Momente auf Silizium

Mit der Digitalkamera in den Urlaub: Tricks, Tücken, Technik

Wissen | Know-how

Sie werden immer kleiner, billiger und besser. Doch taugen digitale Fotokameras schon für den Ernstfall, oder ist der gute, alte Kleinbildfilm im Urlaub und in der Freizeit doch die praktischere Variante? Ohne entsprechendes Rüstzeug - sowohl vom eigenen Wissen als auch dem mitzunehmenden Zubehör her - kann der Urlaub mit Digitalkamera schnell zum Abenteuer werden.

Aufmacher

Wandertag 1969: Oberstudienrat Dr. Stöcker, mit der alten Leica M3 vor dem stattlichen Bauch und einer handvoll 25-ASA-Diafilme in der Hosentasche, macht mit einer Schar Fünftklässler den Oberharz unsicher. Dreißig Jahre später entdeckt der bearbeitende Redakteur beim Aufräumen des elterlichen Dachbodens eine verstaubte Schachtel mit einigen liebevoll handverleimten Glasdias darin. Schon der flüchtige Durchblick offenbart, dass der Umkehrfilm mit herumtollenden Lausbuben in Lederhosen als vorherrschendem Motiv nichts an Leuchtkraft und Schärfe verloren hat.

Urlaub 2000: c't-Redakteur Meyer hält einige unwiederbringliche Momente aus seinem näheren sozialen Umfeld mit der neuerworbenen Digitalkamera fest und bannt sie noch am gleichen Abend auf ein MO-Medium. Ein Vierteljahrhundert später findet der längst erwachsene Sohnemann beim Ausmisten von Vaters Schreibtischschublade ein merkwürdiges flaches Plastikkästchen mit einer silbrig glänzenden Scheibe darin. Achtlos wirft er das irgendwie an die Computer-Steinzeit erinnernde unbekannte Ding fort.

So verlockend die digitalen Bildmedien auch sein mögen - sie verlangen dem Anwender deutlich mehr Disziplin, Wissen und Verantwortung ab als der Umgang mit Film, Diaprojektor und Kleinbildkamera. Wer wird sich in 30, 40 Jahren noch daran erinnern, wo man ein ZIP-Medium einlegt oder was eine Diskette ist? Wer kann dann noch Originale von Photoshop-Phantasien unterscheiden? Wer macht sich die Mühe, die bitgewordenen Erinnerungen alle fünf Jahre auf das jeweils aktuelle Speichermedium umzukopieren, um das gerade skizzierte tragische Szenario zu verhindern?

Und doch: Statt der alten Kleinbildkamera werden etliche ‘Early Adopters’ dieses Jahr eine ‘Digitale’ im Koffer verstauen. Argumente dafür gibt es reichlich: Angefangen vom Wegfall der Filmkosten über die sofortige Bildkontrolle bis hin zur Instant-Diashow am Tag der Rückkehr. Die digitale Technik hat jedoch auch ihre Schattenseiten, die der erhofften Bilderflut zum Nulltarif dämpfend entgegenwirken. Wer seine Urlaubsbilder auf Silizium statt auf Celluloid festhalten will, muss deutlich besser vorbereitet sein, als es bei der Verwendung ‘analoger’ Technik nötig wäre.

Zunächst zur Kamera selbst: auf weniger als 2 Megapixel sollte man sich bei einem Neukauf möglichst nicht mehr einlassen - der qualitative Abstand zur 1,3-Megapixel-Klasse fällt schon beim Print in Postkartengröße auf. Nur wenn wirklich jede Mark zählt, können Gelegenheitsknipser und Schnäppchenjäger auch mit einer guten 1,3-Megapixel-Kamera glücklich werden, zumal derzeit einige Modelle zu wirklich attraktiven Preisen ausverkauft werden. Unsere Übersicht auf Seite 161 in c't 11/2000 und der aktuelle Test erster 3-Megapixel-Kameras auf Seite 162 in c't 11/2000 können hierbei als Entscheidungshilfe dienen. Die Frage ‘Welche soll ich denn nun nehmen?’ können wir Ihnen an dieser Stelle nicht mit einer platten Produktnennung beantworten, vielmehr sollten Sie diese Entscheidung nach Lektüre dieser Artikel selbst treffen können.

