Ortsbestimmung

Personen und Geräte per GPS, Mobilfunk oder WLAN lokalisieren

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Im Browser gibt es die ganze Welt kostenlos, in Farbe und 3D – so hoch aufgelöst, dass man einzelne Personen und Fahrzeuge unterscheiden kann. Spezielle Werkzeuge blenden den aktuellen Aufenthaltsort von Personen oder Gegenständen ein.


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Es soll Eltern geben, bei denen die Sorgen einsetzen, sobald der Nachwuchs die Haustür von außen zuklappt. Viele Anbieter kostenpflichtiger Ortungsdienste oder entsprechender Geräte nähren solche Ängste mit düsteren Unfallszenarien. Natürlich kann es im Notfall Leben retten, wenn man sofort weiß, wo jemand ist. Jenseits solcher Ausnahmesituationen eignet sich die Technik aber auch für eine Reihe harmloser Anwendungen: Gesellige Typen können ihren Freunden zeigen, wo sie gerade sind, Abenteuerurlauber dokumentieren ihren Weg durch die Wildnis für die Daheimgebliebenen, wer zu spät kommt, kann die Fährte der Kumpels auf Kneipentour aufnehmen und Passivsportler verfolgen die Leistungen von Langstreckenläufern übers Internet. So bekamen beispielsweise beim "Ultra-Trail du Mont Blanc" im Jahr 2007 ein gutes Dutzend ausgewählter Läuferinnen und Läufer 50 Kilometer vor dem Ziel GPS-Geräte ausgehändigt, die alle fünf Minuten ihre aktuelle Position an einen Server schickten.

Je nach verwendeter Technik und Funktionen liegen für die im Folgenden exemplarisch vorgestellten Ortungsapparate und Dienste weitere Anwendungen auf der Hand: Kleine GPS-Tracker, die ihre Position per Mobilfunk an einen Server übertragen, kann man versteckt ins eigene Auto einbauen und im Fall eines Diebstahls die Polizei auf die richtige Spur bringen. Als Notrufsäule für die Tasche sorgen Geräte mit satellitengestützter Positionsübertragung für mehr Sicherheit auf Kletter- oder Skitouren. Soziale Netzwerke wie Whrrl, Brightkite, Loopt oder die Facebook-Erweiterung Sniff (Social Network Integrated Friend Finder) machen spontane Treffen zwischen Leuten möglich, die sich nur aus dem Internet kennen und feststellen, dass sie gerade im gleichen Café sitzen. Eine dunkle Seite hat die Technik allerdings auch: Heimlich zur Ortung freigeschaltete Handys können misstrauischen Angetrauten und Arbeitgebern zum Nachspionieren dienen und auf diese Weise Ehen und Arbeitsverhältnisse zerrütten. Wer mit solchen Mitteln schnüffelt, macht sich übrigens strafbar (siehe Interview auf Seite 10) dieses Artikels).

Rein technisch gesehen ist der Begriff "Ortung" im Folgenden eigentlich fehl am Platz, weil keines der beschriebenen Verfahren die Position eines Zielgeräts ohne dessen aktive Mitwirkung bestimmen kann. Aus Anwendersicht hingegen passt die Bezeichnung, da ihm die Dienste und Geräte nahezu in Echtzeit zeigen, wo sich jemand anderes befindet.

Empfänger für das Global Positioning System (GPS) werten zur Ortsbestimmung die Laufzeiten der Signale von Satelliten aus; die Satelliten selbst bekommen davon jedoch nichts mit [1]. Ähnlich funktioniert die Positionierung per WLAN, die etwa iPhones der ersten Generation benutzen und die man per Browser-Plug-in auf beliebigen mobilen Rechnern nachrüsten kann [2]. Hier reicht die Information, welche drahtlosen Netzwerke mit welcher Signalstärke zu empfangen sind. Bei einem dieser Netze anmelden muss man sich dazu nicht.

