Netbook-Alternative

Samsung NC20 mit VIAs Nano-Prozessor

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Samsung verkauft sein NC20 für weniger als 500 Euro; so günstig ist kaum ein anderes Notebook mit 12-Zoll-Display. Erstmals kommt VIAs neuer Nano-Prozessor zum Einsatz, der Intels Atom auf die Plätze verweist.

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Samsung verkauft sein NC20 für weniger als 500 Euro; so günstig ist kaum ein anderes Notebook mit 12-Zoll-Display. Erstmals kommt VIAs neuer Nano-Prozessor zum Einsatz, der Intels Atom auf die Plätze verweist.

Der Einkernprozessor Nano ist keine Weiterentwicklung der bisherigen VIA-Prozessoren mit C3- oder C7-Kernen, sondern eine komplette Neuentwicklung. Anders als seine Vorgänger arbeitet er die Befehle nicht mehr in-order ab, sondern kann sie umsortieren und auch spekulativ ausführen. Er beherrscht SSE3-Befehle und kann 64-bittige Betriebssysteme ausführen. VIA bietet den Nano in verschiedenen Geschwindigkeitsstufen und Stromsparklassen mit bis zu 1,8 GHz an. Samsung nutzt das ULV-Modell U2250, dessen Taktrate VIA selbst nur unpräzise mit mehr als 1,3 GHz spezifiziert; im NC20 läuft der Nano mit bis zu 1,5 GHz.

Die neue Mikroarchitektur bringt einen ordentlichen Leistungssprung: Der Vorgänger C7-M erreicht mit 1,6 GHz Taktfrequenz einen Wert von 406 Punkte im Prozessor-Benchmark CineBench R10; der Nano liefert trotz des etwas geringeren Taktes mehr als die doppelte Rechenleistung: 886 Punkte. Damit ist er auch deutlich schneller als Intels Atom N270 (1,6 GHz), der nur 545 Punkte schafft. Selbst mit Hyper-Threading kommt der Atom mit 843 Punkten nicht an VIAs Neuling heran. Dafür spielt Hyper-Threading seinen Trumpf aus, wenn eine Anwendung viel Rechenlast erzeugt: Dank des virtuellen zweiten Kerns, der weiterhin auf Nutzereingaben reagieren kann, fühlt sich Windows dann schneller an als auf dem Nano.

Hat der Nano nichts zu tun, so begnügt er sich mit gerade mal 0,2 Watt. Unter Rechenlast nennt VIA einen TDP-Wert von 8 Watt, doch dieser Wert dürfte sich auf eine Taktfrequenz von 1,3 GHz beziehen. Mit 1,5 GHz wie im NC20 verbraucht der Nano etwas mehr: Wir haben primärseitig rund 12 Watt Unterschied zwischen ausgelastetem und schlafendem Prozessor gemessen. Der zugehörige Single-Chip-Chipsatz VX800 nimmt maximal 5 W auf – aus Plattformsicht (Prozessor plus Chipsatz) sind die Verlustleistungen von Atom und Nano also fast gleich.

Der Nano ist damit ein potenter Mitspieler auf der Bühne der billigen Netbook-Prozessoren, und Samsung wird ihn nicht zuletzt deshalb gewählt haben, weil Intel den Netbook-Atom nur für Geräte mit bis zu zehn Zoll Bildschirmdiagonale freigibt.

Hinsichtlich der Rechenleistung kann er sich jedoch ebenso wenig wie der Atom mit den ausgewachsenen Mobilprozessoren messen: Ein Kern des Core 2 Duo T9400 (2,53 GHz) erreicht mühelos 3000 Punkte, beide zusammen knacken fast die 6000-Punkte-Marke. Dabei verbrät er dann aber satte 35 Watt – so viel nimmt das gesamte NC20 nicht mal unter Volllast bei maximaler Displayhelligkeit auf.

Der im Nano integrierte Koprozessor PadLock führt den für Verschlüsselungen benutzten AES-Algorithmus mit schnellen dedizierten Hardware-Einheiten aus. Allerdings fehlt Software, die PadLock nutzen könnte: Verbreitete Programme wie der für Netbook-Nutzer interessante Festplattenverschlüsseler TrueCrypt bürden die AES-Berechnungen stattdessen dem schwachbrüstigen Hauptprozessor auf und bremsen dadurch die Festplatte aus (siehe [1]) .

Die Blu-ray-Beschleunigungsroutinen der Chipsatzgrafik Chrome9 liegen im NC20 ebenfalls brach, denn ihm fehlen ein optisches Laufwerk und ein digitaler Monitorausgang, um HD-Videos an Flachbildfernseher oder Beamer weiterzureichen. Auch die restliche Schnittstellenausstattung bewegt sich Netbook-typisch auf niedrigem Niveau – schade, wäre in dem großen Gehäuse doch noch Platz gewesen, etwa für einen ExpressCard-Schacht.

Arbeiten und Internet-Surfen machen auf dem 12,1-Zoll-Display deutlich mehr Spaß als bei kleineren Netbooks. Einzig für Webseiten mit besonders aufwendigen Flash-Animationen oder hochauflösenden Browser-Videos reichen Nano und Chrome9-Grafik nicht aus – diese Einschränkung gilt aber (wie auch die Untauglichkeit für 3D-Spiele) für alle Netbooks.

