Nach der Google I/O: Der Google Assistant wird allgegenwärtig

Der Google Assitant wird allgegenwärtig

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Auf der Google I/O hörte man überall und ständig "Google Assistant". Der Konzern treibt den Assistenten voran: Werden wir künftig nur noch mit Sprache mit KI-Geräten kommunizieren, und wie will Google damit Geld verdienen?

Auf der Google I/O ist vor allem eines deutlich geworden: Googles neues Mantra ist Machine Learning und daraus gewonnene künstliche Intelligenz. Für Nutzer zeigt sich das deutlich in Form des Google Assistant. Gemessen daran, wie Google seinen digitalen Assistenten vorantreibt, scheint fast vergessen, welches "Hallo" Siri seinerzeit ausgelöst hat.

Kaum ein Google-Dienst, der nicht mit dem Assistenten ausgestattet wurde: Unterwegs analysiert er als Google Lens Schnappschüsse. Im PKW wird er künftig ans Ziel führen, dabei das Smart Home auf die Heimkehr vorbereiten und das Auto angenehm temperieren. Daheim kümmert er sich via Google Home um Lampen, Heizungsthermostate und lässt sich künftig als Freisprechanlage zum Telefonieren nutzen. Auf dem Fernseher versorgt er die Zuschauer mit Sendungen, die sie wirklich sehen wollen.

Sieht nicht so aus, doch der Raspi mit angeschlossenem Lautsprecher ist dank Assistant SDK ein anpassbare Selbstbauvariante von Google Home.
Sieht nicht so aus, doch der Raspi mit angeschlossenem Lautsprecher ist dank Assistant SDK ein anpassbare Selbstbauvariante von Google Home.

Wie sehr Google den Assistant in allen Lebensbereichen platzieren will, zeigen auch "Bastelprojekte", die der Suchmaschinen-Gigant dem Assistant SDK mit auf dem Weg gibt, beispielsweise der Google Home Bausatz aus Pappkarton und einem Raspberry PI. Entwickler sollen so an eigene Projekte herangeführt werden. Das macht selbst vor exotischen Geräten nicht halt, wie einem vom Assistant gesteuerten Roboter, der den Gästen auf der Google I/O (natürlich alkoholfreie) Cocktails zubereitet. Auf Produkte von Drittanbietern mit eingebautem Assistant wird man also vielleicht nicht lange warten müssen.

Nach einem zunächst eher lahmen Start, erobert Googles Assistent nun viele weitere Länder. Auf dem Smartphone oder mit Google Home stehen neben Deutschland auch Frankreich, Italien, Spanien, Kanada und Australien auf der Liste. Auf die Frage, warum es mehr als ein Jahr seit der Vorstellung gedauert hat, erwähnten die von uns befragten Googler, dass kulturelle und landestypische Eigenschaften eine Anpassung der jeweiligen Antworten erfordern. Aber vor allem sei die Adaption der jeweiligen Sprache eine Herausforderung – und das nicht nur wegen der Grammatik. Man habe auch auf die "Persönlichkeit" der Sprachausgabe achten wollen. Sie soll hilfreich, sympathisch und ein wenig witzig erscheinen – zumindest bei deutscher Spracheinstellung klappt das jedoch noch nicht so gut Im Vergleich zum englischsprachigen Assistant klingt die deutsche Version wie eine chronisch genervte Gouvernante.

Doch davon abgesehen scheint sich Google des Erfolges sicher. Die Entwickler verwiesen dabei auf drei fundamentale Faktoren: Der Assistant bildet natürliche Konversation nach. Jeder kann ihn intuitiv bedienen, ohne vorher eine Bedienungsanleitung lesen zu müssen. Selbst Menschen, die nichts mit Technik am Hut haben, lassen sich schnell auf diese Mensch-Maschine-Interaktion ein. Auch die Verknüpfung mit Google-Accounts sehen die Entwickler als Vorteil: Dienste und Antworten sind kontextübergreifend auf verschiedenen Geräten verfügbar.

Vor der Konkurrenz mit anderen digitalen Assistenten fürchten sich die Google-Entwickler nicht. Google kennt seine Nutzer besser als kaum ein anderes Unternehmen, und der Assistant mache genau das, worin Google schon seit jeher die Nase vorn hat: Fragen beantworten und den Nutzer mit für ihn relevanten Informationen versorgen. Als Beispiel führten die Entwickler die Musikwiedergabe mit Google Home an: Auch wenn sie dabei Amazons Echo nicht explizit erwähnten, hoben sie hervor, dass das Gerät eben nicht nur Musik abspielen kann, sondern dank der Funktionstiefe auch gewünschte Musik einfacher findet. Zudem sei man bei der Fehlerrate der Spracherkennung der Konkurrenz voraus.

Bei den Geräten, die Entwickler mittels Google Assistant fit für die Sprachsteuerung machen, sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt: Dieser Assistent mixt Getränke
Bei den Geräten, die Entwickler mittels Google Assistant fit für die Sprachsteuerung machen, sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt: Dieser Assistent mixt Getränke,

Bleibt aber die Frage nach dem Geschäftsmodell. Nach einem möglichen Werbe-Experiment mit Google Home dürfte Google nun sensibilisiert sein und auf Werbung in der Sprachausgabe wohl verzichten. Schließlich würde wohl kaum jemand ein System benutzen, das die Navigation mit den Worten "Ihr Heimweg wird ihnen präsentiert von ..." beginnt. Die Google-Home-Entwickler gaben an, dass derzeit schlicht kein Geschäftsmodell existiere. Man habe sich darauf konzentriert, ein gutes Gerät zu bauen und werde später schauen, ob und wie man damit Geld verdienen kann. Zudem werfe Google Home durch den Verkauf der Hardware immerhin auch ein wenig ab.

Wenn man Google – aber auch Microsoft, Apple und Amazon – Glauben schenken mag, sind wir also keine Dekaden mehr von der Star-Trek-Vision sprechender und schlauer Computer entfernt. Und so wie es derzeit aussieht, könnte Google hier das Rennen machen. Doch dafür muss das Unternehmen noch ein wichtiges Problem lösen: Es wird genügend Menschen geben, die sich aus Datenschutzgründen nicht darauf einlassen werden, dass ein Big Brother in jeden Lebensbereich vordringt. (spo)

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