Leider ist digitale Fototechnik immer noch mit einer Reihe von Einschränkungen verbunden, denen analoge Kameras nicht unterliegen. So gibt es analoge Kleinbildfilme selbst in entlegenen Feriendörfchen zu kaufen, der Nachschub an Chipspeicher hingegen ist ungleich problematischer. Schwierigkeiten bereitet auch die Stromversorgung. Während analoge Fotokameras mit einer Batterieladung ohne weiteres zwanzig Filme und mehr belichten können, geht manche Digitale schon nach vierzig oder fünfzig Bildern in die Knie. Zudem arbeitet eine ganze Reihe aktueller Digitalkameras nicht mehr mit handelsüblichen Mignonzellen, sondern nur mit leistungsstärkeren, aber teuren und schwer erhältlichen Spezialakkus.

Besitzer eines Notebooks etwa haben es besonders gut. Mit ein, zwei Speichermodulen ordentlicher Kapazität und einem PC-Card-Adapter ausgestattet, können Sie im Urlaub tatsächlich fotografieren, soweit die Akkus reichen. Selbst, falls die Festplatte des (gern älteren) Laptops nur 1 GByte freien Platz bietet und die Kamera im hochauflösenden Modus betrieben wird, kommen hier wenigstens 500 bis 1500 Bilder unter. Mehr noch: Der Laptop eignet sich auch hervorragend zur Bildkontrolle. Unschärfen oder Fehlbelichtungen, die auf dem Kameramonitor nicht zu erkennen waren, werden hier offenbar. Missglückte Fotos noch vor Ort und nicht erst daheim zu identifizieren, eröffnet natürlich die Möglichkeit einer schnellen Nachbesserung. Um den Taschencomputer sinnvoll betreiben zu können, darf aber ein passender Netzadapter und/oder Spannungswandler für die Steckdosen im Urlaubsland nicht vergessen werden.

Wer kein Notebook sein Eigen nennt oder das teure und empfindliche Gerät nicht den Reisestrapazen aussetzen will, muss andere Wege zur Erweiterung des Kameraspeichers wählen. An erster Stelle bietet sich hier natürlich der Kauf zusätzlicher Speichermodule an. Ein CompactFlash-Modul mit 32 MByte Kapazität kostet derzeit um 200 Mark und bietet in einer 2,3-Megapixel-Kamera Platz für ungefähr 40 bis 50 Bilder guter Qualität. Um 150 Bilder (entspricht ungefähr fünf Kleinbild-Filmen) anfertigen zu können, ist eine Investition von rund 600 Mark notwendig. Ein teures Vergnügen, das den Kauf des Zwischenspeicherlaufwerks wie dem ‘Clik! Plus’ von Iomega schnell als rentabel erscheinen lässt. Bei akuter Speicherknappheit muss man sich wohl oder übel von einigen weniger gut gelungenen Bildern in der Kamera trennen, was je nach Kamera-Firmware mehr oder weniger schnell geht.

Besitzer von Kameras mit anderen Speichersystemen als CompactFlash (Memory Stick, SmartMedia) stehen übrigens nicht viel besser da - die Preise pro Megabyte haben in der letzten Zeit ungefähr gleichgezogen. Als interessante Alternative könnten sich in diesem Zusammenhang die MicroDrives von IBM erweisen. Die winzigen Festplatten bieten eine Kapazität von 170 oder 340 MByte bei einem Preis von rund 1000 Mark für letztere Ausführung. Genug Platz also für ungefähr 450 Bilder der oben zugrunde gelegten Größe von je 750 KByte. Wegen der im Vergleich zu herkömmlichen CompactFlash-Speicherkarten etwas dickeren Bauart und wegen des höheren Stromverbrauchs verlangen MicroDrive-Festplatten allerdings nach einem entsprechend ausgerüsteten Slot des Typs ‘CompactFlash II’, der nur in einigen neueren Digitalkameras anzutreffen ist.

