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Hagenuk S200: Palm-OS-PDA im Handy-Gewand

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Als einziges Smartphone im Handy-Format bringt das Hagenuk S200 einen Touchscreen mit und funkt mit Bluetooth.

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Das 130 Gramm leichte S200 ist kaum größer als ein Schokoriegel, hat aber weniger Kalorien und verschwindet in jeder Jackett- oder Hemdtasche. Trotz seiner geringen Abmessungen hält der kleine Akku bei Dauernutzung bis zu elf Stunden durch.

Der Größen-Vorteil wirkt sich allerdings nachteilig auf die Ergonomie aus, denn die winzigen Eingabefelder für die Graffiti-Buchstabenerkennung oder virtuellen Knöpfe trifft man selbst per Stift nur mit Mühe. Zudem nutzen einige Eingabehilfen den ohnehin schon mickrigen Platz nicht vollständig aus. Trotz der geringen Abmessungen lassen sich allerdings die Bildschirminhalte auf dem mäßig spiegelnden Display noch gut ablesen.

Zum Einlegen der SIM-Karte muss der Nutzer den Akku entfernen. Das Smartphone startet aber auch ohne Telefonkarte und gibt sich dann wie ein gewöhnlicher Palm-OS-PDA ohne Mobilfunk.

Das S200 nimmt die nötigen Provider-spezifischen Netzwerkeinstellungen für Internet und WAP nicht selbst vor. Zum Glück stehen aber bereits für alle deutschen Provider voreingestellte Profile bereit, sodass sich der Vorgang auf ein einfaches Auswählen der Voreinstellung beschränkt.

Die Bluetooth-Funktion ist recht lieblos implementiert: Ein Profil "Dial-Up-Dienst" fehlt, sodass man das Smartphone nicht als Funkmodem am Notebook nutzen kann. Lediglich die Profile für die serielle Schnittstelle, Drahtlos-Headsets und Object Push sind vorhanden. Aber selbst hier erwarten den Nutzer ein paar unangenehme Überraschungen: Mit den Bluetooth-Treibern von Windows XP wollte das S200 nicht zusammenarbeiten und brach Verbindungen ab. Die Bluetooth-Software von Widcomm spielte beim ersten Anlauf mit dem Hagenuk-Gerät zusammen, aber bei weiteren Versuchen stürzte die Abgleichsoftware Hotsync zuweilen bei der Funk-Synchronisation ab.

Ebenso bereitete die Verwendung eines Bluetooth-Headsets Probleme: Die Kopplung funktionierte zwar ohne weiteres, aber beim Anrufen blieb der Ohrstöpsel der Freisprecheinrichtung stumm. Lediglich das Mikrofon übertrug seine Signale an das Smartphone. Mit der drahtgebundenen Freisprecheinrichtung klappte die Verbindung, allerdings hörte der Angerufene die Stimme des Anrufers nur dumpf, aber wenigstens noch verständlich. Auch ohne Headset wurde es nicht besser.

Die üppige Software-Ausstattung hält zwar Spiele für jeden Geschmack bereit und scheint die meisten PDA-Anwendungsbereiche abzudecken, doch auf den zweiten Blick stellt man fest, dass einiges fehlt oder halbherzig implementiert ist: Der Browser zeigt beispielsweise keine normalen Web-, sondern nur WAP-Seiten an. Der E-Mail-Client mag nur POP3-Server, aber kein IMAP4. Die Kontakt-Datenbank sucht lediglich nach Nachnamen und stellt Adressen recht unübersichtlich mit vertauschter Postleitzahl und Stadt dar - ein Patzer, der seit den ersten Versionen von Palm OS 5 ausgemerzt sein sollte. Die MMS-Applikation will keine Nachrichten über 100 KByte Größe versenden, auch wenn man dies vorher korrekt eingestellt hat.

Das Programmpaket Quickoffice liest und bearbeitet problemlos Word-, Excel- und Powerpoint-Dateien. Mit dem üblicherweise Palm-OS-PDA beiligenden Documents to Go kann es nicht konkurrieren.

