Nie mehr ohne

Umfrage zu Schmalbandanschlüssen

Wissen | Hintergrund

In einer Online-Umfrage hat c’t erhoben, wie Schmalbandnutzer ins Netz gehen, welche Dienste sie gerne nutzen würden und welchen Stellenwert sie einem Breitbandanschluss beimessen. Die Ergebnisse boten einige Überraschungen.

Bei der Frage, was ein Breitbandanschluss ist, stößt man bereits auf unterschiedliche Definitionen. Laut Telekom fängt mit DSL der Breitbandanschluss an, also bei 384 kBit/s eines DSL-light-Anschlusses. Gemäß der neuesten Definition des Bundeswirtschaftsministeriums hingegen muss ein Breitbandanschluss im Downstream mindestens 1 MBit/s liefern. Wir richteten unsere Umfrage daher vor allem an Anwender, deren Anschluss weniger als 1 MBit/s schafft. Gleichzeitig boten wir auch Breitbandkunden an, an der Umfrage teilzunehmen, und stellten ihnen allgemeine Fragen zur Nutzung ihres Breitbandanschlusses und zum Stellenwert, den sie diesem beimessen. Die Umfrage ist nicht repräsentativ. Sie bildet nicht die Gesamtbevölkerung ab, sondern nur einen Teil der Nutzer von heise online. Insgesamt nahmen 2117 Leser teil, was auf ein großes Interesse am Thema schließen lässt.

Zunächst fragten wir ab, welche Bandbreite beim Teilnehmer zum Einsatz kommt. 45 Prozent der Teilnehmer gaben an, einen Schmalbandanschluss zu nutzen. Das ist in mehrfacher Hinsicht nicht repräsentativ, da wir Schmalbandnutzer ausdrücklich zur Teilnahme ermutigten, was deren Anteil erwartungsgemäß hochtrieb. In Wirklichkeit ist ein Breitbandanschluss nur in 10 bis 15 Prozent der Haushalte nicht verfügbar.

Nur eine kleine Minderheit der Schmalbandnutzer setzt noch auf Telefonanschlüsse. Die große Mehrzahl verwendet DSL light.

Die allermeisten Schmalbandnutzer gehen mit einem DSL-light-Anschluss ins Internet. Ein knappes Fünftel nutzt noch ISDN- oder Analoganschlüsse. Auf den Mobilfunk setzen gerade einmal 7,4 Prozent der Anwender. Nur ein knappes Zehntel der Schmalbandnutzer insgesamt setzt eine Funktechnik für den Internetzugang ein. Das zeigt deutlich den Mangel an Alternativen in den ländlichen Regionen. Internetzugänge per Funk sind nur in wenigen Gegenden verfügbar.

Über zwei Drittel der Schmalbandnutzer wünschen sich zusätzlich zum Breitbandanschluss einen herkömmlichen Telefonanschluss.

Aufschlussreich ist auch die Verteilung der verfügbaren Bandbreite. 55 Prozent geben an, dass ihnen nur 384 kBit/s zur Verfügung stehen. 768 kBit/s hingegen können nur 29 Prozent einsetzen. Das legt den Schluss nahe, dass die Telekom für 384-kBit/s-Anschlüsse einen deutlich größeren Versorgungsradius um die Vermittlungsstellen herum bietet als für die doppelt so schnelle DSL-light-Variante. Vor einigen Jahren hat die Telekom tatsächlich die maximal zulässigen Leitungslängen hoch gesetzt, jedoch bei den Anschlüssen mit höherer Geschwindigkeit keine Anpassungen vorgenommen, was den Anteil der 384-kBit/s-Nutzer nach oben getrieben hat.

Eine große Mehrheit der Befragten möchte den Breitbandanschluss gerne zum Surfen, Mailen und Downloaden nutzen. Filesharing ist nur für jeden Zehnten interessant.

Solch niedrige Geschwindigkeiten nutzt offenbar kaum jemand freiwillig: Nur 0,6 Prozent der Befragten gaben auf die Frage „Warum verwenden Sie eine Bandbreite unter 1 MBit/s im Downstream?“ an, keine höhere Geschwindigkeit zu benötigen. 5 Prozent ist der schnellere Anschluss zu teuer, 3 Prozent gaben einen anderen Grund an. Die überwältigende Mehrheit von 92 Prozent beklagte, dass ein schnellerer Anschluss nicht verfügbar sei.

