Home-Gateway mit MPTCP

Interview mit dem Entwickler Olivier Bonaventure

Trends & News | Interview

Seite 6: Home-Gateway mit MPTCP

Im TCP-Mitschnitt, im Bild ein Beispiel mit Wireshark, lässt sich der Multipath-TCP-Verkehr Schritt für Schritt verfolgen. Mit dem im Bild teils aufgeschlüsselten Paket signalisiert eine Gegenstelle den Aufbau eines zusätzlichen TCP-Pfads (Join Connection).

heisenetze: Lässt sich Multipath-TCP auch daheim, auf Verbindungen vom Home Gateway zu einzelnen Endgeräten wie Smart-TVs, Tablets und Smartphones, verwenden?

Bonaventure: Ein möglicher Einsatzfall wäre ein Home Gateway, das zwei WLAN-Schnittstellen verwendet, zum Beispiel eine mit 2,4 GHz und eine mit 5 GHz und ein Tablet beide Schnittstellen nutzt und Multipath-TCP auf beiden WLAN-Netzen gleichzeitig läuft.

Ein anderer Einsatzfall hängt mit dem Protokollkonverter zusammen, den ich vorhin erwähnte. Das wäre ein Home Gateway mit zwei Netzzugängen, die Multipath-TCP bündelt. Einer könnte ADSL sein, der andere Kabel oder 4G. Auf der Heimnetz-Seite operiert es mit regulärem TCP.

Wir haben einen Multipath-TCP-Demonstrator für ein Home Gateway mit Linux. ADSL liefert eine schwache Anbindung mit 10 und 1 MBit/s im Down- und Uplink. Dann verbinden wir ein Smartphone über USB mit diesem Home Gateway, wobei das Smartphone als LTE-Modem arbeitet. Das Home Gateway kombiniert die beiden Netzzugänge und mit ADSL/4G zusammen erreichen wir 54 MBit/s im Downlink und bis zu 10 MBit/s im Uplink.

Das ist ein Use Case, den wir mit Betreibern diskutieren, weil er den Endnutzern - zum Beispiel Telearbeitern - mehr Kapazität bringt. Wenn man zuhause arbeitet, braucht man manchmal mehr Kapazität zum Hochladen und da leistet das Smartphone als 4G-Modem gute Dienste. Sobald man das Haus verlässt, nimmt man das Smartphone mit und Multipath-TCP wird auf dem Home Gateway deaktiviert. Bei uns im Lab funktioniert das schon.

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