OpenOffice 3.1: Die neuen Funktionen

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OpenOffice 3.1 bietet eine Reihe von Neuerungen. Dazu gehören deutlich sichtbare wie die verbesserte Diagrammfunktion, aber auch weniger auffällige wie frei definierbare Eigenschaftfelder für Dokumente.

Die OpenOffice-Entwickler investierten mit einer halben Million neuer Code-Zeilen viel Zeit und Arbeit in eine verbesserte Kantenglättung. Pixlige Zeichnungen, Diagramme und Schriftzeichen gehören nun der Vergangenheit an. Die Entwickler haben dabei sehr sauber gearbeitet: Gegenüber den Vorgängerversionen sind die Kanten merklich geglättet.

Anwender müssen aber berücksichtigen, dass die Kantenglättung technisch nur bei Vektorgrafiken funktioniert. Eingefügte oder erstellte Rastergrafiken leiden nach Größenänderungen weiterhin an den typischen Qualitätseinbußen. Da aber alle in OpenOffice gezeichneten Objekte, Diagramme und Zeichensätze standardmäßig als Vektoren behandelt werden, fällt das nur bei Bitmap-Grafiken ins Gewicht. Die Kantenglättung lässt sich im Dialogfensters "Optionen" unter "OpenOffice.org/Ansicht" in der Auswahl "Grafikausgabe/Antialiasing benutzen" ein- und ausschalten.

Eine bislang kaum beachtete Neuerung hat viel Potenzial: Ab Version 3.1 kann man OpenOffice-Dokumenten auch mehr als vier Dokumenteneigenschaften-Felder zuordnen, wobei deren Feldname und -wert frei wählbar ist. Für selbst definierte Felder stehen vier verschiedene Typen zur Auswahl: Text-, Zahl-, Datums- und Wahrheitsfelder. Hilfreich ist das, wenn OpenOffice eng mit anderen Anwendungen zusammenarbeiten soll. So lässt sich OpenOffice beispielsweise besser auf die Indizierung von Dokumentenverwaltungen oder lokale Suchsysteme zuschneiden.

Im Release Candidate gibt es hier aber noch kleinere Fehler. Leere Text- und Wahrheitsfelder werden als leere Felder gespeichert, leere Zahl- und Datumsfelder hingegen löscht das Programm stillschweigend. Nicht leere Felder hingegen werden bei allen Feldtypen reibungslos gespeichert. Problematisch kann das bei der Erstellung von Vorlagen sein, in denen sich naturgemäß auch leere Felder befinden können. Eigene Dokumentenfelder kann man über das Menü "Datei/Eigenschaften" und die Registerkarte "Benutzerdefinierte Eigenschaften" hinzugefügen.

Das neue OpenOffice-Verbesserungsprogramm sammelt automatisiert Anwenderdaten, um die zukünftige OpenOffice-Entwicklung anhand dieser Daten auszurichten. Dabei werden alle vom Anwender getätigten Menüschritte und Schaltflächenklicks mit einem Zeitstempel gespeichert, ebenso Informationen über Schriftgröße und Zeichensatz der Menüs und Dialogfenster. Dokumenteninhalte, Passwörter und Speicherpfade sind von der Speicherung ausgenommen.

Die im persönlichen OpenOffice-Verzeichnis unter temp/Feedback lokal abgelegten Daten gehen via Internet an einen OpenOffice-Server, wo die IP-Adressen der Absender gelöscht werden. Misstrauische Anwender können das Verbesserungsprogramm jederzeit über das Dialogfenster ""Optionen" unter "OpenOffice/Verbesserungsprogramm" deaktivieren. Weitere Informationen zum OpenOffice Verbesserungsprogramm finden Interessierte im Internet.

Über das Dialogfenster "Optionen" kann man die Teilnahme am OpenOffice-Verbesserungsprogramm deaktivieren.

