Noch eins

HFS-Dateisystem und HFS-Utilities für Linux

Test & Kaufberatung | Kurztest

Daß Linux eine ganze Reihe von Dateisystemen beherrscht, ist eine feine Sache. Neu hinzugekommen ist das Mac-eigene HFS-Dateisystem (Hierarchical File System), das jetzt in der Betaversion 0.95 vorliegt.

Linux stellt über das Virtual File System (VFS) eine einheitliche Schnittstelle für den Transfer von Daten aus verschiedenen Dateisystemen zur Verfügung. Deshalb ist dieses Betriebssystem beispielsweise in der Lage, ohne größere Klimmzüge des Anwenders Dateien oder ganze Verzeichnisbäume aus einer gemounteten Windows-Partition (Dateisystem: vfat) in eine OS/2-Partition (Dateisystem: hpfs) zu verfrachten. Die bekannten Unix-Befehle cp, mv oder rm funktionieren unabhängig davon, auf welches Dateisystem gerade zugegriffen wird.

Das neu hinzugekommene HFS-Dateisystem reiht sich nahtlos in die Liste der bereits verfügbaren Dateisysteme ein, ist aber wegen bislang fehlender Systemtools noch kein offizieller Bestandteil der Kernel-Distribution von Linux. An den Utilities zum Reparieren kaputter HFS-Volumes oder zum Initialisieren von HFS-Partitionen wird derzeit noch emsig gebastelt. Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis HFS die höheren Weihen der offiziellen Einverleibung in die Kernel-Quellen erfährt.

Nach dem Entpacken und Kompilieren des tgz-Pakets hfs_fs-0.95.tar.gz (Bezugsquelle: siehe Kasten) steht das Modul hfs.o zur Verfügung, das der Systemadministrator mit Hilfe von insmod zur Laufzeit lädt. Wer den Kernel mit der Version 2.0.30 verwendet, hat Pech gehabt - erst der Patch diff_2_0_30_0.95.gz und ein wenig Detailarbeit an den Kernel-Makefiles helfen ihm auf die Sprünge. Leider muß dazu der ganze Kernel übersetzt und samt Modulen neu installiert werden. Hierfür empfiehlt es sich, den gesamten Verzeichniszweig für die Quellen (hfs_fs-0.95) gleich dort einzurichten, wo er an sich hingehört: im Verzeichnis /usr/src/linux/fs/hfs nämlich. Ob der neue Kernel mit dem zusätzlichen Dateisystem einverstanden ist, kann nach dem Laden des HFS-Moduls hfs.o mittels `modprobe hfs´ und anschließendem Eingeben von `cat /proc/ filesystems´ leicht nachgeprüft werden. Das neue Modul muß sich dazu natürlich im aktuellen Verzeichnis /lib/modules/(Kernel_Version)/fs befinden.

Wer diese Hürde genommen hat, ist schon mal in der Lage, vorhandene HFS-Volumes zu mounten. Bei unserem Test liefen Floppy-Disks, CD-Roms und EIDE-Platten ohne Ärger und Verdruß - wir gehen davon aus, daß auch SCSI-Platten mit dem Mac-Dateisystem keine Probleme bereiten. Wie aber sieht es mit dem Einrichten und Formatieren von HFS-Volumes aus?

Bis zum fertigen Feinschliff des HFS-Filesystems stehen dem Anwender für diese Zwecke die hfsutils von Robert Leslie zur Verfügung. Dem Programmpaket hat der Entwickler freundlicherweise eine eigene WWW-Seite gewidmet (siehe Kasten). Die Hilfsprogramme funktionieren ähnlich wie die in c't 6/97 auf Seite 248 vorgestellten mtools, mit dem Unterschied, daß den DOS-ähnlichen Befehlen statt dem Buchstaben m ein h vorangestellt wird. Ein zusätzlicher Dateimanager mit X-Oberfläche und eine C-Bibliothek glänzen durch Funktionsumfang und Zugriffsmöglichkeiten auf alle üblichen Hardwaregeräte. Um das X-Tool zu bauen, muß der Anwender allerdings die Skriptsprachen Tcl und Tk auf seiner Linux-Distribution installieren - die aber gibt´s ebenfalls umsonst, und sie sind in den meisten Linux-Distributionen bereits enthalten.

Netatalk besteht aus einem Bündel von Unix-Programmen, welches die Dienste des Appletalk-Protokolls als Freeware-Alternative zum kommerziellen Appletalk-Server bereitstellt. Netzwerkadministratoren bevorzugen die bedeutend schnellere Betaversion 1.4b2 gegenüber der älteren offiziellen Version 1.3.3 (Bezugsquelle: siehe Kasten). Die Installation dieses Paketes bereitet erfahrenen Netzwerkern keine Probleme. Freudig stellten wir fest, daß netatalk die neu hinzugekommenen HFS-Volumes ohne Murren an die MacOS-Clients vermittelte. Damit stehen im Prinzip sämtliche Netzwerkdienste zum Betreiben eines Linux-Rechners als Fileserver für Mac-Clients zur Verfügung. (th)


HFS-Modul und Kernel-Patch: (hfs_fs-0.95.tar.gz, kdiff_2_0_30_0.95.gz) liegen auf http://www-sccm.stanford.edu/Students/hargrove/HFS. Die hfsutils (hfsutils-2.0.tar.gz) sind über http://www.mars.org/home/rob/proj/hfs zu beziehen.
Netatalk: wird in der offiziellen (netatalk-1.3.3.tar.Z) und der Betaversion (netatalk-1.4b2.tar.Z) auf http://www.umich.edu/~rsug/netatalk angeboten.

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