Software und Systemverwaltung

Test & Kaufberatung | Test

Seite 2: Software und Systemverwaltung

Nach dem ersten Start meldet sich die Software-Aktualisierung und bietet an, zusätzlich einige proprietäre Pakete wie den Flash-Player und Farbprofile von Adobe zu installieren. Das Standardsystem bringt Anwendungen für nahezu alle Aufgaben mit: Default-Browser ist eine Vorabversion von Firefox 4, der auf die fertige Version aktualisiert wird, sobald diese verfügbar ist; alternativ stehen Chromium, Konqueror, Epiphany und Opera 11 in den Software-Repositories zur Installation bereit.

Als erste Distribution liefert OpenSuse das Büropaket LibreOffice aus, das durch eine Abspaltung von OpenOffice entstanden ist. Es liegt in Version 3.3.1 bei, die inzwischen auch den Import von SVG-Grafiken unterstützt und ein vereinfachtes Bearbeiten von Folienlayouts im Präsentationsprogramm bietet. Wer es schlanker mag, kann auf das KDE-Büropaket Koffice zurückgreifen.

An Bildbearbeitungswerkzeugen landen standardmäßig Gimp und die KDE-Fotoverwaltung Digikam auf der Festplatte, für Vektorzeichnungen greift man zu Draw aus dem LibreOffice-Paket. Wesentlich leistungsfähiger ist jedoch Inkscape, das Sie allerdings nachinstallieren müssen. Zum Brennen von CDs und DVDs liegt K3b 2.0 bei, dass das KDE-Team nun komplett auf die 4er-Serie des Desktops portiert hat. Es nutzt inzwischen den KDE-Hardware-Layer Solid zur Geräteerkennung.

Programmierer kommen ebenfalls auf ihre Kosten: Ob C++ oder Skriptsprachen wie PHP, Perl, Ruby oder Python – die Paketquellen von OpenSuse halten all das zur Installation bereit. Als Entwicklungsumgebungen stehen Kdevelop, Netbeans, Mono Develop und QtCreator zur Verfügung. Als Server-System eignet sich OpenSuse 11.4 ebenfalls: Webserver stehen gleich drei -- Apache, Lighttpd, und Nginx -- zur Auswahl, Samba verwandelt das System in einen Fileserver, Postfix kümmert sich um die Zustellung von Mails und mit Bind lässt sich ein eigener Nameserver aufsetzen.

Wie üblich stehen in den OpenSuse-Repositories zahlreiche weitere Anwendungen zum Download bereit. Das Zusatz-Repository Packman bietet Programme, Bibliotheken und Multimedia-Codecs an, die in OpenSuse aufgrund von rechtlichen Bedenken fehlen. Die Packman-Macher stellen bereits Pakete für OpenSuse 11.4 bereit. Neu ist Tumbleweed, ein Repository, das die aktuellen stabilen Versionen der OpenSuse-Programme vorhält, sobald sie von den Entwicklern für stabil erklärt worden sind. Die OpenSuse-Repositories liefern nur kleinere Updates der enthaltenen Programme aus; über Tumbleweed sollen sich auch neue major releases großer Programmpakete nachinstallieren lassen.

Admins, die bislang entfernte OpenSuse-Systeme verwalten mussten, hatten die Wahl zwischen einem oft lahmen Remote-Desktop und Yast auf der Textkonsole. Diese Zeiten könnten mit OpenSuse 11.4 der Vergangenheit angehören, denn das System enthält nun das ursprüglich für Suse Linux Enterprise entwickelte Systemverwaltungs-Tool WebYast, mit dem man das System im Browser administriert. WebYast ist nicht standardmäßig installiert, und man benötigt zumindest das Basis-Modul. Danach kann man in der Softwarverwaltung weitere Module etwa für die Benutzerverwaltung oder die Einstellungen der Firewall installieren.

Hat man den WebYast-Dienst über sein Desktop-Applet gestartet, erreicht man das Web-Frontend über die Adresse https://IP-Adresse:54984/ im Browser und kann sich als Benutzer Root anmelden. Mit den Standardeinstellungen der Firewall klappt das allerdings erst einmal nur lokal. Nutzt man WebYast, muss man allerdings mit einigen Inkonsistenzen rechnen. So benennt er das Home-Verzeichnis von neu angelegten Benutzern nicht wie üblich nach dem Anmeldenamen, sondern nach dem vollständigen Namen, wobei Leerzeichen entfernt werden. Dass WebYast den vollständigen Namen verwendet, hat den lustigen Nebeneffekt, dass man über WebYast keine vollständigen Benutzernamen mit Umlauten oder einem mit Punkt abgekürzten akademischen Titel eingeben kann – in diesem Fall verweigert WebYast das Anlegen des Home-Verzeichnisses.

Gut dass der Doktortitel weg ist: Vollständige Namen mit einem Punkt akzeptiert WebYast nicht.

In unseren ersten Experimenten mit dem Golden Master, den uns die Entwickler vorab zur Verfügung gestellt hatten, erwies sich OpenSuse 11.4 als stabiles, benutzbares System mit viel aktueller Software. Der neue WebYast macht bereits einen guten Eindruck, benötigt aber noch etwas Feinschliff.

Einen Überblick über alle Neuerungen bietet das Portal:11.4 auf opensuse.org.Einen Testbericht von OpenSuse 11.4 finden Sie in der kommenden c't 7/11 (ab Montag, 14.3., im Zeitschriftenhandel).(amu)

Kommentare

Kommentare lesen (94 Beiträge)

Anzeige