Open Source für Europa

Wissen | Hintergrund

Das Tossad-Projekt will mit EU-Förderung die Akzeptanz und den Einsatz von freier Software in Europa fördern. Dazu gehören die Dokumentation des aktuellen Stands, Usability-Fragen und der Stellenwert von Open Source in Forschung und Lehre.

Das von der Europäischen Union geförderte Tossad-Projekt hat heute fünf neue Ergebnisberichte publiziert. Die Aufgabe von Tossad ("Towards Open Source Adoption und Dissemination") ist es, die Zusammenarbeit von Gruppen und Institutionen im OSS-Umfeld zu fördern und so die Akzeptanz und den Einsatz von freier Software in Europa voranbringen. Die "Coordination Action" (so die EU-Terminologie für diese Art von Projekten) ist in vier Bereichen aktiv: Dokumentation des Einsatzes von Open Source in europäischen Ländern mit einem Fokus auf der öffentlichen Verwaltung; Entwicklung nationaler Programme zum stärkeren Einsatz freier Software; Verbesserung der Usability; Entwicklung von Lehrplänen zur Vermittlung von Wissen zu und praktischer Erfahrung mit Open Source.

Zu den Partnern gehören akademische Einrichtungen, darunter in Deutschland das Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) der Uni Stuttgart und das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT), einige kleinere IT-Unternehmen sowie andere Gruppen. Die EU fördert Tossad im Rahmen des Forschungsprogramms Information Society Technologies (IST).

Bereits im vergangenen Sommer vorgelegte Publikationen beschäftigen sich unter anderem mit wirtschaftlichen und sozialen Vorteilen von Open Source, entwickeln eine Roadmap, wie die nationalen öffentlichen Verwaltungen diese Vorteile nutzen können, geben eine Anleitung zum Aufbau eines Computer-Labors mit freier Software und präsentieren bestehende Usability-Initiativen inklusive einer Studie zur Benutzbarkeit von OpenOffice, Firefox und der Linux-Desktops.

Am spannendsten unter den neuen Veröffentlichungen dürften die Ergebnisse einer Umfrage zu Hindernissen beim Einsatz von Open Source in der öffentlichen Verwaltung von elf Ländern sein. Dabei kristallisieren sich als wesentliche Barrieren für den OSS-Einsatz bestehende Verträge mit proprietären Software-Anbietern sowie fehlende – vor allem finanzielle – Ressourcen für das Training der Mitarbeiter heraus. Fehlender Support ist hingegen kein Problem mehr: Lediglich die Hälfte der Befragten hat überhaupt einen Support-Vertrag abgeschlossen, dem Rest reicht die eigene Expertise aus – wobei allerdings gelegentlich auch bestehende Verträge mit proprietären Anbietern das Abschließen eines eigentlich gewünschten OSS-Support-Vertrags verhindern.

Politische Einflüsse spielen bei der Entscheidung für oder gegen freie Software bei zwei Drittel der Befragten eine wichtige Rolle. Ebenfalls auffällig: Die persönliche Meinung der Befragten zu Open Source ist deutlich positiver als die allgemeine Einstellung in der Verwaltung. Zwei Drittel der Befragten berichten, (auch) schlechte Erfahrungen mit OSS gemacht zu haben. Als Gründe dafür werden interne Widerstände gegen die Umstellung, Probleme mit den Anbietern, Inkompatibilität mit proprietären Dateiformaten sowie Unzufriedenheit mit dem Linux-Desktop genannt.

Ein Leitfaden zum OSS-Einsatz im öffentlichen Sektor präsentiert neben allgemeine Überlegungen zur Migration auf freie Software konkrete Szenarien unter anderem für das Gesundheitswesen, den Server- und Desktop-Einsatz sowie Schule und Universitäten. Das Pontenzial für die Lehre, das in Open Source steckt, sollen Lehrpläne erschließen, die die Kompetenz in Sachen Open Source verbessern wollen.

Die Studie zur Einbindung von Usability in Open-Source-Projekte beschäftigt sich mit Möglichkeiten, wie Usability-Experten und OSS-Entwickler zusammenkommen können. Ein wichtiger Befund ist, dass in der Welt der freien Software der Gedanke eines benutzerzentrierten Designs in den letzten Jahren zunehmend akzeptiert wird. Eher speziell ist der Usability-Bericht Teil B, der sich auf Usability-Anforderungen an Open Source auf Mobilgeräte beschäftigt. (odi)

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