OpenLogic: Dienstleistungen für Open-Source-Anwender

Wissen | Reportage

Der Open-Source-Dienstleister OpenLogic bietet seinen Kunden eine Palette an zertifizierter freier Software, die sich zu individuellen Lösungen kombinieren lassen. Für den Support möchte man auf das Wissen der Entwicklergemeinde zurückgreifen.

Das amerikanische Unternehmen OpenLogic verdient sein Geld mit Open-Source-Lösungen für den Unternehmenseinsatz. Dazu hat es OpenLogic Enterprise entwickelt, eine Plattform, mit der Kunden ihre Open-Source-Umgebung nach eigenen Wünschen aus vorgefertigten Stacks und anderen Projekten zusammenstellen können. OpenLogic will ihnen damit das unter Umständen problematische und langwierige Suchen nach geeigneter freier Software ersparen. Der Dienstleister hilft beim aufeinander Abstimmen der einzelnen Projekte komplexer Lösungen und steht dem Kunden in diesem Alles-aus-einer-Hand-Konzept als Ansprechpartner für die Gesamtheit der Komponenten zur Verfügung. Damit adressiert OpenLogic ein Problem, mit dem sich viele Firmen konfrontiert sehen, die Open Source einsetzen möchten, und für das verschiedene Unternehmen unterschiedliche Lösungen anbieten: Wer garantiert bei OSS-Lösungen, dass die ausgewählten Anwendungen reibungslos miteinander zusammenarbeiten?

Das Kernstück der Plattform bildet die Open Source Library, eine Sammlung aus 150 Open-Source-Projekten für Linux und Windows, die der Dienstleister alle für den Unternehmenseinsatz zertifiziert hat. Aus diesen Komponenten können sich OpenLogic-Kunden individuelle Lösungen für ihren jeweiligen Anwendungsfall zusammenstellen. Über Plug-ins lässt sich auch proprietäre und kommerzielle Software in das Framework einbinden. Die integrierte Expert Knowledgebase bietet gebündeltes Wissen zu den einzelnen Projekten.

Mit der OpenLogic Expert Community geht das Unternehmen nun einen Schritt weiter. Das Programm will Entwickler beliebter Open-Source-Projekte für die Lösung komplexer Probleme heranziehen. Für den Kunden bleibt dabei immer das Supportteam von OpenLogic der Ansprechpartner. Wenn es ein Problem nicht selbst beheben kann, will es sich an Experten aus der Community wenden. Die sollen sich dann in Zusammenarbeit mit OpenLogic um eine Lösung bemühen.

Nach Aussage von OpenLogic sind bereits Top-Entwickler von mehr als 50 führenden Open-Source-Projekten in der Expert Community mit an Bord, die namhaftesten darunter wohl der Webserver Apache, der Servlet-Container Tomcat, das J2EE Application Framework Spring, das Framework für Web-Anwendungen Struts und die objektorientierte Persistenz-Bibliothek Hibernate. Als Voraussetzung für eine Mitgliedschaft nennt OpenLogic den committer-Status (ein Entwickler darf den Source-Code für ein Projekt aktualisieren) oder die Empfehlung durch einen Committer für ein bereits von OpenLogic unterstütztes und zertifiziertes Projekt.

Das Prinzip klingt vernünftig. Wer kennt eine Software besser als derjenige, der sie entwickelt hat? Ebenso löblich ist das Bestreben, Community-Entwickler für ihren Einsatz in Kundenprojekten finanziell zu entlohnen. Außerdem plant OpenLogic, für jedes Problem, das von der Entwicklergemeinde gelöst wird, einen bestimmten Betrag in einen Fonds zur Unterstützung von Open-Source zu zahlen.

Ob das Konzept aufgeht, muss sich allerdings erst zeigen. Kunden erwarten von einem Dienstleister qualifizierten Support auf Basis von Service- Level-Agreements. Open-Source-Communities bergen zwar einen Schatz an Wissen und Erfahrung, sie für professionelle, zeitkritische Unterstützung zu mobilisieren, dürfte eine Herausforderung sein.

Als eher ungeschickt könnte sich OpenLogics Versuch herausstellen, potentielle Teilnehmer aus der Community anzulocken, indem das Unternehmen ihnen nach erfolgreicher Lösung eines ersten Problems eine Xbox 360 in Aussicht stellt. Für die Vergütung sieht der Dienstleister ein Rewards Program vor, in dem Mitglieder Punkte sammeln, die sich in Geld oder Preise umsetzen lassen. Unwillkürlich drängt sich hier die Frage nach der Angemessenheit der Entlohnung auf.

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