Nier: Automata – hinterm Mond

Nier: Automata - Hinterm Mond

Test & Kaufberatung | Spielekritik

Das PS4-exklusive Action-Rollenspiel Nier: Automata überrascht den Spieler mit einer originellen Geschichte, schweißtreibenden Kämpfen und einer bemerkenswerten Regie.

Die platinblonde Heldin des Science-Fiction-Abenteuers Nier heißt 2B, verbirgt ihre Augen hinter einer schwarzen Binde und kämpft eleganter mit dem Schwert als jeder Final-Fantasy-Recke. Die grazile Dame ist eine Androidin, genau wie ihr Kompagnon 9S, mit dem sie sich auf halsbrecherische Einsätze begibt. Später kommt der Prototyp A2 hinzu, der das erotische Knistern zwischen 2B und 9S stört. Trotz einiger abstruser Story-Elemente und seltsamer Figuren zieht die Geschichte den Spieler in den Bann.

Vor Tausenden von Jahren übernahmen Maschinen die Herrschaft auf der Erde, weshalb die überlebenden Menschen auf den Mond übersiedelten und dort ein neues Leben aufbauten. Behilflich waren ihnen dabei Androiden, die jetzt für die Sache der Menschheit einen Krieg führen gegen die fremden Maschinenwesen. Dazu reisen die Spieler von seiner Basis aus zum entsprechenden irdischen Einsatzort. Bereits der Flug ist als Minispiel inszeniert, eine Art Vertikal-Shooter.

Nier: Automata (5 Bilder)

Einige Gegner sind mächtig groß, ihnen muss der Spieler viel Zeit widmen.

Sehr bald lassen sich die ersten Feinde blicken, und dann heißt es: ballern oder schnetzeln. Meist bewährt sich eine Kombination aus beiden Angriffsarten, wobei man gegnerischen Hieben leicht ausweichen kann. Die Levelbosse sind so gigantisch groß wie die Riesen aus Shadow of the Colossus. Die epischen Bosskämpfe machen insbesondere in den ersten Stunden viel Spaß, denn man trifft immer wieder neue Arten von Maschinenwesen, die neue Angriffsmuster zeigen. Später wiederholen sich die Gegner-Typen, wegen der cleveren Erzählung fällt das aber kaum ins Gewicht.

2B agiert enorm schnell, sie kann sprinten und binnen kurzer Zeit mehrere schnelle Schläge ausführen, während der Begleit-Pod die Feinde unter Beschuss nimmt. Nach einem erfolgreichen Einsatz darf der Spieler seine Heldin aufrüsten, indem er ihr Chips einpflanzt, etwa zur Anzeige der Minimap oder um die Lebensenergieleiste des jeweiligen Gegners zu enthüllen. Auf den beiden unteren Schwierigkeitsstufen ist Nier Automata angenehm zugänglich. Darüber hinaus verhindern Zwischenspeicherpunkte Frustration. Aber Vorsicht: Auf der höchsten Schwierigkeitsstufe erscheint schon nach einem Treffer der Game-over-Screen.

Quelle: Square Enix / Platinum Games

Die Auswahl an Waffen ist groß, aber 2B darf zu jeder Zeit nur zwei Waffen mitführen: eine für schwere, eine für leichte Angriffe. Zudem schwebt ständig der Pod über ihrem Kopf und unterstützt mit unnachgiebigem Geballer das Geschnetzel seiner Chefin. Der Pod lässt sich aufrüsten, was neue taktische Möglichkeiten eröffnet.

Entwickelt wurde Nier: Automata von Platium Games. Die Schöpfer brillanter Actionkracher wie Bayonetta und Mad World haben auch in ihrem jüngsten Titel eine wundervoll weitläufige Spielwelt auf die Beine gestellt. Zwar gibt es nur wenige Details zu bestaunen, dafür aber abwechslungsreiche Kulissen: Urwälder, Stadtruinen, Wüsten und Fabriken durchquert man, wobei die Hauptheldin angenehm flink vorwärts stürmt und kleine Abgründe mit tänzelndem Sprung überwindet. Die Bildwiederholrate bleibt dauerhaft stabil, Abstürze gab es keine während des Tests genausowenig wie nennenswerte Bugs.

Die Soundkulisse ist angemessen pompös, die englischen Stimmen passen gut zu den Figuren, allerdings sind nicht alle Dialoge vertont. Die Figuren sind hübsch gestaltet, insbesondere die Androiden wirken mit ihrer sprechenden Mimik so verletzlich und gefühlvoll wie die Figuren aus Final Fantasy - zumindest solange, bis ihnen die Gliedmaßen abreißen und man die künstliche Struktur des Körpers erkennt.

Ein Durchgang dauert mindestens 40 Stunden, mehrere mögliche Auflösungen der Erzählung steigern den Wiederspielwert enorm. Zudem kann man eine Menge unterhaltsamer Nebenquests erledigen. Die packende Story, die fetzigen Kämpfe und überraschenden Wendungen beschwören Erinnerungen an Bayonetta herauf – und das ist nicht die schlechteste Referenz. (dahe)

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