Open Source spart Geld in der Stadtverwaltung

Wissen | Reportage

In der Stadtverwaltung Treuchtlingen hatte sich eine heterogene Software- und Desktop-Landschaft entwickelt. Die Antwort darauf war der konsequente Einsatz von Linux-fähigen Thin Clients in Kombination mit Open-Source-Software.

Anwenderbericht, präsentiert auf der Konferenz "Open Source Meets Business", Nürnberg, 25.-27.1.2006

Die zwischen Nürnberg und Augsburg liegende Stadt Treuchtlingen hat 13.000 Einwohner. Die Stadtverwaltung verteilt sich auf die Standorte Rathaus, Stadtwerke, Krankenhaus, Bauhof und Thermalbad. Dort arbeiten etwa 400 Personen. Die Stadtverwaltung mit typischen Aufgaben in Bereichen wie Einwohnermelde- oder Finanzwesen ist eigenständig.

Die IT-Abteilung mit zwei Mitarbeitern übernimmt alle Aufgaben von der Hardware- und Softwareinstallation bis zur Wartung der Geräte. Hierzu gehören neben Standarddiensten wie Groupware-, Datei- und Datenbankserver auch die Bereitstellung von Fachanwendungen für das Verwaltungswesen. Verträge bestehen mit Dienstleistern und Herstellern zur Ausfallsicherung von Hard- und Software mit garantierten Reaktionszeiten im Servicefall (Reaktionsverträge).

Wichtige strategische Ziele sind:

  • zentrale Verwaltung aller Geräte und Software
  • wartungslose, bei Bedarf unterschiedliche Thin-Client-Hardware
  • Erreichbarkeit des eigenen Desktops von jedem Arbeitsplatz
  • Unabhängigkeit von Lieferanten
  • Einsatz von Open Source zur Einsparung von Lizenzkosten

Mit dem Umstieg auf Open-Source-Lösungen wurde 2001 im Rathaus begonnen. Ausgangsbasis war eine IT-Landschaft mit Windows-NT4-Desktops. Alle Anwendungen liefen lokal auf diesen Rechnern. Zum Dateienaustausch standen Novell-Dateiserver zur Verfügung. Linux wurde nur auf Servern für Kommunikationsdienste wie E-Mail verwendet.

Zur zentralen Verwaltung der Desktops benutzte Treuchtlingen das Novell-Produkt Zenworks. Es ermöglicht Softwareinstallation über System-Images. Von 25 im Jahre 1999 mit identischen System-Images gestarteten NT4-Desktops waren 2001 nur noch drei zentral wartbar. Auf den anderen lief inzwischen entweder zu Zenworks inkompatible Software, wie zum Beispiel Office 2000, oder es war wegen Austausch von defekter Hardware zu Veränderungen gekommen, die zusätzlichen Aufwand bei der Wartung über das Novell-Tool bedeutet hätten. Hinzu kamen Konflikte durch unterschiedliche DLL-Versionen, die die verwendete Software anforderte. Oftmals mussten Nutzer für den Wechsel zu einer anderen Anwendung ihren Rechner mit einer anderen Windows-Variante booten.

Zur Beseitigung dieser Probleme beschloss man eine radikale Abkehr vom Client-lastigen Konzept: Nicht nur Datenspeicherung und Kommunikationsdienste, sondern auch Anwendungen sollten serverseitig betrieben und damit die Verfügbarkeit einer Anwendung unabhängiger vom Client werden.

Vier Client-Arten wurden in die nähere Auswahl genommen:

  • NT4/Win 3.11
  • Windows-CE-Clients
  • alte PCs als X-Terminal unter Linux
  • Sun Ray Thin Clients

Die ersten beiden genügten den Anforderungen nicht. Zum einen waren einige Fachanwendungen durch die Beschränkung auf acht Bit Farbtiefe nicht mehr bedienbar, zum anderen wollte man sich in Sachen Multimedia Zukunftsoptionen hinsichtlich der Anforderungen neuer Software an die Hardware offen halten. Die vorhandenen Desktop-Rechner (AMD K6, 128 MByte, ein GByte Festplatte) hätten als Linux-basierte X-Terminals ihren Zweck erfüllt, wurden aber am Ende wegen ihres technischen Zustands verworfen. Da somit der Kauf von neuer Hardware feststand, fiel die Entscheidung auf den Einsatz von Sun Ray Thin Clients und Windows-Terminalserver für die Windows-abhängigen Fachanwendungen.

Für die Sun Ray Thin Clients sprach ihre Multimedia-Fähigkeit und die Sicherheit vor Manipulationen. Zudem erzeugen sie keinen Lärm am Arbeitsplatz und unterstützen Linux. Grundsätzlich sieht Treuchtlingen aber im Einsatz von Linux-PCs als Clients eine vollwertige Alternative zum Einsatz von Thin Cients.

Der Terminal-Client wurde in den Desktop KDE integriert. Die neue Benutzerumgebung wurde zunächst in kleinen Gruppen getestet. Dort diskutierte Probleme oder Neuerungen wie die Verwendung der mittleren Maustaste waren Grundlage für die gleichzeitig entwickelte Nutzer-Dokumentation. Alte Anwendungen erhielten die gleichen Icons wie früher unter Windows.

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