Netzklänge scheibenweise

MP3-Musik unter Windows auf Audio-CD brennen

Test & Kaufberatung | Kurztest

Was fängt der Sound-Surfer mit all den MP3-Dateien an, die er sich in schweißtreibenden Online-Sitzungen aus dem Internet beschafft hat? Am liebsten hätte er sie ja säuberlich geordnet auf Audio-CDs. Diesen Wunsch erfüllt unter Windows ein Programm, das den Namen ‘AudioCD MP3 Studio’ trägt.

Sicher ist es nett, sich bei der Arbeit am PC per Abspielprogramm mit MP3-Musik berieseln zu lassen. Auch das Überspielen der aus dem Netz gesaugten Dateien auf spezielle Hardwareplayer mag manchen begeistern. Was jedoch die Vielfalt der Abspielmöglichkeiten angeht, so ist die gute alte Audio-CD bislang ungeschlagen.

Das Programm aus der Oldenburger Softwareschmiede Hilchner & Lesani erlaubt es, individuelle CDs aus gemischten Quellen zusammenzustellen. Es nimmt MP3- und WAV-Dateien entgegen, außerdem liest es mit Hilfe eigener Treiber Audio-Tracks direkt von CDs. Im Test vermochte es selbst einem betagten Sony-4X-ATAPI-Laufwerk die begehrten digitalen Musikdaten ohne Umweg über eine D/A- und erneute A/D-Wandlung zu entlocken.

Das Programm akzeptiert bislang nur 16-Bit-Samples in Stereo mit einer Sample-Frequenz von 44,1 kHz. Diese Einschränkung trifft sowohl WAV- als auch MP3-Dateien. Die Entwickler haben jedoch angekündigt, kommenden Versionen einen integrierten Umrechner zu spendieren, damit auch Musikstücke mit 48 kHz oder 32 kHz nicht außen vor bleiben.

Die Tracks für eine zu brennende Audio-CD lassen sich wahlweise per Drag and Drop oder menügesteuert zusammenstellen. Sobald das Fassungsvermögen eines Standardrohlings erreicht ist, weist das Programm weitere Einträge ab. Vor dem eigentlichen Brennvorgang lässt sich ein Simulationslauf starten. Dieser testet sozusagen kalt, ob bei der gewählten Brenngeschwindigkeit ein ununterbrochener Datenstrom zu Stande kommt - wenn nicht, bricht der Vorgang ab, ohne dass anschließend ein halbbeschriebener CD-Rohling weggeworfen werden muss.

Da das Programm sämtliche Sounddaten vorübergehend als Wave-Dateien zwischenspeichert, benötigt es etliche hundert MByte an freiem Plattenplatz - durch Einschalten der Kompressionsoption im Programm lässt sich der Platzbedarf gegenüber Rohdaten jedoch stark vermindern.

Auf Wunsch ‘normalisiert’ das Programm vor dem Brennen in einem Arbeitsgang die Sounddaten. Dazu ermittelt es die lauteste Stelle eines jeden Tracks und gleicht dann das Lautstärkeniveau der verschiedenen Musikstücke aneinander an. Das dauert seine Zeit - im Test auf einem 266-MHz-Pentium-II benötigte der Normalisierungslauf für eine CD mit einer Stunde Laufzeit eine gute Viertelstunde.

Die Entwickler waren bestrebt, ihr Programm weitestgehend laientauglich zu machen, und sie haben daher so wenig Konfigurationsoptionen wie möglich eingebaut. Das unvermeidliche Minimum betrifft die Wahl von Lese- und Schreiblaufwerk sowie Schreibgeschwindigkeit, dazu die Angabe eines ‘Archiv’-Laufwerks für konvertierte Dateien. Außerdem darf der Anwender, falls es Probleme beim Ansteuern eines SCSI-Brenners gibt, einen eventuell vorhandenen alternativen ASPI-Treiber wählen. Leider sind keine weitergehenden Anpassungsoptionen vorgesehen. Eine Liste der unterstützten Brenner findet sich auf http://www.hl4you.de/pts/PTS%20AudioCD/doc/driver_list.txt - das bedeutet jedoch keine Gewissheit, dass es mit den verzeichneten Modellen auf jeden Fall zu problemlosen Brennvorgängen kommt.

In einigen Details hinterlässt das Programm noch einen unfertigen Eindruck. Das betrifft etwa die Funktion zum Speichern einer ‘Liedliste’ - sie wollte sich im Test partout nicht aktivieren lassen. Auch in puncto Laufstabilität gibt es Nachbesserungsbedarf: Wer es nach dem Abbruch eines Schreibvorgangs noch einmal mit einem neuen Rohling versuchen will, erntet im besten Fall einen Programmabsturz, im schlimmsten Fall verzieht sich gleich das ganze Windows-System in den Schmollwinkel. Nach einer Fehlermeldung ist also sicherheitshalber ein Windows-Neustart angesagt. Wenig witzig (aber leider weit verbreitet) ist auch die Unsitte, zwar bei der Installation nach einer gewünschten Programmgruppe fürs Startmenü zu fragen, dann aber entsprechende Eingaben des Benutzers dreist zu ignorieren und stattdessen eine unnötige Bandwurmstruktur anzulegen.

Ungeachtet der (noch) bestehenden Schönheitsfehler ist das AudioCD MP3 Studio ein bemerkenswertes und praktisches Tool für Musiksammler, das sicher viele Freunde finden wird.(psz)


AudioCD MP3 Studio 1.5d, Shareware für Windows 95, 98 und NT; 39,95 DM, Download unter: http://www.ashampoo.com/d/audiocd.htm

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