Noch deutlicher wird das Ergebnis bei einer leicht variierten Fragestellung: „Würden Sie gerne eine höhere Bandbreite verwenden?“ Hier votierten 97,5 Prozent der Teilnehmer mit „ja“, 1,8 mit „möglicherweise/noch unentschlossen“ und nur 0,7 Prozent mit „nein“. Bandbreiten unter 1 MBit/s sind der überwiegenden Mehrheit also deutlich zu wenig leistungsfähig. Schon beim Laden von Webseiten treten lästige Wartezeiten auf, größere Downloads laufen stundenlang.

Eine große Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft vor allem bei den UMTS-Zugängen. Überall verfügbare Satellitenzugänge stoßen hingegen auf wenig Interesse.

Bei der Frage nach der gewünschten Breitband-Telefon-Kombination zeigten sich fast drei Viertel der Befragten konservativ und wünschten sich einen herkömmlichen Telefon- oder ISDN-Anschluss mit DSL. Mit Ausnahme der Telekom und einiger Stadtnetzbetreiber bieten inzwischen alle DSL-Provider als Standardprodukt einen VoIP-Anschluss an. Einen herkömmlichen Telefonanschluss gibt es dort, wenn überhaupt, nur gegen Aufpreis. Offenbar planen die DSL-Anbieter ganz bewusst an den Wünschen ihrer Kunden vorbei, um ihre Kosten für Netzerrichtung und -betrieb zu drücken. Lediglich die TV-Kabelanbieter können nicht anders als auf die ungeliebte VoIP-Technik zurückzugreifen, da das Fernsehkabel keine andere technische Lösung zulässt.

Geteilter Meinung sind die Teilnehmer in der Frage, ob sie sich für Fernsehen per Internet (IPTV) interessieren. Nur 12 Prozent würden einen solchen Dienst gegen Aufpreis nutzen wollen. Als kostenlose Dreingabe würden 25 Prozent IPTV nutzen. 32 Prozent antworteten mit „vielleicht“. 31 Prozent interessieren sich nicht dafür. Das schlechte Ergebnis ist umso erstaunlicher, als die befragten heise-online-Leser einer technikaffinen Gruppe angehören, die neue Angebote leichter als der Durchschnittsanwender aufgreift. Dass die Telekom ihre schnellen VDSL-Anschlüsse inzwischen auch ohne IPTV vermarktet, ist eine Konsequenz aus dem mangelnden Kundeninteresse am Fernsehen per DSL. Das kürzlich vorgestellte IPTV-Angebot ohne Internetanschluss dürfte daher ein Nischenprodukt für eine Handvoll Kunden bleiben.

Wenn ein Breitbandanschluss nur durch Zahlung eines Investitionskostenzuschusses möglich wäre, würden die Kunden tief in die Tasche greifen.

Wir stellten zwölf Internetdienste und -angebote vor und ließen die Befragten wählen, welche davon sie mit einem schnelleren Anschluss vor allem nutzen wollten. Hier war eine Mehrfachnennung möglich. Die meisten wollen schneller surfen, mailen und downloaden. Erstaunlich viele gaben an, VPN nutzen zu wollen, um sich per Internet beispielsweise ins Firmennetz einzuklinken. Ausgerechnet das oft zitierte Filesharing landete weit abgeschlagen auf dem letzten Platz: Nur jeder Zehnte will offenbar Tauschbörsen benutzen. Auch der Internetzugang für die Kinder ist für die meisten Teilnehmer uninteressant, vermutlich weil nur eine Minderheit Kinder im fraglichen Alter zwischen 10 und 18 Jahren hat.

