OpenSuse 10.2

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Seite 2: OpenSuse 10.2

Der Gnome-Desktop mit speziellem Startmenü

Gnome wird in der Version 2.16 installiert, sieht für eingefleischte Gnome-Fans allerdings etwas ungewohnt aus. Zum einen verwendet OpenSuse lediglich ein Panel am unteren Bildschirmrand. Zum anderen hat man das Standard-Startmenü durch das von Novell entwickelte gnome-main-menu ersetzt, das wesentlich mehr Funktionen, aber auch eine ganz andere Optik und Bedienlogik mitbringt als das klassische Gnome-Startmenü. Auch unter KDE 3.5.5 kommt ein eigener Suse-Stil für das Hauptmenü zum Einsatz. Ansonsten bieten beide Desktops ein ähnliches Bild wie in der Vorversion, sieht man davon ab, dass die Desktop-Suchmaschine Beagle standardmäßig läuft.

Da OpenSuse 10.2 die proprietären Grafiktreiber von Nvidia und ATI nicht enthält, muss der Anwender diese Treiber zunächst nachinstallieren, wenn er in den Genuss beschleunigter 3D-Grafik kommen möchte – egal, ob für die hippen 3D-Effekte auf dem Desktop, für Spiele oder "bloß" für die OpenGL-Bildschirmschoner. Der empfohlene Weg für Nvidia-Karten geht über das Hinzufügen von download.nvidia.com im Yast-Tool "Installationsquelle wechseln"; das korrekte Verzeichnis ist /opensuse/10.2. Nun kann man in Yast oder via zypper die beiden Pakete x11-video-nvidia und je nach installierter Kernelversion (herauszufinden mit uname -r) nvidia-gfx-kmp-default oder nvidia-gfx-kmp-bigsmp installieren.

Allerdings lässt sich so lediglich die aktuelle Treiberversion 1.0-9631 einspielen, die auf älteren Nvidia-Karten nicht oder nur eingeschränkt funktioniert. So ließ sich die (nicht mehr ganz taufrische) Geforce-3-Karte unseres Testsystems damit nur in einer Auflösung von 800x600 Pixeln betreiben. Nach Installation der Treiberversion 1.0-7184 von www.nvidia.com/object/unix.html funktionierte die 3D-Beschleunigung korrekt – dazu muss das allerdings das Softwareschema Linux-Kernel-Entwicklung installiert sein.

Die 3D-Effekte für den Desktop sind auf Benutzbarkeit vorkonfiguriert.

Der Compositing Manager Compiz und die von Novell entwickelte X11-Erweiterung Xgl – Voraussetzungen für 3D-Effekte auf dem Desktop – werden standardmäßig installiert, sodass sich die transparenten Fenster mit Schattenwurf, der Würfel zum Umschalten zwischen den virtuellen Desktops und diverse andere Funktionen, wie sie Mac OS X vorgemacht hat, problemlos aktivieren lassen. Im Gnome-Kontrollzentrum steht dazu ein eigenes Tool (gnome-xgl-xettings) zur Verfügung. Das bietet zwar nur begrenzte Einstellmöglichkeiten, liefert aber eine angenehme und benutzbare Vorkonfiguration der Effekte mit ansprechender Optik und ohne nervende Gimmicks.

OpenSuse 10.2 präsentiert sich als solides Update, in der die vielen Neuerungen der Vorversion gereift sind. Die Softwareverwaltung arbeitet mit den neuen Tools ohne Zenworks deutlich flotter und ähnlich flexibel wie bei der Konkurrenz, die 3D-Effekte für den Desktop sind besser integriert. Schon allein die aktualisierte Software und die polierten Desktops dürften für viele OpenSuse-Fans ein Grund sein, auf die neue Version umzusteigen. (odi)