Neuer Anlauf

Service Pack 2 für Windows Vista und Server 2008

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Microsofts neuestes Service Pack verwandelt Vista zwar nicht in Windows 7, lässt es aber flotter werden und bringt obendrein ein paar nette Kleinigkeiten.

Ende April hat Microsoft das zweite Service Pack für Windows Vista und Windows Server 2008 fertiggestellt. MSDN- und Technet-Abonnenten können es bereits herunterladen, zum freien Download will Microsoft es noch in diesem Quartal bereitstellen. Bis Redaktionsschluss war das aber noch nicht passiert. Update: Zwischenzeitlich steht das Service Pack zum Download bereit (etwa im heise Software-Verzeichnis) und wird auch per Windows-Update ausgeliefert.

Trotz des Namens ist das SP2 das erste Service Pack für den Server 2008. Das SP1 erschien nur für Vista, und zwar gleichzeitig mit dem Server 2008, in dem es bereits von Anfang an integriert war: Damit hob Microsoft Vista und den Server auf die gleiche Codebasis. Als Folge aktualisiert das SP2 nun beide Betriebssysteme.

Die Download-Größe des SP2 variiert, denn es wird in mehreren Versionen bereitgestellt. So wird es eine Stand-alone-Version geben (als exe-Datei, jeweils eine für x86, x64 und ia64), die Vista- und Server-Varianten in den Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, Japanisch und Spanisch aktualisiert (Five-language-Version). Wer eine andere Sprachversion nutzt, braucht das größere Paket für alle 36 Sprachversionen, in denen Vista erhältlich ist (All-language-Version, ebenfalls erhältlich für x86, x64 und ia64). Die drei Stand-alone-Pakete für x86, x64 und ia64 sind auch gemeinsam in einem ISO-Image zu haben (als Five language oder All languages). Die Downloadgrößen reichen von rund 350 MByte (x86 Five-language-Stand-alone) bis über 1,6 GByte (All-languages-ISO-Image).

Das Service Pack 2 lässt sich nur installieren, wenn zuvor das SP1 eingespielt wurde.

Deutlich kleiner fällt der Download aus, wenn man Vista oder den Server 2008 über die Windows-Update-Funktion aktualisiert (nur x86 und x64), weil dann nur die Daten heruntergeladen werden müssen, die für die installierte Windows-Version erforderlich sind. Dann sollen zwischen 43 und 90 MByte zusammenkommen.

Unter Windows Server 2008 lässt sich das SP2 einfach so einspielen, unter Vista hingegen muss zuvor das SP1 installiert sein: Im Unterschied zum SP2 für Windows XP ist das SP2 nicht kumulativ, enthält also nicht die Patches des vorangegangenen Service Packs. Wer nur eine normale Setup-DVD besitzt und damit Vista neu installieren möchte, muss deshalb zuerst Vista, danach das SP1 und dann das SP2 installieren.

Komplett-DVDs, mit denen sich Vista in einem Rutsch mit SP1 und SP2 installieren lässt („Slipstream-Installation“), wird es nach derzeitigen Planungen zwar von Microsoft geben, allerdings wohl nur für MSDN- und Technet-Abonnenten, Microsoft-Partnerunternehmen sowie Kunden mit Volumenlizenz-Verträgen – Privatanwender hingegen gehen leer aus. Das ist umso ärgerlicher, weil sich solche Slipstream-DVDs nicht so einfach selbst erstellen lassen; anders als bei den Service Packs für XP fehlen in den Vista-Service Packs die entsprechenden Optionen. Microsoft empfiehlt stattdessen den Einsatz des über 1 GByte großen „Windows Automated Installation Toolkit“ (WAIK). Damit eine Slipstream-DVD zu erstellen ist allerdings sehr zeitaufwendig: Man muss zuerst Vista auf einem PC installieren, dann nacheinander die Service Packs einspielen und diese Musterinstallation dann wieder in ein Installationspaket verpacken [1].

Im SP2 stecken alle Sicherheitsupdates und Hotfixes, die seit dem Erscheinen des SP1 veröffentlicht wurden, insgesamt fast 700. Gerade mal 70 davon hat Microsoft bislang separat über das Windows Update ausgeliefert, darunter allerdings sämtliche Sicherheitsupdates. Bei aktivierten automatischen Updates ist Vista daher derzeit ohne SP2 genauso sicher wie mit, aber mangels hunderter Hotfixes eben anfälliger für Fehler und Abstürze.

