PC - goldrichtig

Der Weg zum optimalen Rechner

Test & Kaufberatung | Kaufberatung

Computerkauf ist für die meisten Anwender ein Graus. Und tatsächlich ist es nicht einfach, sich durch den Dschungel aus Abkürzungen und Fachbegriffen zu schlagen. Mit der nötigen Portion Wissen verliert der Zug durch die Computerläden seinen Schrecken.

Auch wenn der Computermarkt für den Laien immer noch vollkommen unübersichtlich und unverständlich erscheint, erkennt der interessierte Beobachter eine deutliche Vereinfachung. In vielen Fällen ist die Wahl einer bestimmten Technologie nur noch die Entscheidung zwischen 'arbeitet schnell' und 'arbeitet langsam' und nicht mehr zwischen 'funktioniert' und 'funktioniert eher unzuverlässig'.

Man kann für 2000 bis 3000 Mark ein Komplettsystem bekommen, das den meisten Ansprüchen genügt - ohne sich bis in die letzten Details mit Hardware auszukennen.

Nicht zuletzt deswegen kann der Computerkauf heute richtig Spaß machen. Setzte man noch vor zwei oder drei Jahren durch eine kleine Fehlentscheidung leicht mehrere tausend Mark in den Sand, fällt das inzwischen deutlich schwerer. Selbst die Komplettsysteme der diversen Hersteller sind meistens nicht so richtig schlecht, wobei Ausnahmen auch hier die Regel bestätigen: Immer noch kann eine falsch dimensionierte Grafikkarte, eine 'krötenlahme' Festplatte oder ein fehlendes Cachemodul den Rechner massiv ausbremsen. Es kostet aber heute kein Vermögen mehr, solche Scharten auszuwetzen - das nötige Fachwissen und einen erweiterbaren Rechner vorausgesetzt.

Am Anfang steht wohl in den meisten Fällen die Entscheidung für das richtige System. Ob Apple oder Wintel-PC soll hier nicht geklärt werden - für die einen ist es eine Glaubensfrage, für die anderen spielen eher praktische Erwägungen eine Rolle. Hat man sich am Arbeitsplatz an das eine System gewöhnt, wird man wohl nur in den seltensten Fällen zu Hause das andere verwenden wollen. Auch Freunde und Bekannte mit dem gleichen Betriebssystem sind Gold wert. Meist kennen sie die kleinen Tricks und Kniffe, die das effiziente Bedienen bestimmter Software erst ermöglichen. Auch der Datenaustausch gestaltet sich über Systemgrenzen hinweg mitunter schwierig. Mit den Vor- und Nachteilen von MacOS 8 und Windows 95 beschäftigt sich ein Artikel in der vorletzten Ausgabe [#Lit1 [1]].

Auf den nächsten Seiten möchten wir Ihnen das Rüstzeug vermitteln, damit Sie zumindest grobe Fehlzusammenstellungen erkennen und vermeiden können.

Doch auch mit ausreichendem Wissen stellt sich die Frage, wie und wo man seinen Computer am besten kauft. Als Einsteiger vertraut man notgedrungen vollkommen den Fachkenntnissen eines Händlers und kauft sich ein Komplettsystem. Daß ein solch blauäugiges Vorgehen nicht zwangsläufig schiefgehen muß - aber sehr wohl kann -, zeigen unsere monatlichen Kauftests [#Lit2 [2]] und die Schnäppchenjagd des vorletzten Hefts [#Lit3 [3]]. Etwas Fachwissen macht also auf jeden Fall Sinn, um ungeeignete Systeme oder Komponenten zu erkennen. Besonders aufpassen muß man hier beim Monitor - um Kosten zu sparen gehört zu den meisten Komplettsystemen nur ein 14-Zöller. Diese sind heute für ernsthafte Anwendungen niemandem mehr zu empfehlen.

