Nintendo Switch im Test: So gut ist Nintendos neue Spielkonsole

Nintendo Switch im Test: So gut ist Nintendos neue Spielkonsole

Test & Kaufberatung | Test

Mit der Switch wandelt Nintendo auf zwei Pfaden: Man kann die Konsole unterwegs als Tablet nutzen und zuhause in die Dockingstation am TV-Gerät stecken. Im Labor zeigt sich, ob diese Kreuzung erfolgreich ist und welche Kompromisse sie mit sich bringt.

Spätestens seit der Wii mit ihrer Bewegungsteuerung genießt Nintendo den Ruf, kreative Heimkonsolen zu entwickeln. Das Gerät war äußerst erfolgreich und wurde weltweit über 100 Millionen Mal verkauft. Der Nachfolger Wii U konnte nicht daran anschließen: Das Konzept des kabellosen Tablet-Controllers, der jedoch zwingend auf die stationäre Basisstation als Recheneinheit angewiesen ist, wurde nicht so gut angenommen und ging bis dato nur 14 Millionen Mal über die Ladentheke.

Bei der Switch lässt Nintendo die stationäre Basis weg und integriert Grafikkarte, Prozessor und alle weiteren Komponenten zum Berechnen von Spielen ins Tablet. Dieses kann man in drei verschiedenen Szenarien einsetzen: Dank seitlich ansteckbarer Controller zockt man damit mobil. Nackt dient es als mobiler Bildschirm und eingesteckt im Dock landen Spiele direkt auf dem großen Fernsehschirm. Nintendos Versprechen ist ambitioniert: Erfolgreich wird die Hybrid-Konsole nur, wenn der mobile Einsatz keine Kompromisse verlangt und ebenso reibungslos klappt wie der stationäre Betrieb.

Derzeit sind zwar bereits rund 90 Titel für die Hybrid-Konsole angekündigt - die potenziellen Hochkaräter kann man jedoch an zwei Händen abzählen. Dabei handelt es sich meist um von Nintendo entwickelte Titel, wie etwa das zum Launch erhältliche "The Legend of Zelda: Breath of the Wild" und das für Ende dieses Jahres angekündigte "Super Mario Odyssey". Vorhandene Spiele und Zubehör der Wii und Wii U funktionieren nicht mit der Switch.

Bis auf den Mii Maker zum Bauen von Nintendo-Avataren bringt die Switch keine vorinstallierten Anwendungen mit. Auch Videostreaming-Apps wie Netflix sind Nintendo zufolge zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgesehen. In den Einstellungen findet man aber unter "Standby-Modus" den Punkt "Keine Aktivierung bei Medienwiedergabe". Er lässt darauf schließen, dass Nintendo entsprechende Apps zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen könnte. Den von der Wii und Wii U gewohnten Webbrowser sucht man vergebens - auch hier ist noch unklar, ob dieser überhaupt kommt.

Nintendo Switch in der Hand

Im Test verlor der linke Joy-Con regelmäßig die Verbindung zum Tablet. Nintendo kennt das Problem und arbeitet an einer Lösung.
Im Test verlor der linke Joy-Con regelmäßig die Verbindung zum Tablet. Nintendo kennt das Problem und arbeitet an einer Lösung. (Bild: c't)

Das Tablet ist mit den jeweils an der linken und rechten Seite angesteckten Controllern namens Joy-Con dicker, rund 100 Gramm schwerer und etwas breiter als ein quer gehaltenes iPad mini. Es ist aber nicht so hoch wie dieses. Auch wenn die Switch in einem Plastikkleid steckt, fühlt sich die Konsole wertig an und die Controller rasten solide in Metallschienen ein. Die bunten JoyCons sind jedoch sehr klein – für Spieler mit großen Händen womöglich ein Problem.

Mit den Sticks und Knöpfen lassen sich Spiele präzise steuern, wenngleich etwa das Zielen mit dem Bogen im aktuellen Zelda-Titel über das bewegungsempfindliche Tablet leichter fällt. Wer Spiele lieber über ein klassisches Gamepad zocken möchte, muss nochmal das Portemonnaie zücken und 70 Euro für den Pro Controller ausgeben.