In beiden Fällen muss das Gerät seine ermittelte Position selbst übertragen, in der Regel per Mobilfunk. Für Handys und Notebooks ist das kein Problem, GPS-Handgeräte, Logger [3] und die allermeisten Navigationssysteme müssen hier allerdings passen. Bei Letzteren gehört etwa TomTom Go 940 Live zu den wenigen Ausnahmen [4]: Dank der Zusatzfunktion TomTom Buddies kann man ausgewählte Freunde über die eigene Position auf dem Laufenden halten.

Selbst die Mobilfunkprovider und Netzbetreiber können Handys nicht unmittelbar orten: Sie haben zwar Zugriff auf die Informationen, bei welcher Funkzelle ein Telefon gerade eingebucht ist, welche anderen ebenfalls erreichbar wären und wie stark deren Signal empfangen wird [5]. Per Triangulation (Kombination von drei Senderorten mit ihren Signalstärken) lässt sich aber nur herleiten, wo sich das Gerät unter idealisierten Bedingungen befinden müsste. Die Praxis sieht anders aus: Gelände, Gebäude und andere Störfaktoren sorgen selbst in der Stadt mit hoher Funkzellendichte für Abweichungen von mehreren hundert Metern.

Deutlich genauer gehts mit GPS. Geräte, die ihre Position munter in die Welt funken, gibt es schon länger. Klassisch dienen sie dem Management von Taxiflotten und Speditionsfuhrparks, der Sicherung von Wachleuten und der Überwachung von Pflegepersonal auf Hausbesuchstour. In den USA kommen ähnliche Systeme als elektronische Fußfessel für Straftäter im Hausarrest zum Einsatz; Baden-Württemberg plant Ähnliches für einen Modellversuch. Forscher der Universität Amsterdam schnallen Möwen weniger als 20 Gramm schwere Positionssender auf den Rücken, um zu untersuchen, wie sich ihr Flugverhalten je nach Wetter und Landschaft ändert.

Neuerdings sind Ortungsgeräte von der Stange zu Preisen im Handel, die sie auch für Privatleute, Sportvereine und kleine Unternehmen interessant machen. So bietet beispielsweise die Firma Mecomo unter dem Namen Track für rund 400 Euro ein Komplettpaket aus Hardware, Mobilfunkkarte, Datentarif und Web-Frontend an. Den Kern bildet das GPS-Modul Telic Picotrack [6], das etwa so groß wie zwei Streichholzschachteln ist, knapp 50 Gramm wiegt und sich außer aus dem eingebauten Akku auch über die Batterie eines Autos speisen und fest mit dessen Zündung koppeln lässt. Per GSM und GPRS überträgt es laufend GPS-Positionsdaten; besteht keine Mobilfunkverbindung, speichert es laut Hersteller bis zu 1000 Positionen und sendet sie bei nächster Gelegenheit.

Ab Werk ist das Gerät so konfiguriert, dass es bei Geschwindigkeiten unter zehn Kilometern pro Stunde alle 15 Sekunden eine Position überträgt. Bewegt man es schneller, meldet es sich bei jeder Richtungsänderung von 30 Grad oder mehr, spätestens aber nach fünf Kilometern. Das reduziert etwa auf langen Autobahnfahrten die Zahl der übertragenen Positionen beträchtlich. Ändert sich die Position eine Minute lang nicht, fällt das Gerät in einen Schlafmodus, aus dem es ein Beschleunigungssensor wieder aufweckt.

Die übertragenen Daten werden auf den Servern von Mecomo gespeichert und sind dort über ein passwortgeschütztes Web-Interface zugänglich. Es zeigt die Positionen von bis zu sieben Tagen am Stück wahlweise auf Luftbildern oder Karten an – der Anwender darf zwischen Google Maps und Microsoft Virtual Earth wählen – und exportiert sie als Excel-Tabelle. Die GPS-Dateiformate GPX oder KML stehen leider derzeit nicht zur Verfügung, letzteres ist in Vorbereitung.

