Writer, Calc, Fazit

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Seite 2: Writer, Calc, Fazit

Sehr stilvoll, technisch aber unglücklich umgesetzt, ist eine Neuerung in der Textverarbeitung: Markierte Textstellen hebt Writer jetzt mit transparenter Farbe hervor.

Was in der Standardeinstellung dem menschlichen Auge zweifellos entgegenkommt, ist leider nicht zu Ende gedacht: Die Entwickler versäumten es nämlich, eine Möglichkeit einzubauen, die Markierungsfarbe oder die Transparenzstärke anzupassen. Denn was die Arbeit mit dunkler Schrift auf hellem Hintergrund erleichtert, wird bei Arbeiten mit heller Schrift auf hellem Hintergrund zur Qual, da hier der markierte Text nun sehr schwer zu erkennen ist.

Anwender mit eingeschränkter Sehfähigkeit, die auf eine sehr kontrastreiche Bildschirm-Darstellung angewiesen sind, müssen bei der Markierungsweise einiges beachten. OpenOffice schaltet bei kontrastarmer Bildschirm-Darstellung die Markierungsfarbe mit einem fixen Wert transparent. Bei kontrastreicher Bildschirm-Darstellung lässt sich OpenOffice hingegen so konfigurieren, dass die Markierung entweder sehr hell oder sehr dunkel ist. Anwender müssen dazu im Optionen-Dialog unter "OpenOffice/Zugänglichkeit" die Auswahl "Optionen für die Kontrastdarstellung" konfigurieren.

Auf Notizen anderer Anwenders kann man in der neuen OpenOffice-Version direkt antworten. Dabei werden Antworten unter die Notiz gehängt, sodass auch bei längeren Debatten ein übersichtlicher Diskussionsverlauf gewahrt bleibt. Um auf eine Notiz zu antworten, reicht ein Rechtsklick auf die Notiz.

Großes Lob muss man den Entwicklern der Tabellenkalkulation zollen: Calc verarbeitet große Datenmengen jetzt deutlich schneller.

Der erste Performance-Test testet dabei die Verarbeitungsgeschwindigkeit häufig eingesetzter Funktionen: Addition, Summenbildung, WENN und SVERWEIS. Diesen Test absolviert Calc in der neuen Version in einem zwanzigstel der Zeit, die die Vorversion braucht.

Der zweite Performance-Test sortiert mithilfe einer LOOP-Funktion und Vergleichsfunktionen (MEDIAN, QUANTIL, QUARTIL, GROSS und KLEIN) die Werte einer kompletten Spalte – Calc reduziert hier die Rechenzeit von vormals einer Stunde auf zwölf Minuten.

Die Tabellenkalkulation erhielt auch zahlreiche kleinere, aber sehr hilfreiche Verbesserungen. Tabellenblätter lassen sich jetzt per Doppelklick umbenennen; die Calc-Statusleiste enthält jetzt einen Zoom-Regler. Ebenfalls neu: Werden Formeln direkt in der Rechenleiste bearbeitet, erscheint dort ein Hinweisfenster mit der Umschreibung der Formelstruktur.

Überarbeitet wurde auch die Sortierfunktion: Startet man die Sortierfunktion über den Menübefehl "Daten/Sortieren", sortiert Calc die Daten aller markierten Spalten sofort anhand der Daten der zuletzt markierten Spalte.

Auch vier neue Funktionen spendierten die Calc-Entwickler: EUROCONVERT rechnet die alten europäischen Währungen in Euro um; GAMMA, CHISQVERT und CHISQINV sind neue statistische Funktionen. Die Funktion BETAVERT wurde um den Parameter "kumulativ" erweitert; Änderungen gab es auch den den Funktionen GAMMAVERT, CHIVERT und CHIINV.

Die Calc-eigene Diagrammfunktion "Chart" glänzt ebenfalls mit zahlreichen Neuerungen. Fehlen Werte im Datenbereich, können Anwender jetzt entscheiden, wie Chart die fehlenden Werte behandeln soll. Dabei können Sie wählen, ob die Linie über den fehlenden Wert fortgesetzt wird, eine Lücke gelassen oder statt des fehlenden Werts der Wert null verwendet wird. Dazu muss man das Diagramm per Doppelklick öffnen, mit der rechten Maustaste auf die gewünschte Datenreihenlinie klicken und über den Kontextmenübefehl "Objekteigenschaften" das Dialogfenster "Datenreihe" öffnen, über dessen Registerkarte "Optionen" die Verarbeitung fehlender Werte vorgegeben werden kann.

Auf Wunsch zahlreicher Bildungseinrichtungen lassen sich Diagrammachsen besser anordnen: Anwender können jetzt vorgeben, an welcher Stelle sich die Achsen schneiden sollen. Das verbrssert die Positionierung von Diagrammen in Koordinatensystemen.

Auch Base-Datenbanken können jetzt OpenOffice-Makros speichern; sie stehen später in allen Base-Komponenten zur Verfügung, egal ob Formulare, Berichte, Tabellen oder Abfragen. OpenOffice empfiehlt allen Base-Entwicklern, den [ http://wiki.services.openoffice.org/wiki/Base/New_features_in_3_1 Wiki-Eintrag] zur der Makro-Implementierung zu lesen.

Das Syntax-Highlighting im OpenOffice-eigenen SQL-Editor lässt sich jetzt im Optionen-Dialog unter "OpenOffice.org/Darstellung" beliebig anpassen.

Viel hat sich hinter den OpenOffice-Kulissen getan und technisch ist das meiste auch sehr gelungen. Gerade die überarbeitete Kantenglättung und der Calc-Geschwindigkeitsgewinn fallen positiv auf und könnten alleine schon Grund für ein Update sein. Dank der neuen Chart-Funktionen und der auch dort eingesetzten Kantenglättung ist die OpenOffice-Diagrammfunktion merklich verbessert. Entwickler werden mit Sicherheit von den frei definierbaren Dokumenteneigenschaften-Feldern und den Base-Neuerungen profitieren – für Endanwender dürften diese Neuerungen weniger ins Gewicht fallen.

Die neue Writer-Textmarkierung und das Verbesserungsprogramm gefallen weniger. Scheint die Textmarkierung auf den ersten Blick noch sehr gelungen, ist es schade, dass der Anwender Markierungsfarbe und Transparenzgrad nicht direkt in OpenOffice.org konfigurieren kann.

Die Informationen zur Datenübermittlung sind über das Feld links unten verfügbar.

Das neue OpenOffice-Verbesserungsprogramm ist zwar technisch durchaus gelungen umgesetzt, aber hier fehlt es noch an Feinarbeit. So erfahren Anwender lediglich, dass ihre Daten "zu einem OpenOffice.org-Server" übertragen werden – wo dieser steht und wer genau auf diese Daten Zugriff hat, ist nicht transparent. Die Info-Schaltfläche links unten, die zum – derzeit nur in Englisch verfügbaren – Wiki-Eintrag führt, ist sehr dezent ausgefallen. Das hätte man das besser lösen können: Der Anwender sollte dort, wo er seine Entscheidung zur Teilnahme am Verbesserungsprogramm trifft, ausführliche Erläuterungen oder zumindest einen deutlich erkennbaren Link zu einem Wiki-Eintrag in seiner Muttersprache finden. (odi)

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