Beim Bildschirm handelt es sich um ein 6,2 Zoll kleines LC-Display mit knapp 16 Zentimeter Bilddiagonale und einer Auflösung von 1280 x 720 Pixeln im 16:9- Bildseitenverhältnis. Dank der Pixeldichte von 237 dpi erscheint das Bild aus einem üblichen Betrachtungsabstand von 30 Zentimetern klar und scharf. Es geht aber noch schärfer: Aktuelle 7,9-Zoll-Tablets stellen Bilder mit mehr als 300 ppi dar. In der Switch ist ein IPS-Panel verbaut. Entsprechend blickwinkelstabil fällt die Darstellung aus: Man kann das Tablet ohne sichtbare Verschlechterung der Bildqualität in den Händen horizontal und vertikal kippen.

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Dank des IPS-Panels fällt die Darstellung äußerst blickwinkelstabil aus. (Bild: c't)

Das Display ist berührungsempfindlich und erkennt dank kapazitiver Bauweise gleichzeitige Berührungen mit mehreren Fingern. Das Menü lässt sich dadurch präzise bedienen und Systemeinstellungen sind flink aufgerufen. Bei der Wii U hat das mitunter eine halbe Minute gedauert, nachdem man erst das laufende Spiel beenden musste – bei der Switch läuft es unbemerkt im Hintergrund weiter.

Den Messergebnissen zufolge ist die Leuchtkraft des LC-Displays solide – aktuelle Tablets erstrahlen jedoch rund 20 Prozent heller. Für das mobile Zocken im Park reicht die Helligkeit der Switch nicht aus. Noch problematischer ist der stark reflektierende Bildschirm: Bei Sonnenschein hat man mitunter das Gefühl, in einen Spiegel zu blicken. Im Schnellmenü kann man eine Option zum automatischen Anpassen der Leuchtkraft aktivieren. Dafür misst ein Helligkeitssensor auf der Front die Intensität des Umgebungslichts und passt die Helligkeit des Bildschirms entsprechend an. Damit der Akku so lange wie möglich hält, sollte man die Option aktivieren; auch wenn etwa aktuelle Smartphones die Leuchtkraft noch effektiver anpassen. Nicht wundern: Ist die Funktion aktiv, bleibt der Helligkeitsregler im Switch-Menü trotzdem statisch und passt sich – anders als bei Smartphones üblich – nicht der dynamisch geregelten Leuchtkraft an.

Punkten kann der Bildschirm beim Kontrastverhältnis; hier liegt die Switch auf Augenhöhe mit aktuellen Android- und Apple-Tablets. Die Farbdarstellung wirkt satt, aber nicht übertrieben und somit angenehm natürlich. Messungen konnten wir noch nicht anstellen, da wir keine eigenen Bilder für unsere Messkamera auf die Switch übertragen konnten – Nintendo hat den SD-Kartenslot noch nicht aktiviert. Das sollte mit dem ersten Patch zum Launch der Konsole passieren.

Sound gibt das Tablet über Stereo-Lautsprecher aus. Der Klang ist insgesamt etwas hohl, weshalb der Kopfhörerausgang vorzuziehen ist. Im Dock eingesteckt bekommt man 5.1-Sound im PCM-Format serviert.

Nintendo gibt eine Akkulaufzeit zwischen drei und sechs Stunden an – das hängt vom Performance-Hunger des jeweiligen Spiels ab. Im Test erreichten wir mit dem anspruchsvollen 3D-Titel „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ drei Stunden nur bei der geringsten Bildschirmhelligkeit. Bei mittlerer Helligkeitseinstellung waren es 2:50 Stunden – bei maximaler Leuchtkraft waren nur zweieinhalb Stunden drin. Geht dem Akku die Puste aus, schaltet die Switch automatisch in den Standby-Modus und pausiert ein laufendes Spiel.

