Open Source Meets Business 2007

Wissen | Hintergrund

Die Konferenz OSB 2007 brachte die Sicht von OSS-Machern, Anwendern, Investoren und großen IT-Unternehmen auf Open Source zusammen.

Auf drei Säulen stand der Kongress 2007: Der erste Tag Investment Summit drehte sich erstmals komplett um Frage, die naturgemäß Investoren und Finanzanalysten am intensivsten interessiert, nämlich wie sich mit Open Source Geld verdienen lässt. Sprecher international aktiver Risikokapitalfirmen berichteten von ihren Anlagestrategien und -erfolgen: Alexander Brühl von Atlas Venture, die an Collax und Scali beteiligt sind, und Bernard Dallé von Index Ventures aus London, mit Beteiligungen an – unter anderen – Zend, MySQL, Pentaho und Trolltech einer der aktivsten Investoren in Open Source. TVM hält zwar noch keine Anteile an OS-Unternehmen. Partner Ed Braginsky vertrat jedoch die Überzeugung, dass das Open-Source-Modell den Softwaremarkt, speziell den für Enterprise-Software, in puncto Entwicklung und Verkauf edurchschlagend verändern werde.

Wie die VC-Vorträge traf auch die EU-Studie Floss Impact über volkswirtschaftliche Auswirkungen des Open-Source-Einsatzes auf großes Interesse. Die Quintessenz des Vortrags von Rüdiger Glott von der Uni Maastricht: Europas Wirtschaft profitiert von Open Source.

In einer Postersession präsentierten Startups ihre Ideen.

Auch auf dem Investment Summit: Eine Reihe von Startups präsentierten ihre Ideen in knappen Pitches und im Rahmen einer Postersession; die drei besten Startups wurden am dritten Abend des Kongresses bei einer Feierstunde im Alten Rathaus der Stast Nürnberg ausgezeichnet.

Erstmals errichtet war auch die zweite Kongresssäule, der Technology Summit: 55 Open-Source-Projekte und -Unternehmen in elf parallel laufenden Vortrags-Strängen stellten den Status, die Roadmap und die verfügbare Supportstruktur ihrer jeweiligen Softwareprodukte vor. Zusammen mit den insgesamt 24 Keynotes an allen vier Tagen, die zum großen Teil ebenfallls von hochrangigen Vertretern der wichtigsten Projekte und Firmen weltweit bestritten wurden, war der Summit damit sicher das bisher kompletteste Stelldichein der Zugpferde des noch jungen Open-Source-Marktes weltweit.

An diesem zweiten Tag wurde indes ein strukturelles Problem des Kongresses besonders deutlich: Die Besucher hatten die Qual der Wahl zwischen vielen gleichzeitig laufenden Vorträgen. Das hatte zum einen zur Folge, dass man zwangsläufig mehr verpasste als anhören konnte. Zum anderen saßen einige Referenten vor sehr wenig Publikum. Die Kritik hieran kam ebenso prompt, wie sie nachvollziehbar war.

Am dritten und vierten Kongresstag, auf dem Enterprise Summit, stellten wie bereits 2006 Anwender ihre Erfahrungen mit Open-Source-Produkten im produktiven Einsatz vor. Recht häufig war zu hören, dass es bei Produktentscheidungen nur selten um Open versus Closed Source gehe, sondern häufig schlicht "um das beste System". So drückte sich zum Beispiel Axel Schönfeld aus, der über die Open-Source-Anwendungslandschaft bei CAP, dem Betreiber des Kundenbindungsprogramms Happy Digits, referierte.

Übrigens: Um Produktauswahl im Open-Source-Rahmen ging es auch in einem der am besten besuchten Vorträge: Thomas Wieland, Professer an der FH in Coburg, sprach über Auswahlkriterien für Open-Source-Produkte. Sein dringendster Rat: vor Beginn jedes OS-Projekts einen gewichteten Kriterienkatalog erarbeiten.

Kongresszentrum Nürnberg: hell und großzügig.

"Hochinteressant" fand Olaf Röper von der Thyssen-Krupp-Tochter Uhde aus Dortmund diesen und andere Vorträge auf dem Kongress. Mögliche Spareffekte durch Open Source und die zunehmenden Berichte darüber hatten den CIO des Chemieanlagenbauers nach Nürnberg gelockt. "Ein operatives Thema ist das bei uns im Unternehmen aber noch nicht", so Röper. Ihm sind die Community-basierten Geschäftsmodelle der Open-Source-Anbieter auch noch nicht hinreichend transparent: "Wovon wollen die Anbieter denn ohne Lizenzeinnahmen auf Dauer existieren, wenn das letztlich nur darauf hinausläuft, sich in den preisgetriebenen Dienstleistungsmarkt einreihen zu müssen?" Zudem ist dem Old-School-CIO das "spezifische Vokabular" der Projekt- und Firmenvertreter nicht vertraut.

Atmosphärisches Fremdeln hindert Röper jedoch nicht daran, sich nach dem Kongress intensiver mit Open Source zu befassen. Er sei mit dem Plan aus Nürnberg abgereist, ein Open-Source-Evaluierungsprojekt für den Office-Bereich bei Uhde aufzusetzen, berichtet er ein paar Tage nach der Veranstaltung. Seine skeptische Überlegung: "Wenn ich die Vorzüge der Open Source nutzen will, brauche ich Leute, die mir die Anwendungen nach meinem Gusto entwickeln". Und an dieser Stelle reduziert sich nach Röpers Einschätzung das Ganze auf ein Rechenexempel und damit auf die alte IT-Leiter-Frage, was kostengünstiger sei: make or buy?

Open Source Meets Business ist kein üblicher Community-Treff: Neben kostensensiblen IT-Managern aus Anwenderunternehmen und Open-Source-Projektvertretern, die allein an Technik und den Entwicklungsprozessen in der Community interessiert sind, gaben sich Pioniere einer neuen IT-Branchengeneration ein Stelldichein. Diese verbinden Profit- und Effizienzstreben mit profunder Kenntnis der Community-Prozesse.

Open Source Meets Business: Maßanzug und Sneakers.

Die vielfältigen Sichtweisen der Kongressbesucher auf das Thema Open Source müssen jedoch offenbar nicht zu Kommunikationsblockaden führen: Das Aufeinandertreffen von Maßanzug und Sneakers mache die Besonderheit von Open Source Meets Business aus, konnte man häufig an den Kaffeetischen hören. Allerdings, dieser Wunsch kam häufig auf, sollte es mehr Gelegenheit zur Kommunikation geben. Das sehr enge Programm führte in der Tat dazu, dass nach den einzelnen Vorträgen gelegentlich Zeit für Fragen und Diskussionen. Bei der nächsten Auflage von Open Source Meets Business, so Kongressmanager Eduard Heilmayr, werde das und anderes mit ins Kalkül gezogen. (odi)

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