Wirklich "all inclusive", wie die Firma ihr Produkt in der Pressemitteilung bewirbt, ist das Paket allerdings nicht. Im Anschaffungspreis ist nur die Nutzungsgebühr für ein Jahr enthalten, für jedes weitere werden erneut rund 120 Euro fällig. Die Prepaid-SIM-Karte enthält 100 MByte Transfervolumen für die Kommunikation zwischen GPS-Modul und Server; jedes weitere MByte kostet 24 Cent. Auf Nachfrage teilte Mecomo mit, dass jede Positionsnachricht etwa 360 Byte belegt. Demnach reicht das Transfervolumen für rund 278.000 Meldungen. In der Praxis kann man dafür etwa 50 Tage rund um die Uhr zu Fuß unterwegs sein oder mit dem Auto Zehn- bis Hunderttausende Kilometern zurücklegen, je nach Kurvenreichtum der Strecke.

Allerdings beschränkt Mecomo auch noch die Zahl der kostenlosen Kartenabfragen pro Jahr auf 5400. Zwar bleibt eine einmal im Web-Interface aufgerufene Kartenkachel laut Anbieter bis zu acht Stunden lang ohne Neuabfrage erhalten. Schaltet man die Darstellung hingegen auf "zyklisch", wird beispielsweise im Minutentakt die Karte neu geladen, der Zähler gerät dann schon nach knapp vier Tagen in den roten Bereich. 1500 zusätzliche Abfragen kosten 20 Euro.

Mecomo Track bestimmt selbst, wann eine Positionsmeldung fällig ist. Andere Geräte reagieren nur auf gezielten Knopfdruck. So verfügt etwa der Satellite Personal Tracker, kurz Spot, über drei separate Tasten für drei Typen von Nachrichten: Nach Drücken auf OK verschickt der Tracker innerhalb der nächsten zwanzig Minuten einen Standardtext à la "mir geht's gut", die Koordinaten und einen Link zu deren Darstellung in Google Maps an bis zu zehn zuvor festgelegte Empfänger per E-Mail oder SMS. Ein Druck auf die Help-Taste löst einen vorbereiteten Hilferuf an die hinterlegten Adressen aus. Wird die dritte Taste ("911") gedrückt, schrillen in der Spot-Zentrale die Alarmglocken und die Mitarbeiter dort versuchen, eine von zwei zuvor angegebenen Kontaktpersonen zu erreichen. Klappt das nicht oder kann keiner von beiden ausschließen, dass der Besitzer des Geräts am gemeldeten Ort in der Klemme steckt, setzt die Zentrale einen Notruf an den Rettungsdienst vor Ort ab. In Deutschland rückt dann etwa der SAR-Dienst der Bundeswehr oder die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger aus.

Spot soll in Deutschland ab Januar für rund 200 Euro über die Firma ppm zu beziehen sein. Um den eigenen Account freizuschalten, benötigt man eine Master- oder Visa-Kreditkarte. Der Kaufpreis schließt eine einjährige Nutzung des Ortungsdienstes und 200 SMS-Benachrichtigungen mit ein. Jedes weitere Jahr inklusive 200 Frei-SMS kostet rund 100 Euro, jede zusätzliche SMS 10 Cent. Positionsnachrichten per Mail und 911-Notrufe sind kostenlos – die Kosten des Rettungseinsatzes sind freilich nicht abgedeckt.

Für weitere rund 40 Euro pro Jahr werden Spot-Nutzer einen Tracking-Dienst buchen und ihn durch langes Drücken der OK-Taste starten können. Dann schickt das Gerät 24 Stunden lang alle zehn Minuten die aktuelle Position raus. Auf Wunsch stellt eine passwortgeschützte oder frei zugängliche Webseite solche Orte auf Grundlage von Google Maps dar. Das Angebot befindet sich noch im Beta-Stadium und funktionierte im Test nur mit dem Internet Explorer. Die Liste der Ortsmeldungen kann man als GPX- und KML-Datei herunterladen.