Neben dem Original-Netzteil von Nintendo kann man das Tablet auch mit handelsüblichen Ladegeräten über ein USB-C-Kabel laden. Befindet sich die Konsole im Standby-Modus, ist der Akku nach rund drei Stunden vollständig geladen. Unterwegs kann man auf eine Powerbank zurückgreifen. Sind die Joy-Cons angesteckt, lädt die Switch deren Akkus automatisch. Das passiert auch, wenn die Konsole gerade nicht selbst lädt. Mittels einer Powerbank mit 20.000 mAh konnten wir die Switch mit Controllern viermal vollständig aufladen. Ein Wermutstropfen bleibt: Der eingebaute Akku lässt sich nicht ohne Weiteres wechseln.

Nintendos neue Spielekonsole Switch im Videotest
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(Bild: c't)

Zocken auf dem TV klappt wirklich so einfach wie in Nintendos Werbevideos: Wenige Sekunden nach dem Einstecken der Switch in die per HDMI am TV angeschlossene Docking-Station deaktiviert sich der Bildschirm der Konsole und Spiele erscheinen automatisch in Full HD auf dem Fernseher. Zieht man die Konsole wieder raus, erscheint das Bild nahezu verzögerungsfrei wieder auf dem Tablet-Bildschirm. Damit die Switch Grafik in Full HD berechnen kann, taktet der von Nintendo angepasste Nvidia-Tegra-Grafikchip im Dock höher. Für weitere Berechnungen werkelt in der Switch ein Vierkern-Prozessor. Trotz höherer Taktung ruckelt der Launchtitel "The Legend of Zelda: Breath of the Wild" im TV-Modus ab und an. Zockt man auf dem Tablet, läuft das Spiel wiederum flüssig.

Die erhöhte Leistung im Dock bestätigen die Messergebnisse in Form der Abwärme: Die Konsole wird im DockBetrieb auf der Rückseite in einem kleinen Bereich maximal 45 Grad Celsius warm. Im mobilen Einsatz haben wir 39 Grad Celsius gemessen. Den automatisch gesteuerten Lüfter hört man im mobilen Einsatz nur, wenn man ein Ohr direkt an den Lüftungsschlitz hält. Selbst wenn die Konsole in der Dockingstation steckt und höher getaktet wird, fällt in einem stillen Raum aus drei Metern Entfernung nur ein dezentes Säuseln auf.

Eines sollte man nicht vergessen: Auch bei der Switch legt Nintendo das Hauptaugenmerk nicht auf Grafikleistung, sondern Effizienz. So ruft die Switch im Dock mit 15 Watt nur halb so viel Leistung ein wie die Wii U . Zum Vergleich: Die Playstation 4 Pro benötigt beim Spielen 155 Watt. Dementsprechend darf man auf der Hybrid-Konsole keine Grafikwunder erwarten. Nintendo baut mit der Switch also eine vergleichsweise schwache Heimkonsole, aber einen durchaus leistungsstarken Handheld.

Für Besitzer der Wii U ist die Switch in allen Belangen das nächste Level: Der Vorgänger versprüht mit seinem klobigen, schwarz-glänzenden Plastikkleid den Charme eines fast schon billig anmutenden, aber robusten Kinderspielzeugs. Die Switch gibt sich da wesentlich hochwertiger. Auch im technischen Bereich übertrumpft die Switch die Wii U und ist dabei sogar noch effizienter.

Aufgrund der Kreuzung zwischen stationärer und mobiler Konsole konkurriert die Switch jedoch mit gleich zwei Geräteklassen: Wem Grafik wichtig ist, dem bleibt nur der Griff zur PS4 oder Xbox One. Wer sich mit einfachen App-Spielen zufrieden gibt, fährt wahrscheinlich mit einem vielseitiger einsetzbaren Android- oder iOS-Tablet besser. Andererseits: Man kann mit der Switch unterwegs mit echten Knöpfen und Sticks "richtige" Spiele zocken. (des)

Lesen Sie hier den ausführlichen Test des Launchtitels "The Legend of Zelda: Breath of the Wild":

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