Für den überwiegenden Teil typischer Urlaubsbilder genügt meist eine etwas geringere Qualität als die beste JPEG-Einstellung einer 2,3-Megapixel-Kamera. So zeigen Bilder, die mit einer doppelt höheren Kompression gespeichert wurden, zwar etwas weniger Details und statt dessen mehr Kompressionsartefakte; Strandszenen oder Kneipen-Schnappschüsse leiden allerdings nicht nennenswert unter dem Qualitätsverlust. Auf ein Modul mit 32 MByte passen nun auf einmal bis zu 80 Bilder, was zumindest für einen kürzeren Urlaub genügen mag. Vor der Abreise sollte aber unbedingt eine kleine Testserie angefertigt werden, in der neben Architektur- und Landschaftsfotos auch ein paar Portraits mit jeweils unterschiedlichen Kompressionsstufen angefertigt und vielleicht auch auf einem digitalen Minilab beim Fotodienstleister ausbelichtet werden. Die Ergebnisse solch eines Testlaufs geben vor dem Hintergrund des individuellen Qualitätsanspruchs zuverlässige Hinweise zur idealen Kamera-Einstellung während des Urlaubs.

Mit vergleichsweise geringen Kosten können zumeist die Schwierigkeiten der Stromversorgung gelöst werden. NiMH-Akkus sind mittlerweile recht preisgünstig und bieten auch im regulären Alltagseinsatz eine finanziell und ökologisch sinnvolle Alternative zum Einsatz von Alkaline-Batterien (siehe auch c't 11/2000 Seite 172). Natürlich sollte vor dem Urlaubsbeginn unbedingt geprüft werden, ob das Ladegerät mit der am Ferienziel gegebenen Netzspannung arbeiten kann beziehungsweise, ob nicht zumindest ein Adapter für den Netzstecker vonnöten ist. Um vor Schäden am Ladegerät gerüstet zu sein, ist es auch kein Fehler, zwei oder drei Sätze Alkaline-Batterien mitzunehmen - am besten die seit einiger Zeit verfügbaren ‘High Energy’-Typen, deren Spannungscharakteristik besser auf das Verbrauchsverhalten von Digitalkameras abgestimmt ist.

Das geht natürlich nicht bei Kameras mit speziellen Akkupacks (meist in Lithium-Ionen-Technik). Zwar liefert ein solcher Akku länger Strom als ein Set von Alkaline- oder NiMH-Zellen, mit Preisen ab 100 Mark sind die Akkupacks allerdings auch deutlich teurer. Wegen der hohen Kosten mit nur einem Akku in den Urlaub zu starten, wäre dennoch ausgesprochen leichtsinnig, da ein Ersatz zumindest in ländlichen Feriengebieten nicht verfügbar sein dürfte - und wer möchte wegen eines defekten Akkus schon auf all seine Urlaubsbilder verzichten?

Im Vergleich zu analogen Kameras erweisen sich Digitalkameras bis hier als die deutlich anspruchsvolleren Weggefährten, in finanzieller wie logistischer Hinsicht. Wer solche Mühen auf sich nimmt, will natürlich mit ausgleichenden Vorteilen belohnt werden. Ein wesentlicher Pluspunkt digitaler Kameras wurde bereits zu Beginn dieses Artikel erwähnt: Der Kauf von Filmen ist wegen der Verwendung digitalen Speichers nicht mehr nötig. Dazu ein kleines Rechenexempel: Ein Film mit 36 Bildern kostet ungefähr 8 Mark, ein Bruchteil des Preises für ein 32-MByte-Speichermodul, das vergleichbar vielen Bildern Platz bietet. Im Gegensatz zu einem Film kann der Chipspeicher allerdings mehrere 100 000 mal ‘belichtet’ werden, der Kaufpreis von 200 Mark rechnet sich damit schon nach 900 Fotos oder 25 Filmdosen. Je nach Anbieter des Filmmaterials fallen zudem Entwicklungskosten an, sodass sich der Chipspeicher schon früher amortisiert. Wer seine Fotos auf jeden Fall im PC nutzen will, muss zudem den Aufwand des Scannens einrechnen.