Spot überträgt die Positionsdaten nicht per Mobilfunk, sondern über das eigene Satellitensystem der kanadischen Firma Globalstar. Das macht das robuste Gerät besonders für Abenteuerurlauber und Expeditionen interessant, die ins Gebirge, in die Wüste oder den Dschungel und damit in ausgedehnte Funklöcher vorstoßen wollen. Oder für Fahrtensegler, denn schwimmfähig und für eine halbe Stunde wasserfest ist der Tracker laut Hersteller außerdem. Wirklich weltweit funktioniert der Dienst dennoch nicht. So wird mit allen Wassern gewaschenen Freizeitskippern beim Blick auf die Abdeckungskarte auffallen, dass Spot ausgerechnet in den von Seeräubern verseuchten Gewässern vor der somalischen Küste und in der Straße von Malakka Kontaktschwierigkeiten hat. Landratten könnten trotz Spot in der Tasche etwa südlich der Sahara und in Indien verloren gehen.

Mecomo Track und Spot sind nur zwei Beispiele für satellitengestützte Ortungsmittel; auch Firmen wie der GPSauge-Hersteller GPSoverIP oder die chinesische Firma Hexafu bieten ähnliche Geräte und Pakete an. Als Ersatz für ein GPS-Handgerät oder gar ein Navigationssystem kann man die günstigen davon allerdings in der Regel nicht nutzen – die meisten haben noch nicht einmal ein Display, um ihrem Träger die aktuelle Position anzuzeigen.

Wer nicht für jeden Einsatzzweck ein spezialisiertes GPS-Gerät kaufen will, kann das Bedürfnis, jemanden zu orten oder sich orten zu lassen, mit vorhandener Technik befriedigen, etwa einem Notebook oder einem Mobiltelefon. Handy-Ortungsdienste findet man etliche im Netz; Telefon-Hersteller wie Nokia mit seinem Friends Finder entwickeln eigene Lösungen. Zwischen den Ortungsdienstanbietern, die mit der Telefongesellschaft kooperieren, bei der man seinen Mobilfunkvertrag hat, lohnt sich ein Preisvergleich: So verlangt trackyourkid.de wahlweise runde 10 Euro Einrichtungsgebühr und 36 Euro Jahresbeitrag oder einen höheren Startbetrag von rund 20 Euro, nach dem keine Jahresbeiträge anfallen. Im ersten Fall gibt es 20 Ortungen gratis, alle weiteren kosten bis zu 50 Cent, im zweiten Fall sind drei kostenlos und für die weiteren muss man bis zu einem Euro berappen. Avetana.de und 5zu7.de hingegen erheben weder Einrichtungs- noch Grundgebühr und wollen pro Ortung 49 Cent haben.

Die Registrierung wickelt man in der Regel übers Internet und das freizuschaltende Mobiltelefon parallel ab. Üblicherweise muss man sowohl gegenüber dem Dienstanbieter als auch seiner Telefongesellschaft per SMS bestätigen, dass das Handy ortbar sein soll. Da theoretisch jeder, der kurzzeitig Zugriff auf das Telefon hat, einen solchen Dienst heimlich einrichten kann, fordert etwa T-Mobile eine schriftliche Einverständniserklärung des Vertragspartners. Zusätzlich verschicke man bei Ortungsversuchen in zufälligen Intervallen Hinweise darauf an den Handybesitzer per SMS, versicherte uns T-Mobile-Pressesprecher Dirk Wende. Vodafone verzichtet derzeit auf eine schriftliche Einwilligung, verschickt seit Jahresanfang jedoch ebenfalls Hinweise an Handys, die gerade geortet werden, um den Missbrauch zu erschweren.

Je nach Dienst erscheinen die Positionen freigeschalteter Handys im Browser oder auf dem Mobiltelefon selbst – auf einer Karte oder auch als postalische Adresse in Textform.

Im Prinzip ganz ähnlich wie mit Mobilfunkmasten funktioniert die Positionsbestimmung über drahtlose Netzwerke. Man braucht dazu einen WLAN-Adapter sowie einen Netzzugang, den beispielsweise eine UMTS-Karte im Notebook liefern kann, um die Liste der empfangenen Netze und ihrer Signalstärken mit einer zentralen Datenbank abgleichen zu lassen. Eine solche pflegt beispielsweise das Bostoner Unternehmen Skyhook Wireless, auch das iPhone greift auf sie zurück. Skyhook startet regelmäßig Messfahrten, um die Datenbank zu aktualisieren. Auch in Deutschland betreibt die Firma solches "wardriving", hat allerdings in manchen mittelgroßen Städten wie Göttingen, Paderborn oder Emden noch kein einziges WLAN erfasst [7].

