Neuanfang

Whistler - was die nächste Windows-Version bringt

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Waren viele bei Windows 2000 noch einem Irrtum aufgesessen und hielten das eigentlich für den geschäftlichen Einsatz vorgesehene System für den Nachfolger von Windows 9x, so gilt diese Einschränkung für die nächste, gerade im Test befindliche Windows-Version nicht mehr. Unter dem Codenamen ‘Whistler’ entwickelt Microsoft an einem gemeinsamen Nachfolger für Windows 2000 und eben Windows 9x/ME. Wir sehen uns die erste Vorabversion auf ihre Endkundentauglichkeit hin im Detail an.

Aufmacher

Die Frage, worauf die nächste Windows-Variante basiert, die Microsoft für Endkunden anbieten will, klärt sich schnell. Schon beim Starten der Installation von Whistler, so der vorübergehend von Microsoft gewählte Name, offenbart sich, dass es sich um einen nahen Verwandten von Windows NT/2000 handeln muss. Kurz nach dem Booten von der CD zeigen sich erste blaue Textbildschirme, durch die sich schon das Setup-Programm der ersten Version von Windows NT auszeichnete. Irgendwelche DOS-Reminiszenzen, wie sie nicht nur für die Installation des letzten 9x-Aufgusses ME noch völlig normal sind, lassen sich nirgends ausmachen.

Trotzdem: Whistler ist der designierte Nachfolger von Windows 9x/ME. Die Absicht, auch das für Privatleute (Consumer) gedachte Windows auf die technische Basis von NT zu stellen, hat Microsoft zwar schon mehrfach erklärt, doch bisher immer wieder aufgeschoben. Schon vor der Markteinführung von Windows 95 hieß es, dass sein Nachfolger auf der Technik des großen Bruders NT aufbauen soll. Noch heute, mehr als fünf Jahre nach der ersten Ankündigung dieses Schritts, fehlt eine Erklärung Microsofts zu der Motivation dafür.

Die Erklärung liegt aber auf der Hand - niemand fragt ernsthaft danach: Windows 95 und alle seine Nachfolger, ME inklusive, sind technisch gesehen Pfusch. Anstatt die Sache gründlich anzugehen, hat sich Microsoft der Mehrheit der Benutzer gebeugt und Kompatibilität als oberstes Ziel gesteckt. Das Entwicklerteam hat sich entsprechend seit Windows 3.1 auf das Anflicken und das Nachbessern von Funktionen spezialisiert: DOS ist nie wirklich aus dem System verschwunden, sodass man mit DOS-debug das System noch heute abschießen kann. 9x hat nie die 16-Bit-Bestandteile über Bord geworfen, die zum Beispiel das Multitasking empfindlich stören.

Mit Whistler soll nun NT die einheitliche Basis sowohl für die Privat- als auch Geschäftskundenbetriebssysteme werden. Bis die Entwickler diesen Plan umgesetzt haben, ist allerdings noch einiges zu tun: Interessant daran wird vor allem, ob sie viele der Merkmale von NT/2000 verstecken oder es verstehen, Dinge wie die omnipräsente Sicherheit konsumentengerecht zu verpacken. Die erste Vorabversion von Whistler (Beta 1, Build 2296) lässt diese Frage weitgehend offen - konkrete Hinweise darf man sich wohl erst zu einem späteren Projektstadium versprechen.

Die Beta 1 kommt in verschiedenen Ausprägungen daher: ‘Personal’ stellt den Nachfolger von Windows 9x/ME dar. Hinter ‘Professional’ steckt eine auf Vordermann gebrachte Workstation-Version, die entgegen anders lautenden Gerüchten derzeit keine Server-Ambitionen hegt, sondern wie auch ihr Vorläufer für den Einsatz auf Workstations vor allem im geschäftlichen Umfeld gedacht ist. Des Weiteren gibt es den ‘Server’ und den ‘Advanced Server’ - sie sollen im Netz für die Freigabe von Druck- und Dateidiensten sorgen und können darüber hinaus dazu dienen, im Netz eine zentrale Benutzerverwaltung (Active Directory) nebst allen daran anknüpfenden Diensten aufzubauen [[#lit1 1]]. Einen kleinen Ausblick auf die Veränderungen dieser Versionen gibt der Kasten ‘Für Netzwerker’.

Wem Intel schon ein Itanium-Testsystem unter den Schreibtisch gestellt hat, der bekommt Whistler auch in einer 64-Bit-Version. Einen 64-Bit-Zwitter aus Windows 2000 und Whistler will Microsoft, noch bevor Whistler selbst fertig ist, auf den Markt bringen.

Wer sich für eine der Whistler-Betas interessiert, kommt an eine solche derzeit am einfachsten als Abonnent des Microsoft Developer Network (MSDN) heran; allerdings nur, wenn er die recht teure Stufe ‘Professional’ abgeschlossen hat. Die Chance, noch zum Kreis der Beta-Tester hinzuzustoßen, ist laut Microsoft eher gering. Es ist ferner nicht sicher, ob für Whistler ein Corporate Preview Program (CPP) aufgelegt wird, wie es das für Windows 2000 gab - alles in allem also eher schlechte Aussichten für Neugierige.

Weiteres lesen Sie in c't 25/2000 ab Seite 136

[1] Karlheinz Blank, Peter Siering, Eduard Zander, Server 2000, Windows 2000 Server, c't 10/00, S. 112

c't 5/00, S. 148 http://msdn.microsoft.com/compatibility/ http://www.microsoft.com/windows2000/downloads/deployment/appcompat/default.asp

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Stattdessen dürften die Redmonder eine Server-Version nachlegen, die sich auch ohne Bildschirm und Tastatur installieren und betreiben lässt (headless). Ferner wird Whistler, so lässt es sich dem Feature Guide der ersten Beta entnehmen, bessere Werkzeuge enthalten, um das Logging zentral auf einen SQL-Server zu lenken und Netzwerk-Verbindungen zu testen, etwa beim netstat-Kommando auch die Prozesse anzuzeigen, die TCP- oder UDP-Ports offen halten. Zukünftig soll auch Firewire/1394 als Standard zur Vernetzung herhalten können. Zwischen den Zeilen lässt sich erkennen, dass nur die Professional-Version einen optimalen Client im Whistler-Netz abgeben wird. Entgegen bisherigen Gepflogenheiten sollen zuerst die Personal- und Professional-Versionen von Whistler erscheinen, die Server-Versionen erst später folgen - bisher hatte Microsoft Workstation- und Server-Versionen stets zeitgleich auf den Markt gebracht.

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