Lob verdienen allerdings die Tools, mit denen man schnell und einfach Dateien kopiert, verschiebt und löscht oder komplette Backups auf eine SD/MMC-Speicherkarte zieht.

Der Video-Player spielt MPEG1-, MPEG4- und 3GPP-Dateien ab, aber nur ruckelig. Fürs Taschenkino reicht das noch nicht. Ausschließlich MP3-Liedgut akzeptiert der beigelegte Audio-Player. Wer seine MP3-Schnipsel zudem als Klingelton verwenden will, hat sich geschnitten: Hierfür lässt das Mobiltelefon nur Midi-Sounds zu.

Wenigstens hört sich der MP3-Sound über einen Ohrhörer sehr ausgewogen an. Die beigelegte Stereo-Freisprecheinrichtung möchte man zum Musikhören aber nicht benutzen, weil die Musik bassarm und leicht verzerrt klingt. Handelsübliche Kopfhörer passen nur mit Adapter, weil das Smartphone lediglich eine 2,5-mm-Headset-Buchse hat. Der eingebaute Lautsprecher langt gerade für Systemsignale und Klingeltöne.

Die Kamera knipst zwar Bilder mit 1,3 Megapixel, diese erscheinen aber so unscharf, als seien sie mit einer minderwertigen Webcam in niedrigerer Auflösung erzeugt worden. Für MMS-Nachrichten und Gelegenheitsfotos reicht die Qualität aber aus. Der größte Trumpf des Hagenuk S200 ist zweifellos sein handliches Format. Kein anderes Gerät vereint momentan so viele Funktionen auf engstem Raum bei so langer Akkulaufzeit. Wir bemängeln allerdings Kinderkrankheiten wie Ergonomieschwächen, Ausstattungslücken und Software-Fehler, die sowohl den routinierten Handy- als auch PDA-Nutzer schnell nerven. Auch wenn der Preis von 500 Euro im Hinblick auf den Funktionsreichtum durchaus gerechtfertigt sein mag, fehlt dem Hagenuk S200 noch der letzte Schliff. (dal)


Hagenuk S200
Palm-OS-Smartphone
HerstellerGroup Sense PDA Ltd.
VertriebITM Technology AG, 09 11 / 324 81 61
LieferumfangSmartphone, USB-1.1-Docking-Kabel, Netzteil, Stereo-Kabel-Headset, Lithium-Ionen-Akku (wechselbar), 2 Eingabestifte, Software (Synchronisation, Office, E-Book, Multimedia, Entertainment, WAP, Dateimanager, MMS, SMS, E-Mail (POP3), J2ME-Runtime (Websphere), Backup)
SpezifikationTI OMAP 310 mit 168 MHz, 32 MByte RAM (27 MByte verfügbar), 64 MByte Flash-Speicher, Transflektiv-Touchscreen mit 160 x 240 Pixel bei 16 Bit Farbtiefe, Kamera mit 1280 x 960 Pixel bei 24 Bit Farbtiefe, GSM 900/1800/1900, GPRS Klasse 10, IrDA, Bluetooth 1.1, SD/MMC-Slot (SDIO), Mikrofon, Lautsprecher, Headset-Buchse (2,5 mm)
BetriebssystemPalm OS Garnet 5.4.7
Laufzeit (kontinuierliches Tippen, ohne GSM)7,4 h (max. Helligkeit) (7,4 h (max. Helligkeit))
11,4 h (ohne Beleuchtung) (11,4 h (ohne Beleuchtung))
Laufzeit (Herstellerangabe)5 Stunden Sprechzeit, 12,5 Tage Bereitschaft
Display-Diagonale und -Leuchtdichte5,6 cm (2,4"), 1 ... 73 cd/m2
Größe, Gewicht10,9 cm x 5,0 cm x 2,3 cm, 130 g
Preis500 EUR
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