Bei gut gepflegtem Datenbestand und in Gegenden mit hoher WLAN-Dichte funktioniert die Positionsbestimmung deutlich besser als über die Mobilfunkzellen – ein Handymast sendet unter Umständen kilometerweit, ein WLAN-Router aber nur ein paar zehn Meter. Empfängt man dessen Signal, kann man davon nicht besonders weit weg sein. Allerdings ist das System anfällig gegen bewusste Verfälschung, wie Wissenschaftler der ETH Zürich Anfang vergangenen Jahres zeigten: Über Basisstationen, die sich mit manipulierten MAC-Adressen als andere ausgaben, und durch Störung der übrigen Hotspots in der Umgebung gaukelten sie einem iPod touch und einem iPhone in Zürich vor, sich in New York zu befinden.

Die eigene Position per WLAN zu bestimmen ist für die Ortung aber erst die halbe Miete. Bei der Verbreitung des Standorts helfen Browser-Erweiterungen wie Geode für Firefox oder das Geolocation API von Google Gears. Gears kann je nach Gerät neben WLAN auch GPS-Module und Mobilfunkzellen-Ortung benutzen, Geode greift derzeit ausschließlich auf Skyhook zurück. Lokalisierungsdienste wie Yahoo Fire Eagle verknüpfen die über Geode – aber auch per Spot – ermittelten Positionsdaten auf Wunsch mit Anwendungen von Drittanbietern, etwa dem sozialen Netzwerk Brightkite. Diese teilen wiederum ausgewählten Freunden mit, wo man gerade steckt. Besitzer eines iPhones können sich dafür Umwege sparen, ihr Telefon unterstützt Brightkite direkt.

Die kostenlose Loki-Toolbar für Internet Explorer und Firefox unter Mac OS X, Symbian S60 und Windows Mobile ermittelt ebenfalls über Skyhook die aktuelle Position – auf Wunsch auch automatisch im Hintergrund. Der eigene Ort erscheint wahlweise auf einer Google-Maps-Seite, bei Twitter, Facebook oder als RSS-Feed.

Um einen Eindruck zu bekommen, wie genau die verschiedenen Verfahren und Geräte die Position bestimmen, packten wir Mecomo Track, Spot, ein Nokia 6120 sowie ein Notebook mit UMTS-Karte ein und steuerten nacheinander drei prototypische Orte in Hannover an: eine Straßenkreuzung in der Nähe einer belebten Einkaufsstraße, eine Lichtung in der Eilenriede, dem Stadtwald von Hannover, sowie die Redaktionsräume, um zu testen, wie gut die verschiedenen Systeme in Innenräumen funktionieren. Die geografisch exakte Position der Testorte bestimmten wir anhand einer amtlichen topografischen Karte im Maßstab 1:25.000 sowie gemittelten Kontrollmessungen per GPS-Handgerät.

Dabei zeigte sich, dass die beiden GPS-Tracker auf der Waldlichtung bis auf etwa fünf Meter genau arbeiteten. Mehr Präzision ist nicht drin, da beide die Dezimalstellen der übertragenen Längen- und Breitengrade nur auf vier Nachkommastellen genau angeben. In der Stadt muss man wegen der Abschattung durch Gebäude Abweichungen von 20 bis 30 Metern in Kauf nehmen. Hat man ein Dach über dem Kopf, funktioniert GPS nur sehr eingeschränkt – von der Fensterbank im Büro aus konnten Spot und Track ihre Position aber dennoch auf etwa 20 Meter genau bestimmen.