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Weil der zum Nano-Prozessor (unten) gehörende VX800-Chipsatz aus nur einem Chip (oben) besteht, ... Vergrößern

Die Chipsatzgrafik knapst sich unabänderlich 128 MByte vom Hauptspeicher ab; für Windows und Anwendungen bleiben deshalb nur noch 896 MByte übrig. Wer mehr braucht, kann das DDR2-Modul gegen einen 2-GByte-Riegel tauschen. Ein Wechsel der 160-GByte-Festplatte gegen ein Modell mit höherer Kapazität ist ebenfalls problemlos möglich.

Ausstattungsvarianten mit mehr Speicher bietet Samsung aufgrund von Microsofts Vorgaben für die im Einkauf besonders günstige Netbook-XP-Lizenz nicht an; in Kürze soll allerdings eine Variante mit integriertem UMTS-Modem auf den Markt kommen. Samsung liefert das NC20 vorerst nur mit weißem Gehäuse aus, denkt aber darüber nach, es künftig auch noch in anderen Farben anzubieten.

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... konnte Samsung das Mainboard des NC20 sehr kompakt halten – ein Teil des Gehäuses steht deshalb leer. Vergrößern

Nach der Ersteinrichtung von Windows kann man das Netbook nicht sofort benutzen, sondern es sichert die Vorinstallation erst noch in seine Recovery-Partition. Die schlanke Windows-Installation schreckt Nutzer nicht mit unzähligen Trial-Versionen zusätzlicher Software ab – vorbildlich. Beim vorinstallierten Gerätehandbuch hat Samsung allerdings gepatzt: Die Lesesoftware ahmt ein echtes Buch nach und animiert das Umblättern der Seiten, was die schwache Hardware überfordert – zwischen Tastendruck und tatsächlichem Seitenwechsel vergehen mehrere Sekunden.

Beim Tippen liegen die Handballen wegen des nur 1,9 Zentimeter flachen Gehäuses angenehm niedrig auf. Die sehr gute Tastatur hat das NC20 von kleineren Bruder NC10 geerbt. Mit ihrem 18,5-Millimeter-Raster sind die Tasten kaum kleiner als bei einer Desktop-Tastatur; selbst Vielschreiber können sofort fehlerfrei drauflostippen. Trainieren muss nur, wer häufig Tastenkombinationen mit der Windows-Taste ausführt, denn diese sitzt rechts und nicht links der Leertaste. Eine Tastenkombination zum Abschalten des Bluetooth-Funks fehlt.

Der Lüfter läuft zwar permanent, bleibt aber meist flüsterleise. Einzig unter anhaltender Rechenlast erhöht er seine Drehzahl stetig, doch selbst die maximal 0,7 Sone stören nur in sehr ruhigen Umgebungen.

Die bei hohen Lautstärken übersteuernden Lautsprecher strahlen nach unten ab. Je nach Unterlage ändert sich deshalb das Klangbild; es tönt aber immer recht blechern. Der Kopfhörerausgang liefert keine astreine Audioqualität, weil man Samsungs EDS-Equalizer, der den Frequenzgang passend für die Lautsprecher verzerrt, nicht abschalten kann.

Samsung liefert das NC20 mit einem Sechs-Zellen-Akku aus, der das Netbook an der Rückseite kaum merklich um einen halben Zentimeter aufbockt. Er hält bei auf 100 cd/m² abgedunkeltem Bildschirm rund fünf Stunden durch – das reicht auch für längere Zugfahrten. Dreht man die Hintergrundbeleuchtung voll auf, um Spiegelungen auf der glatten Paneloberfläche zu minimieren, so sind immer noch viereinhalb Stunden Laufzeit drin.

Wer das Netbook am Schreibtisch ohne Akku betreiben möchte, um diesen zu schonen, muss ein rutschfestes Tuch unterlegen: Die hinteren Stand-füße sind am Akku befestigt, ohne sie rutscht das Gehäuse beim Tippen nach hinten weg oder dreht sich.

Das NC20 punktet mit einer guten Tastatur und einem leisen Lüfter; größter Schönheitsfehler ist die spiegelnde Oberfläche des Displays. Mit einem Straßenpreis von rund 470 Euro ist es kaum teurer als ein gut ausgestattetes 10-Zoll-Netbook – und eines der günstigsten 12-Zoll-Geräte überhaupt. Ein ähnliches Zusammenspiel aus geringem Gewicht und guter Akkulaufzeit findet man sonst nur bei Subnotebooks, die das Doppelte bis Dreifache kosten; diese haben dann aber auch eine deutlich höhere Rechenleistung. (mue)

[1] Christiane Rütten, Lahmgesichert?, Performance-Einbußen durch Festplattenverschlüsselung, c't 25/08, S. 214 (kostenpflichtiger Download)

Samsung NC20
Netbook mit VIA-Prozessor und 12-Zoll-Display
LieferumfangWindows XP Home SP3 32 Bit, Netzteil, Hülle, Handbuch, Treiber-CD, Recovery-CD
SchnittstellenVGA, USB, IEEE 1394, LAN, Kopfhörer
SpezifikationVIA Nano U2250, 1024 MByte RAM, 12,1-Zoll-Display (1280 × 800, spiegelnd), S3 Chrome9 HC3, 160 GByte-HDD (2,5 Zoll), LAN 10/100 MBit/s, WLAN (802.11b/g), Kartenleser (SD/SDHC/MMC), Kamera, Bluetooth
Gewicht / Größe1,5 kg / 29,2 cm × 21,6 cm × (3 … 4,1) cm
Listenpreis500 EUR

Infos zum Artikel

Kapitel
  1. Surfmaschine
  2. Leisetreter
  3. Fazit
  4. Literatur
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