Verfechter analoger Fotografie werden der eben angeführten Kostenrechnung mit dem Argument höherer Qualität entgegentreten. Durchschnittliche Kleinbildfilme liefern eine Auflösung von gut 100 Lp/mm (Linienpaare pro Millimeter), von denen man mit üblichen Optiken und der unvermeidlichen Auslöse-Erschütterungen (z. B. Spiegelschlag) wegen nicht mehr als 50 Lp/mm (entspricht 100 Pixeln/mm) ausnutzen kann. Die damit erreichten rund 9 Millionen ‘Pixel’ bieten erhebliche Reserven für die Vergrößerung von Details oder das Anfertigen von Posterdrucken. An diesen Fakten lässt sich nicht rütteln, allerdings liefern aktuelle Digitalkameras eine Qualität, die für Postkarten-Prints gewiss und mit Abstrichen auch bis A4 ausreicht. Im Hinblick auf Ausschnittvergrößerungen sieht es wiederum schlechter aus, zudem bieten die Zwei- bis Dreifach-Zooms typischer Digitalkameras zu wenig Brennweitenspielraum, um interessante Motivteile von vornherein formatfüllend abzulichten. Dies wird sich besonders im Urlaub störend bemerkbar machen, da man hier zum Beispiel bei Tier- oder Architekturaufnahmen nicht immer nah genug an das Motiv herankommen kann. Gegenüber einer APS-Kamera mit einer rechnerischen Auflösung von 6 Millionen ‘Pixeln’ dagegen haben aktuelle 3,3-Megapixel-Digitalkameras gute Karten, wie unser Vergleich auf Seite 155 in c't 11/2000 zeigt.

Mit einem bloßen Vergleich von Auflösungswerten ist es leider nicht getan. Digitalkameras sind ihren analog arbeitenden Kollegen im Kontrastumfang immer noch klar unterlegen, was sich zum Beispiel in ausreißenden Lichtern (hellen Bildpartien) oder durch geringere oder gänzlich fehlende Detailzeichnung in den Tiefen (den dunklen Bildteilen) bemerkbar macht. Während ein Negativfilm recht sanft in seinen Sättigungsbereich geht und beim Print großzügige Belichtungskorrekturen ermöglicht, schneidet der CCD-Sensor einer Digitalkamera alle Helligkeitswerte außerhalb seines ‘Machtbereichs’ gnadenlos ab. Neben der fehlenden Zeichnung in zu hellen Bildpartien schlägt dann auch sehr schnell das ‘Blooming’ zu: Das wortwörtliche ‘Überlaufen’ sehr heller Bereiche in eigentlich korrekt belichtete Nachbarpixel.

Nachtaufnahme Nr.1
Nachtaufnahme Nr.2
Nachtaufnahmen gelingen mit einer Digitalkamera oft erstaunlich gut, wenn man vom stärkeren Bildrauschen absieht. Links ein APS-Abzug einer Freihandaufnahme, rechts dieselbe Situation mit einer CoolPix 950 aufgenommen.

Lange Belichtungszeiten für stimmungsvolle Dämmerungs- und Nachtaufnahmen sind selbst mit einfach ausgestatteten Digitalkameras möglich - wobei hier die sofortige Bildbeurteilung und der flexible Weißabgleich besonders hilfreich sind. Eine misslungene, weil verwackelte oder unscharfe Nachtaufnahme lässt sich sofort löschen und erneut anfertigen. Allerdings haben die von ihren Abmessungen her relativ kleinen Bildsensoren der Consumer-Kameras den Nachteil, dass sie jenseits von 1/8 Sekunde Belichtungszeit kräftig rauschen. Die winzige lichtempfindliche Fläche pro Pixel bedingt eine hohe Nachverstärkung, und die Störspannungen akkumulieren sich natürlich mit zunehmender Belichtungszeit. Übrigens ist das Rauschen auch umso stärker, je wärmer die Kamera ist: Nicht umsonst werden teure professionelle Digital-Rückenteile aktiv auf eine Temperatur knapp über dem Taupunkt gekühlt. Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihre Digitalkamera, gerade dem heißen Handschuhfach entnommen, im toskanischen Weinkeller plötzlich ‘Sterne sieht’.