Deutlich ungenauer arbeitete die Ortung des Notebooks per Loki-Toolbar und die WLAN-Datenbank von Skyhook: Bei Abweichungen von 50 Metern in zwei Testfällen liegt zwischen dem im Browser angezeigten und dem wahren Standort schon mal eine Straßenecke. Auf der Lichtung im Stadtwald musste Skyhook komplett passen, da kein einziges WLAN in Reichweite war. Weit abgeschlagen bildete die Positionsbestimmung per Handy das Schlusslicht: In keinem der drei Fälle kam sie näher als 260 Meter Luftlinie an den gesuchten Ort heran. Wollen sich zwei Liebende vorsätzlich mit Hilfe dieser Technik in die Arme laufen, irren sie womöglich um Häuserblöcke aneinander vorbei. Wer auf dem Campus seine Arbeitsgruppe sucht, kriegt per Handy und Freundfinder-Dienst vielleicht raus, ob die anderen zu Hause oder in der Uni sind, aber nicht, ob sie gerade im Hörsaal oder in der Mensa sitzen.

Viel genauer als bei unseren Messergebnissen klappt die Handy-Ortung derzeit nicht – selbst für Notfälle, bei denen es um Leben und Tod geht, haben die Mobilfunkgesellschaften kein spezielles Instrumentarium in der Hinterhand. Der privaten Björn Steiger Stiftung, die sich seit ihrer Gründung 1969 für den Aufbau des flächendeckenden Notfallhilfe-Systems engagiert, fallen als Abhilfe gleich zwei technische Systeme ein, wie ihre Pressesprecherin Melanie Storch berichtet: Zum einen habe man zusammen mit der Universität Duisburg-Essen ein verbessertes Verfahren namens Mobile Assisted Positioning (MAP) entwickelt. Um dieses einsetzen zu können, bräuchten die Betreiber allerdings detailliertere Daten etwa über die Position und Leistung der Sendemasten.

Die Alternative: Handys mit eingebautem GPS-Modul können zumindest unter freiem Himmel ihre Position viel genauer bestimmen. Damit solche GPS-Daten vom Mobiltelefon allerdings auch den Notrufleitstellen zur Verfügung stehen, müssen die Schnittstellen bekannt sein, und die unterscheiden sich wieder von Telefon zu Telefon. Bisher kann die Björn Steiger Stiftung Service GmbH den Notfall-Ortungsdienst per Handy-GPS nur für wenige ganz konkrete Geräte anbieten, etwa für das Benefon TWIG Discovery oder das Secufone mit eigener Notruftaste. Mit dem Zusatzmodul activepilot lässt sich der GPS-Notruf auch bei anderen Mobiltelefonen nachrüsten. Ein Client zur Installation auf vorhandenen GPS-Handys ist in Vorbereitung.

Einen dritten Weg beschreitet das Bayerische Landeskriminalamt mit seinem Funkzelleninformationssystem (FIS-Bayern). In mühevoller Kleinarbeit sind Streifenwagen ein engmaschiges Gitternetz im ganzen Land abgefahren, haben die Signale von 190.000 Funkzellen vermessen und mit GPS-Koordinaten verknüpft. Auch beliebte Wanderwege und Klettersteige wurden abgelaufen, sodass bereits vier Fünftel des Landes erfasst sind. "Im Notfall hilft die Datenbank das Suchgebiet erfolgreich einzugrenzen", sagt Ernst Wirth vom bayerischen Landeskriminalamt. Denn auch bei FIS findet keine aktive Ortung eines Mobiltelefons statt, vielmehr korrigieren die Daten aus dem Gelände die idealisierten Rechenergebnisse der üblichen Triangulation. Die Methode ähnelt damit dem Fingerprinting-Verfahren bei der Positionsbestimmung per WLAN, mit der diese in kontrollierten Umgebungen bis auf wenige Meter genau gelingt [2].

