaPad Duet mit ebenfalls eingebautem Ständer. Es läuft unter Chrome OS und ist dank mitgelieferter magnetischer Tastatur ein unschlagbar günstiges Produktiv-Tablet.

Hier taucht dann auch das erste iPad auf, das 10.1. Für 340 Euro bekommt man es aber nur mit 32 GByte Speicher; LTE oder 128 GByte kosten je rund 100 Euro extra. Stift, Tastatur und Hüllen gibts gegen weiteren Aufpreis.

Um 300 Euro fangen auch die ersten Windows-Tablets an. Mit Intel Celeron oder Pentium „N“ ackern sie sich aber nur mühsam durch Windows-Software, und im Tablet-Modus sind Android, Chrome OS und iPadOS überlegen – eigentlich sind Windows-Tablets erst ab rund 500 Euro mit schnelleren Prozessoren empfehlenswert. Einen Vorteil haben sie allerdings: den Displayausgang.


Android, iPadOS, Chrome OS und ­Windows sind stiftfähig, aber das Tablet muss einen Stift unterstützen.

Mitschreiben in der Vorlesung, Zeichnen und Malen, PDFs be- und unterschreiben, ein buntes Tagebuch führen, Schulaufgaben lösen und verschicken – das geht mit einem digitalen Stift am Tablet schnell und elegant.

Das günstigste Android-Tablet mit Stift ist das Huawei MatePad für 320 Euro. Allerdings stehen nicht alle Android-Apps zur Verfügung, weil die neuen Tablets wie auch die Smartphones von Huawei aufgrund eines US-Embargos keine Google-Lizenz erhalten; das gilt auch für das MatePad Pro. Beispielsweise fehlen Evernote und Microsoft OneNote. Interessant sind daher die Restposten des noch mit Googles Play Store ausgestatteten Vorgängers MediaPad M5 Lite ab 230 Euro. Die Stifte kosten 26 Euro, sie sind aber nicht so gut abgestimmt wie bei den teureren Geräten, Schrift wird krakeliger.

Stift vs. Fingerabdrucksensor

Ein natürlicheres Schreibgefühl stellt sich beim Samsung Tab S6 Lite für 350 Euro inklusiv Stift ein: Es hat allerdings keinen Fingerabdruckscanner, sodass man ungewohnt oft seine Pin eintippt. Eine Hülle mit Stiftfach kostet 70 Euro, der Stift hält aber auch halbwegs sicher magnetisch am Gehäuse.

Apple hat inzwischen fast alle iPads mit Stift-Digitizer ausgerüstet, inklusive dem erwähnten Einstiegsmodell iPad 10.2 für 340 Euro. Der Apple-Stift kostet satte 100 Euro extra und muss separat transportiert werden. Erst der 140 Euro teure Pencil 2 hält magnetisch und lädt induktiv, er funktioniert nur mit den neueren iPad Pro. Die im Zubehörmarkt erhältlichen billigeren Stifte nutzen andere Techniken und sind dem Apple Pencil unterlegen.

Das günstigste Windows-Tablet mit Stift ist das Lenovo IdeaPad D330 ab etwa 360 Euro, aber aufgrund der mäßigen Ausstattung machen viele der Windows-Vorteile keinen Spaß. Besser schlägt sich das Microsoft Surface Go 2 mit integriertem Ständer für 460 Euro – aber auch Microsoft lässt sich den Stift mit 130 Euro fürstlich bezahlen. Er klebt magnetisch am Gehäuse.


Fürs Arbeiten auf dem Schoß sind ­Tablets wackeliger als Notebooks.

Beschäftigt man sein Tablet gerne mit Videoschnitt, Actionspielen, Fotobearbeitung oder anderen anstrengenden Apps, braucht man dann doch ein leistungsstärkeres Exemplar. Tippt man zudem regelmäßig abseits vom Schreibtisch, empfiehlt sich eine am Tablet haltende, aber auch schnell abnehmbare Tastatur.

Unter Android landet man beim Samsung Galaxy Tab S6 ab 630 Euro. Allerdings ist die Ständer/Tastaturhülle-Kombi überraschend unglücklich gelungen, vor allem, wenn man sie regelmäßig an- und abbauen möchte. Besser greift man dann – unter Verzicht auf Stift und High-End-CPU – zum Galaxy Tab S5e (ab 400 Euro, Tastatur 80 Euro).

Einen schnelleren Browser und besseren Desktop-Modus bekommt man bei Chrome OS und dem erwähnten Lenovo IdeaPad Duet ab 300 Euro. Schade nur, dass es keine Variante mit Stift und kräftigerem Prozessor gibt.

Unterschiedliche Anbieter, Bauformen und Preise

Apple bietet für fast alle iPads Tastaturhüllen an, darunter das iPad Air (ab 550 Euro, Tastatur 180 Euro, Stift 100 Euro). Demgegenüber hat das iPad Pro (ab 880 Euro, Stift 135 Euro) mehr Power und Speicher, USB-C, das noch bessere Display und außer der normalen Tastaturhülle (200 Euro) eine Tastatur mit Touchpad, die das Ensemble fast so stabil wie ein Notebook aufstellt (340 Euro). Zudem gibts eine für Grafiker geniale 12-Zoll-Variante (ab 1100 Euro, Tastaturhülle 220 Euro, Tastatur 400 Euro). Alles zusammen ist ähnlich unhandlich, schwer und teuer wie ein Notebook.

Für potente Windows-Tablets sind mindestens ein Core i5, 8 GByte Speicher, 256 GByte SSD und 1920er-Auflösung empfehlenswert – sie eignen sich dann auch als Desktop-PC. Eine Bauform sind Tablets mit integriertem Ständer, mit Tastatur und Stift sind mindestens 1300 Euro einzuplanen: Dell Latitude 5290 und 7200, HP Elite X2, Microsoft Surface Pro 7.

Eine weitere Bauform sind Notebook-ähnliche Tastaturunterbauten mit zusätzlicher Hardware, etwa Akku, zweiter SSD oder Grafikchip. Ihr Vorteil ist, dass sich die Konstruktion ohne umzukippen auf dem Schoß oder engen Tischen hält. Mit Tastatur gleichen sie von Gewicht und Volumen einem Notebook, als leichtes Tablet funktionieren sie also nur zu Hause. Bei rund 1800 Euro gehts los: Dell, Lenovo, Microsoft, Toshiba und Vaio sind einen Blick wert.

Dieser Artikel stammt aus c't 15/2020.

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