Die überwiegende Mehrheit denkt bei Breitband zuerst nur an ADSL-Technik. Das ist kein Wunder, werden die Begriffe „Breitband“ und „ADSL“ in der Umgangssprache oft synonym verwendet. Bei dieser Technik sind aufgrund ihrer großen Verbreitung auch die praktischen Chancen am größten, einen leistungsfähigen Breitbandanschluss zu erhalten. Mit Ausnahme der Exoten-Technik Powerline und der bekanntermaßen sehr teuren Standleitung prüften jeweils ein bis zwei Drittel der Leser die unterschiedlichen Alternativen. Diese sind aber zumeist nicht verfügbar. Jeweils rund 50 Prozent der Leser gaben an, dass bei ihnen ADSL, Mobilfunk und Satellitendienste verfügbar seien.

Dass die Zahl bei Satellitenverbindungen deutlich unter der tatsächlichen Verfügbarkeit von fast 100 Prozent liegt, hat zwei mögliche Gründe: Zum einen dürfen Mieter in vielen Fällen keine Satellitenschüsseln am Gebäude anbringen, zum anderen lehnen viele Anwender Satellitenanbindungen aus technischen oder Kostengründen ab und prüfen diese Alternative gar nicht erst.

Etwas über die Hälfte der Anwender nutzt ihren Internetanschluss auch beruflich. Die private Nutzung überwiegt deutlich.

Dass viele Schmalbandnutzer ADSL und Mobilfunk als verfügbare Techniken angaben, bedeutet aber nicht, dass darüber derzeit praktisch ein Breitbandanschluss möglich wäre. Gerade im ländlichen Raum sind Mobilfunkzugänge häufig nur mit rund 200 kBit/s verfügbar, DSL-Anschlüsse oft mit weniger als 1 MBit/s. Um die magische Marke zu knacken, müssten die Betreiber massiv in die Technik investieren.

Was hält Anwender vor allem von einem Wechsel zu einem schnelleren Angebot ab? 54 Prozent der Befragten beklagen, dass kein Angebot verfügbar sei. 17 Prozent sind die Kosten zu hoch, 16 Prozent fürchten technische Unzulänglichkeiten des neuen Angebots, etwa hohe Latenzzeiten oder zu wenig Upstream. Nur 13 Prozent der Teilnehmer geben andere Gründe an.

Das passt auf den ersten Blick nicht ganz mit den vorigen Ergebnissen zusammen, bei der die Teilnehmer die Frage, warum sie weniger als 1 MBit/s im Downstream verwenden, nur zu knapp 5 Prozent mit der Aussage, ein schnellerer Anschluss wäre zu teuer, beantworteten. Das dürfte daran liegen, dass wir den Befragten zwischen den beiden Fragen zahlreiche Alternativen aufgezeigt hatten, etwa die flächendeckend verfügbaren Satellitenzugänge. Dadurch setzten sich die Teilnehmer mit dem Thema auseinander und erhielten indirekt Informationen über mögliche Alternativen. Der Anteil der Nutzer, die nicht mehr Bandbreite benötigen, war hingegen bei beiden Fragen verschwindend gering.

Eine große Mehrheit der Befragten würde beim Umzug in eine neue Wohnung nicht auf einen Breitbandanschluss verzichten wollen.

Die nun folgenden Fragen ließen wir sowohl von den Schmalbandnutzern als auch von den Breitbandnutzern beantworten, um herauszufinden, wie sich die Nutzung eines Breitbandanschlusses auf die Ausstattung der Haushalte und die Art der Nutzung auswirkt. Zunächst fragten wir die Zahl der internetfähigen Geräte ab. Diese fiel höher aus, als wir erwartet hatten. Die große Mehrzahl der Teilnehmer verwendet jeweils zwei oder mehr ortsfeste und mobile PCs oder sonstige mobile Geräte. Sonstige Geräte mit Internetanschluss sind hingegen nur bei rund 40 Prozent der Anwender im Einsatz. Dabei dürfte es sich vor allem um Spielekonsolen handeln, die sich inzwischen in vielen Haushalten finden. Der Unterschied zwischen Breitband- und Schmalbandnutzern fiel gering aus.

Die meisten Anwender nutzen den DSL-Anschluss vor allem oder teilweise privat. Erstaunlicherweise ist der Anteil der teilweisen oder ausschließlichen beruflichen Nutzung bei den unfreiwilligen Schmalbandkunden deutlich höher als bei den Breitbandkunden. Das liegt möglicherweise daran, dass der höhere Leidensdruck derjenigen, die einen Breitbandanschluss beruflich bräuchten, aber nicht bekommen, eine starke Motivation zur Teilnahme an der Befragung darstellt.