Auffallend viele Hotfixes betreffen USB-Geräte und Energieverwaltung, also die Stromspar-Betriebsmodi Standby (Strom sparen) und Hibernation (Ruhezustand). Das Update soll aber auch zahlreiche andere kleinere Hakeleien beseitigen; so soll etwa bei manchen Systemen endlich ein Abmelde-Button für angestöpselte eSATA-Laufwerke im Tray-Bereich erscheinen. Zudem sollen im Betrieb angeschlossene eSATA-Geräte zuverlässiger erkannt werden, und der MS-AHCI-Treiber wurde überarbeitet. Eine Liste der Updates finden Sie über den Link am Ende des Artikels.

Eines der größten Mankos der Ursprungsversion von Windows Vista war die Langsamkeit – zwar liefen die meisten Anwendungen genauso schnell wie unter XP, doch Kopieraktionen oder die Reaktionsgeschwindigkeit von Windows selbst auf Benutzereingaben waren mitunter so langsam, dass viele Anwender genervt zurück zu Windows XP wechselten. Das erste Service Pack vermochte daran nichts zu ändern. Diese Trägheit ist zusammen mit dem Ressourcen-Hunger auch der Hauptgrund, warum bis heute Windows XP auf Netbooks vorinstalliert wird.

Um herauszufinden, ob Vista mit SP2 besser auf Netbooks läuft, haben wir es auf einem MSI Wind installiert (baugleich mit dem Medion Akoya 1210, bekannt als „Aldi-Netbook“). Auf dem läuft Windows XP ebenso wie der Release Candidate von Windows 7 [2] problemlos und zügig, Vista mit SP1 hingegen fühlt sich reichlich zäh an. Anders mit SP2: Damit reagiert Vista auf Benutzereingaben wie dem Öffnen des Explorer oder der Computerverwaltung oft genauso schnell wie Windows 7 oder XP, mitunter sogar minimal schneller. Das Gleiche gilt für den Start diverser systemeigener Programme.

Auch beim Hochfahren und beim Aufwachen aus dem Ruhezustand hat sich was bewegt, allerdings in die falsche Richtung: Zwar startet Vista mit SP2 scheinbar schneller als mit SP1 (aber immer noch langsamer als XP oder der Release Candidate von Windows 7), doch wird dabei geschummelt. Es ist lediglich der Desktop früher zu sehen. Um herauszufinden, wie lange es braucht, bis man wirklich mit dem System arbeiten kann, haben wir auf einem durchschnittlich schnellen Desktop-PC (mit Athlon 64 4600+) kurzerhand eine URL in den Autostart-Ordner gepackt, die nach dem Start automatisch mit dem Internet Explorer aufgerufen wurde. Ergebnis: Unter Vista mit SP2 dauert es 10 Sekunden länger als mit SP1, bis man surfen kann. Eine Wiederholung des Experiments mit einem Videofilm bestätigte das: Auch der Film startete 10 Sekunden später. Wer seinen PC nicht herunterfährt, sondern nur in den Ruhezustand versetzt, wird von solchen Verzögerungen verschont: Hier ergab der Vergleich keine Unterschiede.

Für das Kopieren braucht Vista mit SP2 genauso lange wie mit SP1 und wird so von Windows XP weiterhin locker abgehängt. Auch die Ausführungsgeschwindigkeit von Anwendungen ist die gleiche geblieben, sämtliche von uns benutzten Benchmarks zeigten unveränderte Ergebnisse. Zum Einsatz kam BAPCo’s Sysmark 2007 (Preview), die die Performance alltäglicher Anwendungen wie Microsoft Office, Adobe Photoshop, Illustrator und Flash, Microsoft Media Encoder, Winzip, Autodesk und anderer misst, außerdem 3DMark 2001, 2003 und 2005, das OpenGL-Spiel Prey, der Direct3D-Grafikbenchmark Aquamark 3, das auf einer weit verbreiteten Grafikengine basierende HalfLife2 – Episode One, der 3D-Rendering-Benchmark Cinebench und schließlich das Packprogramm 7Zip. Außerdem kopierten wir Ordner voll kleiner Dateien lokal und übers Netz und rekodierten Videos mit Nero und DVD2one.

Das SP2 rüstet einige Zusatzfunktionen nach, etwa Windows Search 4.0. Hierbei handelt es sich um eine schnelle Desktopsuche, die im Alltag gute Dienste leistet, jedoch zuvor einige Einarbeitung erfordert [3]. Bislang stand sie nur als optionales Update zum Download bereit.