Der erfahrene Anwender mit etwas Übersicht hat automatisch gewisse Vorstellungen davon, was einzelne Komponenten des neuen Computers auf jeden Fall leisten sollen. Ein Komplettsystem von der Stange wird ihn dann nur in den seltensten Fällen zufriedenstellen. Statt dessen sollte er mit einer Wunschliste in den Laden gehen und sich ein Angebot machen lassen. Der Händler kann dann entweder ein Komplettsystem geeignet modifizieren oder den Wunsch-PC direkt zusammenstellen. Oft lohnt es sich auch, Leistungsklassen, aber keine konkreten Produkte vorzugeben. Dann kann man einerseits von den Erfahrungen des Händlers mit Herstellern und Komponenten profitieren, andererseits kann dieser die Zusammenstellung variieren, sollten bestimmte Komponenten nicht miteinander harmonieren. Diese immer noch vorkommenden Unverträglichkeiten sind für diejenigen besonders ärgerlich, die ihren Rechner komplett selbst zusammenbauen wollen. Einmal gekaufte Komponenten kann man normalerweise ohne 'Grund' nicht mehr zurückgeben, und nachzuweisen, daß ein bestimmtes Teil das System instabil macht, ist fast unmöglich: Wenn die monierte Grafikkarte in den PCs des Händlers einfach funktioniert, wird er sie nicht als 'defekt' zurücknehmen wollen, sondern Ihnen unterstellen, ein schlechtes Motherboard oder einfach keine Ahnung zu haben. Selbstbau macht also nur in den seltensten Fällen Sinn, zumal Komplettangebote oft billiger sind als die Summe der Einzelkomponenten. Für den Komplettkauf sprechen auch die Garantieleistungen der Händler. Auf Systeme gewähren sie normalerweise ein Jahr, während Einzelkomponenten nur während der gesetzlichen Gewährleistungspflicht von sechs Monaten repariert oder ausgetauscht werden.

Ein weiteres Argument für den Komplettkauf sind die unschlagbar billigen Softwarebundles, die die meisten Händler bieten. Dazu gehören neben dem Betriebssystem oft auch Standardsoftware wie Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Ganz unproblematisch sind diese Pakete allerdings nicht. Oft fehlen Handbücher, oder die Software ist nicht updatefähig. Sehr häufig findet man keine Installationsdisketten oder -CDs, sondern nur deren Images auf Festplatte, und es ist nicht jedermanns Geschmack, erst mal Dutzende Disketten formatieren und bespielen zu müssen. Richtig heiter wird es, wenn der neue Rechner nicht bootet. Die Handbücher einiger Hersteller empfehlen dann von der meist mitgelieferten Recovery-CD zu booten. Das selbststartende Programm löscht dann zuerst die gesamte Festplatte ...

Attraktive Softwarepakete sind für viele auch der Hauptgrund, bei einer der großen Ladenketten zu kaufen. Durch die großen Stückzahlen erhalten sie von Softwarehäusern Konditionen, von denen der kleine Laden um die Ecke nur träumen kann. Doch nur vom mitgelieferten Softwarebundle sollte die Händlerwahl nicht unbedingt abhängen. Wenn die Verkäufer schon bei der Beratung einen gelangweilten Eindruck machen oder den Kunden minutenlang hilflos im leeren Verkaufsraum stehen lassen, ist nach dem Kauf wohl auch nicht mit gutem Service zu rechnen. Traumhaft ist natürlich, wenn man einen freakigen PC-Händler entdeckt, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Neben Kompetenz, Engagement und der Fähigkeit, Reparaturen auch selbst durchzuführen, bietet er meist gute Beratung.

Jene Schlauberger, die sich beim erfahrenen Händler beraten lassen, dann ihren Wunschcomputer aber bei der billigsten Handelskette kaufen, sollten sich bewußt machen, daß gerade sie Schuld daran sind, daß immer mehr kleine, engagierte Händler ihren Laden dichtmachen müssen.

Beim Auswählen der einzelnen Komponenten sollte man unbedingt auf den möglichen Wertverlust achten. Besonders am oberen Leistungsende sinken die Preise enorm schnell. Sich den gerade schnellsten verfügbaren Rechner unter den Schreibtisch zu stellen, ist nur dann sinnvoll, wenn man die Leistung wirklich unbedingt und jetzt sofort braucht - beispielsweise weil die Zeitersparnis bares Geld bedeutet. Einen superschnellen Rechner zu kaufen, nur weil man in einem halben Jahr oder Jahr vielleicht mehr Leistung brauchen könnte, ist unsinnig. Bis dahin bekommt man höchst wahrscheinlich für die Hälfte des heute gesparten Geldes deutlich schnellere und modernere Komponenten. (jm)

[1] Stephan Ehrmann, Carsten Meyer, Was Windows noch zu lernen hat, c't 10/97, S. 182
[2] Georg Schnurer, Kauftest des Monats, c't 1/96 bis c't 11/97
[3] Ernst Ahlers, Georg Schnurer, Schnäppchenjagd, c't 10/97, S. 158
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