Rauschen warm
Rauschen kalt
Digitalkameras lieben es kühl. Die linke Aufnahme (vergrößerter Ausschnitt) wurde mit einer rund 25 °C warmen Kamera gemacht, die rechte, nachdem sie auf rund 10 °C abgekühlt wurde. Der Unterschied im Bildrauschen ist augenfällig.

Andere typische, aber weniger augenfällige Bildfehler digitaler Kameras sind ihre mehr oder weniger ausgeprägte Blauschwäche, oft einhergehend mit fransig ausreißenden Rot-Blau-Übergängen, und ihre Überempfindlichkeit gegenüber infraroter und ultravioletter Strahlung, so dass es im Hochgebirge oder am Strand oft zu merkwürdigen Farbverfälschungen kommt. Wenn das kräftige Metallicblau ihres Leihwagens im Digitalbild zu einem schlaffen Mausgrau mutiert, sind die besonderen Reflexionseigenschaften von Effektlacken im IR- und UV-Bereich schuld. Das so genannte ‘Digitalfilter’ von der Firma Heliopan, das in allen gängigen Filterdurchmessern angeboten wird, schafft hier wirksam Abhilfe. Zu dumm nur, wenn Ihre Kamera gar kein Filtergewinde besitzt ...

Im Vergleich zu einer guten Sucher- oder gar einer Spiegelreflexkamera arbeitet der Autofocus von Digitalkameras meist sehr langsam und oft auch weniger zuverlässig - an diesem Punkt dürften sich auch Schnappschuss-Fotografen stören. Besonders ärgerlich in diesem Zusammenhang: Sofern überhaupt vorhanden, ist die manuelle Scharfstellung meist sehr unpraktisch durchzuführen. Die sorgfältige Ausgestaltung eines Fotos wird beim Einsatz von Digitalkameras zudem durch die immer noch dürftigen Möglichkeiten manueller Belichtungssteuerung behindert. Was an einer Spiegelreflexkamera mit ein, zwei Betätigungen dedizierter Knöpfe oder Drehregler zu erledigen ist, erfordert beim Einsatz digitaler Kameras oft lange Umwege durch verschachtelte Menüstrukturen.

So geraten Digitalkamera-Aufnahmen unter schlechten Lichtverhältnissen, im Gegenlicht oder bei stark glänzenden Oberflächen schnell zur Glückssache. Hauptschuldiger ist das hier verwendete Autofocus-Prinzip: Die Kamera-Elektronik sucht jene Entfernungseinstellung, bei der das CCD-Element den größten Kontrastumfang und/oder den höchsten Video-Frequenzanteil im Fokus-Fenster liefert. Da kann die Automatik dann schon mal auf das Eigenrauschen des CCDs hereinfallen, weil im Bild selbst zu wenig Informationen enthalten sind. Zur Ehrenrettung der Digitalkamera sei angemerkt, dass auch einfache Kleinbild- und APS-Kameras in diesem Punkt nicht besser abschneiden - nur sieht man das miserable Ergebnis hier erst nach der Filmentwicklung. Ein schneller, präziser Autofocus ist halt nur mit recht aufwändiger Optik und Elektronik zu realisieren. Doch selbst Kameras mit einem Autofocus-Hilfslicht wie die Olympus C-2500 oder die Canon PowerShot S70 Pro, die bei Dunkelheit noch vergleichsweise gut mithalten, versagen spätestens bei bewegten Motiven, etwa bei einer Disco-Tanzveranstaltung. Vom Gedanken eines gelungenen Spätabend-Schnappschusses, wie er mit einem lichtstarken Objektiv und Blitz an einer Spiegelreflex möglich ist, sollte man sich also verabschieden.