Im Bluetooth-Bereich bringt das SP2 das bislang nur für einige OEM-Hersteller verfügbare Vista Feature Pack mit. Damit beherrscht Vista die aktuelle Protokollimplementation Bluetooth 2.1+EDR, die im Bereich Security und Pairing einige Verbesserungen enthält.

Mit dem SP2 kann Vista nun auch mit Stereokopfhörern umgehen, die via Bluetooth angeschlossen sind.

Aus Anwendersicht ist zu den im Feature-Pack enthaltenen Bluetooth-Profilen für die Bild- und die Dateiübertragung das Profil „Advanced Audio Distribution“ hinzugekommen (A2DP). So lassen sich mit Vista nun nicht nur Headsets etwa für die drahtlose VoIP-Kommunikation nutzen (Headset Profil), sondern auch Stereo-Kopfhörer für die Musikwiedergabe. Im Kurztest mit einem Stereo-Kopfhörer von AirLive klappte das reibungslos, der Wechsel zurück zu drahtgebundenen Lautsprechern erfolgte nach Trennen der Bluetooth-Verbindung wie erwartet automatisch. Die Fernbedienungsfunktion des Kopfhörers ließ sich im Test jedoch nicht nutzen.

Laut den „notable changes“ für das SP2 kann Vista damit Blu-ray-Daten-Discs nicht nur lesen, sondern auch brennen – was aber auch schon mit der Ursprungsversion von Vista möglich war. Was genau Microsoft mit diesem Hinweis meint, konnte man uns bis Redaktionsschluss nicht erklären.

In Windows Server 2008 integriert das SP2 die Virtualisierungsumgebung Hyper-V, die zuvor bereits einzeln erhältlich war. Die Standard-Ausgabe des Servers darf damit ohne separate Lizenz einmal zusätzlich auf derselben Maschine als VM-Instanz laufen, die Enterprise-Variante viermal und der Datacenter-Server beliebig oft.

Das SP2 bringt nicht alles mit, was man vielleicht hätte erwarten können. So fehlt etwa der aktuelle Internet Explorer 8 ebenso wie das Browser-Plug-in Silverlight. DirectX weist als Versionsnummer weiterhin eine 10 aus, während in Windows 7 bereits Version 11 steckt, das schon länger frei verfügbare .NET-Framework 3.5 ist ebenfalls nicht enthalten.

Die vielen Neuerungen, die Microsoft in Windows 7 einbaut, bringt das SP2 verständlicherweise ebenfalls nicht mit, um den Kaufanreiz für das nächste Windows nicht zu mindern. Das führt dazu, dass Windows Vista auch mit SP2 weniger Spaß macht als der Release Candidate von Windows 7. Die Installation lohnt trotzdem, allein schon wegen der erhöhten gefühlten Geschwindigkeit im laufenden Betrieb. Letzteres bedeutet allerdings nicht, dass Vista nun generell für alle Netbooks geeignet wäre: Der Versuch, Vista mit SP2 auf einem Acer Aspire One zu installieren, scheitert am Plattenplatz: Die in diesem Netbook eingebauten 8 GByte Flash-Speicher als Festplattenersatz reichten nicht aus.

Microsoft verweist in einem Knowledge-Base-Artikel darauf, dass das Setup-Programm des SP2 bei geklonten Windows-Installationen eventuell abbricht. Sollten nach der Installation Schwierigkeiten auftreten, lässt sich das SP2 notfalls in der Systemsteuerung unter „Programme und Funktionen/Installierte Updates“ wieder deinstallieren. Auf unseren Testrechnern klappte jedoch alles problemlos. Falls das auch bei Ihnen der Fall ist, können Sie die für die Deinstallation notwendigen Backups der vom SP2 ersetzten Dateien nach einiger Zeit löschen. Das erledigt der Befehl Compcln.exe in einer Eingabeaufforderung nach zwei Rückfragen, anschließend sind rund 400 MByte mehr auf der Platte frei.

Literatur

[1] Axel Vahldiek, Implantation, Vista-DVD mit integriertem SP1 im Eigenbau, c't 10/08, S. 192

[2] Axel Vahldiek, Das soll es sein, Der erste Release Candidate von Windows 7, [http://www.heise.de/kiosk/archiv/ct/09/11/018 c't 11/09, S. 18

[2] Karsten Violka, Wer suchet, der findet, Desktop-Suchmaschine Windows Search 4.0 optimal nutzen, c't 15/08, S. 168

www.ctmagazin.de/0912044

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