Netscapes SSL-Protokoll geknackt

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"Sicherheitslücken"

Um auf die Sicherheitsrisiken dieser Version aufmerksam zu machen, veröffentlichte Hal Finney am 14. Juli eine verschlüsselte Netscape-Session und forderte die Internet-Gemeinde auf, sie zu knacken. Damien Doligez vom 'Institut National de Recherche en Informatique et en Automatique' (INRIA) gelang dies unter Zuhilfenahme von insgesamt 112 Computern seines Instituts, indem er mit 'roher Gewalt' alle 2^40 Schlüssel durchprobierte. Eine zweite Herausforderung nahmen die Cypherpunks an, kryptographiebegeisterte Leser einer gleichnamigen Mailing-Liste, und forderten über Internet auf, Rechenzeit für diesen Zweck zu 'spenden'. Nur knapp 32 Stunden dauerte es, bis der Schlüssel geknackt war. Über 200 Freiwillige hatten die Software auf ihren Rechnern installiert und – koordiniert über Internet – jeweils Teile des Schlüsselraums durchsucht.

Netscape-Vizepräsident Mike Homer sieht in dem Vorfall eine Bestätigung für den 40-Bit-Schlüssel. Schließlich habe Doligez nicht etwa den Masterkey zur Entschlüsselung aller kodierten Transaktionen entdeckt, sondern lediglich eine einzelne Transaktion geknackt. Jede weitere Transaktion würde dieselbe Rechenleistung erfordern, für die ein Normalsterblicher rund 10 000 US-$ bezahlen müßte. In Zukunft muß jeder für sich selbst entscheiden, wieviel seine vertraulichen Informationen wert sind, ehe er sie mit dem Netscape-Navigator ins Internet schickt. (ad/bo)

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Doch den deutschen Anwendern drohen noch mehr Nachteile. Ihnen bleibt nicht nur der in USA gebotene direkte Internet-Zugang über MSN versperrt, sie zahlen zudem noch einen Europa-Zuschlag: Während in den USA in rund 7 DM Grundgebühr drei Freistunden enthalten sind und jede weitere Stunde etwa 3,50 DM kostet, erhalten die MSN-Kunden hierzulande für 14 DM Grundgebühr nur zwei Freistunden und bezahlen für jede weitere Stunde online stolze 7,50 DM. Wer sich auf ein Jahr verpflichtet, spart lediglich 3,34 DM Grundgebühr monatlich.

Das US-Justizministerium hat seine Entscheidung, ob die Verknüpfung von MSN mit Windows 95 kartellrechtlich bedenklich sei, auf nach den Erstverkaufstermin vertagt. Spötter behaupten, mit der erwähnten Beschränkung auf vorerst 500 000 Teilnehmer wolle Microsoft den Behörden beweisen, daß man in Redmond keine Monopolgelüste hegt. Das Zaudern der US-Justiz hat weitreichende Folgen: die Europäische Kommission will zunächst die Entscheidung der Amerikaner abwarten, ehe sie selbst tätig wird. Die Fraktion Bündnis 90/Grüne forderte daher gemeinsam mit der nordrhein-westfälischen Landesarbeitsgemeinschaft Medien die Bundesregierung dazu auf, 'die kartellrechtlichen Probleme des Microsoft Networks prüfen zu lassen und eine internationale Initiative zur Verhinderung internationaler Informationsmonopole zu starten.' (ad)

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