Navi im Eigenbau

Mit Netbook, GPS-Maus und Software zum Ziel

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Mit Netbook, GPS-Empfänger und Navi-Software hat man alles dabei, um sich programmgestützt zum Ziel leiten zu lassen. Doch hakt diese Kombination an einigen Stellen.

Kaum jemand käme auf die Idee, sein Notebook auf den Beifahrersitz zu legen und darauf eine Straßennavigation laufen zu lassen. Angesichts richtig kleiner Netbooks allerdings gar nicht mehr so abwegig. Wir haben uns eine solche Kombination aus Hard- und Software einmal angesehen.

Große PNAs (Persönliche Navigation-Assistenten) und kleine Netbooks unterscheiden sich in der Displaygröße nur noch um ein oder zwei Zoll; der Versuch, beispielsweise einen EeePC von Asus zum Navigieren zu überreden, liegt also auf der Hand. Bei näherem Hinsehen erweist sich allerdings, dass diese Idee gar nicht so einfach zu realisieren ist.

Die erste Hürde besteht in der Verfügbarkeit geeigneter Software. Für Handys, Smartphones oder PDAs gibt es Navi-Programme wie Sand am Meer, richtige Windows-PC-Programme sind aber dünn gesät. Schließlich mussten wir uns mit zwei Kandidaten zufriedengeben: Garmin bietet den „Mobile PC“ an, bei Krämer Automotive fanden wir den „Route-Commander RC-Win“, der quasi eine Zweitverwertung aus dem Navi-Festeinbau-Geschäft von Krämer Automotive ist.

Zum Garmin-Paket gehört eine sehr kleine GPS-Maus, die über USB mit dem PC verbunden wird. Von NaviLock gibt es seit Kurzem einen GPS-USB-Dongle, der nur unwesentlich größer ist als ein normaler USB-Stick. Natürlich kann auch jede Bluetooth-GPS-Maus verwendet werden, sofern das Netbook über eine BT-Schnittstelle verfügt. Hat man das Garmin-Bundle gekauft, ist die Verbindung zwischen Software und GPS-Empfänger bereits korrekt eingestellt, möchte man aber einen anderen GPS-Empfänger benutzen, muss man in den Tiefen des System-Menüs herumstochern, bis man den richtigen COM-Port und die richtige Baudrate erwischt. Der vorhandene automatische Schnittstellen-Scan führt jedenfalls zu keinem Ergebnis.

Wenn man einen Bluetooth-GPS-Empfänger verwenden will, muss man zunächst das Netbook dafür vorbereiten: neue BT-Geräte suchen, als seriellen Dienst anmelden und verbinden. Erst dann findet das Naviprogramm die Positionsdaten.

Krämers RC-Win lässt sich bereitwillig mit allen möglichen GPS-Empfängern verbinden, allerdings hakelt die Installation etwas: Software und Karte werden getrennt, aber automatisch nacheinander installiert – und beide mit einem identischen Install-Fenster. Wer also nicht ganz genau hinschaut, glaubt irrtümlich einen zweiten Installationsvorgang angestoßen zu haben, bricht diesen dann ab und wundert sich anschließend, warum kein Kartenmaterial vorhanden ist. Einen Hinweis auf dieses Verhalten gibt es zwar am Beginn der Installation, er wird aber leicht überlesen.

Die Navi-Funktionen sind bei beiden Kandidaten schick gestaltet, funktionieren fehlerfrei und sind von den Hauptfunktionen her intuitiv zu bedienen. RC-Win glänzt mit einer Text-to-speech-Engine zum Ansagen von Straßennamen; diese Funktion gibt es beim Garmin nur in Englisch. Beide haben einen Radarwarner eingebaut, dessen Benutzung in der Bundesrepublik freilich verboten ist. Verfügt das Netbook über eine Internetverbindung – beispielsweise über einen UMTS-Stick – kann das Garmin-Programm über den MyGarmin-Server auf Verkehrsdaten, Wettervorhersagen oder auch Flugpläne zugreifen. RC-Win ist dafür nicht eingerichtet, Staudaten können hier aber über einen TMC-Empfänger in die Routenplanung einfließen.

Ein weiterer Knackpunkt neben der Software ist das Netbook selbst: Diejenigen mit Linux kommen nicht in Betracht, weil die Navi-Software nicht läuft. Auf denen mit Solid State Disks und Windows XP wird schnell der Festplattenspeicher knapp: Das Garmin-Paket belegt mit der West- und Osteuropa-Abdeckung etwa 1,5 GByte, Krämer kommt lediglich mit Deutschland schon auf 0,7 GByte. Weiter steht die beschränkte Akkulaufzeit der Netbooks einem problemlosen Betrieb entgegen, einige Geräte geben bereits nach drei Stunden auf. Ein Betrieb am 12-V-Bordnetz ist nur mit wenigen Netbooks möglich, aber Ladekabel fürs Auto sind – wenn überhaupt erhältlich – Sonderzubehör.

Das nächste Problem ist eine sichere Halterung im Kfz: Hier muss noch selbst gebastelt werden – und wer hat schon eine Kantbank für Blech zu Hause und bringt damit eine ansehnliche Halterung zustande? Das eigentliche K.-o.-Kriterium ist allerdings die Lautstärke: Sobald das Fahrzeug normale Stadtverkehrsgeschwindigkeit erreicht, werden die Navigations-Ansagen vom Verkehrslärm überdeckt – man müsste entweder einen freien Audioeingang am Autoradio haben (dann gibt’s aber auch keine Musik mehr) oder einen kleinen Verstärker mit eigenem Lautsprecher installieren.

Die genannten Probleme sind zwar lösbar, aber zusammengenommen schwindet die Attraktivität eines Navi-Netbooks gegenüber einem preiswerten PNA mehr und mehr. Lediglich wenn jemand Spaß am Basteln hat und sozusagen der Weg das Ziel ist, kann die vorgestellte Lösung empfohlen werden. Ein Bundle aus Software, Kfz-Halterung, 12-V-Ladekabel und Verstärker zu einem attraktiven Preis ist jedenfalls eine echte Marktlücke. (roe)

Komponenten & Preise
Garmin Mobile PC Software mit GPS-Maus 115 €
Krämer RC-Win Software 130 €
NaviLock NL-454US GPS-Empfänger 35 €
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