Bei einem Umzug kann man seine Situation deutlich verbessern. Beispielsweise, indem man gezielt eine Wohnung mit einem Breitbandanschluss sucht. Wir fragten „Wenn bei Ihnen ein Umzug anstünde, wie wichtig wäre Ihnen die Breitbandanbindung in der neuen Wohnung?“ Als „sehr wichtig“ oder gar „unabdingbar“ betrachten 78,6 Prozent in einem solchen Fall den Breitbandanschluss. Die große Mehrheit der Umfrageteilnehmer würde also um eine Immobilie in einer DSL-freien Zone einen großen Bogen machen. Teilnehmer mit Schmalbandanschluss maßen dem Breitbandanschluss am neuen Wohnort jedoch spürbar weniger Bedeutung bei als Teilnehmer, die bereits einen Breitbandanschluss nutzen. Offenbar empfinden einige Schmalbandnutzer ihre Situation als erträglich, während Breitbandnutzer sich ein Leben ohne schnellen Internetanschluss gar nicht mehr vorstellen können.

Eine sehr große Mehrheit der Teilnehmer würde - vor die Wahl gestellt - eher aufs Fernsehen als auf den Breitbandanschluss verzichten.

Einige Vermieter aus dem Bereich der gewerblichen Wohnungswirtschaft haben bereits auf die hohe Nachfrage reagiert und versuchen, Wohnanlagen in DSL-freien Zonen mit einem Breitbandanschluss auszustatten, um konkurrenzfähig zu bleiben. Makler berichten, dass viele Wohnungssuchende das Interesse an einem Miet- oder Kaufobjekt schlagartig verlieren, wenn sie erfahren, dass kein Breitbandanschluss möglich ist. Bei den Betreibern von Wohnungsbörsen ist der Trend allerdings noch nicht angekommen, dort sucht man in vielen Fällen noch vergeblich nach dem passenden Suchkriterium.

Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der nächsten Frage: „Wenn man Sie vor die Wahl stellte, würden Sie eher auf Fernsehen oder einen Breitbandanschluss verzichten?“ 84 Prozent der Schmalbandnutzer gäben dem Breitbandanschluss den Vorzug, bei den Breitbandnutzern sind es sogar 91,5 Prozent. Das mag auch damit zusammenhängen, dass TV- und Video-Angebote im Internet immer zahlreicher verfügbar sind. Bei der Wahl zwischen dem aktiven Medium Internet und dem passiven Medium Fernsehen schneidet Letzteres schlecht ab.

In den meisten Haushalten der Umfrageteilnehmer werkeln mehrere PCs und Notebooks. Sonstige Geräte mit Internetanschluss sind hingegen noch wenig verbreitet.

Zum Abschluss wollten wir ein Gefühl dafür bekommen, welchen tatsächlichen Geldwert die Teilnehmer einem Breitbandanschluss zumessen, indem wir erfragten, welchen Investitionskostenzuschuss sie leisten würden, um einen Breitbandanschluss mit 16 MBit/s zu erhalten. Die leidgeprüften Schmalbandanschlusskunden griffen bei dieser Frage deutlich tiefer in ihre virtuellen Taschen als die Breitbandanschlusskunden.

Der Medianwert, also der Wert, bei dem die Hälfte der Befragten einen höheren und die andere einen niedrigeren Betrag angab, lag jenseits der 200-Euro-Marke. Ob diejenigen, die vierstellige Summen angaben, tatsächlich so viel auf den Tisch blättern würden, wenn sie ein konkretes Angebot erhielten, halten wir aber für fraglich.

Das Ergebnis ist in der Gesamtschau deutlich: Die meisten Schmalbandkunden wissen genau, was ihnen an Nutzungsmöglichkeiten entgeht. Die Breitbandkunden wissen, was sie an ihrem Anschluss haben und wollen darauf unter keinen Umständen verzichten. Ginge es nach dem Willen der Betroffenen, wäre die Grundversorgungspflicht für Breitbandanschlüsse vermutlich schon lange Realität.

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