Die Ortung übers Mobiltelefon erweist sich von allen Verfahren als das zwiespältigste: Das notwendige Gerät trägt fast jeder mit sich herum und die Kosten bilden keine echte Hemmschwelle. Missbrauch ist bei der derzeitigen Praxis mancher Anbieter aber nicht ausgeschlossen. Geht es wirklich um Leben und Tod, dürfen sich Telefongesellschaften und Polizei ohnehin Zugriff auf die Daten verschaffen. Für private Zwecke und bei Alltagskatastrophen gerät die Ortung aber so ungenau, dass sie kaum nützt. Um Argwohn zu schüren, reicht das allerdings aus – wenn etwa der gute Freund, der laut Hosentaschen-Radarschirm kaum zwei Straßen weiter unterwegs ist, offenbar einen weiten Bogen um mich macht, obwohl – oder weil? – er meinen Standort auch sehen kann ...

Wer lieber die zufällige räumliche Nähe als die eigene Lust darüber entscheiden lassen will, mit wem er sich trifft, kann sich mit WLAN, Browser-Erweiterungen und Webdiensten ein passendes System zum Nulltarif stricken. Das Verfahren funktioniert im Unterschied zu GPS auch in Innenräumen, wenn auch nur in Ballungsgebieten – aber schließlich setzen sich die wenigsten mit ihrem Klapprechner zum Arbeiten auf die grüne Wiese. Ernsthaft vorm Verlorengehen schützen kann man teure Menschen und Karossen derzeit allerdings nur mit speziellen – und ebenfalls nicht ganz billigen – GPS-Trackern, die ihre eigene Position gleich an einen Server weiterleiten.

Bei einem Gerät wie Spot hat es sein Besitzer selbst in der Hand, ob er per Knopfdruck seinen aktuellen Aufenthaltsort bekannt macht oder nicht. Hingegen stellt gerade im persönlichen Bereich jede kontinuierliche automatische Positionsübertragung oder Ortungsmöglichkeit von Außen einen massiven Eingriff in die Privatsphäre dar – egal, wie gut der Zweck auch gemeint ist. Hat man die Handy-Ortung ursprünglich mal für Notfälle freigeschaltet, sollte man konsequent in allen anderen Fällen die Finger davon lassen. (pek)

[1] Oliver Lau, Global Positioning System, Antworten auf die häufigsten Fragen, c't 24/07, S. 202
[2] Steffen Meyer, Wo bin ich?, Positionsbestimmung per WLAN, c't 5/08, S. 194
[3] Oliver Lau, Fährtenleger, Dreizehn GPS-Logger ab 50 Euro, c't 19/08, S. 106
[4] Achim Barczok, Komfortabel geführt, Navis entdecken das Internet, planen die Fahrt ins Blaue und werden lernfähig, www.heise.de/mobil/artikel/121284
[5] Dusan Zivadinovic, Jean-Marie Zogg, GPS im Haus, Ortung per Handy: Funktion und Verfeinerung, c't 20/04, S. 222
[6] Daniel Lüders, Teure Vielfunker, billige Pfadfinder, Mobilfunk-Navis als Nachrichtenzentrale im Auto, c't 5/08, S. 30
[7] Abdeckung von Skyhook: www.skyhookwireless.com/howitworks/coverage.php

heise mobil: Herr Professor Wedde, welche Gesetze schützen die Daten über den eigenen Aufenthaltsort?

Peter Wedde: Zum einen gibt es die Datenschutzbestimmungen des Telekommunikationsgesetzes (TKG). Nach ihnen dürfen beispielsweise die Mobilfunkprovider nur solche Daten festhalten, die sie brauchen, um ihre Dienste abzurechnen. Aber auch die Ortung eines Mobiltelefons, die eine Privatperson freischalten lässt, fällt unter die Bestimmungen des Gesetzes. Bei Verstößen gegen die Datenschutzbestimmungen sieht es Strafen von bis zu fünf Jahren Haft vor.

