Maschine Jam Hands-on: Das kann Native Instruments neuer Musik-Controller

Maschine Jam: Das kann Native Instruments neuer Musik-Controller (mit Hands-on-Video)

Test & Kaufberatung | Hands-on

Bild: c't

Die Mischung aus Push- und APC-Controller erleichtert Musikern das spontane Arrangieren und Spielen mit Effekten in der Maschine-Software. Wir erklären die Funktionen des neuen Controllers und zeigen im Video, wie man mit ihm Tracks bauen kann.

Native Instruments hat heute einen neuen Controller für seinen Groove-Sequenzer Maschine angekündigt. Maschine Jam soll die bisherigen Maschine-Controller ergänzen. Auf den Markt kommen soll Maschine Jam, inklusive Maschine Software und der Instrumenten-Sammlung Komplete Select, am 29. September für 400 Euro. Wir konnten die finale Hardware bereits mit einer Beta-Version der Software einige Tage in der Redaktion ausprobieren.

Auffällig ist die große Matrix mit 64 bunt leuchtenden Gummitasten. Sie erinnert an Controler wie Push oder APC für Ableton Live. In Maschine kann man auf dem Jam Controller einzelne Song-Szenen direkt aufrufen und Pattern für acht Spurgruppen um-, solo oder stumm schalten. Die Wechsel passieren nahtlos und lassen den Song weiterlaufen.

Der Jam-Controller ähnelt Abletons Push. Er verzichtet jedoch auf Displays und Anschlagdynamik und erlaubt Effekt-Verfremdungen über acht Touch-Strips. (Bild: c't)

Schaltet man in den "Step"-Modus, kann man den gerade gewählten Pattern bearbeiten. Hier bietet die Tastenmatrix eine wesentlich bessere Übersicht als das 16er-Feld der bisherigen Maschine-Controller. Zudem lassen sich in einer "Piano-Roll" auch Melodien Schritt für Schritt eingeben.

Im Pad-Modus kann man die 16 Instrumente einer Gruppe in dem unteren rechten Viertel der Matrix spielen und live aufnehmen. Hier ist der Jam-Controller viel eingeschränkter als die bisherigen Maschine-Geräte: Seine Gummitasten sind wesentlich kleiner und weder anschlagdynamisch noch After-Touch-fähig. Dank des deutlich spürbaren Klicks lassen sie sich dennoch recht präzise spielen, wenn auch stets mit derselben Lautstärke.

Schaltet man in den Keyboard-Modus um, lassen sich die Instrumente auf den 64 Tasten in frei wählbaren Tonarten spielen. In der Beta-Version der Software hat man hier noch Probleme, die heller leuchtenden Grundtöne von den anderen Tönen zu unterscheiden. Bis zur Veröffentlichung will Native den Kontrast deshalb noch erhöhen.

Auf der unteren Hälfte laden acht Touch-Strips zum Spielen ein. Sie reagieren überaus präzise auf Berührungen und zeigen ihren Status über eine Lichtleiste an. Sieben verschiedene Funktionen untrestützen die Strips:

Im Performance-Modus lässt sich für jede der acht Instrumentengruppen A bis H ein neu entwickelter "Performance"-Effekt auf den Touch-Strip legen. Zur Auswahl stehen ein Filter, zwei Echos, Ringmodulator, Flanger, Termolo, Stottern und Scratchen. Dabei kann man jeweils einen Hauptparameter mit dem Strip ändern, etwa die Filterfrequnz, die Länge der Stotterintervalle oder das Delay-Feedback. Beim Scratchen lässt sich die Spur wie beim Vinyl-Scratchen vor und zurückbewegen. Das ganze geht sehr spielerisch und erlaubt spontane Manipulationen der ins Runde laufenden Pattern-Schleifen.

Die Maschine-Software liegt dem Jam-Controller bei. Sie ist nicht einzeln erhältlich. Alle Komplete-Instrumente von Native Instruments werden automatisch integriert und vorkonfiguriert. (Bild: c't)

Im Notes-Modus spielt man auf allen acht Stripes dasselbe Instrument. Streicht man über das Strip-Feld, erklingt ein Akkord, dessen Noten man auf der darüberliegenden Gummitastenspalte selbst programmieren kann. So kann man sich beispielsweise die Akkorde eines Stücks auf die Strips legen und dann frei improvisieren, indem man über sie streicht. Die Strips fungieren dann quasi wie ein Mini-Keyboard.

