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Universeller Adapter für PC-Monitore am Mac

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In den seltensten Fällen liegt einem beim PC-Discounter gekauften Monitor ein Adapter bei, mit dem man ihn auch problemlos am Mac betreiben könnte. So ein Teil für alle Fälle stellen wir Ihnen hier zum Selbstbau vor.

Aufmacher

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[#Monitore Monitore]

Auf dem Zubehörmarkt sind zwar einige konfigurierbare Adapter für Fremdmonitore am Macintosh zu finden, nur leider nicht selten zu einem Preis, der irgendwo zwischen 'unverschämt' und 'Nepp' einzuordnen ist - schließlich hält sich der nötige Hardware-Aufwand in den Grenzen eines durchschnittlichen Schülertaschengeldes. Aber es ist halt nicht jedem die ruhige Hand und das Geschick eines Goldschmieds gegeben, um 15 feine Drähtchen und einige Dioden so mit einem D-Sub-Stecker zu verlöten, daß daraus ein funktionierender Monitoradapter wird (ganz davon abgesehen, daß eine solche Aufgabe auch für einen erfahrenen Löter eine echte Geduldsprobe ist). Als praktikable Lösung schlagen wir deshalb unsere Platine vor, mit deren Hilfe sich in kurzer Zeit und ohne Brandblasen an den Fingern ein voll konfigurierbarer Adapter für fast alle Monitorarten an nahezu jedem Mac fertigen läßt.

'Konfigurierbar' bedeutet in diesem Zusammenhang, daß der Adapter dem Mac über die sogenannten Sense-Pins der Monitorschnittstelle einen beliebigen Monitor aus Apples Angebotspalette vorgaukelt, worauf der Mac, so er den entsprechenden Videomodus unterstützt, die dazugehörige Auflösung nebst passenden Ablenkfrequenzen erzeugt. Bis vor nicht allzu langer Zeit waren alle Apple-Bildschirme Festfrequenz-Monitore, so daß jedem Monitor eine charakteristische Beschaltung der Sense-Pins entsprach. Der Mac fragt die Beschaltung beim Hochstarten ab, danach läßt sich nichts mehr ändern.

Rechner der letzten Generation, etwa die Power Macs, sowie Apples 'Multiple Scan'-Röhren weichen von diesem Grundsatz ab: Einem Monitor sind nun erstmals mehrere Auflösungen zugeordnet, die man im Kontrollfeld 'Monitore' im laufenden Betrieb ändern kann. Viele der käuflichen Adapter unterstützen diese Kodierung allerdings noch nicht, da sie von Apple erst mit der Vorstellung der neuen Geräte spezifiziert wurde.

Ein Power Mac 7100/66 liefert an das '13" Multiple Scan Display' neben der früher üblichen 13"-Auflösung von 640 x 480 Pixeln nun alternativ auch 832 x 624 Bildpunkte. Apples amtliche 15- und 17-Zöller schaffen darüber hinaus beide 1024 x 768 Pixel, während der monströse 21"-Großbildschirm 1152 x 870 Punkte auflöst, jeweils bei 75 Hz. Die unter [[#literatur 1]] aufgeführten Kodierungen wurden einfach um drei Multiscan-Beschaltungen [[#literatur 2]] erweitert.

Mac-Monitoradapter
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Mac-Monitoradapter
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Mac-Monitoradapter
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Alternativ können monitorseitig zwei verschiedene Buchsen montiert werden; im Fall der modernen 15poligen HD-Buchse ist die Platine an der gekennzeichneten Stelle abzusägen.

Pfiffige Zeitgenossen werden nun auf die Idee kommen, lediglich einen fest auf das '21" Multiple Scan Display' eingestellten Adapter aufzubauen und die möglichen Auflösungen im Monitor-Kontrollfeld einzustellen. Diese Vorgehensweise hat jedoch unter Umständen zwei ernste Nachteile: zum einen unterstützen erst ganz neue Macs die Multiscan-Modes, und zum anderen steht man bei einer Fehlbedienung des Kontrollfelds ratlos vor einem nicht synchronisierten Bild, das sich ohne hellseherische Fähigkeiten nicht wieder ins Lot bringen läßt. Für den Notfall ist daher die Konfigurierbarkeit auf einen narrensicheren Modus (etwa die VGA-ähnlichen 640 x 480 Pixel) Pflicht.