Gegenlicht
Merke: Eine Digitalkamera (hier Nikon Coolpix 950) mag kein Gegenlicht. Unvermeidliche Überstrahlungen oder gar Solarisationseffekte (hier durch Tonwertverschiebung sichtbar gemacht) sind die Folge.

Ein gemischtes Bild zeigt sich bei der Betrachtung der Handlichkeit verschiedener Kameratypen. Unangefochtene Spitzenreiter praxistauglicher Miniaturisierung sind APS-Kameras, wie zum Beispiel die überaus erfolgreiche Ixus von Canon. Präzise auf das Format einer Zigarettenschachtel getrimmt, findet sie bequem in jeder Hemd- und Hosentasche Platz. Nur unwesentlich größer sind kompakte Kleinbild-Kameras wie zum Beispiel die [mju:]-Serie von Olympus. Solche Kameras fallen auch bei längeren Exkursionen nicht zur Last. Digitalkameras sind in der Regel noch deutlich voluminöser, selbst kompakte Modelle wie etwa die Powershot S20 von Canon machen sich durch ihre Größe und ihr Gewicht viel eher störend bemerkbar als etwa die kleine Ixus. Im Vergleich zur Größe einer Spiegelreflexkamera stehen typische Digitalkameras wiederum ausgesprochen gut da, wenn auch bei einem drastisch schlechteren Leistungsangebot.

Um Fragen des Komforts geht es auch bei der Motivsuche. Hier bieten Digitalkameras dank des fast immer eingebauten Farbdisplays einen erheblichen Vorteil gegenüber analogen Kameras. Farbdisplays machen es unnötig, die Kamera in typischer Fotografenpose dicht ans Gesicht zu pressen, ein Auge zuzukneifen und konzentriert durch ein winziges Guckloch zu starren. Die unauffällige Handhabung ermöglicht ganz ungeahnte Möglichkeiten bei der Motivsuche - Personen sind ungezwungener, Kinder warten nicht mehr ‘auf das Vögelchen’. Die Echtzeit-Bildbeobachtung und -beurteilung macht in vielen Fällen sogar das Spiegelreflex-Prinzip überflüssig.

Die Digitaltechnik befreit den Anwender nicht von der Notwendigkeit, in Grundzügen das Fotografieren zu beherrschen oder zu erlernen. Wer schon mit der Ritsch-Ratsch-Kompakten den Enkeln die Füße abgeschnitten, dem Brautpaar einen Kronleuchter aufgesetzt und gegen das Licht ins Dunkle geknipst hat, wird auch mit einer Digitalkamera keine umwerfenden Ergebnisse erzielen. Der allzu sorglose Umgang mit der Kamera und die Möglichkeit, Missfallenes gleich wieder löschen zu können, fördern zudem nicht gerade die Kreativität bei der Bildgestaltung: Das Ergebnis ist dann von eher zufälliger Natur und sieht bestenfalls nach Schnappschuss aus. Die typischen Nachteile der Digitalen verlangen vor allem unter nicht optimalen Lichtverhältnissen einen bedachten, vorausschauenden Umgang mit dem Apparat. Dann kann auch das Fotografieren mit einer Digitalkamera ein schönes, erfüllendes Hobby sein. (cm)

[1] Carsten Meyer, Eimerweise Pixel, Technik von Bildaufnehmern für Digitalkameras, c't 14/98 S. 82

[2] Robert Seetzen, Viel Platz für kleine Pixel, Speicherlösungen rund um digitale Fotokameras, c't 8/00 S.132

[3] Häßler/Pfennig/Wüller, Digitale Fotografie, Springer 1998, ISBN 3-540-62887-8

[4] Ch. Loebich, R. Seetzen, Chemische Alternative, Zwei Wege zum digitalen Bild: Digitalkamera oder Spiegelreflex mit Diascanner?, c't 22/99 S. 158

