OnePlus 5T: Keine Zoom-Kamera, gutes Display, lange Laufzeit

OnePlus 5T: Keine Zoom-Kamera mehr

Test & Kaufberatung | Test

Der chinesische Hersteller OnePlus aktualisiert sein Spitzen-Smartphone schon nach einem halben Jahr: Das OnePlus 5T kommt wieder zu verlockendem Preis mit viel Speicher im Metallgehäuse. Die Laufzeit leidet kaum unter dem größeren Display, doch die Kamera überzeugt nicht so sehr.

Nur ein halbes Jahr nach dem OnePlus 5 bringt der chinesische Hersteller zum gleichen Preis das 5T auf den Markt. Augenfälligste Änderung ist das Display: Es ist fast anderthalb Zentimeter in der Länge gewachsen und zeigt nun bei gleicher Breite 2160 × 1080 Pixel – weiter mit knalligen OLED-Farben und guter, wenn auch nicht überragender Helligkeit von 480 cd/qm.

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Weil die Außenmaße gleich bleiben, schrumpft der obere und untere Gehäuserand entsprechend. Die Android-Steuerung erfolgt nun über eine virtuelle Tastenleiste unten auf dem Display. Sie lässt sich in den Einstellungen ausschalten und dann per Wischer von unten wieder einblenden – ähnliches ist von Galaxy S8/S8+/Note 8 bekannt. Die elegantere Lösung mit einer direkten Wischgeste hat das iPhone X.

Der Fingerabdruck-Scanner ist auf die Rückseite gewandert. Dort sitzt er mittig mit genügend Abstand zur Kamera, um ihn sicher zu erreichen, ohne die Linse zu verschmieren. Er arbeitet so schnell und präzise wie beim Vorgänger, allerdings muss man das Gerät nun zum Entsperren in der Hand halten. Zusätzlich baut OnePlus eine Gesichtserkennung ein. Die arbeitet in unter einer halben Sekunde, ließ sich nicht von Fotos überlisten und nicht von Brillen oder Mützen verwirren. Liegt das Handy auf dem Tisch, muss man sich aber weit drüber beugen oder es doch in die Hand nehmen.

Die Hauptkamera besteht wieder aus zwei Sensoren, einem mit 16 und einem mit 20 MPixel. Die zweite ist nun aber kein Zoom mehr, sondern hat die gleiche Brennweite und Blendenöffnung wie die erste: f/1,7, 27mm (laut Datenblatt, bzw. 24mm laut EXIF). Sie schaltet sich bei wenig Licht ein; von einer Verrechnung beider Bilder ist nicht die Rede. Zudem wird sie für ein Digitalbokeh benutzt, also Portraitfotos, bei denen der Hintergrund unscharf gerechnet wird. Ein optischer Stabilisator fehlt weiterhin.

Im Test im c't-Labor liefert die Primärkamera die gleichen Ergebnisse wie beim OnePlus 5: Schöne Fotos mit recht stark absaufenden Schatten. Klickt man in der Foto-App auf x2, liefert der Digitalzoom erwartungsgemäß Fotos mit weniger Details als der optische Zoom des Vorgängers, selbst wenn das wohl nur ein x1,6-Zoom war. Mehr wäre möglicherweise drin gewesen, jedenfalls kriegt beispielsweise das ebenfalls mit zwei Sensoren gleicher Brennweite ausgestattete, allerdings teurere Huawei Mate 10 Pro einen besseren Digitalzoom als das 5T hin, weil es die Daten der Sensoren verrechnet.

Das Umschalten auf die zweite Kamera fand im c't-Labor bei etwa 3,5 Lux statt, was wie auch die angegebenen 10 Lux ganz schön dunkle Verhältnisse sind, etwa schummrige Kneipen. Das Bild schien uns aber eher schlechter zu werden, vor allem weil sämtliche Kanten Farbsäume bekamen.

Der Portrait-Modus nimmt schöne Fotos auf und erkennt wie schon der Vorgänger die Ränder des Motivs vergleichsweise gut. Motive mit "Loch", beispielsweise Bäume, gelingen dem Digitalbokeh weiterhin nicht, doch menschliche Motive mit halbwegs unkomplizierten Frisuren dürften im Allgemeinen präzise dargestellt sein.

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Insgesamt bietet das OnePlus 5T somit eine der Preisklasse angemessen gute Kamera mit mäßiger Schattenauflösung, profitiert aber kaum von der zweiten Kamera – der Vorgänger hingegen lieferte selbst mit seinem mittelmäßigen Zoom ein Feature, das sonst erst viel teurere Smartphones haben.

Geblieben sind das schlanke Metallgehäuse, der Kopfhöreranschluss, der ganz gute Mono-Lautsprecher, der praktische Stummschalter und der sauschnelle Snapdragon 835, der seine Höchstleistung jetzt sogar etwas länger hält als zuvor.

Je nach Modell kommen wieder 6 oder 8 GByte Hauptspeicher sowie 64 oder 128 GByte Flash dazu, ein MicroSD-Slot fehlt weiter. Das 5T ist Dual-SIM-fähig und unterstützt alle hierzulande gängigen LTE-Bänder bis auf das von Vodafone neuerdings zusätzlich genutzte Band 32.

Auch der Akku ist unverändert. Aufgrund des größeren Displays führt das zu einer geringfügig kürzeren Laufzeite bei unserem WLAN-Test, 12,5 statt 13,6 Stunden. Der Film unserer Video-Laufzeitmessung läuft hingegen im 16:9-Displayformat, sodass er schwarze Balken links und rechts hat, die dank OLED so gut wie keinen Strom benötigen: Mit 16,2 Stunden läuft das 5T sogar minimal länger als das 5er mit 15,5 Stunden. Die Spiele-Laufzeit ist im Rahmen der Messgenauigkeit gleich (579 statt 574 Minuten), offenbar halten sich die verschiedenen Aspekte hier in Waage. Insgesamt gehört das OnePlus 5T damit weiterhin zu den Langläufern.

Geladen wird per USB-C, und das dank Schnellladetechnik in besonders kurzer Zeit: Das mitgelieferte Netzteil füllt den Akku nach 30 Minuten schon auf 58 Prozent, nach 1,4 Stunden ist er voll. Drahtlosladetechniken fehlen allerdings. Und auch der OTG-Modus funktionierte bei uns nicht: An den USB-Port angeschlossene Sticks oder Festplatten erkannte das OnePlus 5T anders als der Vorgänger nicht.

Keine Frage, OnePlus ist wieder ein schönes Smartphone mit Leistung im Überfluss zu einem guten Preis gelungen. Das Display macht was her, die Laufzeit bleibt lang, und mit einem rückseitigen Fingerabdruckscanner müssen sich auch Fans anderer Geräte arrangieren.

Ohne Tele-Kamera konkurriert das 5T allerdings nicht mehr mit Spitzengeräten wie Note 8 und iPhone 8+ um 1000 Euro, sondern landet eine Klasse drunter beim Huawei Mate 10 Pro, Sony Xperia XZ Premium, HTC U11 & Co. Dort hat es keinen so deutlichen Preisvorteil, sodass es schwerer ins Gewicht fällt, dass das 5T nicht wasserdicht ist und die Kamera keinen optischen Stabilisator hat und sich mit Schatten weiterhin so schwer tut. Aber in einem halben Jahr dürfte ja vielleicht schon das nächste OnePlus kommen. (jow)

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