Mac-Monitoradapter
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Aktuelle Macs 'verstehen' diese Sense-Codes. Sie korrespondieren mit den Einträgen der nebenstehenden [#Monitore Tabelle]. 'Drahtbrücken' realisiert der Adapter durch Antiparallelschaltung zweier Dioden.

Ein frei einstellbarer Adapter muß zumindest die aus [[#literatur 1]] bekannten aktiven Kodierungen 1, 8, 9, 16, 18 und 24 sowie sämtliche passiven Sense-Codes beherrschen. Der Vollständigkeit halber finden Sie sämtliche bislang verwendeten Codes in nebenstehender Grafik. Die neuen Multiscan-Codes erkennt man an dem 'einen Bein an Masse' (S0, Pin 4). Die Grafik in [[#literatur 1]] hatte übrigens einen Fehler: S0 und S2 waren miteinander vertauscht.

BESCHREIBUNG
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Einige Schalter und Dioden werden für die heute möglichen Monitoreinstellungen noch nicht benötigt. Aber man weiß ja nie ...

Unser Adapter erreicht seine Universalität durch eine trickreiche Verschaltung von sechs Dioden, die in Zweiergruppen über DIP-Schalter antiparallel angeordnet sind. Schließt man beide Schalter zu einer Diodengruppe, entsteht quasi eine 'Drahtbrücke'. Somit lassen sich mit nur neun Schaltern alle in [[#literatur 1]] aufgeführten Kombinationen erreichen - der Adapter ist damit äußerst zukunftssicher.

Ein eigenes Kapitel sind die Synchron-Signale: manche Monitore können ganz darauf verzichten, weil der Mac in der Regel ein 'Sync on Green' beisteuert; andere kommen ohne völlig aus dem Tritt, und wieder andere reagieren allergisch darauf mit einem Grünstich. Um auch hier für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, lassen sich die Sync-Signale über zwei Schalter (S9 und S10) nach Belieben auftrennen, falls der Monitor es so will. Die allerersten Mac-Videokarten lieferten übrigens keine getrennten Sync-Signale, sondern nur ein Composite Sync auf Pin 3 des 15poligen Video-Steckverbinders. In so einem Fall muß S11 geschlossen und S9/S10 geöffnet werden, womit CSync monitorseitig auf der HSync-Leitung eingekoppelt wird. In der Regel sollten aber S9 und S10 geschlossen sein und S11 geöffnet. Kommt Ihr Monitor damit nicht klar, ist Probieren angesagt.

Ein vorher noch nicht am Mac betriebener (PC-)Monitor sollte zunächst anhand seiner technischen Daten auf die Verträglichkeit mit den in Frage kommenden Mac-Videomodi überprüft werden. Interessant sind hier weniger die erreichbaren Auflösungen und Pixelraten als vielmehr die entsprechenden Ablenkfrequenzen. Moderne 15"-Multiscan-Monitore schaffen ohne weiteres die in der Tabelle aufgeführte 19"-Auflösung, größere können sich mitunter gar am 21"-Modus versuchen - natürlich nur, wenn Ihr Mac mit einer entsprechenden Videologik und genügend VRAM ausgestattet ist. Eigner neuer Macs können einen der Multiscan-Modi wählen und genießen dann den Luxus verschiedener Auflösungen. Ohne technische Unterlagen sollten Sie sich von der VGA-ähnlichen 13"-Auflösung langsam höhertasten. Die 15"-Portrait-Modi sind dabei tabu, wenn Sie nicht gerade ein solches Gerät besitzen [[#literatur 3]]. Die jeweilige Stellung der Schalter S0 bis S8 ergibt sich aus untenstehender Tabelle.

