Online-Reisebuchung: Beihilfe zu grobem Unfug

Online-Reisebuchung

@ctmagazin | Editorial

Eine sorgfältige Kundenverifizierung erscheint vielen Unternehmen zu aufwendig. Also nimmt man lieber in Kauf, dass mit Reisebuchungen auch mal Schindluder getrieben wird.

Du willst verreisen? Kein Problem! Geh einfach ins Internet und buch Dir was. Du möchtest jemand anders auf Reisen schicken? Auch kein Problem, buche für ihn, einfach und schnell im Internet. Du möchtest jemand auf Reisen schicken, ohne dass der das mitbekommt? Und bezahlen soll der das auch noch? Auch kein Problem - buche für ihn, einfach im Internet. Der bekommt dann zwar nicht unbedingt eine schicke Reise, aber immerhin ne Menge Ärger. Ist doch toll, oder?

Reisebuchungen im Internet sind wirklich kinderleicht. Bei den meisten Anbietern reicht eine E-Mail-Adresse und eine halbwegs plausible Anschrift, schon kann man für sich - oder eben auch für Fremde - eine Reise oder einen Flug buchen. Wer da wirklich gerade eine Buchung tätigt, scheint den meisten Unternehmen egal zu sein. Eine echte Verifikation findet in der Regel nicht statt. Allenfalls prüft man, ob die angegebene E-Mail-Adresse funktioniert oder nicht. Dabei wäre es bei Reisen besonders wichtig, den tatsächlich Buchenden klar zu identifizieren. Schließlich gibt es hier - anders als bei Einkäufen im Internet - in der Regel kein Rücktrittsrecht.

Doch eine sorgfältige Kundenverifizierung erscheint vielen Unternehmen zu aufwendig - zu groß das Risiko, dass da jemand im Buchungsverlauf abspringt. Also nimmt man lieber in Kauf, dass mit Reisebuchungen auch mal Schindluder getrieben wird. Als Opfer so einer "Spaßbuchung" hat man auf jeden Fall nichts zu lachen, siehe Seite 56: Da wartet viel Arbeit zur Abwehr der unberechtigten Forderungen beim Reiseunternehmen selbst. Zudem droht oft auch noch der Kontakt zu Inkasso-Firmen, schlimmstenfalls sogar ein (unberechtigter) Eintrag bei diversen Bonitäts-Prüfern.

Als Unternehmen kann man natürlich auf sorgfältige Identitätsprüfung verzichten, doch dann sollte man für den Fall, dass etwas schiefgeht, auch die Eier haben, den Schaden selbst zu tragen. Hier zu versuchen, die anfallenden Kosten und die erforderliche Mehrarbeit für die Stornierung auf Unbeteiligte abzuwälzen, ist faul und gierig. (gs)

Dieser Artikel stammt aus c't 20/2019.