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Zahlreiche engagierte Amateur- und Profi-Fotografen haben einen üppigen Fundus an Informationen für (Digital-) Fotografen im Internet zusammengetragen, die es nur noch anzuzapfen gilt. Als Pflichtveranstaltung gilt dabei die rege Teilnahme an der Usenet-Gruppe ‘de.rec.fotografie’ oder kurz d.r.f. Der Umgangston dort ist fachsimpelnd freundlich, auch wenn Fragen nach Super-Zoomobjektiven, APS-Kameras oder erst kürzlich ausdiskutierten Themen recht schroffe oder hämische Reaktionen provozieren. Also besser erst eine Weile mitlesen, bevor man selbst seinen Senf dazugibt. Ihre internationale Entsprechung findet die Gruppe in ‘rec.photo.digital’ und ‘rec.photo.equipment.*’. Im WWW können wir unter anderem folgende Links empfehlen:

Digitale Fotografie
www.digitalkamera.de Informationen und Marktübersichten zu Kompakt-Digitalkameras
http://spot.fho-emden.de/gast/foto/faq/faq.htm Seiten der d.r.f. im WWW, mit FAQ
www.pcphotoforum.com Testberichte von Anwendern, News
www.steves-digicams.com Digitalkamera-News, Tests
http://digitaleyes.de Digitalkamera-News, Zubehör, Drucker
http://www.adf.de Technische Artikel, eine kleine Fotogalerie
Konventionelle Fotografie
www.photozone.de Anwender-Tests von Kameras und Objektiven, Foto-Lehrgänge
www.photodo.com Nichtkommerzielle Objektiv-Tests, News-Links
http://www.photomeeting.de Galerien, Gebrauchtbörsen, Workshop-Artikel
http://www.striewisch-fotodesign.de/
lehrgang/lehrg.htm
Ausführlicher Fotolehrgang mit allen wichtigen Grundlagen der Fototechnik

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Vor- und Nachteile auf einen Blick
Kleinbild-Kompaktkamera (AgX) Kompakt-Digitalkamera
Kosten Kamera
[++]
günstig
[-]
hoch bis exorbitant
Entwicklung
[-]
chemisch, aufwändig
[++]
nicht nötig
Bildverarbeitung
[-]
nur filmweise
[+]
auch von einzelnen Fotos möglich
Bildbeurteilung
erst nach Entwicklung
[++]
sofort
Auflösung
[++]
mehr als 8 Megapixel
[±]
etwa 2 Megapixel
Farbwiedergabe
[++]
sehr gut bei richtiger Filmwahl
[±]
unter Umständen verfälscht
Empfindlichkeit
[++]
gut, bis 1600 ISO
[±]
mäßig, rauscharm nur bis 200 ISO
Belichtungsspielraum
[+]
mäßig (Dia) bis groß (Negativ)
[-]
kritisch
Dichteumfang
[++]
groß (Negativ) bis sehr groß (Dia)
[±]
mäßig
Fokussierung
[++]
schnell bei besseren Modellen
[±]
langsam bis mäßig schnell
Kosten Medium
[++]
Film 8 DM (ca. 1 GByte)
Chip 200 DM (32 MByte)
Wiederbeschreibbark.
nicht vorhanden
[++]
fast unbegrenzt
Alterung
[++]
gute Beständigkeit (> 50 Jahre)
[-]
unbestimmte Archivfestigkeit (ca. 10 Jahre)
Zugriff
[++]
Medium unmittelbar lesbar (ggf. Lupe)
[-]
Abspielgerät nötig
Kopien
[-]
nicht verlustfrei
[++]
verlustfrei
Ausdruck
[++]
preiswerte Prints
[-]
teure Ausdrucke (bei Inkjet)
Lichtbeständigkeit
[++]
hervorragend
[±]
mäßig (bei Inkjet)
Sonstiges
[±]
evt. Schwarzschildeffekt bei
Langzeitbelichtungen
[-]
Bildrauschen, Kompressions-Artefakte

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