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Cloud-Musikdienste im Test

Test & Kaufberatung | Marktübersicht

Die gesamte eigene Musiksammlung jederzeit und von überall abspielen – neue Cloud-Dienste machen das und überdies den Zugriff auf Millionen weiterer Tracks möglich. Jedoch mangelt es hie und da an Bedienkomfort und Flexibilität.

Online-Dienste, die ein Auslagern der eigenen Musiksammlung auf Servern im Netz ermöglichen, sind ein alter Hut: In den Portalen von MP3Tunes, tunesBag oder mSpot kann man schon seit Jahren seine Musiksammlung gegen monatliches Entgelt ins Netz stellen und vom PC oder Mobiltelefon aus abrufen. Doch erst seitdem das Modewort der „Cloud“ die Runde macht und der mobile Zugriff aufs Netz zum Alltag gehört, sickern die Möglichkeiten der externen Datensicherung – zu der auch das Auslagern der Musiksammlung im Prinzip zählt – in das Bewusstsein der Nutzerschaft. Spätestens seit Apples Ankündigung, die iCloud zu starten, ist das Thema in aller Munde: Selbst die Telekom benannte ihr seit Langem verfügbares T-Online Mediencenter kurzerhand in TelekomCloud um und bewirbt es auf allen Kanälen.

Die Cloud- und Streaming-Dienste haben durchaus das Zeug, einen Paradigmenwechsel bei der Musiknutzung einzuläuten. Weg vom Datenträger oder Einzel-Download, hin zur Rundum-Online-Versorgung. Im Prinzip geht es darum, ob man die Musik noch „besitzen“ will oder ob einem das reine Nutzungsrecht reicht. Wer sein Kaufverhalten bezüglich CDs und Online-Musik in den vergangenen zwölf Monaten analysiert, wird vielleicht feststellen, dass die Investition in eines der zahlreichen Flatrate-Angebote nicht nur musikalisch inspirierender, sondern auch noch günstiger gewesen wäre.

Die Anbieter lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen. Da gibt es reine Speicherdienste, bei denen man die gesamte Musiksammlung zunächst ins Netz laden muss. Das kann dauern, denn die meisten DSL-Angebote haben weiterhin kümmerliche Upload-Raten. Selbst wenn man optimistisch von einer Upload-Rate von 2 MBit/s ausgeht, schiebt man in der Stunde nicht einmal ein GByte Musik durch die Leitung.

Musik aus der iTunes Cloud gibt es bisher nur in den USA. iTunes Match soll folgen. Wann die Dienste in Deutschland verfügbar sind, steht noch nicht fest.

Doch längst nicht jede Musiksammlung besteht aus unveröffentlichten Jazz-Preziosen oder handgeklöppelten Vinyl-Mitschnitten: Das Gros ist klangliche Massenware. Als potenzielle Vollversorger kommen daher auch klassische Streaming-Dienste in Frage, die Millionen Titel zum Abruf bereithalten: Napster, Musicload, Simfy oder Juke zählen zu dieser Kategorie. Statt für den Speicherplatz bezahlt man hier monatlich für den Vollzugriff – beim werbefinanzierten Angebot von Simfy ist der Zugriff vom PC aus sogar gratis.

Die Dienste von Sony (Music Unlimited) und das zunächst nur in den USA verfügbare iTunes Match verbinden beide Ansätze: Sie analysieren die lokale Musiksammlung und gleichen sie zunächst mit ihrem jeweiligen Musikkatalog ab. Alle Titel, die der Service erkannt hat, lassen sich fortan vom Server aus abrufen – in den USA berechnet Apple für diesen Dienst jährlich nur 25 US-Dollar. In einem Punkt geht Apple einen Schritt weiter: Musik, die nicht im Katalog zu finden ist, kann man zum iCloud-Dienst übertragen, ist dabei allerdings zunächst auf 5 GByte beschränkt. Ein Vollzugriff auf den gesamten iTunes-Katalog im Streaming-Verfahren ist allerdings nicht zu haben.

Schon beim Scannen der gesamten Musiksammlung, erst recht aber beim GByte-weisen Übertragen der Musiksammlung ins Netz werden manchem Datenschützer die Haare zu Berge stehen. Zwar ist die Online-Sammlung nur für den persönlichen Bedarf gedacht und durch Passworteingabe geschützt – doch wenn Konzerne wie Sony nicht einmal die Kreditkartendaten ihrer Kunden sicher unter Verschluss halten können, dürfte ein „Cloud-Angriff“ nur eine Frage der Zeit sein. Wem die Sache zu heikel ist, bleibt noch die Alternative einer selbst gestrickten Server-Lösung, wie wir sie im Artikel ab Seite 106 vorstellen. Hier läuft ein PC oder NAS in den eigenen vier Wänden. Der Komfort beim Abrufen der Musiktitel ähnelt dem der hier beschriebenen Lösungen, das Befüllen geht sogar deutlich schneller.

Eines haben die zwölf getesteten Dienste gemeinsam: Sie versuchen dem Kunden am PC und unterwegs eine musikalische Vollversorgung zu bieten – indem sie eine zuvor synchronisierte Musiksammlung speichern und/oder selbst Musiktitel vorhalten. Wir haben die Dienste in einer Tabelle abgebildet, wobei wir uns von den klassischen Kataloganbietern zu den reinen Cloud-Diensten ohne eigenes Repertoire vorarbeiten.

Unterschiede zeigen sich dabei nicht nur im Preis, sondern vor allem beim Nutzungskomfort. Hierzu zählt sowohl eine bequeme Upload-Möglichkeit – etwa per Web-Interface, Client-Software oder über eine WebDAV-Anbindung –, als auch komfortable Abhörmöglichkeiten per Browser oder Client-Software am PC, übers Smartphone, Tablet oder auch auf anderen Stand-alone-Geräten. So lassen sich einzelne Dienste auch von Internetradios, vernetzten Fernsehern oder Audio-Streaming-Clients aus anzapfen. Auch die Musikverteiler von Sonos, Raumfeld, Philips oder Logitechs Squeezebox arbeiten mit dem einen oder anderen Dienst zusammen.

Bei der Soundqualität zeigen sich in der Praxis wenig unterschiede: Wegen der unterwegs knappen Bandbreite ist man ohnehin auf komprimierte Musik festgelegt, meist im MP3-Format. Bei der TelekomCloud lassen sich auch FLAC-Dateien hochladen, abhören kann man Sie allerdings nur über den Webbrowser am PC. (sha)

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 23/2011.

Musik aus der Cloud

Artikel zum Thema "Musik aus der Cloud" finden Sie in c't 23/2011:

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