Nichts zu machen?

@ctmagazin | Editorial

Direktmarketing per Mail läuft ja nach wie vor, aber eigentlich ist das ziemlich umständlich; sehr viel eleganter lassen sich neue Kunden mit Googles Anzeigendienst ansprechen.

Direktmarketing per Mail läuft ja nach wie vor, aber eigentlich ist das ziemlich umständlich: Man muss sich erst mühsam die Adressen besorgen und weiß nie, wie aktuell die sind. Dann das nervige Rumtüfteln, um durch die E-Mail-Filter zu kommen. Ständig neue Tricks muss man sich dafür ausdenken. Am Ende kann E-Mail-Marketing dazu führen, als "Spammer" angeprangert und vor den Kadi gezerrt zu werden.

Sehr viel eleganter lassen sich neue Kunden mit Googles Anzeigendienst ansprechen. Google wirbt ja immer mit der Zielgenauigkeit seiner AdWords-Werbung. Geben Sie zum Beispiel mal "OpenOffice" in die Suchmaske ein. Schon erscheinen über und neben den Suchergebnissen genau passende Textanzeigen, die für das Bürosoftware-Paket werben.

Werbung - für eine Freeware? Die frei im Internet herunterladbar ist? An dieser Stelle scheint die Genialität des Google’schen Anzeigensystems durch, das offenbar sogar in der Lage ist, ein Geschäftsfeld zu eröffnen, welches es eigentlich gar nicht geben dürfte. Ein Business, das offenbar dauerhaft Gewinne abwirft, denn sonst würden ja keine Google-Anzeigen geschaltet.

Ein Klick auf die Werbung, und schon sind die Surfer auf den freundlich aufgemachten Seiten eines Download-Anbieters. Und die Leute klicken! Schließlich vertrauen sie ja Google. Liefert halt gute Suchergebnisse, der Dienst. Don’t be evil und so. Da müssen die Anzeigen ja auch astrein sein. Auf dem Download-Server füllen die Besucher schnell noch ein Formular aus. War da etwas Kleingedrucktes? Wen kümmert’s? Hier geht es um den kostenlosen Download kostenloser Software. Glaubt der eilige Surfer.

Das lange Gesicht stellt sich Wochen später ein, wenn der Surfer per Mahnung darüber informiert wird, was für ein Formular er ausgefüllt hat. Einen Vertrag über eine zwei Jahre währende Download-Flatrate für 192 Euro zum Beispiel. Viele reagieren in dieser Situation falsch und zahlen.

Eigentlich dürfte es Anzeigen für Download-Abzocker bei Google überhaupt nicht geben. Google hat gegenüber c't versichert, alles zu tun, um Surfer davor zu schützen. In den normalen Suchergebnissen tauchen die Seiten von einschlägigen Download-Abzockern auch nicht auf. In den von Google verbreiteten Anzeigen jedoch finden sich immer wieder Links, die zu diesen Sites führen.

Googles Suchdienst erschließt für jedermann die Informationsberge des World Wide Web - und wehrt dabei die Manipulationsversuche von sogenannten Suchmaschinenoptimierern recht erfolgreich ab. Googles Gmail vermag ganz gut Spam von erwünschter Post zu unterscheiden. Nicht zuletzt schützen Googles Algorithmen den eigenen Anzeigen-Dienst vor Klick-Spam-Manipulationen. Aber bei ein paar Handvoll Abzockern soll nichts zu machen sein? Das nehme ich Google nicht ab.

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