Dr. Peter Wedde, Professor für Arbeitsrecht und Recht der Informationsgesellschaft an der Fachhochschule Frankfurt am Main
Dr. Peter Wedde, Professor für Arbeitsrecht und Recht der Informationsgesellschaft an der Fachhochschule Frankfurt am Main

Dienen die Geräte nicht der Telekommunikation im Sinne des TKG, ist der Umgang damit gesetzlich nicht klar geregelt. Die Erhebung und Verarbeitung von Daten fällt dann unter das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG). Damit muss entweder eine Einwilligung der betroffenen Personen vorliegen oder ein eindeutiger gesetzlicher Erlaubnistatbestand. In Betracht käme beispielsweise § 28 Abs. 1 Nr. 1 BDSG, der bestimmte Datenerhebungen, Verarbeitungen und Nutzungen durch Dritte zur Wahrung berechtigter Interessen erlaubt. Meiner Auffassung nach gibt es diese berechtigten Interessen bei Privatpersonen allerdings nicht. Zudem steht das schutzwürdige Interesse der Betroffenen der Datenerhebung entgegen. Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 27. Februar gibt es außerdem das Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme. Daraus leite ich ab: Wenn dem Staat die Einsicht in private Daten bei einer konkreten Gefahr für ein überragend wichtiges Rechtsgut und dann auch nur auf richterliche Anordnung erlaubt ist, dürfen Privatpersonen erst recht niemandem heimlich hinterherschnüffeln.

heise mobil: Gilt das auch für die eigenen Kinder oder pflegebedürftige Verwandte?

Wedde: Bei minderjährigen Kindern dürfen Eltern der Rechtslage nach eine solche Ortungsfunktion einrichten – was auch immer man darüber denken mag, ob es richtig ist, etwa Sechzehnjährige auf diese Weise kontrollieren zu wollen. Ältere Menschen dürfen ohne ihre Einwilligung nur dann überwacht werden, wenn eine Pflegschaft besteht. In allen diesen Fällen muss aber eine Interessenabwägung stattfinden. Es gibt also auch hier kein absolutes Kontrollrecht.

heise mobil: Die Ortungsfunktion für Mobiltelefone lässt sich derzeit noch ganz bequem übers Internet und mit zwei SMS einrichten. Laut einem Kabinettsbeschluss vom Oktober 2008 soll sich das im Zuge der kommenden Novelle des Telekommunikationsgesetzes ändern und die Einwilligung muss in Zukunft schriftlich gegeben werden.

Wedde: Das wäre eine positive Veränderung der Situation. Einen solchen Brief abzufangen und die Unterschrift zu fälschen erfordert deutlich mehr kriminelle Energie, als heimlich auf einem Mobiltelefon Nachrichten im Namen anderer abzuschicken.

heise mobil: Unter welchen Umständen darf die Polizei Handys orten?

Wedde: Zunächst einmal darf sie dies aufgrund einschlägiger Vorschriften der Strafprozessordnung oder einzelner Polizeigesetze. Teilweise ist hierfür ein richterlicher Beschluss erforderlich. Darüber hinaus kommt eine Ortung auch in Betracht, wenn Gefahr im Verzug ist. Wenn jemand etwa nach einem schweren Unfall per Mobiltelefon Hilfe ruft und der Polizei eine ungenaue Ortsangabe gibt, ist eine Ortung des Geräts durch den Provider auch ohne ausdrückliche gesetzliche Regelung durch den allgemeinen Nothilfe-Tatbestand gedeckt.

heise mobil: Wenn ich zufällig feststelle, dass mein Diensttelefon ohne mein Wissen vom Arbeitgeber geortet wird, was kann ich dann tun?

Wedde: Für eine solche Totalüberwachung gibt es keine juristische Rechtfertigung, deshalb darf ein Arbeitgeber das meiner Ansicht nach nicht. Derartige Kontrollen verstoßen gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Beschäftigten. Arbeitsrechtlich stößt man allerdings auf ein praktisches Problem: Ein Arbeitnehmer müsste die unzulässige Totalüberwachung im Streitfall durch ein Arbeitsgericht verbieten lassen. Ein Sieg vor Gericht bedeutet aber oft auch schnell das Ende der Karriere in diesem Unternehmen. Bei der derzeitigen wirtschaftlichen Situation hat man damit schlechte Karten. Den Arbeitnehmern wäre viel mehr geholfen, wenn die Gesetze explizite Verbote solcher Überwachungsmaßnahmen enthielten – die gibt es aber immer noch nicht.

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