Die übrigen Modi erlauben schnelle Änderungen von Effekt-Parametern für jede Instrumentengruppe. Mit "Tune" pitcht man die komplette Gruppe hoch und runter, mit "Level" verändert man die Lautstärke und das Panning, mit "Control" lässt sich jeder beliebige Parameter der einfügbaren-Effekte und Plug-ins verstellen. Damit man in den Parametern nicht so viel blättern muss, kann man sie sich im "Macro"-Modus nach eigenem Gusto zusammenstellen. Mit "Auto" kann man schließlich jede der zuvor beschriebenen Parameteränderungen live aufzeichen, sodass sie sich mit den Pattern fortan wiederholen. Mit der zusätzlichen Lock-Taste lässt sich eine Einstellung zwischenspeichern und erneut abrufen. Die fertige Software soll zusätzlich ein Morphing zwischen verschiedenen Lock-States ermöglichen, was wir in der Vorabversion jedoch nicht ausprobieren konnten.

Maschine Jam im Hands-on – In 18 Minuten zeigen wir alle Funktionen des neuen Controllers und wie man mit ihm Dance-Tracks entwerfen kann. – Quelle: c't

Der Controller ist solide verarbeitet und reagiert auf Eingaben präzise. Es vergehen zwar einige Nachmittage, bevor man das Layout mit seinen zahlreichen Shift-Tastenkombinationen verinnerlicht hat. Doch dann ist die Übersicht gut und man entwickelt einen schnellen Workflow.

Mangels Display muss man jedoch immer wieder auf den Bildschirm schielen und zuweilen zur Maus oder zum Touchpad des Rechners greifen, weil man dort noch immer schneller durch die Instrumente browsen und Effekte laden kann. Immerhin läuft der Jam-Controller wegen der fehlenden Displays ohne Netzteil nur mit USB-Strom, sodass er auch Unterwegs einen schlanken Fuß macht.

Im Vergleich zu den bisherigen Maschine-Controllern gibt Jam einen besseren Überblick über das Arrangement und bringt einen besseren Step-Sequenzer mit. Allerdings ist der bislang nur rudimentär ausgearbeitet. Nur zu gern würde man Werte wie Anschlaglautstärke oder Filtereinstellungen direkt per Step ändern, wie es etwa Ableton Push oder der Analog Rytm erlauben. Doch das ist außer einem zuweisbaren "Accent" noch nicht möglich – die Entwickler bitten um Geduld.

Die Touch-Strips ermöglichen einen viel direkteren und dynamischen Zugriff auf Effekte als es über die bisherigen Drehreglern möglich war. Man kann sie quasi als eigenständiges Intrument auffassen, auf dem man mit etwas Übung sehr abgefahrene Breaks spielen kann.

Beim Live-Spielen sind die nicht anschlagdynamischen Gummitasten allerdings nur Behelf, der weder an die Matrix des Push noch an die übrigen Maschine-Controller mit ihren großen, wunderbar reagierenden Tasten heranreicht. Wer dem Finger-Drumming fröhnen möchte, kommt also nicht umhin, sich einen zweiten "normalen" Maschine-Controller zuzulegen.

Das ist von Native Instruments durchaus beabsichtigt, denn Jam soll die anderen Controller nicht ersetzen, sondern ergänzen, und diese Aufgabe erfüllt er wunderbar.

Bislang lassen sich zwar mehrere Controller an Maschine anschließen (inklusive der Komplete-Keyboards), sie sind jedoch stets in der gleichen Gruppe aktiv. Man kann also nicht auf einem Kontroller die Drums und auf dem zweiten den Bass gleichzeitig spielen. Native ist dieser Wunsch der Anwender bewußt, seine Erfüllung werde jedoch noch etwas dauern.

Neulinge, die einen günstigen Einstieg in Maschine suchen, bekommen mit Jam und der umfangreichen Software ein überaus attraktives Paket. Sicher ist Maschine "nur" ein stark erweiterter Sequenzer, mit jeder Menge Synthesizer, Drums und Effekten. Es ersetzt keine DAW wie Ableton Live oder Bitwig Studio, mit der man Pattern beliebig verschieben und zurechtstutzen sowie Aufnahmen machen und frei arrangieren kann. Die Möglichkeiten der Pattern-Programmierung wie auch die Klangqualität der Samples und Instrumente gehen jedoch weit über die mitgelieferten Sounds von DAWs hinaus. Insofern ist Maschine (die Stand-alone oder als Plug-in in einer DAW läuft) eine ideale Ergänzung, wenn man Dance-Tracks und elektronische Musik am Rechner produzieren will.

Für Ableton Live will Native Instruments eine passende Setup-Konfiguration beilegen. So soll man auf Knopfdruck "on the fly" zwischen Live und dem Maschine-Plug-in hin und herschalten können. Jam erreicht hier zwar nicht die Finesse des deutlich teureren Push-Controllers, einen APC 40 steckt es aber in die Tasche.

Unser Ersteindruck ist überaus positiv. Für eine endgültige Bewertung muss Native Instruments aber die Software finalisieren. Es stören noch einige Kleinigkeiten, vom schlechten Leuchtkontrast über die wenig variable Step-Programmierung bis zu etwaigen Stabilitätsproblemen. Die Mängel sollten sich jedoch bis zum Start leicht beheben lassen. Spaß macht Jam auf jeden Fall schon jetzt. (hag)

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