OpenOffice sperrt auch schon in älteren Versionen den Zugriff auf Dokumente, die übers Netz bereits geöffnet sind. Das soll ein versehentliches Überschreiben der letzten Arbeitsschritte des Anwenders, der das Dokument zuerst geöffnet hat, verhindern. Möchte ein Anwender ein solches gesperrtes Dokument öffnen, so erhält er einen Hinweis, dass der Zugriff darauf nicht möglich ist, er aber mit einer Dokumentenkopie arbeiten könne.

Die Funktion der Dateisperrung wurde in der aktuellen Version technisch überarbeitet, sodass sie jetzt auch in heterogenen Netzwerken sicher funktioniert.

Die OpenOffice-Entwickler haben die Zeichenformatierungen verbessert und erweitert. Neu ist die Möglichkeit, Zeichen und Ziffern zu "überstreichen". Dabei bietet die Überstreichung dieselben Möglichkeiten wie die Unterstreichung: einfach, doppelt, fett, punktiert oder wellig. Im Dialog zur Zeichenformatierung findet sich die Überstreichung auf der Registerkarte "Schrifteffekte".

Sehr stilvoll, technisch aber unglücklich umgesetzt, ist eine Neuerung in der Textverarbeitung: Markierte Textstellen hebt Writer jetzt mit transparenter Farbe hervor.

Was in der Standardeinstellung dem menschlichen Auge zweifellos entgegenkommt, ist leider nicht zu Ende gedacht: Die Entwickler versäumten es nämlich, eine Möglichkeit einzubauen, die Markierungsfarbe oder die Transparenzstärke anzupassen. Denn was die Arbeit mit dunkler Schrift auf hellem Hintergrund erleichtert, wird bei Arbeiten mit heller Schrift auf hellem Hintergrund zur Qual, da hier der markierte Text nun sehr schwer zu erkennen ist.

Anwender mit eingeschränkter Sehfähigkeit, die auf eine sehr kontrastreiche Bildschirm-Darstellung angewiesen sind, müssen bei der Markierungsweise einiges beachten. OpenOffice schaltet bei kontrastarmer Bildschirm-Darstellung die Markierungsfarbe mit einem fixen Wert transparent. Bei kontrastreicher Bildschirm-Darstellung lässt sich OpenOffice hingegen so konfigurieren, dass die Markierung entweder sehr hell oder sehr dunkel ist. Anwender müssen dazu im Optionen-Dialog unter "OpenOffice/Zugänglichkeit" die Auswahl "Optionen für die Kontrastdarstellung" konfigurieren.

Auf Notizen anderer Anwenders kann man in der neuen OpenOffice-Version direkt antworten. Dabei werden Antworten unter die Notiz gehängt, sodass auch bei längeren Debatten ein übersichtlicher Diskussionsverlauf gewahrt bleibt. Um auf eine Notiz zu antworten, reicht ein Rechtsklick auf die Notiz.

Großes Lob muss man den Entwicklern der Tabellenkalkulation zollen: Calc verarbeitet große Datenmengen jetzt deutlich schneller.

Der erste Performance-Test testet dabei die Verarbeitungsgeschwindigkeit häufig eingesetzter Funktionen: Addition, Summenbildung, WENN und SVERWEIS. Diesen Test absolviert Calc in der neuen Version in einem zwanzigstel der Zeit, die die Vorversion braucht.

Der zweite Performance-Test sortiert mithilfe einer LOOP-Funktion und Vergleichsfunktionen (MEDIAN, QUANTIL, QUARTIL, GROSS und KLEIN) die Werte einer kompletten Spalte – Calc reduziert hier die Rechenzeit von vormals einer Stunde auf zwölf Minuten.

Die Tabellenkalkulation erhielt auch zahlreiche kleinere, aber sehr hilfreiche Verbesserungen. Tabellenblätter lassen sich jetzt per Doppelklick umbenennen; die Calc-Statusleiste enthält jetzt einen Zoom-Regler. Ebenfalls neu: Werden Formeln direkt in der Rechenleiste bearbeitet, erscheint dort ein Hinweisfenster mit der Umschreibung der Formelstruktur.

Überarbeitet wurde auch die Sortierfunktion: Startet man die Sortierfunktion über den Menübefehl "Daten/Sortieren", sortiert Calc die Daten aller markierten Spalten sofort anhand der Daten der zuletzt markierten Spalte.