Einstellung der Bildschirmauflösungen per Kontrollfeld
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Mit dem auf 'Multiple Scan' eingestellten Adapter lassen sich bei modernen Macs diverse Bildschirmauflösungen per Kontrollfeld einstellen.

Die Bestückung der kleinen Platine dürfte auch für Gelegenheitsbastler zu bewältigen sein: es ist lediglich auf die richtige Polung der Dioden zu achten. Soll der Adapter nur 'stationär' für eine einzige Rechner/Monitor-Zusammenstellung verwendet werden, kann man die DIP-Schalter auch durch richtig gesetzte Drahtbrücken ersetzen. Abhängig davon, ob der Monitor mit einer 15poligen HD-Steckverbindung ausgestattet ist oder mit der älteren 9poligen, muß die Platine an der gekennzeichneten Stelle abgetrennt werden. Der Mac-seitige 15polige Stecker ist übrigens keine Print-Ausführung, sondern die normale mit Lötkelchen; die Platine wird einfach zwischen die Kontaktreihen geklemmt und sorgfältig verlötet. Diese Konstruktion ist notwendig, damit der Adapter in die enge Umgebung des Mac-Videoanschlusses paßt. Als Schutz für die Schaltung empfehlen wir Schrumpfschlauch, wie er beispielsweise von Conrad für die Isolation von Akku-Packs angeboten wird. Nach dem Aufschrumpfen, am besten mit einer Heißluftpistole, wird (sofern benötigt) ein Ausschnitt für die DIP-Schalter herausgetrennt. (cm)

Weitere Hinweise und Berichtigungen unter: c't-Projekte

[1] Dr. Michael Bach, Sichtverhältnisse, Videooptionen der Macs, c't 3/93, S. 245

[1] Carsten Meyer, Power von innen, Apples Power Macs im Detail, c't 7/94, S. 198

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Stückliste
D1...D6 1N4148 (BAT42) *
R1, R2 1k
S0...S11 3 x DIP-Switch 4pol.
J1 15pol. D-Sub-Stecker
J2 15pol. D-Sub-Buchse HD Print
oder
J3 9pol. D-Sub-Buchse Print

* Korrekturen und Ergänzungen zur Printversion in rot.

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Monitore
Code Typ Auflösung
Pixel
VSync
Hz
HSync
kHz
Pixeltakt
MHz
Schalter ON
S0...S8
1 keiner - - - - keiner
2 13" s/w, RGB, 12" s/w 640 x 480 66,7 35,0 30,24 S0
3 12" RGB 512 x 384 60,15 24,48 15,667 S0, S2
4 15" s/w Portrait 640 x 870 75 68,9 57,28 S1, S2
5 15" RGB Portrait 640 x 870 75 68,9 57,28 S1
6 16" RGB 832 x 624 75 49,7 57,28 S3, S4
7 19" RGB 1024 x 768 75 60,24 80 S7, S8
8 21" s/w 1152 x 870 75 68,7 100 S2
9 21" RGB 1152 x 870 75 68,7 100 S0, S1, S2
10 NTSC 512 x 384 60 15,7 12,27 S0, S1
11 NTSC intrlv. 512 x 384 60 15,7 12,27 S4, S5, S6
12 PAL 640 x 480 50 15,625 14,75 S5, S7, S8
13 PAL intrlv. 640 x 480 50 15,625 14,75 S3...S8
14 VGA, 640 x 480 60 31,47 25,175 S5, S6
SVGA 800 x 600 56 35,16 36,0
15 13" Multiple Scan Display 640 x 480 66,7 35,0 30,24 S0, S5, S6
832 x 624 75 49,7 57,28
16 17" Multiple Scan Display 640 x 480 66,7 35,0 30,24 S0, S6
832 x 624 75 49,7 57,28
1024 x 768 75 60,24 80
17 21" Multiple Scan Display 640 x 480 66,7 35,0 30,24 S0, S5
832 x 624 75 49,7 57,28
1024 x 768 75 60,24 80
1152 x 870 75 68,7 100

S9 bis S11 sind entsprechend den Sync-Anforderungen des Monitors zu setzen (siehe Text).