Auch vier neue Funktionen spendierten die Calc-Entwickler: EUROCONVERT rechnet die alten europäischen Währungen in Euro um; GAMMA, CHISQVERT und CHISQINV sind neue statistische Funktionen. Die Funktion BETAVERT wurde um den Parameter "kumulativ" erweitert; Änderungen gab es auch den den Funktionen GAMMAVERT, CHIVERT und CHIINV.

Die Calc-eigene Diagrammfunktion "Chart" glänzt ebenfalls mit zahlreichen Neuerungen. Fehlen Werte im Datenbereich, können Anwender jetzt entscheiden, wie Chart die fehlenden Werte behandeln soll. Dabei können Sie wählen, ob die Linie über den fehlenden Wert fortgesetzt wird, eine Lücke gelassen oder statt des fehlenden Werts der Wert null verwendet wird. Dazu muss man das Diagramm per Doppelklick öffnen, mit der rechten Maustaste auf die gewünschte Datenreihenlinie klicken und über den Kontextmenübefehl "Objekteigenschaften" das Dialogfenster "Datenreihe" öffnen, über dessen Registerkarte "Optionen" die Verarbeitung fehlender Werte vorgegeben werden kann.

Auf Wunsch zahlreicher Bildungseinrichtungen lassen sich Diagrammachsen besser anordnen: Anwender können jetzt vorgeben, an welcher Stelle sich die Achsen schneiden sollen. Das verbrssert die Positionierung von Diagrammen in Koordinatensystemen.

Auch Base-Datenbanken können jetzt OpenOffice-Makros speichern; sie stehen später in allen Base-Komponenten zur Verfügung, egal ob Formulare, Berichte, Tabellen oder Abfragen. OpenOffice empfiehlt allen Base-Entwicklern, den [ http://wiki.services.openoffice.org/wiki/Base/New_features_in_3_1 Wiki-Eintrag] zur der Makro-Implementierung zu lesen.

Das Syntax-Highlighting im OpenOffice-eigenen SQL-Editor lässt sich jetzt im Optionen-Dialog unter "OpenOffice.org/Darstellung" beliebig anpassen.

Viel hat sich hinter den OpenOffice-Kulissen getan und technisch ist das meiste auch sehr gelungen. Gerade die überarbeitete Kantenglättung und der Calc-Geschwindigkeitsgewinn fallen positiv auf und könnten alleine schon Grund für ein Update sein. Dank der neuen Chart-Funktionen und der auch dort eingesetzten Kantenglättung ist die OpenOffice-Diagrammfunktion merklich verbessert. Entwickler werden mit Sicherheit von den frei definierbaren Dokumenteneigenschaften-Feldern und den Base-Neuerungen profitieren – für Endanwender dürften diese Neuerungen weniger ins Gewicht fallen.

Die neue Writer-Textmarkierung und das Verbesserungsprogramm gefallen weniger. Scheint die Textmarkierung auf den ersten Blick noch sehr gelungen, ist es schade, dass der Anwender Markierungsfarbe und Transparenzgrad nicht direkt in OpenOffice.org konfigurieren kann.

Die Informationen zur Datenübermittlung sind über das Feld links unten verfügbar.

Das neue OpenOffice-Verbesserungsprogramm ist zwar technisch durchaus gelungen umgesetzt, aber hier fehlt es noch an Feinarbeit. So erfahren Anwender lediglich, dass ihre Daten "zu einem OpenOffice.org-Server" übertragen werden – wo dieser steht und wer genau auf diese Daten Zugriff hat, ist nicht transparent. Die Info-Schaltfläche links unten, die zum – derzeit nur in Englisch verfügbaren – Wiki-Eintrag führt, ist sehr dezent ausgefallen. Das hätte man das besser lösen können: Der Anwender sollte dort, wo er seine Entscheidung zur Teilnahme am Verbesserungsprogramm trifft, ausführliche Erläuterungen oder zumindest einen deutlich erkennbaren Link zu einem Wiki-Eintrag in seiner Muttersprache finden. (odi)

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